EineMitleserin
Mentorin
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Denn ich hatte mal, vor langen Jahren ein Geplänkel mit eben einen solchen Mann und zum Glück wurde es keine längere und ernsthaftere Geschichte, da ich dann frühzeitig ausgestiegen war.
Das Problem war, dass ich niemals(!) gedacht hätte, dass er ein solcher Mensch war. Er war zugeneigt, liebevoll, aufmerksam, aber eben auch immer der sensible, der Denker, der empfindsame, der unverstandene. Und ja, er hatte auch eine künstlerische Seite an sich (Literat).Und anfangs war alles toll und schön, aber es kristallisierte sich schleichend aber deutlich heraus, dass er sich selbst immer in den Vordergrund stellte. Er machte das sehr verpackt. Er sagte immer sowas wie: "Ich verstehe dich, aber..." Wenn ich zum Beispiel etwas Abstand brauchte, was selbst unternehmen wollte, dann sagte er sowas wie: "Ich verstehe dich, es ist kein Problem - aber ich werde dich vermissen und es wird erst wieder schön sein, wenn du da bist. Ich werde auf dich warten." Er hatte es geschafft mir immer ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn ich auch nur einen Milimeter nicht an ihn dachte. Zum Glück hatte er diese Seite sehr ausgeprägt, sodass ich schnell die Reißleine ziehen konnte, weil er immer mehr klammerte.
Das macht dein NM nicht, liebe Ninchen, aber es sind trotzdem ganz ganz viele Parallelen da. Ich habe mich auch immer "verantwortlich" gefühlt und gedacht, es liege irgendwie an mir, ich wäre ihm gegenüber nicht fair oder zu hart oder zu sprunghaft. Ich dachte oft, dass ich alles kompliziert mache, er sei doch sensibel und gutherzig, er mochte vieles nicht gut machen, aber er wollte es doch immer gut schaffen (tat aber nichts dafür). Und: es waren immer die anderen "Schuld", es gab immer eine höhrere Begründung warum dies oder jenes von ihm daneben war, oder er sich nicht richtig verhalten hatte. Er konnte sich nie entschuldigen, konnte nie die Verantwortung übernehmen. Konnte nie sagen: Es tut mir echt leid, ich habe dich verletzt - Punkt. Nein, er fand immer Begründungen in der Vergangenheit, in der Kindheit, bei Exfreundinnen, alten Beziehungstraumatas. Und wenn all das nicht griff, dann war ich eben irgendwie Schuld, irgendwie der Auslöser.
Er sah sich immer als Unverstanden, immer als der einsame Wolf, der irgendwie nicht in diese Welt passt. Weil andere seine Form der Lebenswahrnehmung (Literat) nicht verstanden, weil sie querköpfig waren, nicht so gescheit, oder oder oder. Nur er selbst war nie "Schuld".
Als ich mich trennte, bzw dieses Geplänkel abbrach, akzeptierte er dies nicht. Er akzeptierte auch keine Distanz, versuchte unter fadenscheinigen Gründen mit mir Kontakt aufzunehmen. Ein "letztes Gespräch", ein "letztes Telefonat", er wollte die "wahren Gründe" wissen, denn meine Aussage, dass er mich einnehme, mir keinen Raum geben würde für mich selbst, das reichte ihm nicht, es musste etwas "tieferes" geben. Er weinte und litt, und kam gar nicht zurecht. Als er merkte, dass ich das wirklich ernst meinte, drehte es um 180° und er fing an mich als die "Böse" zu sehen. Ich war dann die "Lügnerin", die ihm etwas "vorgespielt" hatte und wurde zum Mythos warum der arme sensible Mann innerlich für ewig zerbrochen ist.
Die Geschichte ging noch etwas weiter. Im Gegensatz zu deinem NM war er damals sogar in Therapie, ich wusste aber damals nicht weswegen. Das ganze kam erst mit dem Ende des Geplänkels zu Tage. Ich hatte höllische Schuldgefühle, oft gedacht, ich bin zu hart, zu gemein, zu fies während der "Trennung". Ich machte mir Vorwürfe, weil er wegen mir litt, ich empfand ihn als einen "Guten". Und wie du wollte ich nicht gemein sein, nicht unhöflich, nicht ungehobelt. Aber je mehr ich es versuchte, umso mehr wurden meine Schuldgefühle und desto mehr aalte er sich in diesem weinerlichen Zustand.
Das wurde jetzt alles länger als ich eigentlich schreiben wollte. Aber wa sich damit schildern wollte: Narzissmus muss nicht immer "kalt, böse und abgeklärt" sein. Es gibt ganz andere Erscheinungen und das schlimme ist: diese Menschen sind so, weil sie nicht anders sein können. Und sie glauben die Dinge, die sie fühlen und denken. Es ist ihre Welt, ihre Wahrheit. Nur gehen die Menschen um sie herum an eben alledem kaputt.