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Partner trennt sich in Schwangerschaft

W
Zitat von NineN:
@Plague Ja. Am Anfang sah es nur gar nicht danach aus. Eher ganz im Gegenteil. Hätte ich die Ehe seiner Eltern mal ernst genommen hätte ich ...

diese Erkenntnisse sind so wertvoll, Nine. So traurig es ist - dadurch, dass dir das bewusst wird, kannst du es aktiv verändern, deinen eigenen, neuen Weg gehen. Das dauert, klar, aber dadurch fallen dir die Dinge in deinem Umfeld ganz anders auf, dein Blick schärft sich und du kannst auch deine unterbewussten Muster immer besser aufspüren und integrieren, weil sie sich Stück für Stück wie Puzzleteile fügen.

x 5 #9421


Löwenzeh
Zitat von NineN:
Ich fürchte ehrlich gesagt, er ist aktuell tatsächlich stabiler als ich.

Weshalb deine Leistung TAGTÄGLICH bedeutend größer ist.
Kannst du dir nix von kaufen, aber vielleicht mal anerkennen, was du da leistest.

Zitat von NineN:
Ich bin zu fordernd und anstrengend gewesen aus seiner Sicht.


Jetzt mal Butter bei die Fische:
Glaubst du nicht, das wäre jede junge Mutter gewesen? Jede, die von ihm fordert, seinen Anteil, nicht nur physisch und finanziell, auch emotional zu leisten?
Du sagtest

Zitat von NineN:
Nach der Geburt unserer ersten Tochter war er ja auch da, hat sich voll reingehängt. Hat alles gemacht, mir alles besorgt was ich gewollt hätte. Aber irgendwie kam ich nicht ganz klar mit mir und fühlte mich trotzdem alleine. Kann es nicht beschreiben.

Wahrscheinlich konntest du mit ihm nicht in die Tiefe gehen. Ernsthaft reden. Alles wurde abgewiegelt mit "Wird schon". Stelle ich mir vor.

Obendrein hattest du die Herkulesaufgabe (Schwangerschaft und Geburt) und er war der freundliche Assistent...
Du warst nicht anstrengend und fordernd. Du warst Mutter mit tausend neuen Herausforderungen und spürtest vielleicht zum ersten Mal, das was fehlt, was du brauchst.

Zitat von NineN:
Ich denke nicht, dass es gut für uns beide wäre, wenn ich ihn weniger hätte.

Ich denke, für niemanden ist es gut, weniger Nine zu haben 🤗
Wer was anderes glaubt, ist dämlich.

Zitat von NineN:
Ich hab davor und danach einen Puls von 180 und bin unglaublich angespannt.

Schrecklich. Da hätte ich gerne eine Idee für dich, aber das ist echt schwierig.
Ich drücke dich ganz fest.

Zitat von NineN:
Ich bin fassungslos und mir zuckt da echt die Hand.

Ist doch klar.
Alles was du willst, ist eine Reaktion, eine richtige, emotionale.
Er verwehrt es dir, weil es das letzte ist, was er will: emotional werden.

Das macht halt wütend und frustriert.
Aber er würde auch auf Handgreiflichkeiten nicht ansatzweise befriedigend reagieren und dich damit nur fertig machen. Halt durch.
Verständnis und Mitgefühl kann man keinem einprügeln...

Zitat von NineN:
Das nimmt so viel Energie, die mir eigentlich für die Kinder fehlt.

So ist das halt.

Du brauchst auch Energie für dich.

Wirf dir nicht vor, ein Mensch zu sein.
Das stimmt zwar, aber ändert auch nichts daran.
Und jeder macht sich dessen schuldig😘

Zitat von NineN:
Ja und das macht mir ein bisschen Angst

Kenn ich. Das macht es ganz schlimm.
Hab keine Angst vor dir.
Du bist vielleicht mal ausgetickt (wer nicht?), aber hast du auch mitgezählt, wie oft du die Contenance gewahrt hast? Mit Sicherheit öfter.
Halt dir vor Augen, wie du sein willst, strebe danach und mehr kann man doch von niemandem verlangen. Setz bei dir selbst gefälligst die gleichen Maßstäbe an wie beim Rest der Welt!
Zitat von NineN:
provoziert mich ja auch nicht extra, sondern versucht es normal zu machen.

