NineN
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Die letzen Monate kam er immer wieder näher, hat Zeit mit mir und uns verbracht, schöne Dinge gesagt, von Urlaub gesprochen und selbst gesagt, wie schön er das alles findet. Erst im Nachhinein hat er mir gesagt, dass er in dieser Zeit eigentlich für sich geprüft hat, ob es nochmal funktionieren könnte. Das hat er still für sich entschieden. Und jetzt nach Ostern hat er wieder allein entschieden: ihm macht die Nähe Angst, mein Drängen nach Entscheidungen und er will nun definitiv und auf gar keinen Fall mehr. Die Pause war rum. Es war Testlauf, von dem ich gar nicht wusste, dass er stattfindet. Ich habe ihn immer mal wieder gefragt was er möchte, braucht, was ihn beschäftigt. Aber da kam sehr oft, dass er das nicht wisse, seine Bedürfnisse nicht klar kenne.
Das hat sehr viel in mir ausgelöst: Wut, Ungerechtigkeit, Verrat, aber auch Erleichterung.
Erleichterung, dass er mich nun losgelassen hat, was ich nicht geschafft habe.
Denn ich sehe jetzt ganz deutlich, dass ich jahrelang versucht habe, aus schönen Inseln ein Festland zu machen. Dass ich gehofft habe, wenn ich nur genug verstehe, genug reflektiere, genug an mir arbeite, dann könnte es doch noch was werden werden. Ich habe unglaublich viel gemacht: Therapie, Lesen, Podcasts, Schreiben, Reflexion, Gespräche, Notizen, zeichnen. Ich habe es wirklich versucht. Und vielleicht ist die Erleichterung auch da, weil ich nun endlich nicht mehr leisten muss. Trotzdem ist die Trauer groß, die Angst mein täglicher Begleiter und auch die Wut über diese Ungerechtigkeit ist riesig.
Ich bin noch nicht fertig mit dem Verarbeiten. Ich vermisse ihn auch noch. Und ich habe Angst, wieder in Hoffnung und damit in die Schleifen zurück zu kommen. Aber ich sehe auch, dass meine Hoffnung oft von den guten Erinnerungen aufrecht erhalten wird.
Ein weiterer Punkt aus der Therapie hat mich auch wieder ziemlich getroffen.
Es ging um meinen Sohn und darum, was er in mir auslöst. Und auch um mein generelles Muster mit Männern.
Ich habe ihr von meiner Erfahrung mit Männer erzählt, dass ich diese oft als wenig verfügbar, abwertend, ausnutzend und verlassend empfunden habe. Und dass genau diese Angst jetzt auch bei meinem Sohn auftaucht. Dass ich Angst habe, dass auch er sich irgendwann von mir entfernt oder mich nicht wählt. Meine Therapeutin meinte, dass es gut sein kann, dass ich deshalb mit diesem Muster im Kopf nicht ganz unbefangen mit ihm eine Bindung aufbauen kann. Bei meiner Tochter habe ich dieses Gefühl sehr viel weniger. Dabei ist mir klar, dass es Quatsch ist. Auch Töchter können sich abwenden. Aber auch bei beiden habe ich die Angst, dass sie sich mal für ihren Vater entscheiden könnten. Er kann sich viel besser regulieren ist weniger anstrengend. Aber wie auch, wenn er maum Zugriff auf seine Empfindungen hat, nach eigener Aussage.
Ein weiterer großer Punkt ist meine Enttäuschung über die ganze Situation.
Ich merke, dass ich damit eigentlich noch gar nicht richtig zurechtkomme. Es ist nicht nur Trauer über die Trennung. Es ist vor allem dieses Gefühl von Ungerechtigkeit, von Verrat und davon, dass ich die Konsequenzen tragen muss, während er sein Leben weiterlebt.
Ich hab das Gefühl, mir wurde meine Freiheit, meine Leichtigkeit, auch ein Stück meiner Freude am Alltag mit den Kindern genommen. Und jetzt muss ich funktionieren, organisieren und komme innerlich eigentlich gar nicht zur Ruhe.
Diese Kombination aus Autonomieverlust, gebrochenem Vertrauen und dem Gefühl, dass er kaum Konsequenzen trägt, dass macht mich fertig.
Ich merke, dass ich oft versuche, mich zu beruhigen, versuche zu akzeptieren oder vernünftig zu sein. Ich bin nicht nur traurig,
ich bin auch richtig wütend.
Und ich habe noch keinen guten Weg gefunden, damit wirklich umzugehen. Vergeben, vergessen, verzeihen, dass kann ich alles nicht. Und immer wieder kommen leise Zweifel, wenn ich nicht doch etws weniger offensiv gewesen wäre vielleicht doch noch was zu retten gewesen wäre.
Meine Therapeutin findet meine offene und direkte Art gut, meinte ich soll nicht weniger sein, so sei eben auch ein bisschen mein Temperament. Aber viele fühlen sich durch diese Art eben auch genervt oder eingeschüchtert. Aber vielleicht muss ich auch lernen, dass mich eben nicht alle mögen und ich mich trotzdem auch bemühe etwas die Intensität zu steuern. Hätte ich das mal eher gemacht. Ich habe den VdK damit überrollt, auch wenn er genau diese Offenheit am Anfang so geschätzt hat.
Die Übergaben der Kinder habe ich stark an die neue Situation angepasst. Sie finden nur noch vor der Haustür statt, ich schau ihm nur auf die Füße, damit ist weder seine Tränen, noch Freude oder sonst was sehen muss. Dann hab ich immer einen Podcast oder Musik auf einem Ohr laufen, damit ich nie ganz im Moment sein muss. Immerhin muss ich diesen Prozess gut 6 x dir Woche machen.
Wenn danach der Drang da ist ihm zu schreiben, wird chatgpt eingespannt. Der schreibt zurück. Kontakt ist nur noch über Mail vorhanden. Wenn er die Kinder hat, dann kann er auch anrufen, sonst nicht. Das alles ist sicher nicht für die Ewigkeit, aber auf jeden Fall so lange wie ich es eben brauche.
Aktuell konzentriere ich mich ganz darauf Auto zu fahren. Um mir ein Stück Freiheit zurück zu holen. Aber ich merke auch, dass mir weiterhin der Sinn fehlt, den vorher die Beziehung ausgefüllt hat. Freizeit ist gut und schön, aber die Aktivitäten sind nicht das, was mein Leben mit Sinn und Erfüllung belebt.
So, das war jetzt ziemlich viel und was da auf mich die letzten 1,5 Wochen so eingeprasselt ist war auch wirklich umwerfend. Wörtlich gemeint. Ich war kurz davor meinen Rucksack zu packen, um ins Blaue aufzubrechen. So stark war der Impuls einfach nur weg zu sein.
Es ist nur der Stand bei mir gerade. Wie er ist, dass haben ja alle hier recht einheitlich prophezeit.