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Partner mit Bindungsangst

S
@Arev87
Verhaltenstherapeutisch ist meiner Meinung nach nur sinnvoll, wenn man z.B. nur eine andere Art von Kommunikation lernen sollte, aber im Inneren ansonsten alles ok ist. War dein EF denn auch liebevoll? einfühlsam? wollte er, dass es dir gut geht? hatte er Verständnis? haben deine Bedürfnisse auch gezählt?

#31


Arev87
Zitat von Sincerite:
@Arev87 Verhaltenstherapeutisch ist meiner Meinung nach nur sinnvoll, wenn man z.B. nur eine andere Art von Kommunikation lernen sollte, aber im ...

Ja, desswegen macht er aktuell noch eine tiefenpsychologische Therapie.
Zu deinen Punkten;
- Er war sehr liebevoll (außer wenn wir Streit hatten natürlich. Da hat er sich benommen wie ne Diva). Er hat mir ständig gesagt wie schön er mich findet und was er für ein Glück hat mich zu haben. Klingt vielleicht erstmal nach Lovebombing aber das war konstant die ganzen 1 1/2 Jahre.
- Einfühlsam auch. Er hat mich jeden Abend angerufen und wir haben mindestens eine Stunde lang telefoniert und haben uns ausgetauscht wie unser Tag war. Er hat natürlich auch viel eigene Themen angesprochen aber war auch sehr interessiert und bemüht mir beizustehen wenn ich irgend ein Problemchen hatte.
Also ja; ich denke er wollte dass es mir gut geht.
Wir haben auch regelmäßig über seine Therapie gesprochen weil es ihm wichtig war dass ich bescheid weiß, wie es ihm gerade psychisch so geht.
Wir hatten dafür sogar einen festen Wochentermin für "Psychotalk" auf seinen Wunsch hin.
- Meine Bedürfnisse: das ist ein schwieriger Punkt und ich muss sagen "jein".Er hat sich um mich bemüht und mir viel Nähe und Zuneigung gegeben. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich aber oft das Gefühl, dass seine Bedürfnisse und Empfindlichkeiten mehr Raum eingenommen haben als meine. Gerade bei Konflikten oder schwierigen Themen habe ich mich nicht immer wirklich gesehen gefühlt. Und vor allem das Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität....das konnte er mir nicht erfüllen da er selber so unsicher war mit seinem Disney Liebeskonzept.
Und ich konnte irgendwann gar nicht mehr frei sprechen weil ich ständig jedes Wort auf die Goldwaage legen musste, damit er sich bloß nicht angegriffen fühlt 😐

x 3 #32


A


Partner mit Bindungsangst

x 3


Arev87
Etwas das mich außerdem zunehmend genervt hat war, dass er gerne und viel rumgekaspert hat und mich zum Beispiel aus Spaß gegen meinen Willen hochgehoben und irgendwelche Akrobatikübungen mit mir vollführen wollte. Er hat dann auch nicht auf mein "Nein" gehört und fand es witzig weiterzumachen. Wenn ich ihn dann aber mal "Blödi" genannt hab, hat ihn das tiefgehend verletzt 🤔.
Wer rumblödelt und aus vermeintlichen Spaß ,Grenzen missachtet und dann aber sogar "Du Blödi" als Abwertung auffasst....da komm ich nicht mehr mit.
Auch solche Rangeleien wie dass er mir zum Spaß die Decke über den Kopf ziehen will, ich aber dadurch Platzangst kriege und ihm in Notwehr die Fernbedienung über den Kopf ziehen muss, weil er ansonsten nicht aufhört 🫪.
Und das wirft er mir dann hinterher auch noch vor 🤣

x 2 #33


S
Das mit der Kritikunverträglichkeit habe ich auch extrem erlebt. Ich denke, dass es mit einem schlechten Selbstwertgefühl zusammenhängt. Aber ansonsten finde ich keine Ähnlichkeiten. Vielleicht meldet sich noch jemand, der ähnliches erlebt hat. Du kannst auch unter "Suche" versuchen, Beiträge zu finden. Vielleicht ist da etwas dabei.

#34


S
Weil ich es wirklich brauchte, das ganze verstehen zu können, habe ich neben hier auch öfter alles, was ich an Erlebnissen hatte, mal komplett einer KI eingegeben und meine Fragen gestellt.

#35


Arev87
Zitat von Sincerite:
Das mit der Kritikunverträglichkeit habe ich auch extrem erlebt. Ich denke, dass es mit einem schlechten Selbstwertgefühl zusammenhängt. Aber ...