Jaaaa, aber genau DAS provoziert dich halt. Diese scheinheilige Normalität, die der werte Herr anknipst wie eine Lampe.
Dieses normal-behandeln, das ja zu anderem Zeitpunkt gerne gesehen gewesen wäre von dir, aber du kriegst halt nie von ihm was du dir wünschst, immer nur die A-Karte.
Ich verstehe das gut.
Zitat von NineN:
Einmal hab ich ihn schon körperlich angegriffen. Er macht mich absolut irre mit nichts.

Es ist nicht "nichts". Es ist nichts, auf das man sich berufen könnte.
Ich kenne das von meinem Mann.
Es ist das Auftreten, der Tonfall, die ausgestrahlte Ruhe und Arroganz, während ich mich (berechtigterweise!) in Rage rede.
Und nur süffisante Provokationen zurückbekomme. "Na, knalltst du gleich wieder mit Türen?"
Und ich mit meinem Puls jenseits der 200 muss lernen, für mich selbst die Beherrschung zu bewahren. Weil ICH darunter leide, wenn ich mich zu irgendwas provozieren lasse .
Weil ER nicht gewinnen soll in dieser Situation, in der ich fordere und er nur provoziert um abzulenken. Nur Stuss labert.
Zitat von NineN:
Versteht ihr was ich meine?

Ich krieg schon beim erinnern Puls.
Wir hatten auch ne nette Woche 🙄
Ist das so ein Mann-Frau-Ding?

Zitat von NineN:
Das kann ich keinem erklären

Erklärung folgt auf dem Fuß:
Zitat von NineN:
Aber weil ich mich eben benutzt fühle. Weil er bekam was er wollte ich und gefühlt alles verlor.

Total einleuchtend als Erklärung.
Das verfliegt ja auch nicht mal eben.
Da wächst man rein und raus, Jahr für Jahr, wie alles im Leben...

x 2 #9422


A


Partner trennt sich in Schwangerschaft

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NineN
Zitat von Femira:
Gibt es einen Teil in dir, der froh ist, dass du das Leben deiner Mutter nicht wiederholen musst?

Ja. Aber ich bedaure auch, nicht schon eher ausgestiegen zu sein. Nach meiner Tochter. Ich bin mir nur noch gar nicht so sicher wie ich leben will mit Kindern. Mit dem VdK war alles so klar. Ich wüsste es nur ohne Kinder. Meine Mutter sagte zu mir, ich habe immer noch die Möglichkeit ein gutes bürgerliches Leben zu haben. Sie träumte immer von Familie, Garten und Haus. Der Satz von ihr löste bei mir eher Grauen aus. Ich verbinde das mit Starre und wenig Bewegung. Grauenvoll. Nein, ich will irgendwie ein eher wildes Leben mit den Kindern mit Abenteuern.

Ich hab letztens gelesen, (Buchempfehlung meiner Therapeutin), dass wenn man nicht weiß man man will, sich fragen soll, was man im Alter von 8-10 gern gemacht hat. Wo man als Kind komplett drin aufgegangen ist. Denn in dem Alter machen die meisten Kinder mur Dinge, die aus dem Herzen kommen. Ich musste sehr lachen als ich mir dessen bewusst wurde und wie weit weg ich davon war und wie viel näher ich dem seit der Trennung inzwischen schon wieder gekommen bin.

Zitat von Femira:
Wie ging es dir damit, dass deine Mutter äußert, dass sie stolz auf dich ist?

Ich war überrascht und stolz und hatte Mitleid mit meiner Mutter. Weil sie ihr Leben verpasst hat. Sie hängt ziemlich durch, findet wenig sozialen Anschluss, ihr Arbeit ist auch eher schwierig. Aber ich kann es nicht auffangen, weil unsere Beziehung eben auch einen Bruch hat.
Sie hat mir nur dreimal im Leben gesagt, dass sie stolz ist und jedes mal schwang auch Überraschung mit. Als ob sie mir das nie zugetraut hätte. Das hat mich dann gleichermaßen verletzt.

Zitat von Femira:
Was macht das, was sie dir erzählt, mit deiner Perspektive, dass deine Mama unberechenbar war?
Inwiefern kannst du innerlich deinen Papa mit in die Verantwortung deiner Kindheit nehmen?

