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Partner mit Bindungsangst

PapaEmeritus
@Margerite

Vielleicht ist das ja gar keine Bindungsvermeidung sondern, nun ja, eine Form von Kontrolle? Vielleicht wird die anfängliche Nähe nicht zufällig so aktiv hergestellt. Nur so als Idee.

x 1 #46


S
@Margerite
Danke, dass du diese Geschichte einschließlich deiner Erkenntnisse geteilt hast

#47


A


Partner mit Bindungsangst

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Arev87
Zitat von Margerite:
Sei ein braves Kind, das nicht rumschreit und sich dreckig macht. Was hast du da wieder angestellt, schau dich mal an! Sei so wie ich dich haben will, war die Botschaft meiner Mutter. Dann kriegst du Lob, Bestätigung weil ICH stolz auf dich sen kann. So funktioniert das Leben eben, zumindest bei mir.
Es war schwierig für mich ich war ihren Launen ausgesetzt und ab da kannte ich diese Angst. Die Angst nicht gut genug zu sein trotz aller Bemühungen, die Angst vor Zurückweisung, die Angst, mich wieder wie so oft unverstanden und einsam zu fühlen.

Erstmal tausend Dank dass du das alles so offen mit uns teilst. Ich hab mich teilweise extrem gut wiedererkannt in deinen Erzählungen. Zum Beispiel dem Zitat hier.
Zitat von Margerite:
Viele Ähnlichkeiten, dieselben Selbstzweifel, die Angst nicht gut genug zu sein, das hatten wir gemeinsam. Und dieser Wunsch nach Nähe, Liebe und Vertrauen, der aber oft genug ein Wunsch blieb. Beide hatten wir erfahren, dass Bindungen gefährlich sind, jederzeit kippen können, man konnte sich auf nichts verlassen und sollte sich nie zu sicher fühlen.

Auch das hier passt perfekt auf mich und meinen Ex
Zitat von Margerite:
Ich wollte noch ein wenig Anteil an seinem Leben haben, denn diesen wunderbaren Menschen ganz gehen zu lassen, schaffte ich nicht. Und grub mir damit selbst eine Grube, denn was erfuhr ich denn schon? Das was er mir erzählte und das war gefiltert und vieles wurde verschwiegen

Den Impuls hatte ich natürlich auch am Anfang . Nachdem wir dann allerdings gemeinsam im Urlaub waren und einen kleinen Beziehungsrückfall hatten, habe ich dann nach dem Urlaub beschlossen dass wir erst mal eine Kontaktsperre einlegen. Das hat mir extrem geholfen. Er respektiert das weitgehend. Ab und zu meldet er sich mal über WhatsApp schickt mir irgendeinen witziges meme oder fragt wie mein Urlaub war. Ich antworte höflich aber kurz und distanziert und das passt dann auch.
Ich hoffe noch dass vielleicht in sechs bis zwölf Monaten sich die Lage zwischen uns wieder soweit entspannt hat dass wir wirklich freundschaftlichen Kontakt haben können. Aber das geht erst wenn ich das Gefühl habe dass es mir egal wäre wenn er jemand neues hätte. Die Wahrscheinlichkeit dass er bis dahin jemanden neues hat ist ziemlich hoch denke ich 😏. Umgekehrt kannst natürlich genauso sein dass er dann gar kein Interesse mehr an der Freundschaft hätte. Wobei seine aktuell beste Freundin auch eine Ex-Freundin ist.

Ich finde dein Ex ist wirklich ein Bilderbuch Beispiel für einen Bindungsängstler. Mein Ex war in manchen Punkten eher ein untypisches Exemplar. Er hat mich z.b super früh in seine Familie und in seinen Freundeskreis integriert und wir waren in unseren anderthalb Jahren Beziehung schon viermal zusammen in Urlaub, wir haben uns jedes Wochenende gesehen.
Die gemeinsamen Wochenenden waren auch klar verbindlich unsere Zeit und..... Anfangs kam es ein paar mal vor dass er mir am Wochenende dann spontan doch für einen Tag abgesagt hat weil sich spontan ein nerdiges Treffen mit einem Kumpel eröffnet hat. Da habe ich ihm dann aber ziemlich früh gesagt dass sowas für mich nicht geht weil ich meine Freizeit auch gerne planen möchte und er mir dann bitte frühzeitig Bescheid sagen soll damit ich mir auch was anderes vornehmen kann. Und dann hat er sich dann auch gehalten.
Wahrscheinlich bin ich deswegen so lange geblieben weil er nicht so der klassische Bindungsvermeider war.
Aber am Ende hat es leider trotzdem nicht gereicht. Aber ich habe daraus gelernt