Ja ich weiß...er ist auch nicht der klassische Bindungsängstler. Er hat mich z.b auch von Anfang an voll in seinen Freundeskreis integriert und auch in seine Familie. Seine Familie hat mich übrigens geliebt und mir andauernd gesagt wie froh sie sind dass ich mit ihm zusammen bin. Naja die haben auch gemerkt dass ich vieles aufgefangen und reguliert habe.

x 1 #36


Arev87
Zitat von Sincerite:
Weil ich es wirklich brauchte, das ganze verstehen zu können, habe ich neben hier auch öfter alles, was ich an Erlebnissen hatte, mal komplett ...

Das habe ich tatsächlich auch schon probiert 😁. Und ich muss sagen ich fand es wirklich gut.

x 1 #37


Heffalump
Zitat von Arev87:
Und ich konnte irgendwann gar nicht mehr frei sprechen weil ich ständig jedes Wort auf die Goldwaage legen musste, damit er sich bloß nicht angegriffen fühlt

Der größte Fehler

Man nimmt sich zurück um kein Konfliktpotential zu bieten, weil die Momente, des Gefühlten Glücks so kostbar sind.
Bedeutet du machst dich kleiner und er wird automatisch größer.

x 5 #38


PapaEmeritus
@Arev87

Ne Woche wegen einem kleinen Streit nicht mit dir zu reden, ist schon hart, aber da geht bei einigen Persönlichkeitstypen noch mehr, da biste mit einer Woche noch gut bedient gewesen. Sei froh, dass du gegangen bist, sowas wird mit der Zeit nur schlimmer, und du zensierst dich immer mehr und weißt am Ende nicht mehr, wer du bist.

x 4 #39


P
Letztendlich ist die Frage nach der Pathologie hier zweitrangig (es sei denn, es geht nur um einseitiges Zuschieben des schwarzen Peters).

Viel wichtiger ist die Frage, warum du, liebe TE, dieses Spielchen mit diesen unreifem, unsicheren und verantwortlungslosen sowie egozentrischen großen Kind geschlagene anderthalb Jahre mitgemacht hast?
Frau hätte ja auch schon früher merken können, dass es hier bzgl. wichtiger Grundlagen nicht wirklich passt.

Ich frage mich da wirklich, was der werte Herr gesucht und scheinbar in dir gesehen hat.
Zitat von Arev87:
dass ich vieles aufgefangen und reguliert habe

Für mich hört sich das eher nach Ersatzmama statt nach Partnerin auf Augenhöhe an.

x 4 #40


P
Nachtrag:
Zitat von Plague:
Für mich hört sich das eher nach Ersatzmama statt nach Partnerin auf Augenhöhe an.

Und offensichtlich scheinst du ja auch was von dieser Rolle gehabt zu haben?

Stichwort kurz- und längerfristige positive Konsequenzen (zu irgendwas muss VT schließlich doch gut sein):
Selbstwertstabilisierung durch Helfer-/Retter-Syndrom mit dem geeigneten Sozialprojekt?

x 2 #41


S
Zitat von Arev87:
Er sagte selbst, dass er selbst bei seiner Therapeutin oder bei mir oft das Gefühl habe, Mitgefühl sei nicht wirklich echt.

Meine Empathie hat sich auch erst ab meinen 30`ern entwickelt. Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, dass es auch kognitive Empathie gibt. Mich dazu selbst oder im Allgemeinen dazu reflektiert habe ich eigentlich noch nie.

Es heißt ja immer, die anderen sind mein Spiegel.

Vielleicht bedeutet seine obige Aussage, dass er selbst nicht wirklich mitfühlen kann. Sonst würde er bei anderen Menschen über seine Emotionen erkennen, wann es sich um echte Empathie handelt.

Vielleicht erkennt er aber auch, dass es sich bei dir und der Therapeutin nicht um echte Empathie gehandelt hat. Bei der Therapeutin könnte es eine eingeübte Art von Reaktionen auf ihre Patienten sein. Sie braucht ja auch, denke ich, professionellen Abstand. Wenn ich über dich nachdenke, dann erinnere ich mich an Situationen in meiner Exbeziehung, in denen ich manche seiner Reaktionen nur "komisch" fand. Sie waren mir fremd. Dann dachte ich immer, er darf so sein, wie er ist, und ich versuche das in Liebe anzunehmen. Ich konnte das "Komische" von ihm nicht nachfühlen. Jetzt erst nach einer längeren Entwicklungszeit kann ich einiges nachempfinden, wenn ich versuche mit seinen Augen zu schauen.