Meine Mutter ist immer noch Unberechenbar. Sie ist der Spiegel der mir immer wieder zeigt, wie ich nicht sein möchte. Und wie unfassbar schwer, fast unmöglich es ist genau gegenteilig zu handeln.
Ich bin auch auf meinen Vater nicht böse. Ich habe meinen Großvater erlebt, ich weiß warum er ist wie er ist. Aber wäre er nicht mein Vater, ich würde ihn vermutlich nicht besonders mögen. Trotzdem lässt er auch immer wieder in Gesprächen Durchblitzen, was für Erinnerungen er mit mir hatte. Und die waren stellenweise schön. Er ist emotional nicht da, versteht mich einfach nicht und zeigt wenig Empathie. Versteht auch meine Mutter nicht. Vermutlich so wie der VdK. Er macht halt einfach weiter, während meine Mutter noch kämpft obwohl sie sich ja getrennt hat. Selbst in der Trennung gibt's noch so viele Parallelen. 😵 Dennoch fragt er mich immer wieder nach ihr, die Melancholie ist bei ihm schon spürbar. Aber er spricht nicht darüber.
Er hilft mir in praktischen Dingen, weiß nützliche handwerkliche Tipps. Auch das ist Gold wert. Für emotionale Themen hab ich andere Menschen in meinem Leben.

x 5 #9423


Femira
Zitat von Löwenzeh:
Ich bin zu fordernd und anstrengend gewesen aus seiner Sicht.

Danke für dieses Zitat, dass eigentlich von @NineN ist. Ich bin nur nicht zurück gesprungen. Sry.

Meinst du nicht, dein Papa würde dasselbe über deine Mutter sagen? Deine Mutter äußert ein Bedürfnis und er mauert mit "Du forderst zu viel." Dann ist sie in Not, weil ihr Bedürfnis nicht gesehen, geschweige denn erfüllt wird. Nein, sie bekommt sogar eine Abwertung: Du bist zu viel.

Joa...das Leben nicht nur so zu führen, wie es für einen Selbst am besten ist, braucht ein Wahrnehmen des anderen. Und das ist schwer. Dass jemand mehr Energie mobilisiert, um seine Bedürfnisse zu erfüllen, zeigt, wie viel Kraft und Potenzial da ist. Leider kann man aus solchen Beziehungen, in denen man nicht gesehen wird, nur gehen.
Das innere Kind denkt aber: Wenn der andere mich liebt, erfüllt er meine Bedürfnisse. Ich muss mich mehr anstrengen.

Aber das Sehen können liegt beim anderen.

x 2 #9424


Femira
Zitat von NineN:
Sie hat mir nur dreimal im Leben gesagt, dass sie stolz ist und jedes mal schwang auch Überraschung mit.

Wenn jemand anders handelt, als wir selbst, sind wir überrascht, dass es anders geht.
Du zeigst ihr, was sie hätte tun können und sollen.
Das ist einerseits schön für sie, denke ich, denn sie will ja, dass du es besser hast als sie. Andererseits tut es weh, weil man die eigenen Fehler unter di3 Nase gerieben bekommt. 😊

x 3 #9425


Jane_1
Zitat von NineN:
Ich hab letztens gelesen, (Buchempfehlung meiner Therapeutin), dass wenn man nicht weiß man man will, sich fragen soll, was man im Alter von 8-10 gern gemacht hat. Wo man als Kind komplett drin aufgegangen ist. Denn in dem Alter machen die meisten Kinder mur Dinge, die aus dem Herzen kommen. Ich musste sehr lachen als ich mir dessen bewusst wurde und wie weit weg ich davon war und wie viel näher ich dem seit der Trennung inzwischen schon wieder gekommen bin.

Wie schön das ist.

Ich wüsste gerne, was für ein Buch das ist.

x 1 #9426


NineN
Zitat von Jane_1:
Ich wüsste gerne, was für ein Buch das ist.

Im Kreis des Lebens - Die dreizehn Archetypen der Frauen. Von Elisabeth Davis und Carol Leonard

Es ist schon auch ein bisschen sehr esoterisch angehaucht. Ich zieh mir einfach immer das Beste aus solchen Dingen. Muss ja nicht mit allem übereinstimmen. Ist wie hier.

x 4 #9427


P
Zitat von NineN:
Mein Vater war/ist auch so zu meiner Mutter gewesen.

Ist nur ein Zitat. Das soll stellvertretend stehen für "haste auch Deinen Vater geheiratet?!" Also den Typus.

