Zitat von NineNinchen: Ich weiß was ich mag und was nicht, aber ich spüre mich nur ganz selten selbst und weiß eigentlich gar nicht wie es sich wirklich anfühlen sollte.
Ich weiß gar nicht, ob das so richtig stimmt. Denn ganz oft schreibst du uns von deinen eigentlichen Wünschen. Gefolgt von einem Aber.
Eigentlich möchte ich/möchte ich nicht, aber...
Der erste Teil, das bist schon ganz viel Du. Der zweite ist dein Muster, deine Anpassung.
Aufzuarbeiten, wieso und was nach dem Aber kommt, werden wir hier im Forum kaum können. Vielleicht rational erfassen, aber dass dich das in der Tiefe erreicht und verändert, dafür braucht es Therapie.
Du kannst aber beeinflussen, und da setzen ja meine Übungen an, wie du den Teil nach dem Aber beeinflussst. Durch Stopsignale. Dir gegenüber im Kopf, als auch deinem Umfeld gegenüber durch z.b. vorgefertigte Sätze. Das dient der Übung und natürlich Abgrenzung. Dem akuten Schutz. Das wirst du noch nicht fühlen, denn die Muster agieren ja noch. Deshalb musst du es wollen und rational ansetzen.
Den Teil vor dem Aber kannst du ebenfalls trainieren. Also die Wahrnehmung für dich, deine Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen.
Eine wunderbare Übung, finde ich, kann man einfach an der Supermarktkasse durchführen.
Wir alle kennen doch wahrscheinlich das Gefühl, wenn uns jemand, der z.b. stinkt oder unangenehm ist, an der Kasse zu Nahe kommt. Oder?
Diese Wahrnehmung kann man schulen. Stell dich also an die Kasse und registrier einfach mal nur, ob und wann jemand dieses Gefühl bei dir auslöst. Das kann von Tag zu Tag unterschiedlich sein und muss rein gar nichts mit dem Körpergeruch zu tun haben. Sondern wir alle haben bei jeder anderen Person einen Punkt, an dem die Grenze zum eigenen Bereich erreicht wird. Völlig variabel. Die selbe Person kann dir Dienstags sehr nahe kommen und Mittwochs fühlen sich drei Meter schon unangenehm an.
Diese Wahrnehmung einfach mal nur registrieren. Nicht werten, denn da gibt es keine Wertung. Nur wahrnehmen. Fühlen. Spüren, wie der Körper reagiert, sich die Schultern instinktiv zusammenziehen, man einen Schritt zurückweicht, sich die eigene Stimmung verändert, wenn jeman in den eigenen Grenzraum tritt.
Das ist eine Übung, um ein Gefühl für sich wieder zu bekommen.
Man kann sich auch vor dem Essen fragen, ob man eigentlich Hunger hat. Beim Essen gezielt darauf achten, wann man satt ist, usw.
Alle Informationen darüber, was man braucht, sind in unserem Körper vorhanden. Sie sind da. Man muss nur üben oder wieder lernen, sie zu verstehen. Sie zu lesen.