Zitat von Sternenguckerin:Mach es einfach, und wenn dir danach ist, dann gerne öfter. Es nützt dir gar nichts, wenn du das dauerhaft unterdrückst. Du schonst damit ja nur ihn.
Amen.
Ich traue mich auch (bisher) selten, die Wut raus- und zuzulassen.
Aber WENN, ist es wie eine Offenbarung. Eine Erleichterung. Und oft verläuft das Geschehen dann für mich günstiger. Weil ich wütend wurde und die Wut postwendend an den Absender zurückschickte.
Es fühlt sich für mich schlimm an, wütend zu werden (wenn ich nicht alleine bin und im sozialen Kontext agieren muss).
Es ist Kontrollverlust.
Mein Blutdruck schießt hoch - in Sekundenbruchteilen. Adrenalin flutet das System, verengt den Blick, verlangsamt das Denken.
Ich bin wie erstarrt in meiner Wut, die heftig brodelt und zugleich von mir zurückgehalten wird.
Bloß nichts Falsches sagen.Dieser mein Wunsch, diese Angst, was Unfaires oder Falsches zu sagen, das Gefühl, gar nicht wütend sein zu dürfen gepaart mit der Irritation "Was ist hier los?!" lässt mich erstarren.
Es ist nicht so, dass ich nicht gegen anstänkere. Ich hab aber echte Schwierigkeiten, mich aufs Streiten zu konzentrieren, weil ich eigentlich an zwei Fronten kämpfe:
Einerseits streite ich mit meinem Gegenüber. Bzw. heißt das in der Regel: ich werde angegriffen.
Andererseits beäuge ich mich selbst und versuche, der Schiedsrichter für meinen Streitpartner zu sein.
Warum ist das so?
Wann immer ich DAS lasse,
wann immer ich nur für mich streite, wann immer ich alle Energie in meine Anliegen stecke,
wann immer ich den Mund sofort aufmache statt meine Energie in Unterdrückung meiner Gefühle zu investieren,
dann leide ich auch unter der Körperlichkeit meiner Wut, die das ganze System so hart stresst.
(geht das jedem so? Ist das Übungsfrage?)
Aber ich leide nur einen Moment, rege mich viel schneller ab, fühle mich hinterher richtig und stark und habe mir nichts vorzuwerfen.
GANZ GLEICH wie der Streit verlief!
MIR ging es gut.
Wohingegen ich auch schon Versöhnungen hatte, die sich falsch anfühlten und der unbearbeitete Groll schwelte tagelang weiter. Unausgesprochenes verfliegt nämlich nicht.
Es liegt einfach in der Luft, bis es aufgegriffen wird.
@Femira hatte @NineN ja Literatur empfohlen (danke dafür, das interessiert mich auch)
Ein Buch, mein erstes, das Richtung Emanzipation ging, hat mir persönlich die Augen geöffnet:
Die Erschöpfung der Frauen -
Wider die weibliche Verfügbarkeit.
Von Franziska Schutzbach.
Kann ich nur empfehlen.