Das ist wichtig, um die erfahrenen Verletzungen als Kind nicht auf unauffindbar wegzudrücken. Sondern auf diese Weise bekommst Du die super Chance als erwachsene Person Dich nochmal mit diesen weggedrückten, aber dennoch lebhaft vorhandenen Gefühlen auseinander zu setzen.
Warum auch immer das so funktioniert? Keine Ahnung.
Ich habe das erlebt. Andere erleben das. Es funktioniert, wenn man sich dem stellt und die alten Wunden und Gefühle jetzt wahrnimmt und zulässt. So kannst Du heilen und frei werden für eine eigene Zukunft.

Kein Mensch ist mit der Geburt bereits ein fertiger Mensch. Stattdessen sind die Anlagen gelegt für weitere eigenständige Entwicklungen. Der Körper wächst weiter. Funktionen werden ausgebaut. Fertigkeiten werden trainiert. Spaß wird erlebt. Verschiedene Erfahrungen mit Gesundheit und Krankheit gemacht.

Und so ist das auch mit dem Verstand. Der sammelt Wissen und Erfahrungen. Zieht Schlussfolgerungen. Man kann Spaß bekommen mit diversen Überlegungen. Aus Fehleinschätzungen kann man lernen.

Gleiches mit Gefühlen. Da wird man mit einer Palette an Gefühlen ausgestattet. Manche sind toll und hat man gerne. Andere überrollen einen regelrecht. Einige sind in der einen Situation hilfreich. Andere Gefühle in anderen Situationen. Wie umgehen mit eigenen Gefühlen, ihrer Stärke, ihrer Anwesenheit oder auch ihrer Abwesenheit? Das ist ebenfalls ein lebenslanger Prozess.
Und wenn sich weggedrückte Gefühle endlich zeigen dürfen, dann ist nachträgliches lernen angesagt. Feststellen, was diese Gefühle mit einem machen. Herausfinden, was diese Gefühle einem mitteilen möchten, und überhaupt lernen, was das eigentlich für Gefühle sind.

Nun, das ist nicht ans Alter gebunden. Nicht alles ist bereits natürlich als Kind zu lernen. Das kann jeden in jeder Lebenslage treffen, daß neue Gefühle einen überrollen. Gut, wenn Du die Gefühle fühlen darfst. Gut, wenn Du sie kennenlernst. Und dann ist es gut, wenn Du herausfindest, wie Du mit ihnen umgehen möchtest oder umgehen kannst.

x 5 #9428


D
Wie stehst du zu Imaginationen @NineN?
Der BWK nimmt seinen Teil der Verantwortung nicht und lässt dich auflaufen. In Imaginationen kannst du ihm alles in den Flur stellen. Also seine Verantwortung gedanklich in Kisten packen und ihm in die Wohnung stellen.
Gleichzeitig in Gedanken zurück holen, was deins ist.
Das funktioniert hervorragend! Dabei immer wieder wahrnehmen, wie und ob und wo du dich leichter fühlst. Wo stärker. Wo verbundener. Wo ermächtigter.

Vielleicht ist diese Übung ja was für dich.

x 2 #9429


Löwenzeh
Zitat von NineN:
Sie hat mir nur dreimal im Leben gesagt, dass sie stolz ist und jedes mal schwang auch Überraschung mit. Als ob sie mir das nie zugetraut hätte. Das hat mich dann gleichermaßen verletzt.

Es ist schade, dass dir etwas vorenthalten wurde, was für mich Grundbedingung sein muss: Bestärkung und Stolz.
Es ist schön, wenn du es bei deinen Kindern besser machst.
Und wenn du dich selbst mal im Verhalten an deine Mutter erinnerst, dann gestehe euch beiden zu, einfach nur Menschen zu sein, die straucheln und fehlentscheiden. Wichtig ist, immer wieder aufzustehen und das Beste aus sich und für sich holen zu wollen.

Wenn man als Kind selbst nicht bestärkt wurde - kann man das mühelos bei den eigenen Kindern?
Hat man es damit nicht auch schwerer?

Mein Mann hatte eine unschöne Kindheit und tut sich zum Beispiel extrem schwer mit Komplimenten.
Er macht keine (mittlerweile doch ab und an, weil ich den Wunsch oft geäußert habe; sobald ich aufhörte, ihn damit zu drangsalieren, versuchte er es ganz schüchtern und selten mal) und wenn man ihm ein Kompliment macht, wird es entkräftet seinerseits, statt freudig zur Kenntnis genommen.
Andererseits kann er unserem Sohn den ganzen Tag sagen, wie süß er ist 🤗 Bei ihm war aber auch der Vater das Problem und ich glaube eine zugewandte Mutter kann da was auffangen.
Bei dir waren ja leider beide Seiten ... eigen.

x 4 #9430


Löwenzeh
Zitat von NineN:
Nein, ich will irgendwie ein eher wildes Leben mit den Kindern mit Abenteuern.

