Zitat von NineNinchen: dass er sich vielleicht doch ändern könnte oder
Du merkst doch gerade selbst, wie schwer dir eine Änderung fällt. Aber immerhin bist du auf dem Weg dorthin.
Schau, meine Eltern sind tot, ich kann weder was fragen noch würde ich befriedende Antworten bekommen. Sie waren beide nicht so der Typ, um sich selbst zu hinterfragen.
Dann waren beide im Krieg, wer weiß was beide erlebten, verdrängten und was als nicht heilende Wunde ein ganzes Leben beeinflusst.
Ich kann ihre, wie meine Vergangenheit nicht ändern. Da kann ich mich auf den Kopf stellen und mit den Füssen wackeln. Ändert nichts.
Du kannst deine Vergangenheit nicht ändern.
Außerdem dauern Veränderungen. Weil man zuerst verstehen muss, warum passiert dies mir und wie kann ich mich, in Zukunft, vor schützen.
Wenn ich diesen *Fehler nicht mache, mache ich einen anderen.
Also, selbst wenn er sich ändert, es ändert nichts an deiner Vergangenheit. Kannst du vergessen, wie er euch drei in die Ecke geschoben hat um sich auszuleben? Kannst du vergessen, wie egal ihm deine Tränen, dein Kummer war?
Kannst du vergessen, wie allein du warst, wo du eine Schulter gebraucht hättest und wo war er?
Dass er irgendwann in ferner Zukunft vielleicht bereut? Begreift, das man all dies nicht ungeschehen machen kann.
Was er, um sich auszuleben und zu verwirklichen, nicht miterlebt, welche Entwicklungsschritte du und die Kinder machen. Das gemeinsame Plätzchen backen, schmücken, die Freude und der Stolz, seine Plätzchen wieder zu finden und zu futtern, wenn sie gegessen werden dürfen. Oder die selbst gemachten und gemalten Bilder, gebastelten kleinen und großen Geschenke für die besten „Eltern“. Seine Kinder aufwachsen zu sehen, jeder Entwicklungsschritt zur eigenen Persönlichkeit, bekommt er nicht direkt und sofort mit, sondern mit Verzögerung, weil er nicht mit Euch zusammen lebt. Weil ein Papa Wochenende nicht genug Stunden hat. Dafür hat deine Woche zuviele Stunden. Wo du dich auch mal in die Badewanne legst um zu entspannen.
Dir fällt auch immer ein, was man mit beiden machen kann, er nicht genug Fantasie für hat, dass seine Unternehmungen kindgerecht sind. Der Vorteil, sie wachsen, werden größer, älter, was heute noch Freude hervorruft, ist in wenigen Monaten langweilig und pass‘e.
Viele Kinder wachsen vor dem Fernseher auf, können das Händy besser bedienen und verstehen, als sein Besitzer, bekommen Konsolen von Sony oder Nintendo geschenkt, damit man die Kinder wo parkt, weil man nicht mit ihnen spielt.
Besser wäre ne Schachtel Lego, da kann man tolle Sachen bauen, immer wieder neu und herrlich bunt. Sich hinsetzen, mit bauen.
Nicht aufstellen und dann die Kids mit alleine lassen.
Gemeinsames puzzeln, vorlesen oder sich zusammen kuscheln unter der, drei Stühle, Decke drüber, Kuschelhöhle.
Es braucht nicht viel, um Fantasie anzuregen. Gerade wenn beide noch in dem passenden Alter sind.
Er hat ja schon erwähnt, das ihm nie so tolle Sachen einfallen, wie dir.
Wer weiß schon, wie warm und fantasievoll seine eigene Kindheit war. Auf Kinder muss man sich einlassen können. Das ist das Gleiche, was man in einer Partnerschaft tut, sich einlassen, einbringen und miteinander zu leben. Wenn er jedoch, und das hast du auch erwähnt, vieles alleine macht, dann ist es keine Partnerschaft. Dann ist es eine Zweckgemeinschaft. Du dienst einem Zweck.
Er kennt dies nicht anders. Seit Beginn seiner Tage. Wie auch immer. Um dies ändern zu können, muss man es erkennen. Und es ändern wollen.
