Zitat von sonntag_morgen:Danke für deine Antwort. Das macht Sinn. Hast du eine Idee, wie man dieses Muster durchbrechen kann? Es ist wahrscheinlich sehr tief verankert. ...
Erstmal ist es wichtig sie zu identifizieren.
Dann zu versuchen zu verstehen, was dahinter steckt:
In der Regel entwickeln sich Muster in der Kindheit, teils schon als Baby. Muster bedeutet: ich habe als Kind gelernt, mit welcher "Technik" ich überlebe. Also z.b. in dem ich viel schreie oder aber mich anpasse, etc.
Natürlich haben wir als Kind alle diesen Überlebensinstinkt. Wir sind ja in der absoluten Abhängigkeit, haben kaum Möglichkeiten uns zu artikulieren und können noch nicht reflektieren. Sprich: wir wissen nicht, dass Mama nur kurz im Bad ist. Ihre Abwesenheit bedeutet konkrete Lebensgefahr. Wir haben kein Verständnis dafür, was Minuten sind, und dass Mama gleich zurück kommt.
Je mehr Sicherheit wir von unseren Eltern oder Bezugspersonen bekommen, desto mehr Vertrauen entwickelt sich. Die Schutzmechanismen bleiben im Gleichgewicht. Wir lernen, dass wir gehört und gesehen werden, unsere Gefühle können dem Anlass entsprechend präsentiert werden. Ich bin müde ->ich darf quengeln, alles ist gut ->ich bin ruhig, etwas ist lustig-> ich lache.
Bekommen wir keine Sicherheit , so entwickeln sich unsere Techniken so, dass wir den meisten Erfolg bekommen. Z.b. ich habe Schmerzen -> ich bin still, weil wenn ich still bin kümmert sich Mama mehr, wenn ich weine geht sie weg. Daraus entwickeln sich später diese starken Muster, die so stark sind, weil die Ursache eben das Gefühl der Lebensgefahr ist.
Hat man das einmal verstanden, dann geht es natürlich daraum im Alltag immer wieder zu üben. Denn als Erwachsener ist man ja nicht mehr im Modus der Abhängigkeit, das heißt, die Übertragung ins Erwachsenenalter ist per se unlogisch. Das Muster spiegelt die kindliche Wahrnehmung wieder, die mit dem Hier und Jetzt oft nichts zu tun hat.
Beispiel: Partner ist schlecht gelaunt, weil Chef doof war. Er meckert mich an. Statt in dem aktuellen Moment zu bleiben und sich innerlich (und äußerlich) abzugrenzen, nämlich: "ey, flaum mich nicht an, weil DU schlechte Laune hast", werden wir angetriggert und in unsere kindliche Position zurückversetzt. Partner (=Mama z.b.) ist schlecht zu mir, also muss ICH mich anpassen, ICH befinde mich ja in Gefahr, ICH bin schuld und verantwortlich dafür, dass Mama (=Partner) wieder ruhig wird, damit ich nicht in Lebensgefahr bin.
Ist das verständlich?
Und da greift eben der Satz von Stefanie Stahl: erkennen (ich merke, ich wurde getriggert) und umsteigen (ich hole mich bewusst aus meiner kindlichen Position heraus und reagiere mit meinem erwachsenen Ich).
Das erfordert natürlich Übung. Mit der Übung wird der Zeitraum, in dem ich noch die Möglichkeit habe umzuschalten größer und das Getriggertwerden selbst kleiner.
Darüber hinaus bin ich ein Befürworter davon, den Schmerz, also den auslösenden Kindheitsschmerz (meine Eltern haben mir die Sicherheit mit xyz, was sie getan haben, nicht gegeben) auch zu spüren, zu betrauern und so langfristig zu verarbeiten.Humor ist:
Wissen, dass die Mehrheit der Ausländer gegen Gewalt ist.
Wissen, dass die Mehrheit der Rechten für Gewalt ist.
Und aus Angst vor Gewalt rechts wählen.