Zitat von Arev87:
Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass ich die stabile Person in der Beziehung bin, die vieles mitträgt.

So habe ich mich auch in manchen Situationen gefühlt. Da hatte ich aber kein Mitgefühl für ihn, weil er sich nicht erwachsen verhielt und ich dadurch mehr investiert habe, was meine Zeit und Aufmerksamkeit für mich selbst verringert hat. Diese Elternposition hat mir nicht gefallen.

Es sind nur Gedanken. Ob ich richtig liege, weiß ich nicht.

x 2 #42


M
Zitat von Arev87:

Wie seid ihr damit umgegangen, jemanden zu lieben, der Nähe wollte, ihr aber gleichzeitig nie ganz vertrauen konnte?

Indem ich hinterherrannte und jedes Bröselchen von scheinbarer Nähe und Liebe aufklaubte und mir einredete, dass ich mit viel Verständnis, Nachsicht und Geduld aus einem bindungsängstlichen Mann einen "normalen" machen könnte.
Ich wusste vieles damals nicht, z B. dass ich auch meine eigenen Fehlstellen an ihm heilen wollte. Zugleich wollte ich ihn quasi therapieren um ihn vom Wert einer stabilen Beziehung zu "überzeugen".

Eine Partnerin kann keine Therapeutenrolle einnehmen, denn es verschiebt Kräfteverhältnisse und der aktiv bindungsvermeidende Partner würde dadurch in eine unterlegene Rolle kommen. Die Partnerin, die alles weiß, was dem armen Jungen fehlt, therapiert ihn erfolgeich. Ein aktiver Bindungsvermeider würde das niemals zulassen, denn er will ja die Oberhand behalten und seine Unabhängigkeit verteidigen.

Bindungsängste sind nur schwer heilbar, erzählte mir seinerzeit ein Therapeut, denn der Bindungsängstler wird aus dem Unterbewusstsein gelenkt. Er hat schon meist in der Kindheit erfahren, dass enge Bindungen nicht zustande kommen bzw. dass darauf eh kein Verlass ist und geht daher immer wieder auf Distanz. Therapien finden oft gar nicht statt, weil gerade der aktive Vermeider ja prima durchs Leben kommt. Er sucht sich halt Jemanden Anderes und spult sein Programm von vorne ab. Und wenn sie stattfinden, dann sind sie langwierig und schmerzvoll und das wollen die meisten nicht. Sie lehnen es oft innerlich ab, sich den Ursprüngen zu stellen, sich zu erinnern und nochmals durch den Schmerz von damals zu gehen.

Überhaupt ist solch eine Beziehung geprägt von Phasen der Nähe und Übereinstimmung, die aber regelmäßig wieder vom Rückzug kaputt gemacht werden.
Und der passive Bindungsvermeider, der erfolglos einem aktiven hinterher läuft, sucht immer wieder Nähe und versucht das Kartenhaus der Beziehung vor dem Zusammenbruch zu retten und zusammen zu halten. Er steht 1000 Ängste aus, versucht obendrein seine Gier nach Nähe zu verbergen und verstellt sich damit, was ein weiterer Stressor ist. Er steht auf dem verlorenem Posten und arbeitet sich am Partner ab, nimmt viel zu viel hin, erträgt alles und bagatellisisert das Verhalten des Partners.

Meist kommen zwei von derselben Sorte zusammen, sie leben ihre Ängste nur unterschiedlich aus. Der aktive boykottiert immer wieder Nähe, wenn es ihm zu eng und zu "bedrohlich" und erdrückend wird und hat viele Mechanismen drauf, Distanz herzustellen. In der Regel gesellt sich dann ein passiver Vermeider dazu, der im Grund genommen auch nicht an feste Bindungen glaubt, ebenso beschädigt ist und seine Ängste maskiert. Er möchte vordergündig doch nichts weiter als eine stabile, sichere Beziehung mit Zusammenhalt und Nähe und Verlässlichkeit. Und gerät dann pfeilgerade an den aktiven Vermeider, mit dem eine Beziehung gar nicht möglich ist. Das Unterbewusstsein sorgt schon dafür, dass zwei passende Exemplare zusammen kommen. Nur eine stabile Beziehung wird nicht daraus, sondern eher ein Eiertanz, ein Hin und Her, das keinen glücklich macht.

Bindungsängste zu therapieren, ist eine langwierige Angelegenheit und mit ein paar Sitzungen ist es nicht getan. Ein wartender Partner verschwendet seine Zeit damit auf eine Besserung zu warten, die vielleicht eintrifft oder auch nicht. Außerdem nimmt er den anderen beobachtend in den Blick um eine evt. Besserung zu bemerken. Das wiederum spürt der Andere instinktiv und zieht sich wiederum zurüc weil er sich taxiert fühlt.

