Liebe Kerstin und Raketenmädchen,
guten morgen erstmal
Tja wie das mit dem sich Luft lassen gehen soll, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Auch wenn mein Sohn grad recht anstrengend ist, so doll brauch ich ihn aber auch grad an meiner Seite. Ich lass öfter mal die Oma oder Freunde kommen, die auf ihn mal zwei Stunden aufpassen und da kann ich dann Haushalt machen. Da er schon 17Uhr ins Bett geht, hab ich ab dann bis 22Uhr Zeit für mich. Das tut gut, da ist TV, lesen, nähen, PC, ein kurzes Bad nehmen etc drin ohne dass ich auf Hilfe angewiesen bin und das macht mich stolz. Ich mag es nicht um Hilfe zu bitten... aber ich bessere mich schon in der Hinsicht. Besuche im Restaurant und Cafe gehen super mit meinem Baby, solang er an Mutti dran gebunden ist, ist seine Welt in Ordnung. So konnte ich mit Freunden auch schon ausgedehnt beim Inder essen gehen oder beim Bäcker bei Kaffee und Kuchen quatschen. In einer Woche fahre ich wieder für 10 Tage zu meinen Eltern, das ist sehr erholsam da meine Mutter den Kleinen bis Nachmitttags bespaßt, dann geht sie arbeiten und mein Vater hat Feierabend und bespaßt seinen Enkel bis er ins Bett geht. Ich hab meinen Sohn dann immer nur zum Stillen, zum Nickerchen machen oder Nachmittags für meinen Standardspaziergang mit ihm. Nur die Nächte sind woanders immer bescheiden, da schläft er noch schlechter als sonst.
Ich bin wöchentlich in der Krabbelgruppe, habe dort ganz zufällig eine sehr liebe Freundin gewonnen, sie fährt mit uns öfter mal wo hin oder besucht mich mit ihrer Tochter. Babyschwimmen ist leider kein Platz frei. Ansonsten haben meine Freunde Babys/Kleinkinder und zwei ehemalige Kolleginnen von menem Ex sind nun auch liebe Freunde von mir geworden, beide haben auch Säugling/Kleinkind. Meine Hebamme betreut mich ebenfalls noch bis nächstes Jahr April, sie ist bei Problemen jederzeit über Whatsapp zu erreichen und sie hat mich einmal auch schon 22 Uhr zurück gerufen, als ich mit meinem Sohn massiv überfordert war wegen Schreiattacken.
Mein Sohn hat - so klein er noch ist - leider viel von der Trennung mitbekommen, er und ich sind da auf ganz vielen Ebenen noch stark miteinander verbunden. Er spürt sofort wenn es mir schlecht geht oder ich aufgewühlt bin und er spiegelt mich dann. Und dann kriegt er durch das Stillen ja auch noch die veränderte Milch ab... Er hat Verlustangst entwickelt, ist extrem auf mich fixiert und schreit sobald er mich nicht mehr sehen kann, er hat Albträume und schläft nicht mehr durch sondern will nun alle 2 Stunden nachts gestillt werden. Das schlaucht grad sehr. Die Zähne scheinen sich auch grad auf den Weg zu machen und seine 60g Brei am morgen regen seinen Darm sehr an, die Umstellung macht ihm zu schaffen. Aber ich möchte eh noch ein halbes Jahr stillen wenn es geht.
Und dann denke ich mir... mit all diesen Schwierigeiten lässt er mich einfach allein. Wie selbstverständlich. Und da muss ich mir immer vor Augen halten, dass selbst in der Beziehung mein Ex nicht öfter hilfreich zugegen war als jetzt, dass er eh stets mit dem BXM unterwegs war oder bei der Neuen. Er schierb und sagte mehrfach, dass er mit seinem Sohn nix anfagen kann, er sei zu klein und sein ningeln nerve ihn. Er könne erst was mit ihm anfangen,wenn er sitzen und laufen kann und da könne er ihn immer schön mit aufm BMX Platz nehmen usw... Als wäre das die ganze Welt, dieser sch.... BMX Platz.
