@Stella31 und
Zitat von Ameise_78: Ich glaube da liegt der Fehler: ob wir eine gute Bindung zu unseren Kindern aufbauen, liegt nicht am Partner.
Das sehe ich anders.
Aber auch erst durch eigenes Erleben.
Beim ersten Sohn tat ich mich mit der Bindung schwer, weil er schon im Krankenhaus und noch Tage später sehr fremd roch. Intellektuell war mir klar, dass das mein Kind ist. Aber emotional war er mir sehr fremd. Ich hab mich gekümmert etc., weshalb eine postnatale Depri auch ausgeschlossen wurde. Aber erst als das Kind vertraut roch, konnte ich ihn so in die Arme schließen, wie andere Mütter es von Anfang an konnten. Das Bindungshindernis konnte also allein durch mich beseitigt werden.
Beim zweiten Sohn gab es nie Bindungsprobleme. Aber durch die Misshandlungen, die sein Vater mir während der Schwangerschaft angedeihen ließ, kam er behindert auf die Welt, reizoffen, schon in dunklen Räumen überstimuliert, mit fürchterlichen Ängsten von klein auf. Den konnte ich nicht so in die Arme schließen, wie andere Mütter ihre Babies in die Arme schließen, weil das Kind es nicht ertragen konnte.
Und da war nichts, was von meiner Seite aus getan werden konnte.
Bindung ist keine Einbahnstraße. Es spielen mehr Faktoren hinein als das Mindset der Mutter.
Und Nine hat eine (für sie) schöne Babyzeiterfahrung mit ihrer Tochter gehabt und bekam noch in der Schwangerschaft mit dem Sohn gesagt, dass ihr Mann sich schon früher getrennt hätte, wenn er nicht noch ein zweites Kind hätte haben wollen. Hätte sie gewusst, dass der Vater sie nur als Surrogatsleib gebrauchen wollte, hätte sie dieser Schwangerschaft nicht zugestimmt. Aus meiner Sicht hat ihr Partner sie mit diesem Kind vergewaltigt. Ihren Körper unter Vortäuschung falscher Tatsachen benutzt, um sich ein Kind zu erschleichen, das sie ihm im Wissen um die Wahrheit nie geschenkt hätte. Im Englischen gibt es für den relativ kurzen Akt des unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschlichenen Beischlafs den Begriff "Coercion" und es fällt (je nach Land) unter Vergewaltigung. Hier war es nicht nur die Vag.na für 20 Minuten, sondern Ninchens ganzer Körper für viele Monate, der benutzt wurde. Ausdrücklich benutzt. Und sie sollte ihn jetzt nicht mehr nerven. Er würde ja seinen Teil beitragen, wenn sie über die Coercion hinwegsieht und hübsch lieb zu ihm ist.
Dass sie diese Tat und das Tatobjekt nicht von ihrem Wunschkind trennen kann, ist doch völlig verständlich. Im Gegensatz zum Täter geht Nine in Therapie, um u.a. das Kind gedanklich vom Vater zu trennen und in ihm nicht mehr das Werkzeug seines Missbrauchs zu sehen. Dass sie das nicht mal eben in der Elternzeit mit drei wöchentlichen Besuchen des Täters an ihrer Haustür tun kann, kann man vielleicht nachvollziehen und sie nicht als "seit Kindheit an defekt" oder "schlechte Mutter" hinstellen, die ihr Kind schädigt.
Wie wäre es, wenn der Vater mal zumindest gesellschaftlich dafür bestraft würde, einer Frau so lange die Hucke vollgelogen zu haben, bis sie ihm sein Wunschkind geboren hat, um sich noch während der Schwangerschaft in einer die Mutter und das Kind gefährdenden Art von ihr zu trennen?
Zitat von Ameise_78: NineN hatte keine liebevolle Kindheit und selbst keine gute Bindung zu ihren Eltern. Was hier passiert kommt nicht "einfach so". Es hat natürlich Gründe und Ursachen.
Drehen wir den Spieß doch mal um.
Mal angenommen, Du bist mit einem Mann langjährig zusammen, ihr habt ein gemeinsames Kind und sucht euren Weg als Paar und Familie. Da erzählst Du ihm, dass Du dringend eine Niere brauchst. Natürlich lässt er sich testen und es passt. Er kann spenden. Noch im Aufwachraum schlenderst Du an ihm vorbei und sagst ihm, dass eure Ehe schon lange nicht mehr gut war und Du die Niere nie gebraucht hast, sondern von Anfang an verkaufen wolltest, um Dir mit dem Geld ein neues Leben aufzubauen, mehr Musik zu machen, etc. Er darf sich ab jetzt um euer Kind kümmern, aber Du kommst drei Mal die Woche vorbei, um Deine Mütterrechte auszuleben.
Wie lange darf er seiner Niere hinterher trauern? Wie lange Dich zum Kotzen finden und die Welt dafür hassen, dass Du unter dem Deckmantel der Ehe Dich so schamlos an seiner Liebe und Treue und den Glauben an eine gemeinsame Zukunft bedienen durftest? Aber Du hast ihm doch die Niere freiwillig gegeben. Und bei jeder Nierenspende sollte es doch nur darum gehen, ob Du sie geben willst und nicht darum, was Du Dir von dem Familienmitglied erhoffst, dem Du vermeintlich das Leben rettest. Du darfst halt nicht auf das Rama-Familien-Bild vertrauen, in dem man dem Spender einer Niere Respekt entgegen bringt und ihn nicht noch auslacht oder ihm sagt, dass es für einen selbst ja auch nicht leicht war, den anderen so zerschnitten im Krankenhaus zu sehen. Und dass er sich jetzt aber nicht auf diese schließlich freiwillige Nierenspende oder die Narbe konzentrieren soll, sondern nach vorne schauen und das beste aus seinem Leben machen soll. Weil es das Beste fürs gemeinsame Kind ist und sonst ja der verbitterte Nierenspender dem Kind schadet.
Merkst Du, wie die Aufforderung, sich doch über den zu freuen, an den die Niere verkauft wurde und dem man das Leben gerettet hat, und das Leben nun zu genießen, so wirkt, als sei mit den Umständen, unter denen die Niere den Besitzer wechselte alles in Ordnung bzw. dürften die keine Rolle mehr spielen?
@NineN Ich finde, indem Du dem Kindsvater den Zugang zu beiden Kinder so sehr erleichterst, wie Du es tust, hast Du schon mehr für die Kinder getan, als man unter den Umständen erwarten kann.
Ja, Dein Leben wird besser werden (und zwar für Dich!) wenn der Blick vom VdK weg und hin zu Dir kommt. Aber da Du bis September eh in der jetzigen Situation mit wenig Geld und vielen Verbindlichkeiten festsitzt, finde ich es völlig angemessen, Dich hier auszukotzen. Wenn wir es schaffen, bis September einen Plan auszutüfteln, wie Du die Krippenzeit so gestalten kannst, dass mehr Bequemlichkeit für Dich herausspringt und weniger Bequemlichkeit für den VdK, hast Du aus meiner Sicht alles getan, was Du derzeit tun kannst.