Du hast mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Bindungsängte, die du nur anders auslebst und könntest selbst eine Therapie anstreben.

Man kann eine Beziehung eingehen und vielleicht hält sie sogar, wenn beide um ihre Beschädigungen wissen und die Ängste nicht mehr ausleben müssen, weil sie sie kennen. Aber diese allzu große Nähe wird sich wohl eher nicht einstellen.
Ich achte sehr auf meine gefühlte Unabhängigkeit, lebe zwar in einer Ehe, aber mache auch gerne mein Ding. Finanzielle Unabhängigkeit gehört für mich dazu, ich möchte niemals von einem Anderen finanziell abhängig sein und über Jahre Hausmütterchen und Mutter sein und Teilzeit arbeiten.
Es setzt von beiden viel Toleranz voraus

Wenn eine Beziehung mit einem Bindungsvermeider quälend wird und man das Gefühl hat sehr viel investerien zu müssen, damit der Andere nicht abdriftet, ist eine Trennung meist die bessere Alternative ehe sich beide endlos abquälen, Ängste ausstehen oder zwanghaft wieder auf Distanz gehen müssen.

Mangelnde Empathie ist beim aktiven Vermeider auch oft zu beobachten. Er lässt vieles nicht an sich ran und wirkt oft seltsam unbeeindruckt und gefühllos. Wer Empathie nicht in der Kindheit erfahren hat, wird sie später auch nicht mehr entwickeln können.

x 5 #43


M
Zitat von Plague:
Und offensichtlich scheinst du ja auch was von dieser Rolle gehabt zu haben?



Selbsterkenntnis finde ich mit zunehmendem Alter auch immer wichtiger,
zumal man damit die Verantwortung von den anderen weg
mehr zu sich selbst hin schiebt,
wo sie letztlich vermutlich auch hingehört.

x 1 #44


M
Ich hatte mal eine Affäre mit einem Bindungsvermeider. Erst die wundervolle Übereinstimmung, der Glaube, jetzt endlich den passenden Deckel gefunden zu haben. Ich hätte ihm zuliebe alles hingeworfen - schon weil mich damals mein Leben seit geraumer Zeit anödete und ich keine Perspektive sah. Dass ich selbst meinen Teil zur Kompensation meiner Defizite tun muss, wusste ich damals nicht. Ich suchte unbewusst in der Außenwelt, zwar nicht aktiv, aber meine Antennen waren auf Empfang.

Nach den ersten 3 - 4 Monaten ging es dann los. Erst konnten wir uns nicht oft sehen, dann stellte sich eine Regelmäßigkeit ein und die ersten Äußerungen seinerseits bemerkte ich. Er sagte, dass ich möglicherweise nich timmer alle zwei Wochen kommen könnte, weil wenn er mal was Anderes vorhätte, dann wäre ihm das auch wichtig.

Ich sagte damals nichts, sagte nur, wenn er etwas anders haben wolle, sollte er es mir sagen. Aber in mir keimte etwas Anderes. Die Angst, eine wohl bekannte Angst die ich hatte, seit ich denken konnte. Angst vor Zurückweisung, Angst davor, ins Abseits gestellt zu werden und Angst davor, dass er mich verlassen würde. Dass ich diese Angst sehr gut kannte, war mir damals auch nicht bewusst.

Damit begann mein Leiden. Ich liebte ihn doch so, ich hätte alles für ihn gegeben und getan, aber warum nur kamen auf leisen Sohlen jetzt schon das erste Distanzmanöver? Was war nur passiert, was hatte ich falsch gemacht? Ich war doch liebevoll, wir hatten in vielem eine gesmeinsame Wellenlänge, ich hielt mich doch auch oft zurück? Ja, was hätte ich denn noch tun sollen, besser machen können?

Ich schob die Angst beiseite, Zuversicht und eine positive Einstellung müssten her. Jawohl, ich würde die Angst besiegen und freudvoll in eine wundervolle Zukunft schauen,.mit ihm, diesen wunderbaren Mann.
Da ging es dann an mit dem Selbstbetrug, den ich erfolgeich bei jedem Störfaktor weiter praktizierte.

Wenn ich wieder seinen Rückzug spürte, spielte ich die fröhliche Partnerin. Wer mag schon eint rauriges Mauerblümchen, das obendrein noch weinerlich und selbstmitleidig ist?