#48


Arev87
Was ich nämlich gelernt habe;
Als ich mein Ex kennengelernt habe hatten wir von Anfang an einen richtig guten redeflow wir haben über unsere Kindheit und Traumata geredet gescheiterte Beziehungen und so weiter. Dadurch ist natürlich gleich ein Gefühl von emotionaler Tiefe entstanden was für mich auch wichtig ist um mich von jemandem angezogen zu fühlen. Auf der anderen Seite habe ich auch sofort gemerkt dass er ein bindungsproblem hat und dass er kein verlässlicher Beziehungspartner wäre. Das habe ich ihm sogar kommuniziert und wir haben uns dann drauf geeinigt dass wir uns nicht Daten und uns einfach nur freundschaftlich kennenlernen weil es auch menschlich zwischen uns ziemlich gut gepasst hat was Werte Weltanschauung Hobbys Interessen und sowas angeht. Naja das mit der reinen platonischen Freundschaft hat nicht lange gehalten und ich habe mir dann eingeredet wir halten das einfach locker und ich kann ja Sex und Gefühle trennen (kann ich definitiv nicht... Zumindest nicht bei jemanden den ich körperlich heiß finde und dem ich mich auch noch emotional nah fühle). Was ich also daraus lerne; keine Freundschaft mit jemandem den ich heiß finde (und das auf Gegenseitigkeit beruht) und diese Person nicht beziehungsfähig ist.

#49


L
@Arev87
Bei mir ist ein Detail hängen geblieben: Sein Idealbild war nie streiten, keine Konflikte. Ich habe lange geglaubt, dass Harmonie Sicherheit bedeutet. Inzwischen glaube ich das Gegenteil. Sicher fühlt sich eine Verbindung erst an, wenn sie Reibung überlebt hat. Wer Streit um jeden Preis vermeidet, macht nie die Erfahrung, dass man sich zeigen kann und der andere bleibt. Vielleicht konnte er dir deshalb nie sagen, dass er sich sicher fühlt. Wie war das bei euch, wenn Unterschiedlichkeit doch mal sichtbar wurde, ist er ausgewichen oder hast du sie zurückgehalten?

x 2 #50


Arev87
@LysannFAKT
Ja ich sehe das genauso wie du. Eine Beziehung ist nicht immer rosarot. Es gibt immer mal kleinere Konflikte oder unterschiedliche Sichtweisen und Interessen. Das entscheidende ist wie damit umgegangen wird.
In den ersten paar Monaten hatten wir noch gar keine Konflikte. Ich würde sagen ca nach einem halben Jahr fing das an. Das waren meiner Meinung nach immer Lappalien in die er sich reingesteigert hat, wie z.b die Sache mit der Ernährung, oder wenn ich ihn beim Kochen mal einen Tipp gegeben habe etwas anders zu machen. Wirklich lächerliche Dinge wie z.b dass ich meinen Frühstücksspeck gerne rosa mag und er ihn fast verkohlt mag.
Er ist also definitiv nicht ausgewichen sondern er hat ein großes Ding daraus gemacht und auch wenn ich gesagt habe komm wir lassen das Thema jetzt mal gut sein, konnte er es nicht einfach abhaken.
Daraus ist dann irgendwann schon resultiert dass ich sehr vorsichtig geworden bin darin wie ich Kritik äußere oder wie ich es formuliere wenn ich in einer Sache anderer Meinung war.
Trotzdem kam es immer mal wieder zu Situationen in denen er wegen Kleinigkeiten komplett überreagiert hat und die Stimmung dann den ganzen Tag im Eimer war 😕.
Vor allem hat mich gestört dass er diese Sensibilität in der Kommunikation die er von mir erwartet hat, selber überhaupt nicht an den Tag gelegt hat. Weder mit mir noch beispielsweise mit seiner Familie.
Z.b hat er bei familientreffen mit seiner Familie dann irgendwelche Konflikte die wir vor Ewigkeiten mal hatten (und die meiner Meinung nach längst geklärt waren) erzählt als wäre das eine lustige Anekdote. Ich fand das in der Situation sehr unangemessen und unnötig weil längst geklärt.
Oder seine Mutter lädt uns zu ihrem Geburtstag ein und macht sich richtig viel Mühe mit indischem Essen und selbstgemachte Naan Brot zur Vorspeise.
Während die Mutter noch am Kochen ist fängt er an das Essen abzuschmecken und beschwert sich lauthals sie hätte es versau, wäre zu viel Tomatenmark drin. Daraufhin fängt er an sich seinen eigenen Reis zu kochen 🙈.
Das Essen war keineswegs durchtrieben, es war wirklich lecker. Ich habe mich richtig fremdgeschämt und ihm später im Auto auch gesagt dass ich ihn anstelle seiner Mutter aus der Küche geschmissen hätte und ich das echt respektlos gegenüber der Gastgeberin finde

x 4 #51


PapaEmeritus
Zitat von Arev87:
Daraus ist dann irgendwann schon resultiert dass ich sehr vorsichtig geworden bin darin wie ich Kritik äußere oder wie ich es formuliere wenn ich in einer Sache anderer Meinung war.


