Zitat von Computer:Nur mal so zwischendurch: ich habe gerade noch mal nachgedacht über Sicherheit/Unsicherheit. Ich glaube, ich kann es jetzt besser auf den Punkt bringen. Also: Frauen wollen (unbewusst) einen Mann, der prinzipiell viel Sicherheit bieten kann, aber speziell sie in Unsicherheit darüber lässt, ob sie die Auserwählte ist. Denn letzteres verstärkt den Eindruck von ersterem. Die meisten Männer machen jedoch das genaue Gegenteil: sie haben nicht viel Sicherheit zu bieten, lassen die Frau aber mit Sicherheit spüren, dass er sie unbedingt will. Das geht den Frauen auf ihren nicht vorhandenen Sack. Sie beklagen, dass es keine "echten Kerle" mehr geben würde.
Dass nun so viele Männer kaum Sicherheit bieten können und "needy" sind, liegt nicht zuletzt an der zunehmenden Unsicherheit in dieser Welt und am Auseinanderdriften der Schere zwischen Arm und Reich. Immer weniger Männer können immer mehr Sicherheit bieten und immer mehr Männer können immer weniger Sicherheit bieten. Das ist ein wesentliches (aber natürlich nicht das einzige!) Problem der Partnersuche im 21. Jahrhundert.
Das ist - sorry - Quatsch. Die Sicherheit, die wir Frauen suchen, heißt Selbst-Sicherheit. Die ist attraktiv, die zieht Frauen an. Und ein Busfahrer kann selbstsicherer sein als ein Arzt, das hat mit Beruf und Status erstmal wenig zu tun, wobei den meisten Männern ein höherer Status allerdings zu mehr Selbst-Sicherheit verhilft. Es gibt aber auch sehr selbstunsichere Männer mit hohem beruflichen Status, und das ist dann eben genauso ein Abtörner.
Männer wünschen sich meistens auch eine selbstsichere Frau, haben vor
zu viel weiblicher Selbstsicherheit aber auch ein bisschen Angst, meiner Meinung nach. Also ein bisschen Bedürftigkeit oder gar Abhängigkeit seitens der Frau ist von den meisten Männern durchaus gewünscht, umgekehrt gilt das aber halt nicht.
Für mich ist diese Selbstsicherheit, gepaart mit dem Selbstwert das Wichtigste, wenn es um das Thema Augenhöhe geht. Ein selbstunsicherer Mann wirkt daher höchstens auf eine Frau anziehend, die noch unsicherer ist als er. Und dann beklagt er sich anschließend, dass er eine "Drama-Queen" erwischt hat, die klammert, eifersüchtig ist, Streit provoziert und ihn kontrollieren will. Und umgekehrt natürlich genauso - eine selbstunsichere Frau sucht sich einen ebenso unsicheren Mann, ganz unbewusst. Dann aber vielleicht einen, der zumindest materielle Sicherheit bietet. Mit dem geht sie dann eine Versorgerbeziehung ein - und beklagt sich später darüber, dass dieser Mann gar keine Anziehung mehr auf sie ausübt oder klammert oder eifersüchtig und kontrollsüchtig ist, oder fremdgeht usw.
So oder so, die alte Weisheit klingt immer so abgedroschen, aber sie ist so wahr - eine gute Beziehung kann nur jemand führen, der erstmal eine gute Beziehung mit sich selbst führt. Der in sich sicher und stabil ist. Alles andere führt immer irgendwann ins Desaster.
Ich sag Dir mal ein Beispiel - ich bin so frech und habe vor einem Date noch
nie den Gedanken gehabt, dass ich nicht "ankommen" könnte oder einen Korb kriegen könnte. Wirklich nicht, der Gedanke kommt mir gar nicht erst in den Sinn

Und soll ich Dir was sagen? Ich habe in der Tat noch nie einen bekommen. Eine Freundin von mir sieht sehr viel besser aus als ich, ist gebildet, humorvoll, ein liebenswerter Mensch, aber total unsicher. Sie macht sich vor jedem Date stundenlang zurecht, kauft sich extra neue Klamotten, kann die Nacht vorher nicht schlafen vor lauter Angst, zurückgewiesen zu werden, weil sie ernsthaft glaubt, dass sie nicht "gut genug" ist für einen Mann. Und bei ihr melden sich die meisten Männer nach dem ersten Date nicht wieder.
Mir geht es umgekehrt auch so, wenn ich merke, dass ein Mann beim Date nicht er selbst ist, nicht authentisch ist, dann schaltet sich mein Bauchgefühl ein und signalisiert mir, dass da was nicht stimmt. Wenn ich merke, dass es womöglich nur Unsicherheit ist, versuche ich ihn locker zu machen und gebe ihm ein bisschen Sicherheit. Meistens funktioniert das, er entspannt sich dann recht schnell und danach ist das Date auf einmal auch erträglich. Alles vorher wirkt dann wie ein Krampf. Aber der erste Eindruck bleibt natürlich.
Wenn zu dieser Unsicherheit nun auch noch eine gewisse Bedürftigkeit kommt, ist das ganz einfach ein totaler Abtörner. Und wer also als Mensch unsicher und bedürftig ist und auch so rüberkommt, der hat es tatsächlich nicht leicht bei der Partnersuche. Weder online noch offline. Daran sollte man(n) also zuerst mal arbeiten.