Zitat von EineMitleserin: wie geht es dir im Moment?
Im Moment ist es schwierig. Das liegt aber gerade nicht an meinem NM sondern an mir. Ich glaube so langsam fängt die Therapie und all das Nachdenken an zu wirken. Leider mit dem Nebeneffekt, dass auch seit zwei Wochen immer eine diffuse Angst mitschwingt. Mal mehr mal weniger aber immer im Hintergrund. Und ich weiß auch woher sie kommt und das ich eigentlich sicher bin. Ich hoffe einfach sie verschwindet wieder, wenn mein Nervensystem gelernt habe, dass nichts Schlimmes passiert. Und ich muss aufpassen, dass ich dieses Nähebedürfnis nicht zu sehr meiner Tochter aufbürde und sie damit einenge.
Sie ist ein richtig kleiner Wildfang und erinnert mich so an mich als Kind. Und ich hab eine unglaubliche Angst, dass ihr jemals etwas zustoßen könnte. Meine Balance was diese Sorgen angeht muss ich noch finden. Aber es ist verrückt, wie stark diese Gefühle sind. Konnte ich mir ohne Kinder so nie vorstellen. Es wäre halt schön, wenn man diese Sorgen mit dem Partner teilen könnte und der einen auch mal auffangen könnte. Das fehlt mir sehr. Ich würde mich emotional auch gern mal irgendwo anlehnen. Es ist gerade überall Feuerwerk in meinem Kopf.
Zitat von Heffalump: fang bitte an, ihn als ziemlich unterdurchschnittlichen Mann zu sehen.
Eher als verletzen Mann mit entsprechenden Defiziten. Ich vielen Bereichen ist er auch ein ganz toller Mann.
Zitat von Heffalump: Er hat Dich, als seine Frau und zwei Kinder, an die Wand gestellt.
Ja, das lässt sich nicht schönreden und wird sich auch nicht ändern. Selbst wenn man mal die emotionale Komponente weglässt und das ganze auf Sachebene betrachtet, ist es wirklich ein Hammer.
Zitat von Heffalump: Anzeige schalten, das du junge, sportlich aktive, muskuläre Männer suchst, die dir die Begegnungen mit deinem Ex versüßen.
Zitat von Heffalump: Nur bitte, bring selbst mal Bewegung in die Sache, weil er sich deiner noch viel zu sicher ist!
Ne ne ne. Nach meiner allerersten Beziehung war ich ein dreiviertel Jahr Single bevor in meinen NM kennengelernt habe. In der Zeit hab ich gedatet was das Zeug hält. Nur um mein Selbstwertgefühl zu bedienen. Das will ich dieses Mal anders machen.
Das erste mal in meinem Leben werde ich nicht von Eltern oder Partner beeinflusst sondern kann ganz in Ruhe hinschauen was ich will und wie ich etwas will. Mir kommt zu Gute, dass ich in Elternzeit bin und mir diesen Luxus zeittechnisch leisten kann (beim Kinderwagenschieben kann ich ja gut nachdenken). Ich wollte in der Elternzeit zwar andere Dinge machen (Sprachen lernen und kreatives machen, lesen, Auto fahren verbessern) aber Persönlichkeitsentwicklung kann auch nicht schaden. Soweit das eben alles mit Kindern geht. Deswegen hat die Beziehungsebene erstmal Pause. Auch wenn ich innerlich sehr gern jemanden an meiner Seite hätte, um das Leben gemeinsam genießen zu können.
Zitat von aequum: Hast Du mit ihm das Gespräch geführt oder warst Du stark genug, es abzulehnen?
Gab kein Gespräch.
Zitat von Kroenchen_richten: Es gibt nur dreii Gründe, warum er da nörgelt und quengelt.
1. Ist es nicht sein Interessengebiet
2. Hattest du Spaß dran, was nicht geht
3. Stand er nicht im Mittelpunkt
Eher 1. Die anderen beiden würde ich ihm nicht unterstellten wollen. Er hat es die meiste Zeit in der Beziehung gut gemeint. Und ich auch. Wir wollten einander nie bewusst schaden. Da bin ich sicher.
Zitat von Kroenchen_richten: Mit 40 saß ich im Sandkasten, am Strand wurden Krater und Burgen gebaut, mit 42 bin ich noch im Kinderindoorspielplatz über die diversen Geräte gekrochen, mit 45 Wetthüpfen auf dem Trampolin mit Salto, Zelten im Garten, mit 48 Fangen im Stroh, mit Kitzeln und anschließend auf dem Boden kugeln. Luftmatratzenschlacht im Badesee. Und heute gehen wir zusammen auf Konzerte und lieben noch immer Familienkissenschlachten und Wiispiele.
Das klingt so toll! Das will ich später auch so machen. Und cool, dass du das so mitgemacht hast! Mir fällt bei euren Schilderungen immer auf, wie wenig Spaß und vertraute Momente ich mit meinen Eltern hatte.
Gut, dass mir diese Dinge in deinem Beitrag auch noch Spaß machen. Bin da selbst noch genug Kind in mir drinnen.