Aber die Distanzmanöver kamen in schöner Regelmäßigkeit und er hatte ein hübsches Repertoire davon, das er abspulte.
Er war zwar physisch da, mental aber nicht. Er vergrub sich gerne in Zeitschriften, Bücher und vor allem in seinen von mir abgrundtief verhassten PC, denn der war "gefährlich", das spürte ich. Ich trabte dann immer wieder an, brachte mich in Erinnerung und suchte nach Nähe und Zuwendung und Interesse, aber natürlich nie fordernd, sondern sehr dezent. Denn Druck meinerseits würde das Gegenteil dessen bewirken, was ich wollte und vor allem so sehr brauchte.

Es kamen immer wieder Äußerungen von ihm, die ich bereits gut kannte. Fragte ich mal aufgrund eines immensen inneren Drucks doch nach dem Status unserer "Beziehung", dann kamen diese Antworten, die alles und nichts bedeuteten. Klar sind wir zusammen, hast du je daran gezweifelt?

Wäre ich ehrlich gewesen hätte ich sagen müssen, ich zweifle schon seit geraumer Zeit an deiner angeblichen Zuneigung, daher suche ich ja nach Bestätigung bei Dir. Aber das hätte ich nie gesagt. Auf brennende Fragen erhielt ich nichtssagende Entgegnugen, die mir nur noch mehr Selbstzweifel einbrachten. "Das hast du falsch verstanden", "das habe ich nie gesagt, behauptet, gemeint ....", "Du bist immer voller Zweifel, warum denn nur?" usw.
Ich fragte dann nicht mehr, was hätte es auch gebracht.

Am liebevollsten war er, wenn ich weit weg war. Da kamen dann mal die Nachrichten, die ich so gerne las und gehört hätte. Ich freue mich auf Dich, wann bist du endlich da?
Voller Vorfreude fuhr ich dann am WE zu ihm, doch es war seltsam. Wenn ich dann da war, fragte ich mich verunsichert, wo die ach so große Wiedersehensfreude denn nur geblieben war? Er wirkte verhalten und wir mussten uns erst annähern, die Distanz überwinden.

Er legte sich nicht gerne auf etwas fest. Wollen wir heute Abend mal ins Kino gehen? Mal sehen, lass uns das spontan entscheiden. Wieder war ich erfolglos mit meinem Vorschlag, denn ich hörte nicht etwa, prima Idee, machen wir! Nein, mal sehen .... Was bedeutete, er hielt es sich offen ob er am Abend Lust auf das Kino hat oder nicht. Wieder war ich enttäuscht und verbarg es - wie immer.
Schluckte meine gefühlte Niederlage runter, redete mir wieder alles schön und sagte mir, er ist halt so, Er ist halt beschädigt, freudlose und schwierige Kindheit, ich muss das verstehen. Das wirkt nach, aber was zum Teufel fehlte ihm nur? Ich war doch vorsichtig, machte möglichst keinen Druck und war ratlos. Mochte er mich? Ja, das wohl schon? Liebte er mich? Wahrscheinlich eher nicht. Liebte ich ihn? Ja, ja, ja, ja!
Das stimmte nicht, was ich als Liebe interpretierte, war eine Sucht, die nur er für Augenblicke erfüllen konnte. Er war mein D ealer und allein er bestimmte wie ich mich fühlte und wann ich die Dro. wieder bekam und in welchem Umfang.

War er mal zugewandt und ausnahmsweise mal ein wenig fröhlicher, blühte ich auf und fühlte mich prächtig. Weg waren die Ängste und Zweifel und ich schimpfte mich selbst für meinen Kleinmut, meine Ängste, meine Schwarzseherei. Ebenso schnell konnte er mich in einen Eiskeller stossen, in dem ich mich so verdammt einsam fühlte.
Er war mein Herr und Meister, er hatte mich in der Hand wie Knetmasse.
Nicht dass mir das bewusst gewesen wäre, das begriff ich erst viel später. Aber wie ich mich fühlte, gab er vor.

Ja, und dann seine vielen Freunde und Bekannten. Schön für ihn, er redete gerne von ihnen, aber ich lernte keinen einzigen kennen. Was hätte ich auch fordern können, ich war ja nur eine Affäre, ich hatte nichts zu melden. ich war ja gebunden, eigentlich und er war frei..
Genauso wenig lernte er Freunde von mir kennen oder meine Familie. Das wäre ja unmöglich gewesen. Das ist übrigens A, mit dem gerne zusammen wäre ... Undenkbar!

