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Partner trennt sich in Schwangerschaft

NineNinchen
Zitat von sonntag_morgen:
Aber weißt du, warum du verdrängst? Weil es zu schrecklich ist um es auszuhalten?

Ja, weiß ich. Mein Steinzeithirn verbindet das mit Angst aber auch damit nicht liebenswert zu sein. Es berührt eben existenzielle Ängste. Und ja, es fühlt sich für mich an wie ein innerliches Zerreißen.

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Balu85
Zitat von NineNinchen:
Wenn ich die Stille doch mal zulasse bleibt es nicht lange still. Dann wird es innerlich immer lauter.

Ich denke das aber genau das notwendig ist. Dieses lauter werden. Ich hab teilweise jedes verqueren Gedanken in Gedichte gepackt. Wenn ich die jetzt so lese (was ich noch entziffern kann)...da greif ich mir an den Kopf. Aber ich denke es war gut einfach damit es raus kommt.
Zitat von NineNinchen:
Ich kann nicht sagen, dass ich mir jetzt mal 30 Minuten Zeit nehmen und dann geht es los mit der Verarbeitung.

Ich kann mich auch nicht hinsetzen und sagen "So jetzt machste mal".

Zitat von NineNinchen:
wie lange hat die Phase bei dir gedauert, bis du aus der Verdrängung raus bis

puh....das ist jetzt eine schwere Frage. Ich denke durch die Trennung kam ich innerlich in Zugzwang. Daher ging das sehr schnell. Aber vor der Trennung waren es ja 2 Jahre "kampf um die Beziehung....wo ich mich eigentlich völlig zum Horst gemacht habe". Aber den Umstand was mir in der Beziehung alles fehlt, das ich gar nicht so richtig glücklich bin (mehrheitlich)...das war schon bestimmt die letzten 4 Jahre der Beziehung so. Anfangs wohl eher sehr unbewusst. Nach der Affäre meiner Frau dann irgendwie anders. Weil es kann nicht sein was nicht sein darf.
Lässt sich beschissen beschreiben. Ich hoffe du kannst mir da irgendwie folgen.

x 2 #8072


A


Partner trennt sich in Schwangerschaft

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sonntag_morgen
Zitat von NineNinchen:
Ja, weiß ich. Mein Steinzeithirn verbindet das mit Angst aber auch damit nicht liebenswert zu sein. Es berührt eben existenzielle Ängste. Und ja, es fühlt sich für mich an wie ein innerliches Zerreißen.

Was für Ängste? Alleine zu sein, nicht zu überleben?

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NineNinchen
Zitat von Balu85:
Lässt sich beschissen beschreiben. Ich hoffe du kannst mir da irgendwie folgen.

Ich kann dir sehr gut folgen!
Das ist eine ziemlich lange Durststrecke die du da hattest. :-/

Zitat von sonntag_morgen:
Was für Ängste? Alleine zu sein, nicht zu überleben?

Ja, schon irgendwie ein bisschen. Wer findet mich, wenn ich zu Hause mal umkippe. Mit wem kann ich all die schönen Dinge und Erinnerungen teilen.
Wer trägt auch mal mich ein Stück, wenn ich mal nicht so stark sein kann. Das beruht natürlich auch immer auf Gegenseitigkeit. Einen Versorger, Ernährer brauche ich nicht. Eher jemanden der emotional offen ist. Aber am Ende muss ich das genauso lernen, wie eben auch das Funktionieren im Alltag klappt. Meine Therapeutin meinte aber auch, dass der Mensch eben nicht alleine funktioniert sondern ein soziales Wesen ist. Die einen mehr als die anderen. Ich scheinbar etwas mehr. Mir geht es seelisch am besten, wenn da jemand ist wo ich ankommen und mich sicher fühlen kann und darf.

x 2 #8074


Stella31
Zitat von NineNinchen:
Mir geht es seelisch am besten, wenn da jemand ist wo ich ankommen und mich sicher fühlen kann und darf.

Das geht mir zu 💯 Prozent auch so.
Aber ich kann mir nicht irgendwen herbeizaubern, sondern muss geduldig mit mir sein.
Und meine Erkenntnis ist, dass ich definitiv nie wieder in einer Beziehung bleibe, in der ich mich nicht emotional aufgenommen fühle.

Dann lieber solange alleine bleiben bis der passende Mensch mir begegnet.

Und dass der VdK dich überhaupt nicht auffängt, ist schon lange klar und nun hat er es quasi nochmals bewiesen

x 3 #8075


sonntag_morgen
Zitat von NineNinchen:
Ja, schon irgendwie ein bisschen. Wer findet mich, wenn ich zu Hause mal umkippe. Mit wem kann ich all die schönen Dinge und Erinnerungen teilen. Wer trägt auch mal mich ein Stück, wenn ich mal nicht so stark sein kann. ...

