Zitat von Wildwoodflower: 1 Jahr eine Fernbeziehung
Zitat von Wildwoodflower: unbeschreibliche Liebe
Zitat von Wildwoodflower: Da habe ich auch erfahren, dass er mehrere Jahre mit Depressionen zu kämpfen hatte und auch mit. Alk.. Er hatte das bis dahin gut versteckt. Mit den ganzen Geschichten konnte er es aber nicht mehr versteckt halten.
Für Dich hat es sich wie "Liebe" angefühlt, für ihn mag das durchaus auch zugetroffen haben. Doch schon angesichts der 10.000 km Entfernung dürftet Ihr unterm Strich allenfalls wenige Monate miteinander verbracht haben. So gesehen war Ihr noch mitten in der Kennenlern- und Schmetterlingsphase.
Das durch die Distanz versursachte On-Off hat Deine Sehnsucht noch befeuert. Sie galt aber dem Bild, daß er Dir von sich vermittelt hatte - und in dem wesentliche Puzzleteile (hier: sein Alk.) fehlten.
Zitat von Wildwoodflower: Dann Ende November bin ich zurück nach Deutschland, eine Woche später hat er sich aus heiterem Himmel getrennt. Er kann das nicht mehr. Das Krasse: Er hat erst einmal paar Tage nach der Trennung wie ein Weltmeister getrunken, aber dann hat es wohl Klick gemacht und er hat sich Therapie gesucht und ist dann 3 Mal die Woche zu AA Meetings gegangen. Aber die Trennung wollte er trotzdem, weil er meinte, er muss seine ganze Energie in sein Wohlbefinden investieren. Die Arbeitskollegin war niemals der Grund (seine Worte).
Vorausgesetzt daß sie stimmt, ist diese seine Begründung nachvollziehbar und somit zu akzeptieren, so traurig das für Dich war.
Aber es geht ja leider noch weiter:
Zitat von Wildwoodflower: Vor zwei Wochen bin ich wieder nach Deutschland und ein Freund hat ihn und seine Arbeitskollegin morgens im Auto gesehen, Zärtlichkeiten austauschend. Ich bin vom Stuhl gefallen. Habe ihm geschrieben und um ein Gespräch gebeten. Er hat sich Sorgen gemacht, hat direkt angerufen.
Natürlich erst einmal alles verneint. Und dann irgendwann zugegeben. Mir dann gesagt, dass die Trennung nichts mit ihr zu tun hat. Aber er vielleicht einsam war, und sie nett zu ihm war. Mehr konnte er mir nicht sagen.
Daß Du über Dritte herausfinden mußt, daß er längst wieder eine andere hat und vor allem daß er das dann auch abstreitet, ist natürlich ein deutliches Signal, wie wenig Du letztlich über ihn und sein Leben dort weißt.
Zitat von Wildwoodflower: Wie kann ein Mensch sowas machen?
Alk. und Depressionen können dafür sorgen, daß ein Mensch zwei Gesichter hat, die einander von jetzt auf gleich abwechseln. Das gehört zur Symptomatik dieser Krankheitsbilder und die zu überkommen, ist unendlich schwer. Daher kann ich auch nachvollziehen, daß der Mann sich neben Job, Therapie bzw. AA-Sitzungen nur noch auf sich selbst konzentrieren will, statt sich obendrein noch eine Fernbeziehung zu geben.
Natürlich hätte er Dir das viel eher sagen müssen. Schade, daß er das nicht getan hat. Wir werden wohl auch nie erfahren, wie lange und wie intensiv der Kontakt zur Next bereits war, als Du Dir noch die Mühe machtest, ihm vor Ort beizustehen. Vielleicht tröstet Dich zumindest ein klein wenig der Gedanke, daß er sicher nie vorhatte, Dir gezielt weh zu tun oder Dich in irgendeiner Weise zu demütigen.
Der Alk. und die Depressionen haben aus ihm einen schwachen Menschen gemacht, der wie ein Fähnchen im Wind hängt und sich festzuklammern sucht, wo er noch etwas menschlichen Halt zu finden glaubt. Insofern warst Du für ihn sicher sehr wichtig, aber mit Liebe hat das natürlich wenig zu tun. Über die Entfernung hinweg konnte er das auch relativ gut vor Dir verbergen, ansonsten wären vielleicht auch früher bereits Wolken über Eurer Beziehung aufgezogen.
Es tut mir sehr leid, daß Du so heftig enttäuscht worden bist. Leider ist es so, daß die Liebe auch mit dem Vertrauen wächst, das man in sie investiert. Umso größer der Schmerz, wenn es sich als unangebracht herausstellt. Mit Blick auf seine traurige Gesamtsituation würde ich hier nicht von "missbraucht"(em Vertrauen) sprechen. Eher schon von zuviel Invest in einen Menschen, der letztlich nicht dem Bild entspricht, das Du Dir von ihm gemacht hattest.
Wärst Du mit stärker angezogener Handbremse durch Eure Beziehung gefahren, wäre es Dir wiederum versagt geblieben, soviel Nähe und Intensität zu spüren. Viele (nicht alle) Menschen erleben sowas - wenn überhaupt - dann nur ein einziges Mal im Leben. Leider gilt das auch für den Trennungsschmerz danach.
Vielleicht tröstet es Dich ein wenig, daß der Tag kommen wird, wo Du aus diesem Loch herausgefunden hast und auf die Zei mit ihm zurückblicken kannst als eine kurze, anfangs wunderschöne, aber letzlich leider zerplatze Romanze, die Du zumindest als spannende Erfahrung in Deinen Memoiren beherbergen kannst. Das Leben wird weitergehen; anders, vielleicht auch eine Weile lang grauer als bisher. Aber es wird auch wieder schöne Begegnungen geben, mit anderen Männern, die hoffentlich weniger vorbelastet und damit beziehungstauglicher sind als Dein Ex.