Zitat von Kroenchen_richten: Das sah ich dann, wie er mehrfach woanders nur skizzierte, während ich anfing in meinem Leben mit Farbe möglichst nicht zu sparen.
Das ist ein schönes Bild. Kann mir das richtig gut vorstellen. Sobald der Kleine ein bisschen mobiler wird geht's los. Eigenständiges sitzen wäre schon noch toll!

Am Wochenende hatte ich wieder freie Zeit und war mit meinen Freundinnen verabredet. Nächstes Jahr im Sommer wollen wir alle mit Kind und Kegel einpacken und für ein verlängertes Wochenende ein Ferienhaus mieten. Nur hinkommen muss ich. Da stell ich mir gerade selbst in Bein mit meiner Angst vorm Autofahren. Aber ein Grund mehr, es endlich zu machen. Ein Jahr hab ich jetzt noch Zeit. Das mit dem Autofahren ist wirklich das einzige, wo ich noch abhängig bin. Mein Fahrlehrer hat mir so den Angststempel eingebrannt.
Zitat von Kroenchen_richten: Joh. Du das gemeinsame Erleben, die glückliche Familie in der man sich unterstützt und an einem Strang zieht. Er
Ja, genau das Bild loszulassen ist verdammt schwer. Aber wenn ich ehrlich bin, war ich zum Ende der Beziehung halt auch nicht die Partnerin, mit der sich mein NM das vorgestellt hat. Einfach zu sehr Krokodil --> Erklärung weiter unten.
Zitat von Kroenchen_richten: Thema übergriffige Mutter.
Das Gespräch steht die Woche noch bevor. Da hab ich Angst vor, aber es ist wichtig. Meine Tochter ist für mich wichtiger als meine Mutter.
Zitat von EineMitleserin: Ich kann aber auch verstehen, dass das nicht jede/r kann.
Ich bin da ein bisschen zu vorsichtig/ängstlich was da Thema feiern bis in die Nacht mit Kindern angeht. Liegt aber auch daran, dass wir ja immer mit den ÖPNV fahren und das immer mindestens 30 Minuten bis zu irgendwelchen Freunden. Das macht ab bestimmten Uhrzeiten einfach keinen Spaß und ist mir auch allein mit zwei so kleinen Kindern zu unsicher. Da wären wir dann wieder beim Autofahren.....
Zitat von Jane_1: Als Eltern lernt man diese zu erkennen.
Ich lerne meine Kinder immer noch kennen. Selbst meine Tochter. Aber 3,5 Jahren lerne ich ja selbst immer noch ganz viel über sie. Sie wird langsam ein richtiger kleiner Mensch der redet und Quatsch macht und witzig ist. Einfach faszinierend.
Sorry, für so viel Kinderanteil in diesem Beitrag. Es ist gerade einfach mein Alltag .
Zitat von Jane_1: Ich lese dich immer öfter in anderen Fäden und finde es schön, wie du deine liebevolle, wertschätzende und dabei realistische Art einbringst.
Vielen vielen Dank.

Es hilft manchmal ungemein über den eigenen Tellerrand zu schauen, wenn ich die anderen Threads so lese. Auch wie die Leute dort mit ihren Problemen umgehen oder welche Tipps gegeben werden. Und ganz nebenbei erfahre ich auch immer mal wieder was über die Geschichten der einzelnen Mitglieder hier. Wie ein Puzzle. Das ist schon auch spannend.
Ich habe heute einen Podcast gehört (eine Empfehlung aus einem anderen Thread), da ging es darum, dass man in Partnerschaften oft wütend wird, sich dann anschreit, und dass hinter der Wut oft eine große Traurigkeit ist. Diese Traurigkeit aber weniger stark gespürt werden kann als Wut zum Beispiel. Und dann setz sich die Wut eben auch durch und bricht heraus. Niemand möchte seine geliebten Partner verletzen, aber genau das passiert dann. In dem Moment fallen dann auch oft viele Vorwürfe. Aber mit den Vorwürfen erreicht man bei dem Partner natürlich überhaupt nichts. Die Therapeuten in dem Podcast haben diese Situation als Krokodil dargestellt. Und einem Krokodil reicht niemand die Hand. Sprich man stattdessen über die eigentliche Traurigkeit, erreicht man viel mehr beim Gegenüber und kann auf eine echte Interaktion hoffen.
Ich habe da auch ganz viel von mir gesehen, dass ich traurig war, aber eben halt aggressiv/genervt reagiert habe, weil ich das mehr gespürt habe als die Traurigkeit und ich es einfach nicht benennen konnte. Und irgendwann bin ich scheinbar das Krokodil geblieben. Vielleicht nicht immer groß und böse, aber eben ein Krokodil.
Und ja, ich weiß schon, dass ich die Schuld da wieder bei mir suche, aber ich bin halt auch nicht unschuldig. Und auch nach der Trennung, als ich meinem Mann so viele Vorwürfe gemacht habe und gegen seine Gitarre getreten habe war ich ein großes Krokodil. Und manchmal wenn ich ihn bei den Übergaben sehe, wie er da so tiefenentspannt steht, dann könnte ich auch wieder eines werden. Versuche dann aber eher einen auf Schildkröte zu machen. Nicht viel sagen und den Panzer zeigen.