Ok, aber das sind alles Dinge, die man aushalten kann.

Woher kommt das Gefühl "innerlich zerrissen werden"?
Kommt das wirklich nur von den fehlenden partnerschaftlichen Aspekten?
Oder vielleicht steckt etwas tieferes dahinter: das Verlassen werden in einer schwierigen Situation, der Entzug von Liebe, der Verrat an der Einheit Familie, nicht dazu zu gehören, Hilflosigkeit, Machtlosigkeit, das Gefühl zu Versagen weil man etwas nicht aufhalten kann, nicht gesehen werden in deiner Angst vor Verlust, Scham oder das Gefühl mangelhaft zu sein weil man verlassen wurde...

Ich könnte mir vorstellen, dass die dahinter liegenden emotionalen Aspekte schwerer auszuhalten sind und vielleicht auch etwas von deiner Kindheit hoch holen. Vielleicht hast du da schon einiges verdrängt.

x 5 #8076


Catalina
Zitat von NineNinchen:
Mein Steinzeithirn verbindet das mit Angst aber auch damit nicht liebenswert zu sein.

Kann ich auf der unbewussten Ebene nachvollziehen. Allerdings gibst du dem VdK damit ja wieder Macht, nämlich die Macht, darüber zu entscheiden, ob du liebenswert bist oder nicht. Das hat er aber nicht zu entscheiden, das darf jeder Mensch, auf den du triffst, für sich selber entscheiden. Und ich glaube, der Rest der Menschen spiegelt dir was anderes, nämlich dass du eine sehr sympathische und liebenswerte Person bist. Oder nicht?

x 3 #8077


P
Zitat von NineNinchen:
es fühlt sich für mich an wie ein innerliches Zerreißen.

Ja, das tut es. Und dieses starke Gefühl kann einem Angst machen. Kenne ich auch aus der Zeit.. ..
Allerdings hat sich bei mir auch eine andere Erkenntnis eingestellt gehabt "die Seele scheint in dem Schmerz erweitert zu werden, um später um so mehr Freude aufnehmen und verspüren zu können!"

Yep, trösted Dich gerade gar nicht. Aber sobald Du diesen Unterschied in der Freude verspürst, weißt Du, was ich meine.
Das wechselt einander ab, diese Phasen der schmerzhaften Erkenntnis und die Freude.

x 1 #8078


chocomoko
Ich lese hier ab und zu mit und habe noch folgende Gedanken dazu. Das betrifft nicht die Situation jetzt, sondern eigentlich den Bogen in dieser Geschichte. Ich meine, man kann allgemein sagen, er war ehrlich, hat nicht "gewartet", sondern ist im 5. Monat oder wann gegangen, hat nicht gewartet bis zur Geburt. Ja schon, nur befreit einen Ehrlichkeit nicht von Verantwortung. Du hast die restlichen Schwangerschaftsmonate im Desaster verbracht, auch auf das Kind konntest du dich damals nicht freuen. Er hat dir also eigentlich das Mutterglück genommen. Es ist ja ein Unterschied ob man noch die Geburt nichtsahnend hat im vollen Glück, und dann kommt der Bruch. Oder ob man vorher den Bruch hat und sich so gar nicht aus vollem Herzen auf die Geburt usw freuen kann. Ich finde diese Unbekümmertheit, diese Sorglosigkeit zu den damaligen Umständen eigentlich das schlimmste. Vielleicht hilft dir die Rückbesinnung auf diese Umstände mehr, ihn nicht mehr als "heilig" zu sehen. Ich finde nicht der Bruch an sich das schlimmste sondern diese Unbekümmertheit dich im 5. Monat sitzen zu lassen und dir somit die Vorfreude aufs Kind zu nehmen.

x 4 #8079


E
Liebe Ninchen, wäre vielleicht eine Kur was für dich? Sprich vielleicht mal mit deinem Hausarzt oder deiner Therapeutin darüber.

In den letzten Beiträgen wirkt es auf mich als hättest du (lapidar gesagt) "keine Zeit" zum verarbeiten. Du kannst nicht loslassen, weil du den Rahmen nicht hast um zu trauern, wütend zu sein, einfach mal dich "hängen zu lassen". Weil du immer für die Kinder parat stehen musst. Die kurzen Momente in denen sie beim VdK sind reichen dafür nicht aus.