Klingt super! Hast du von der Frau gehört, die mit ihrem Fünfjährigen etliche Kilometer mit dem Rad zurückgelegt hat?
Durch Rumänien geradelt oder so, wochenlang.
Ich war hin und hergerissen zwischen
"Wie kann sie nur, wenn was passiert?" und
"Wie gut, die Welt gehört dir, mal sie dir, wie sie dir gefällt"

Es ist nichts passiert.
Und passieren kann überall was.
Die Frau hat jedenfalls was zu erzählen. Und der Lütte erst. Der muss stolz wie Oskar sein.
Ich bin stellvertretend stolz, dass es Frauen gibt, die sich das trauen.
Ich hätte Schiss.
Aber wenn ich müsste, würde ich es auch schaffen.

Meine Abenteuer hab ich aber lieber ne Nummer kleiner 😝

x 4 #9431


Löwenzeh
Zitat von Femira:
In meinem Lieblingserziehungsberatungsbuch steht, wenn Kinder Wutanfälle haben, soll man sich neben sie setzen und die Gefühle verbalisieren: Ich sehe, du bist wütend. So wütend. Du hättest lieber xy und hast es nicht. Das macht dich wütend. So viel Emergie." Usw.

Das habe ich heute morgen auch instinktiv mit mir selbst gemacht. Der Umgang mit meinem Kind und mein Anspruch dahinter sorgt auch für mehr Wohlwollen mir gegenüber. Nein, warte, ICH sorge für mehr Wohlwollen mir gegenüber.
Weil ich erkannt habe, dass ich zu anderen rücksichtsvoller bin und eigentlich seit 30 Jahren versuche, mich selbst mit Abwertungen anzutreiben. Ich sollte langsam mal erkennen, dass es nicht wirkt und Bestärkung effektiver ist!

Na ja, als mein Mann mich heute morgen nach dem Toilettengang (um merklich freundlichen, nicht offensiven Ton bemüht, weil wir beide unsere Reibungspunkte kennen) bat, ob ich mir künftig immer die Hände waschen könne?
Da brach ein Gewitter in mir los. Ich überlegte ein paar Sekunden, mir bewusst, dass die Reaktion, zu der ich gerade geneigt bin nur zu Streit führt. Mir bewusst, dass er eine Eskalation fürchtet (impliziert sein bemühtes Verhalten). Mir bewusst, dass es ein ganz normaler, neutraler Satz war. Kannst du dir bitte die Hände waschen?
WARUM macht es mich so wütend?
Ich schluckte und sagte: "Ja. Mach ich."
Er war total erleichtert, das hab ich gemerkt und quasselte dann noch eine Erklärung hinterher, von der ich nichts wissen wollte. Ich war total geladen und sagte: Bitte, ich mach es, ich will das jetzt nicht hören.
Und er ließ es gut sein. (Da merke ich, dass wir beide lernen. Früher hätte ich es nicht zurückgehalten und unter die Lupe genommen und er hätte es nicht dabei bewenden lassen. Wird auch wieder Situationen geben, wo es so kommt, aber manchmal wenden wir auch ab mittlerweile)
Als er dann arbeiten war und ich in meinem Morgenblues erstmal eine Runde Tränen fließen ließ, da sprach ich mit mir selbst:

Was ist da los? Wo kommt diese Flut her und was verletzt dich so?
Und ich antwortete mir selbst, dass ich mich davon herabgesetzt fühle. Als dreckig befunden. Unhygienisch.
Dass es mich nervt, dass wir da so unterschiedlich sind (er wäscht die Hände bis sie bluten und hätte es gern sauberer, ohne die Arbeit leisten zu wollen. Ich hab kein Problem mit Dreck und Schmutz und will mich zuhause wohlfühlen und nicht gemaßregelt). Dass ich doch überlegt habe, die Hände zu waschen, mich dagegen entschieden, weil sie sauber sind, meine Toilette auch, ja selbst mein verdammter Schritt ist nicht so verdammt dreckig, wie seine Aufforderung mir das Gefühl gibt. Aber es ist MEIN Gefühl. Und ich glaube auch nicht, dass er will, das ich mich schlecht oder dreckig fühle.


