Zitat von NineNinchen: Meine Muster sind, dass ich durch Leistungen versuche Anerkennung und Liebe zu erhalten
Das ist ja erstmal die eine Erkenntnis.
Die zweite Erkenntnis wäre, dafür den Hintergrund in deiner Kindheit und Familiengeschichte zu finden und aufzuarbeiten.
Und dabei hat das:
Zitat von NineNinchen: Mein NM aber anders tickt.
erstmal nichts verloren. Denn deine Muster sind unabhängig von ihm und anderen Menschen. Sie werden zwar bedient, aber genau darum geht es ja. Wieso sie bedient werden, hat etwas mit dir und nicht mit den anderen zu tun.
Zitat von NineNinchen: Wie soll ich etwas vorleben was ich selbst nicht weiß und kann.
Dein Ex ist doch ein wahnsinnig gutes Übungsfeld.
Du
weißt doch, was du von ihm zu halten hast. Auf kognitiver Ebene weißt du es. Das ist wie Mathe. Du weißt 2+2 = 4.
Du
weißt also, dass du jedes Recht hast auf dein Nein und auf deine Gefühle.
Du
weißt auch, dass er nicht zurückkommen wird oder dir jemals ein beständiger, verlässlicher Partner sein könnte. Du weißt das. Auf kognitiver, rationaler Eben hast du dieses Wissen.
So. Auf dieser Basis kannst du nichts falsch machen, was euch betrifft. Du kannst aufhören gefallen zu wollen, du kannst aufhören geliebt werden zu wollen, du kannst aufhören, Erwartungen an ihn zu haben.
Auf kognitiver, rationaler Ebene
weißt du das.
Und jetzt heißt es jedes Mal, wenn deine Gefühle dir etwas anderes erzählen wollen, wenn dein Muster anspringt und dein ganzer Körper "Go" schreit, dich dabei zu erwischen. Jedes Mal. Erwischen, Umschalten, anders machen. Üben, üben, üben, üben.
Weil dein Kopf das alles weiß, der Automatismus aber noch nicht funktioniert, bzw. immer in die andere Richtung aufdreht, musst du mit Disziplin und Einschalten der kognitiven Ebene anfangen.
Schreib dir mal auf, was dir besonders wichtig ist und was ein rationaler Lösungsansatz wäre.
Also Beispiel: ich will grundsätzlich nicht, dass er meine Wohnung betritt. Lösung (ok, die ist eigentlich einfach): ich lasse ihn nicht rein. Punkt.
Das ist die einzige Lösung, die es gibt.
Stell dir vor es ist Corona am Anfang und du bist in Quarantäne und darfst ihn nicht reinlassen.
So rational gehst du da dran. Es gibt quasi keine andere Möglichkeit, als ihn nicht reinzulassen. Wohnung=Tabu.
Nächster Schritt: was gibt es für Alternativen oder Schritte, das durchzuziehen?
1. Ich reagiere nicht auf die Klingel. Warst du halt mit Durchfall beschäftigt.
2. Du öffnest und ihr unterhaltet euch im Türrahmen.
3. Du öffnest und ihr geht in den Hausflur (nicht Wohnungsflur).
4. Du öffnest, sagst er soll anrufen, und schließt die Tür wieder.
Was auch immer.
Jetzt spiel mal ein paar Szenarien durch und notiere dir Handlungsanweisungen. Es ist Corona und du musst jetzt xyz. Es muss sich nicht gut anfühlen, versteh das Bitte. Gut anfühlen, weil Gewohnheit, tut sich erstmal das Muster. Wie der Schuss Dro., den du ganz dringend brauchst. Der Moment ist erstmal erleichternd. Das Zittern und Grauen kommt später.
Diesen Moment musst du üben zu überspringen. Aushalten, dass es ungewohnt ist und sich falsch anfühlt. Lernen, dass du du es trotzdem kannst. Wie wir alle während Corona. Erfahren, dass du es überlebst. Irgendwann fühlen, wie gut es sich anfühlt, die Kontrolle über das eigene Leben zurück zu bekommen. Auch erfahren, dass die anderen das aushalten (am Anfang werden sie sich wehren!), vielleicht mehr Respekt vor dir bekommen und die richtigen Menschen, die dich trotzdem oder deswegen lieben, in dein Leben treten werden.
Aktuell kannst du nicht Auto fahren. An jeder Ampel musst du daran denken, zu schalten, zu blinken. Du denkst darüber nach, wie das nochmal ging mit kuppeln und Gas geben.
Irgendwann aber hört man auf zu denken. Und fährt einfach.
Ziel ist dieser Zustand. Bis dahin musst du denken. Ziel ist, dass deine Kinder in das Instinktive reinwachsen, weil du es ihnen vormachst, und sie es nicht mit 30 qualvoll umlernen müssen, wie du jetzt.