In einer Kur könntest du die Kinder mitnehmen, du würdest für die Kleinen eine Betreuung haben. Du könntest Zeit bekommen dich mit allem auseinander zu setzen wofür dein Leben gerade keine Zeit hat. Du wärst auch nicht alleine damit. Gleichzeitig musst du dir keine Gedanken um Alltagsdinge wie Kochen, Putzen machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Rahmen dir wirklich helfen könnte.

x 7 #8080


C
Zitat von Jane_1:
Ich bin (oder hoffentlich war) auch der Typ Mensch, der dafür so derartig viele Runden brauchte, dass ich aus Scham kein Thema hier aufgemacht habe.

Und das zeigt mal wieder, dass Reflektieren alleine nicht reicht. Ist jetzt etwas OT - aber gerade dich lese ich hier sehr, sehr gern - du analysierst toll und differenziert, bleibst dabei aber immer sachlich und respektvoll im Ton. Wenn also jemand Situationen und menschliche Konstellationen durchschauen können sollte, dann eigentlich du, würde ich sagen.
Zitat von Jane_1:
Ich habe wie du eine Kindheit gehabt, in der ich nicht so geliebt wurde, wie jedes Kind geliebt werden sollte.Ich habe gelernt, dass ich alleine zurecht kommen muss und dass Krumen an Zuneigung reichen müssen. Es ist sehr schwer, das in der Kindheit implementierte zu verstehen und zu ändern. Ich glaube, dass genau diese Erfahrungen dazu führen, dass Menschen wie wir uns a) genau solche Menschen aussuchen und b) uns viel zu lange schlecht behandeln lassen.

Ja, das fürchte ich auch. Und wahrscheinlich reicht auch hier die Erkenntnis alleine nicht aus, um sich aus dem Muster zu befreien.

x 5 #8081


Ameise_78
Zitat von Caecilia:
Und das zeigt mal wieder, dass Reflektieren alleine nicht reicht.

Ja. Ein Problem zu erkennen bedeutet eben noch lange nicht, dass man es auch lösen kann.

Die Schäden, die eine lieblose Kindheit hinterlässt, sind so immens.

Wie sehr Betroffene ein Leben lang damit zu kämpfen haben, und wie sehr sie ihr Leben lang darum kämpfen, sich innerlich zu stabilisieren und normal zu leben, können sich viele nicht einmal im Ansatz vorstellen.

Da werden Dinge erwartet, die für viele super easy sind, für Menschen, die als Kinder völlig alleine und innerlich einsam waren, eine immense Kraftanstrengung bedeuten oder einfach gar nicht leistbar sind.

Und nein, Verständnis gibt es da in der Regel keins. Deswegen schweigen Betroffene oftmals lieber und versuchen, sich keine Blöße zu geben.

Und selbst wenn sie reden sagen sie eher nicht wie es wirklich in ihnen aussieht.
Denn andere schütteln meist nur den Kopf und sagen "du müsstest ja nur..." "warum machst du nicht einfach..." "aber dir muss doch klar sein, dass..."

Jaja. Müsste, sollte, könnte.
Schon klar.
Wenn es nur eben so einfach wäre...

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Jane_1
@Caecilia danke für deine Worte, sie haben mich zu Tränen gerührt.
Zitat von Caecilia:
Und wahrscheinlich reicht auch hier die Erkenntnis alleine nicht aus, um sich aus dem Muster zu befreien.

Ohne Erkenntnis geht es aber auch nicht.
Die Erkenntnis ist der erste Schritt.

Ich kann nur für mich sprechen, aber ich erlebe auch die Erkenntnisse über mich selber, als würde ich eine Zwiebel schälen. Es kommt immer noch eine weitere Schicht.

In meiner Zwiebel lag ganz tief eingebettet der Kern: "Ich bin wertlos".
Das liest sich vielleicht simpel und lapidar, aber ich habe sehr sehr lange gebraucht, um an diese Wahrheit zu gelangen.

Dieser Satz, diese Wahrheit kann überschrieben werden. Ist halt schei. anstrengend.

Caecilia: ich lese dich übrigens auch ausgesprochen gerne!

Und Nine: ich glaube, ich hatte das schon mal geschrieben. Aber ich finde es darf nochmal ausgesprochen werden, wie unfassbar gut dein Faden ist. Wie gut und erwachsen der Umgang miteinander, was für tolle Menschen sich hier gefunden haben. Das ist mMn kein Zufall. Das hat mit dir zu tun, Nine!

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Stella31
Zitat von Jane_1:
Dieser Satz, diese Wahrheit kann überschrieben werden. Ist halt schei. anstrengend.

Das würde mich interessieren, wie du es überschreibst.
Mir gelingt es nur sehr rudimentär, trotz Bearbeitung allein sowie mit Freunden und Therapie

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Heffalump
Zitat von NineNinchen:
Vermisst habe ich ja ohnehin noch nie wirklich.

Ehrlich

Was du in seine Worte und Blicke oft hinein interpretierst, was er völlig gegenteilig meint, ist sehr erschreckend

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