Ist schon interessant, wie man sich dann selbst zensiert, oder? Nennt sich „Walking on eggshells“. Du läufst quasi wie auf Eierschalen, um den Frieden nicht zu gefährden.

x 3 #52


Arev87
@PapaEmeritus
Ja, das war definitiv die letzten Monate der Fall 🫤.
Aber selbst wenn man suuuper vorsichtig ist, kann man es trotzdem nicht komplett vermeiden dass der Andere wegen irgend einer Kleinigkeit emotional eskaliert.
Noch so ein Beispiel; er hat mir mal erzählt dass die Partnerin von seinem Vater so missgünstig ist gegenüber ihren Freundinnen die nur Teilzeit arbeiten. Ich habe daraufhin gesagt dass ich nicht verstehen kann dass man seinen Freunden sowas nicht gönnt. Dass man es sich für sich selber auch wünscht natürlich schon, aber nicht dass man es anderen dann missgönnt. Finde ich einen schlechten Charakterzug (so meine Wortwahl). Daraufhin hatten wir dann den ganzen Tag Diskussion weil er sich angegriffen gefühlt hat. Er würde ja schließlich auch Missgunst anderen Leuten gegenüber empfinden und ob er deswegen jetzt einen schlechten Charakter hätte 🙈. Deswegen war dann der komplette Tag im Ar. 😬. Eigentlich total lächerlich. Thema abhaken war nicht möglich

#53


M
Zitat von Arev87:
Hallo zusammen, ich würde mich gerne mit Menschen austauschen, die Erfahrungen mit Partnern haben, die unter Bindungsangst oder starken Bindungsunsicherheiten leiden. Meine letzte Beziehung dauerte etwa anderthalb Jahre. Mein Ex-Partner und ich haben uns von Anfang an sehr gut verstanden. Wir hatten ähnliche Werte, ...

Hi,

ja, ich habe sowas ähnliches auch schonmal erlebt.

Die Trennung war tatsächlich die einzige Lösung obwohl wir noch Paartherapie versucht haben.

Es war einfach zu anstrengend für mich. Ich bin eigentlich vom Bindungsstil zumindest laut Testung und Aussagen der Partner auch oft nach Trennung absolut sicher gebunden und ziemlich unkompliziert. Ich mag es wenn es fliesst und Meinungsverschiedenheiten sind für mich eine Chance zusammen zu wachsen oder dazu zu lernen.
Auch wenn ich dazu neige, zu früh zu viel zu geben und mir als mal gerne "Projekte" ins Haus geholt habe.
Das Problem damals war nach der Trennung dass er mir über ein Jahr noch mehr oder weniger hinterhergerannt ist, und TROTZDEM nicht aufmachen wollte bzw sein Misstrauen und Probleme wie ein Schutzwall vor sich hergetragen hat. Das war echt verwirrend und traumatisch und hat mich fast verzweifeln lassen, weil es so unlogisch war. Ich hätte mir gewünscht er würde mich dann einfach in Ruhe lassen. Also pass auf, dass Dir das nicht passiert! Manche wollen weder aufmachen noch loslassen.

Zum Glück kenne ich aber auch Partnerschaft wo es kein Problem ist, einen Konflikt oder eine Meinungsverschiedenheit zu haben und inzwischen kenne ich auch das Gefühl, einem Partner wichtig zu sein.
Der Vergleichsmaßstab hat mir damals gefehlt und ich glaube ich habe unbewusst gedacht, ich könnte ihn aus seiner Ambivalenz und seinem Misstrauen "herauslieben". Dabei war paradoxerweise ICH diejenige mit den tausend heftigen Kindheitstraumata (wie jede Form von Missbrauch), aber dank Therapien und Disziplin an einem so stabilen Punkt, dass ich dann IHN permanent pamperte und versuchte, ihn dahin zu bekommen, zu vertrauen.
Geht nicht. Kannste nicht. Ist nicht Deine Aufgabe.

So sehe ich es heute. Wer so massive Probleme mit Bindung hat, sollte mM nach so verantwortungsvoll sein, garnicht erst Beziehung einzugehen.

Und wenn er auch sagt er weiss garnicht ob er an den Punkt kommt mit Dir und damit offensichtlich die Trennung riskiert oder gar provoziert, würde ich mir auch die Frage stellen ob das eine Ausrede ist, weil ich eigentlich nicht wirklich das bin, was er möchte, er mich aber mangels Alternativen halt ne Zeitlang "mitgenommen" hat.
Es gibt leider nicht wenige, die sowas machen.