Aber Freunde sind auch "gefährlich", denn sie konnten auch weiblicher Natur sein ... Eifersucht keimte auf und ich lauerte, fragte auch mal dezent nach einer Jessica oder Maria und wollte wissen, wer das sei usw.
Und dann seine vielen Unternehmungen! Die allesamt ohne mich stattfanden.

Auf seinem Schreibtisch lag eine Karte fürs Meltfestival. Eine, seine nämlich. Aha, er hatte ein Ticket gebucht, er hatte es nicht mal erwähnt, denn ich war nicht vorgesehen. Vielleicht wer anderes? Was wusste ich schon?
Nicht dass ich elektronische Musik jemals gemocht hätte, aber dass er selbstverständlich seinen Interessen nach ging und es mir gar nicht erzählte, kränkte mich.

Am Donnerstag bin ich da und dort, manchmal erfuhr ich etwas. Donnerstag ist gut, da war ich ja eh nie da, denn wir hatten ja eine Fernbeziehung (1,5 Stunden Autofahrt). Wäre es Freitag gewesen, wäre es schlimmer gewesen., vor allem wenn es "unser" Freitag gewesen wäre.
Und dann immer wieder seine Erzählungen aus dem Beruf. Wir waren in derselben Sparte, aber machten etwas Unterschiedliches. Da die Sparte eher klein ist, lernte man zwangsläufig etliche Leute aus anderen Firmen, Einrichtungen kennen.
Er habe jetzt Frau X von der Firma Y kennengelernt, die sei sehr nett gewesen, da sei er jetzt auch bekannt. Aha. Und Herr T. hat mir letzthin sogar das Du angeboten, stell dir das mal vor! Etwas, was er nur bei wenigen Kollegen tut! Ich sagte nichts, dachte mir nur, ja klar, Du musst wieder mal dein kleines Ego pushen und mit lächerlichen Erzählungen glänzen.

Er hatte es halt nötig, ich kannte ihn ja mittlerweile, Wenn er das als bedeutungsvoll ansah, dann soll es so sein. Dass auch ich einen Hunger nach Bestätigung in mir trug, verdrängte ich. Aber wenn er mich mal lobte, mal sagte, was du da geleistet hast, hätten viele andere nicht geschafft, dann entstand in mir eine große Freude. War ich vielleicht doch nicht so schlecht und minderwertig, wie ich immer glaubte? Vielleicht sollte ich doch mal mehr an mich und meine Fähigkeiten glauben, aber das tat ich lieber nicht, denn Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Also lieber sich selbst klein halten, sich selbst in Frage stellen, sich kritisieren und sich negativ sehen, denn die Retourkutsche würde ansonsten schnell kommen.

Ich war halt nicht so toll, wie ich immer gern gewesen wäre. In jeder Hinsciht, allenfalls Mittlemaß. Mit diesem Gedankengut kann man sich sein Leben wunderbar schwer machen. Aber es war anerzogen. Mach dies, mache das, aber nicht jenes. Sei ein braves Kind, das nicht rumschreit und sich dreckig macht. Was hast du da wieder angestellt, schau dich mal an! Sei so wie ich dich haben will, war die Botschaft meiner Mutter. Dann kriegst du Lob, Bestätigung weil ICH stolz auf dich sen kann. So funktioniert das Leben eben, zumindest bei mir.
Es war schwierig für mich ich war ihren Launen ausgesetzt und ab da kannte ich diese Angst. Die Angst nicht gut genug zu sein trotz aller Bemühungen, die Angst vor Zurückweisung, die Angst, mich wieder wie so oft unverstanden und einsam zu fühlen.

Und genau das brachte ich in Beziehungen ein. Ich fühlte dort das, was ich kannte.Ich stand dieselben Ängste aus und fühlte dieselbe Einsamkeit die ich kannte. Meine Zuflucht war mein Stoffpinguin, denn der verstand mich immer und später mein Selbstbetrug. Er war ja eigentlich sehr lieb ... er meint es nicht so ... Er ist es eben gewöhnt sein Ding zu machen. Ich sollte ihn nicht aburteilen, das ist schäbig. Ich muss das verstehen, tolerieren, ich war doch die Gute. Er hatte halt auch eine schwere Kindheit, wie ich aus Andeutungen erfuhr. Sein Vater hatte ihn nicht geliebt, sondern eher abgelehnt. Und meine Mutter liebte mich wenn ich war wie ich sein sollte.

