Zitat von NineNinchen:Wie ist dort die Kultur? Ich kenne die Lektüre dazu leider auch nicht, bin aber interessiert. Könntest du das bitte kurz beschreiben?
In Frankreich ist es nicht ungewöhnlich, dass (Ehe-)Männer Affären haben.
Die Tradition der "Mätresse" ist dort noch weit verbreitet und auch in modernen Beziehungen wird dies stillschweigend von der (Ehe-)Frau toleriert. Es anzusprechen ist fast schon verpönt.
Das hat sich auch im 6uellen Bereich ausgewirkt, in dem gibt es die Gleichberechtigung noch nicht so wirklich.
Belästigung ist dort fast schon an der Tagesordnung. Als ich dort Praktikum gemacht hatte, nach dem Abi, wurde ich auch belästigt - von einem Arzt.
Sogar im Gesetz war - bis es zum GP-Urteil kam (in 2024!) - verankert, dass es keine Zustimmung zu 6uellen Handlungen bedarf, solange man nicht widerspricht. Das war eine große rechtliche Hürde wegen der Beweiskraft.
Dies wurde dank GP geändert.
Dadurch wird es nun auch einfacher für Frauen, 6uelle Gewalt anzuzeigen - weil sie sich nicht dafür rechtfertigen müssen, ob sie auch wirklich deutlich "nein" gesagt haben.
Das Prinzip von "consent" (Zustimmung) ist bei 6ueller Gewalt ein sehr wichtiges und Frankreich war vielen westlichen Ländern hinterher was die diesbezügliche Rechtssprechung anbelangt.
Und daher kam auch die hier (mMn falsch zitierte) "Scham": es kann entwürdigend sein, erstmal "beweisen" zu müssen, dass man "nein" gesagt hat, nicht zugestimmt hat als Opfer 6ueller Gewalt.
Sogar im Prozess von GP wollten die Täter ihr unterschieben, dass sie nicht "nein" gesagt hat! Es wurde argumentiert, dass sie willentlich "mitgespielt" hat oder alternativ davon wusste oder es wissen oder ahnen hätte sollen! Es wurde sogar argumentiert, dass ihr Mann stellvertretend für sie zugestimmt hat!
Darauf bezieht sich die zitierte "Scham" von GP! Dies öffentlich anzuhören, auszudiskutieren, zu widerlegen - das ist sehr belastend / schwer und ja: beschämend.
Diese Gesetzesänderung macht es nun VIEL leichter für Frauen, diese Gewalt anzuzeigen und damit nicht abgewiesen zu werden.
Das ist ein großer Erfolg, den Frauen GP zu verdanken haben.
Auch der aktuelle Prozess in Norwegen, gegen Marius Borg Hoirburg, hat ein Element des "consent". In Norwegen ist das Gesetz auch leicht anders als hier und es bleibt abzusehen ob der Prozess dort Auswirkungen auf diese Diskussion des "consent" haben wird.