Wie auch immer. Draus lernen. Abhaken, Und merke Dir das Gefühl das er Dir gegeben hat. Damit Du Dich wenn Dir nochmal so jemand begegnet früher schützen kannst.
Ich würde auch empfehlen Männer ABSOLUT ernst zu nehmen. Also wenn jemand am Anfang sagt er hat ein Bindungsthema: FINGER WEG. Egal wie hübsch oder charmant er ist. Es ist im Grunde eine Warnung. Die sollte man ernst nehmen. Sonst wird er hinterher immer sagen: sie hat es doch gewusst. Denn ER will ja keine Verantwortung für seine Störung übernehmen. Sonst würde er entweder hart dran arbeiten oder die Finger von bindungswilligen Frauen lassen! Das muss man sich auch bewusst machen.

x 3 #54


PapaEmeritus
@Arev87

Genau. Meine Theorie (bitte nicht drauf festnageln) ist, dass das so gewollt ist. Sei froh, dass du raus bist.

#55


Arev87
@PapaEmeritus
Daran hatte ich tatsächlich auch schon gedacht.
Laut der Literatur die es so gibt über aktive Bindungsängstler soll sowas ja typisch sein um wieder Distanz herzustellen.
Glaube aber dass ihm selber das gar nicht bewusst ist. In unserem Trennungsgespräch hat er sich ja unter Tränen bei mir entschuldigt dass er so ein a******** ist und dass er gar nicht weiß warum das nur bei mir so ist. Hat dann selber die Vermutung in den Raum gestellt ob das vielleicht an seinem schlechten Selbstwertgefühl liegen könnte. Da ist mit Sicherheit auch was dran... das spielt ja da mit rein.
Aber klar, ich bin inzwischen froh dass wir getrennt sind. Das hätte mir psychisch wirklich nicht gut getan noch länger drin zu bleiben

x 4 #56


M
Zitat von Arev87:
@PapaEmeritus Ja, das war definitiv die letzten Monate der Fall 🫤. Aber selbst wenn man suuuper vorsichtig ist, kann man es trotzdem nicht komplett vermeiden dass der Andere wegen irgend einer Kleinigkeit emotional eskaliert. Noch so ein Beispiel; er hat mir mal erzählt dass die Partnerin von seinem Vater so ...

Ich persönlich wollte keinen neidischen oder missgünstigen Partner mehr.
Und sehe es genauso wie Du und würde das auch aussprechen.
Vielleicht hast Du ihm einfach insgesamt den Spiegel vorgehalten und er hat es nicht ausgehalten.
Wer Angst vor dem eigenen Schatten hat, schützt eher sein Ego als die Beziehung!
Und wer grosse Themen mit seinem Selbstwert, Neid und Missgunst hat, sieht die Partnerin vielleicht lieber in
Schwäche und Bedürftigkeit, als in Klarheit, Kraft und mit Konfliktfähigkeit weil er sich sonst unterlegen fühlt sich dafür bei Dir dann rächt. Du sollst Dich ebenso klein fühlen wie er bitteschön.

x 3 #57


PapaEmeritus
Zitat von Arev87:
In unserem Trennungsgespräch hat er sich ja unter Tränen bei mir entschuldigt dass er so ein a******** ist und dass er gar nicht weiß warum das nur bei mir so ist. Hat dann selber die Vermutung in den Raum gestellt ob das vielleicht an seinem schlechten Selbstwertgefühl liegen könnte. Da ist mit Sicherheit auch was dran... das spielt ja da mit rein.



Hast du dich getrennt, und er hat so reagiert?

#58


Arev87
@PapaEmeritus ja ich war diejenige die Trennung ausgesprochen hat. Wir hatten allerdings vorher einen unserer "Psychotalks"die wir wöchentlich zu einem festen Termin hatten und in denen er mir erzählt hat wie es ihm gerade geht wie es in der Therapie läuft etc. Und daraufhin hat er mir gesagt dass es ihm sehr schlecht geht psychisch und er mir nicht garantieren kann dass er irgendwann an den Punkt kommt indem er sich wirklich in der Beziehung sicher fühlen wird. Er hatte das Bedürfnis das loszuwerden weil er es für mich unfair fand in einer Beziehung mit ihm zu sein wenn er so empfindet. Für mich war das quasi eine Steilvorlage. Nach so einer Aussage war für mich völlig klar dass die Beziehung keinen Sinn macht.

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PapaEmeritus
@Arev87

Danke für deine Offenheit. Gab es denn diese typischen Nähe-Distanz Wechsel?

#60


A


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