Viele Ähnlichkeiten, dieselben Selbstzweifel, die Angst nicht gut genug zu sein, das hatten wir gemeinsam. Und dieser Wunsch nach Nähe, Liebe und Vertrauen, der aber oft genug ein Wunsch blieb. Beide hatten wir erfahren, dass Bindungen gefährlich sind, jederzeit kippen können, man konnte sich auf nichts verlassen und sollte sich nie zu sicher fühlen.
Beide hatten wir Angst vor festen Bindungen, wir lebten sie nur unterschiedlich aus. Er boykottierte zu viel Nähe aktiv und ich? Ich war die andere, die doch nichts weiter wollte als eine Beziehung, in der ich mich endlich mal sicher und aufgehoben fühlte. Ja, aber ich konnte es dann ja doch nicht, denn auch ich glaubte nicht an Bindungen. Denn die waren ja gefährlich, sie machten Angst, denn sie konnten jederzeit kaputt gehen.

Was soll so was werden? Zwei Lahme gehen an Krücken und auch wenn sie gemeinsam gehen, so bleiben die Krücken. Sie täten ja gerne wollen, aber es bleibt ein Wunsch. Verlass dich auf niemanden richtig, du wirst eh nur enttäuscht. Glaub nicht an dich, sonst wird es dir beigebracht, dass du nur hochmütig bist. Du darfst niemals stolz auf dich sein, denn du fällst eh nur wieder runter vom Podest.
Vermeide zu viel Nähe, zu viel Enge, entweder aktiv oder eben passiv. Der passive will ja eine richtige Beziehung, aber er sucht dann gesetzmäßig dort wo er sie nicht findet. Dafür sorgt schon das Unterbewusstsein, das uns zu ähnlichen Menschen führt. Und der Aktive ist ein Meister darin, Nähe zu boykottieren und kaputt zu machen. Durch Taten und Worte.

Natürlich scheiterte die Beziehung, er machte Schluss. Per Mail. Er könne es nicht, er täte ja wollen, aber er schafft das nicht, weil alles in ihm nur Nein schreit.
Ich war am Boden zerstört, ich war wie gelähmt ehe die Sturzbäche von Tränen kamen. Ich hatte mch doch so bemüht, mich angepasst, viel ertragen, hingenommen, Verständnis gezeigt, Nachsicht, nur dass dieser Vollkoffer mir nicht abhanden kam.

Ich litt lange - im Stillen. Kener merkte mir was an, das kann ich gut. Der Welt ein fröhiches Gesicht zeigen auch wenn es innerlich anders aussieht. Ich brauchte Zeit, viel Zeit für mich. Ich rekapitulierte die Beziehung, immer und immer wieder. Ich fühlte, was ich damals gefühlt hatte und das, was ich jetzt fühlte. Eine einzige große Enttäuschung.
Ich hatte niemanden zum Reden und was hätte Reden auch gebracht? Es war wie es war und Punkt.

Wir hatten dann noch ein wenig Kontakt, eher schriftich, ab und an telefonisch. Ich wollte noch ein wenig Anteil an seinem Leben haben, denn diesen wunderbaren Menschen ganz gehen zu lassen, schaffte ich nicht. Und grub mir damit selbst eine Grube, denn was erfuhr ich denn schon? Das was er mir erzählte und das war gefiltert und vieles wurde verschwiegen. Klar, wir waren ja nur noch "Freunde", aber ohne viel Vertrauen und Offenheit.
Meine Anteilnahme war ein Wunsch nach Kontrolle. Ich wollte wissen was er trieb, unternahm und mit wem? Warum? Um mich so richtig schön selbst zu quälen, mich in der Ungewissheit aufzuhalten, dass ich jederzeit ersetzt werden konnte.

Mit der Zeit merkte ich dass er das Interesse verlor, Der Kontakt schlief zeitweise ein. Und dann kam eine seiner verschwurbelten Mails, die ich zweimal, dreimal lesen musste, ehe ich verstand. Er hatte seine Next und ich war völlig abgemeldet. Wieder ein Schlag ins Genick!