Da beisst es sich, meines Erachtens. Am Erkennen und ändern. Er tut sich schwer, seinen Anteil daran zuerkennen, zu benennen und eben dafür verantwortlich zu sein.
Lieber ist ihm, die Verantwortung zu übertragen, damit er nichts ändern muss. Es war ja schlimm, das er euch verlassen hat. Aber schlimmer ist, was danach alles passierte.
Wie ihm, deine Tränen, dein Kummer egal war, das er vielleicht zwar mit weinte, aber trotzdem nicht einen Schritt zurück gehen wollte.
Das er zwar viel sagte, aber nichts davon ist je zur Ausführung gekommen, nichts wo es um ein „Wir“ ging.
Es ging immer nur um sein „Ich“.
Darum denke ich, er wird sich nicht ändern. Ja, vielleicht hat er mal lichte Momente, aber die sind selten. Er müsste exakt das tun, was du tust, sich aufarbeiten, aber weil das schwer ist, der Ausgang ungewiss und bestimmte Erkenntnisse richtig schmerzlich sind, geht er diesen Weg nicht.
Sich reflektieren ist keine leichte Aufgabe, und schon gar nicht binnen zwei, drei Tagen erledigt. Länger ist aber seine Aufmerksamkeitsspanne nicht.
Der Körper eines Mannes, der Verstand eines Kindes. Eines sehr trotzigen Kindes. Ein Kind, das nie gelernt hat, wie sich gemeinsames Miteinander zu besseren Erwachsen sein, führt.
Man könnte alles auf die Kindheit schieben. Aber er ist jetzt ja erwachsen, er könnte aus eigenem Willen und Antrieb, eine bessere Version von sich selbst kreieren.
Wo wir wieder am Anfang wären. Das ist harte Arbeit, es verlangt Zeit und den Willen, es verbessern zu wollen. Und da kommt nicht genug.
Nehmen wir mal an, du möchtest deiner Tochter etwas beibringen, wo sie den Erfolg schmecken kann. Ich nehme jetzt mal eine Tomate.
Du zeigst ihr, den Samen, die Erde, den Topf. Dann dauert es gut zwei bis drei Wochen, wo das erste Blatt sich zeigt, natürlich muss man darauf achten, dass der Topf schon vor dem ersten Blatt mit Feuchtigkeit versorgt werden muss. Nachdem ersten Blatt folgen weitere, bis zur ersten Blüte vergehen gut zwei, drei Monate, bis zur ersten Frucht, nochmal einen Monat und bis zur Reife des Genusses auch nochmal drei, vier Wochen. Aber dann kann sie IHRE Tomaten ernten.
Du als Mutter, wirst bestimmt dafür sorgen, das die Pflanze immer genug Wasser bekommt, einen größeren Topf und Nährstoffe in Form von Dünger, auch wenn deine Tochter für soviel Nebeninformationen noch keinen Gedanken hat. Du kannst mit, dafür sorgen, das deine Tochter diesen Erfolg erreicht. Denn auch du nimmst von diesem Experiment Erfahrungen mit. Würde dein Ex sich auch so kümmern um die Pflanze? Damit eure Tochter auch ernten kann? Oder würde er das Gießen vergessen? Oder übergießen, bis die Pflanze an zu viel Wasser eingeht?
Es gibt übrigens einige total süße Tomaten, die gar nicht bis zur Salatschüssel kommen, die futtert man direkt vom Strauch.
Und das schöne, dafür braucht man keinen Garten, ein Balkon oder Fensterbrett reicht aus.
Selbst Himbeeren kann man im Topf halten, kümmern muss man sich halt drum.
Aber, wenn man dann diese strahlenden Kinderaugen sieht, die Freude und den Stolz, dies selbst gemacht zu haben, das Lob zu bekommen, weil man sich von März bis Juli/August drum gekümmert, lässt deine Tochter wachsen, Selbstbewusstsein entwickeln und bringt euch näher zusammen. Das hat er sich genommen, als er ging.
Das kommt nicht zurück