Und ich weiß gar nicht, wo das herkommt. Es ist nicht bloß er und seine Art. Nicht ordentlich genug, das zieht sich durch Kindheit und Leben. Und ich will gar nicht (mehr) ordentlicher sein; ich will hingenommen werden. Oder für die Kritik unempfindlich sein. Ist in Arbeit.
Wenn ich jetzt meine FAmilie betrachte: Väterlicherseits eher so Biedermeier, Ordnung wird hochgehalten und hochgelobt.
Mütterlicherseits chaotischer, Omi hat Messieprobleme und Mama wurde eigentlich auch mein Leben lang seitens Vater und seiner Mudda als "unordentlich, chaotisch, stur" tituliert.
Mein Vater klingt mittlerweile wie meine Oma und betont immer wie toll ordentlich es im Haushalt der Tochter seiner Freundin (was ein Satz...) sei. Ich denke mir, dass ich schon immer nach dem anderen Teil der Familie schlug, und sie als Menschen auch viel zugänglicher, fröhlicher und unbeschwerter wahrgenommen habe.
Da hab ich lieber Spaß im Dreck, als verbiestert in meiner geleckten Küche zu hocken...

Lange Text, bisschen Sinn:
Als ich Worte fand für all dieses Wirrwarr,
erkannte, wie mein Mann und ich uns da gegenseitig triggern

(er "musste" lange unter dreckigen Umständen hausen; ich weiß nicht, wieviel er versucht hat aufzuräumen, jedenfalls sah es zeitweise bei ihnen zuhause sehr ekelhaft aus, seine Schwester mit argen psychischen Problemen hauste in ihrem Zimmer sehr unsauber mit gammelnden Essensresten, seine Mutter arbeitet sich tot und er kam nicht dagegen an, dass das Chaos auch seine Räumlichkeiten mit einnahm.

Ich von klein auf an zu mehr Sauberkeit und Ordnung ermahnt, und da schlage ich ja schon nach Mama und Omi, stets am Widerstreben, weil ich will, was ich will und vor allem meinen Willen.)

da war alles gut.

Genug Tränen vergossen, ausreichend Antworten gefunden, da besprang mich mein kleiner Loddl und wollte auf mir rumhopsen. Da musste ich lachen und merkte, das Gewitter ist vorüber.
Ein kleiner Einblick in mein Hirn.
Vielleicht hilft es dir ja, @NineN, ich kann sich selbst begleiten empfehlen und werde es wieder machen.

#9432


Stella31
Zitat von NineN:
Meine größte Angst die ich je hatte ich wahrgeworden: ich habe das Leben meiner Mutter gewählt.

Du kannst wählen, ob du es so weiterlebst oder die Ahnenkette durchbrichst und deinen Kindern ab jetzt ein besseres Leben ermöglichst, welches nicht durch die vielen alten Muster eurer Familie geprägt ist.

Dafür braucht es u.a. eine Vision!
Wie wünscht du es dir unter den gegebenen Möglichkeiten und Umständen?
Was hilft, damit es gut wird?

Damit meine ich nicht, dass du an dein bisheriges Bild der heilen Familie denken sollst, sondern vielleicht schaffst du es, dir andere Eineltern-Familien als Vorbild zu nehmen, die bei allen Widrigkeiten ein tolles Modell haben.

#9433


Stella31
Zitat von Löwenzeh:
Da hätte ich gerne eine Idee für dich, aber das ist echt schwierig.
Ich drücke dich ganz fest.

Vielleicht ein Knautschball in der Hand, den man fest zusammen drücken kann, wenn man den VdK sieht!

Zitat von NineN:
Meine Mutter ist immer noch Unberechenbar. Sie ist der Spiegel der mir immer wieder zeigt, wie ich nicht sein möchte. Und wie unfassbar schwer, fast unmöglich es ist genau gegenteilig zu handeln.

Auch hier nochmal:
Überleg nicht, ob du ihr ähnelst, sondern frag dich, wie DU sein willst.
Solange du keine eigene Idee hast, gehst du in die Richtung, die dir bekannt ist. Wenn die aber schlecht ist, machst du da echt Fehler mit. Also visualisiere, was du willst.
Mach dir zb ein Vision Board..oder male etwas. Egal! Hauptsache du kannst das täglich ansehen und verinnerlichen.

#9434


A


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