Er spielt evtl später den Teilzeit-/Schönwettervater und ich hab die Lasten alle allein zu tragen. Er gibt ihn dann wieder ab und kann sich brüsten, was für ein toller Dad er doch ist weil er für ein paar Stunden mit seinem Sohn Umgang hatte und ich bin selbstverständlich 24/7 zuständig. Diese Ungerechtigkeit nagt sehr an mir. Nichtmal Unterhalt hat er pünktlich gezahlt, das hat seine Mutter übernommen, weil er kein Geld mehr hatte (und er wusste, welche Summe auf ihn zukommt, nur dachte er wahrscheinlich nicht, dass das Jugendamt ihm nur eine Woche Frist gibt - denn ich hatte sämtliche Gehaltszettel, Versicherungen, Steuerbescheide etc von ihm noch schnell kopiert, solang seine Sachen noch in meiner Wohnung lagen). Mittlerweile hat er auf dem Amt beurkundet, dass er Mindestunteralt zahlen wird, immer zum 1. und immer auf mein Konto. Macht er das nicht, wird der Lohn vollstreckt. Meine Bearbeiterin ist da sehr hinterher, dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Erst nach 4 Wochen schafft er es sich nach dem Befinden "unseres Sohnes"zu erkundigen. Grad vorhin war er da, mir meine Sachen zurück bringen... keine Intension seinen Sohn zu sehen, zu halten, mit ihm raus zu gehen. Schlimm so ein Erzeuger... und schreibt mir wie sehr er ihn liebe und sich kümmern will. Ja ja is klar.
Er hat mir immer erzählt, wie sch. es mit seiner Ex war.... dass er ihr Kind faktisch allein großgezogen hat, sie war am Baby nicht interesssiert und hat nur Party gemacht und ihn betrogen. Selbst den gemeinsamen Haushalt hatte er damals übernommen. und da hab ich ihm auch gesagt, warum dann nicht hier bei uns? Warum brauchst du stets Anweisungen, du hast doch Augen im Kopf und siehst dass der Müll voll ist, da brauchst du nicht zu mir zu kommen "Schatz, der Müll ist voll", sondern da nimmst du ihn dir und schaffst ihn weg! Leergut quillt über, da wird einfach auf dem Boden weiter gestapelt. Wollmäuse in der Wohnung, volle Spülmaschine... du lebst hier wie ein Gast, aber nicht wie ein Mitglied der Gemeinschaft. "Ja ich hab halt ne andere Toleranz als du, entweder sagst du mir was ich machen soll oder machst es halt selbst". Wie ein kleines Kind, dem man alles sagen muss. Wusste bis heute nicht, wo neues Duschbad oder der Werkzeugkoffer steht. Und hab ich ihm dann mal Aufgaben gegeben, stetig ein verbales Augenrollen und murren. Hab da auch gesagt, dass er sich null beschweren braucht, er müsse hier seit Jahren nix festes machen außer Spüli ausräumen... er meinte dann "ja is ja nicht so dass ich hier garnix mache". Doch Schatz, so ist es. Faktisch tust du nichts, es sei denn ich sage es dir. Und unser Sohn ist hier das Baby, nicht du.
Ich glaube, dass ich ab Geburt plörtzlich Fordeungen stellte und ihm nimmer den Ar. hinterher getagen habe, damit konnte er nicht umgehen. Da war er plötzlich nicht mehr Nummer 1.
Er schrieb mir vorher auch, dass er jetzt an erster Stelle stehe, sein Hobby effektiv nur im Sommer ausüben könne und ich froh sein soll, dass es hier keine BMX Halle gibt, sonst wäre er ja noch öfter weg oder dass er kein anderes zeitintensives Hobby hat wie Auto schrauben etc da wäre er ja auch immer weg. Ich hab ihm versucht zu vermitteln, dass Hobbys wichtig sind (habe ihm auch nicht einmal verboten BMX fahren zu gehen) und man ja auch noch Mensch ist und nicht nur Vater... aber dass er ein gesundes Maß finden soll und es nicht bis aufs Blut ausreizen soll. Kapierte er nicht. Auch nicht mein Argument, dass ich nicht jedes Jahr zur BMX Saison auf ihn als Partner und Vater verzichten kann/will. Sowas egoistisches geht nicht mit Baby, das wisse er eigentlich, schließlich hat er das schonmal durch. Er meinte dann, ich muss lernen mich allein zu kümmern, er musste das früher ja auch und es ist wichtig diese Erfahrungen zu machen. Ergibt für mich bis heute null Sinn, eine Erstlingsmutti mit ihren Beschwerden und krankem Kind daheim zu lassen, damit ich Erfahrung sammel. Dafür ist man Familie um sich gegenseitig Halt zu geben und abzulösen und nicht, damit einer rackert und der andere sich draußen amüsiert. Er ist zum Abbild seiner damiligen Ex geworden in seinem Verhalten. Das was sie ihm angetan hat, hatte er nun mir 1:1 angetan. Darauf gab er mir keine Erwiderung.