Zitat von sonntag_morgen:Man kommentiert eben einen äußeren Faktor (Alter, Gewicht oder anderes) und das empfinde ich als unhöflich. Und es kann auch verletzen - viele Menschen hadern mit ihrem Alter, Gewicht, Aussehen. Dann auf diese Art daran erinnert zu werden wie man wahrgenommen wird tut bestimmt weh.
Vielen ist es bestimmt egal, aber man weiß ja nie, wie es im Inneren der Person aussieht.
Also ich denke eher nicht, dass mir diese Form der Kommunikation zusagt. Die es als absolut oberste Priorität sieht, den anderen keinesfalls zu verletzen, auch wenn das bedeutet, objektive Fakten zu ignorieren und die eigenen möglichen Aussagen so zu beschränken, dass man sich komplett zurückhält, aus Angst, was "Falsches" zu sagen. Denn wie du schon richtig sagtest, weiß man ja nie, wie es im Inneren der Person aussieht und was sie alles verletzen könnte. Und keiner möchte ständig auf Eierschalen laufen.
Ich z. B. bin seit meinen Schwangerschaften leicht übergewichtig und hadere auch etwas damit. Aber ich verbiete anderen Leuten definitiv nicht den Mund, ihre Meinung oder Wahrnehmung darüber. Wenn sie etwas dazu sagen, ordne ich das für mich ein, entscheide, ob ich es für legitim/hilfreich/bewusst beleidigend/wahr oder unwahr halte und reagiere dann entsprechend. Ich weiß ja, dass ich trotzdem insgesamt ein wertvoller Mensch bin und mein Gewicht bei Weitem nicht alles ist, was meinen Wert als Mensch definiert. Und dass ich die Meinung anderer darüber keineswegs zu meiner eigenen machen oder mich davon irgendwie aus der Ruhe bringen lassen muss. Dass ich auch das Recht habe, den Kontakt zu bestimmten Leuten abzubrechen. Diese Verantwortung für sich selbst hat mMn auch jeder, der mit anderen kommuniziert.
Wenn mir z.B. eine stark übergewichtige Person sagt, dass sie unter Knieproblemen und Gelenkschmerzen leidet, dann werde ich mich sicher nicht zurückhalten, das Gewicht als mögliche bzw. sogar wahrscheinliche Ursache dafür sachlich und wertneutral zu benennen und als Lösungsmöglichkeit eine Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion vorzuschlagen, gerne auch mit professioneller, ärztlicher Begleitung und Unterstützung.
Wenn diese Person dann verletzt sein sollte, dass ich ihr Gewicht überhaupt erwähnt habe, dann gestehe ich es ihr auch selbstverständlich zu, den Kontakt zu mir zu kappen, wenn sie sich nicht damit wohlfühlt. Dann passt es halt einfach nicht, aufgrund unterschiedlicher Auffassungen bzgl. des menschlichen Umgangs miteinander und dann ist es besser, wenn man getrennte Wege geht. Ich fühle mich ja auch nicht wohl mit Leuten, bei denen ich nicht mal objektive Fakten ansprechen kann, ohne dass sie sich gleich persönlich beleidigt und angegriffen fühlen. Zumal es ja nur um sachliche Benennung geht und ich definitiv nicht so drauf bin, dass ich jemanden bewusst verletzen will oder gar Spaß dran hätte, jemanden zu beleidigen oder zu erniedrigen.
Wie gesagt, diese Art der Kommunikation, die die Gefühle des anderen über alles stellt, auch über evtl. unangenehme Wahrheiten und objektive Fakten, die ist einfach nicht mein Ding. Und das muss es ja auch nicht sein. Letztendlich werden immer eher Leute zueinander finden, die bzgl. dieser Dinge ähnliche Wertvorstellungen haben. Und den anderen geht man dann eben aus dem Weg.
Um noch den Bogen zu meiner Begegnung zu schlagen – ich hatte diese alte Frau dabei sowieso nie als "Omi" angesprochen, insofern kann sie das gar nicht verletzt oder gekränkt haben. Ich habe den Begriff nur hier verwendet, um von der Begegnung zu erzählen und diesen Beitrag wird sie ohnehin sehr wahrscheinlich niemals lesen, zumal er ja auch anonym ist und diese Begegnung schon 7 Jahre her ist. Daher ist es sowieso müßig, darüber nachzudenken, ob sie sich von der Bezeichnung "Omi" evtl. hätte beleidigt fühlen können.