Ich hatte es irgendwie geahnt, gefühlt. Eine frühere Kollegin, mit der er schon früher auch ab und an privat Kontakt hatte. Ein rotes Tuch für mich, aber was hätte ich machen sollen? Die war einige Hundert Kilometer weiter gezogen, hatte den Job gewechselt und er half ihr beim Umzug. Toll, wie edel und hilfsbereit von ihm! Man hilft jeder Kollegin beim Umzug, das war mir klar. Ironie off!
Aber ich verstand die Botschaft. In mir brandete der Hass, der pure Hass. Dieses verlogene Schwein, sicher hatte er schon mit der rumgetan kaum dass er mich aus seinem Leben geworfen hatte. Aber da war ich ja nie, ich war ja nie in seinem Leben, ich war ein Statist. Daher seine seltsamen Unternehmungen, die ich bei ihm nicht kannte .... Was war ich blöd gewesen. Vielleicht musste ich daher dann auch weg, in einer Phase, in der ich mir wieder mal einredete, wir seien jetzt auf einem guten Weg. Klar, der Bindungsphobiker geht dann, wenn die Beziehung mal besser läuft, weil er die Enge nicht aushält. Er geht nicht wenn es schlecht läuft, denn dann war die Distanz ja gewahrt. Ganz einfach und doch fremd.

Es kam die Zeit der Wut, der Rachegedanken. Wundervolle Rachefantasieen malte ich mir aus und letzt Endes wünschte ich, er wäre tot. Ein Miststück weniger auf der Erde, ein Mann weniger, der Frauen nur verarscht. Gerne hätte ich es getan, ihm in seine verdammten ... zu treten, so richtig fest, dass er sich vor Schmerzen krümmte. Und dann nochmals. Ah, eine wundervolle Befriedigung wäre das gewesen. Aber ich war weit weg und kämpfte immer noch.

Ich hätte es doch nicht getan, denn mein Mitleid wäre mir im Weg gewesen, ich malte es mir nur aus. Es ist ein Ventil für Aggressionen. Aber Rollstühl für ihn wäre schon schön gewesen, nach einem Verkehrsunfall. Hätte mich das zufriedener , friedvoller gemacht? Nein, sicher nicht.

Auch diese Phase ebbte ab und es kam die Akzeptanz. Es war wie es war und es war vielleicht besser so. Ich lernte wieder zu leben, fröhlicher zu sein und Kleinigkeiten zu beachten und positiv zu sehen. Und ich hatte wieder mehr anderweitige Kontakte, mit Frauen. Was hatten wir oft Spaß zusammen und lachten, dass wir halb unter dem Tisch lagen! Das tat gut.
Ein neues Türchen hatte sich geöffnet, kaum dass er weg war. Ich hatte es nur nicht gleich erkannt, sah es aber hinterher.
Wenn eine Tür zugeht, öffnet sich manchmal eine andere, was keine neue Bezehung sein muss.

Und wie hatte sich mein Leben jetzt doch geändert. Ich war wieder zufriedener und hatte viele Defizite in mir erkannt. Ich wollte sie an ihm heilen, aber das geht nicht. Das muss jeder selbst in die Hand nehmen. Defizite, Muster, Verhaltensweisen erkennen, die Ursprünge sehen und dann kann man sie los lassen. Sie blockieren ja nur.
Und jetzt bin ich ein neuer Mensch, frei von Selbstzweifeln? Nein, ich bin wie ich bin, aber ich kann anders mit mir umgehen. Pfleglicher, nachsichtiger, das hatte ich vorher nicht gekonnt.
Ich brauche niemanden, der mir sagt, dass ich gut genug, ja besser bin. Ich darf mich auch selbst mal loben anstatt mich immer nur in Frage zu stellen

Ohne ihn wäre ich nie da, wo ich jetzt bin. Das habe ich ihm zu verdanken, auch wenn er es nicht weiß. Ich habe ihn entlassen, er soll leben wie er mag, es berührt mich nicht mehr. ich bin nicht mal mehr neugierig etwas von ihm zu erfahren.
Unser Leben hat sich gekreuzt und ging auseinander. Für mich war es positiv, für ihn vielleicht auch. Vielleicht hat er auch was gelernt.
Manchmal fühle ich heute noch eine Erleichterung, wenn ich an ihn denke. Wie gut, dass er weg ist. Er war nicht so wunderbar wie ich ihn sah, ich hatte ihn nur auf ein Podest gestellt. Was für mich bedeutete, dass ich nicht neben ihm war, sondern unter ihm. Ich hatte ihn glorifiziert und Eigenschaften gesehen, die er nicht hatte. Ich wollte mich aufwerten, denn wenn so ein wunderbarer Mann mit mir zusammen war, dann musste ich doch liebenwert sein, oder nicht? Und wie gut, dass er mir nicht mehr weh tun kann. Er war nie böswillig, aber folgte eben auch seinen Impulsen aus dem Unterbewusstsein.

Das alles ist lange her, es war 2010 und 2011, aber vergessen werde ich es nie. Ich erinnere mich daran, wenn ich ähnliche Stories hier lese. Auch derlei Beziehungen folgen einer Choreografie.

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