Zitat von jaqen_h_ghar:Manchmal ist es einfach noch nicht an der Zeit, bestimmte Veränderungen zu vollziehen oder sich an bestimmte Themen heranzuwagen. Vielleicht braucht es einfach noch ein paar Runden mehr im eigenen destruktiven Muster, bis man reif ist für die rote Pille. Aber bis dahin muss man noch weiter seiner Umgebung mit seinem manipulativen Verlangen nach Anerkennung und Wertschätzung auf den Senkel gehen.
Mag sein, möglicherweise ist das so. Was ich jedenfalls in den letzten Monaten gelernt (und wahrlich verinnerlicht) habe ist der unterschied zwischen dem Gefühl von Liebe und dem Gefühl von einem Bindungssystem, dem feuer unterm Hintern gemacht wird. Vielerorts wird theoretisiert, dass destruktive Beziehungen (mit einem Verfolger und einem Distanzler) nur deswegen entstehen können, weil die Verfolger in Wirklichkeit auch immense Angst vor wahrer Nähe haben. Allein deswegen lassen sie sich überhaupt erst auf das Verfolgen ein, weil die Nähe ohnehin nicht stattfindet bzw. sehr unrealistisch ist.
Demzufolge ist eine unerreichbare Person einfach viel, viel interessanter.
Und Partner, welche Nähe zulassen? Die sind angsteinflößend oder schlichtweg langweilig - irgendeinen Grund wird immer gefunden.
Tja, und siehe da ... Es sollte vollkommen klar sein, dass ich ein Verfolger bin. Ein bedürftiger, sich selbst nicht tröstender, kindlicher Verfolger.
Dass es da viel gibt das Aufarbeitung bedarf sollte klar sein.
Zitat von jaqen_h_ghar:Auch wenn Du anscheinend nicht so auf Populärwissenschaftlichs stehst, hab ich da noch einen für Dich:
Michael Nast - Generation beziehungsunfähig.
Und etwas wissenschaftlicher sind diese beiden Titel:
Alice Miller - Das Drama des begabten Kindes oder Die Suche nach dem wahren Selbst
Bärbel Wardetzki - Eitle Liebe.
Danke für die Empfehlungen, ich werde mal bei Gelegenheit stöbern.
Zitat von Miss Reflection:Hallo @blindsided
Wie geht es dir? - dass du nicht mehr weiter schreibst: ist ein gutes oder bedenkliches Zeichen?
Gruß.
Danke für dein aufrichtiges Interesse, Miss Reflection. Es war wohl mehr ein gutes Zeichen.
Eigentlich haben wir es (wieder) besiegelt und wollten uns trennen - sie kam schon mit Taschen und der Intention alles mitzunehmen, was ich begrüßt habe.
Letztlich ist's dann doch anders gekommen, weil sie schon bei der Umarmung zwecks Begrüßung geweint hat. Daraus wurde ein Gespräch, das sich einige Stunden gezogen hat, in dem sie ursprünglich eher negative Töne gesprochen hat aber immer wieder weinen musste.
Auch mir sind die Tränen gekommen und wir haben uns mehrmals sehr innig umarmt. Der gemeinsam geschmiedete Plan war, ein letztes Mal anzustoßen und einfach friedlich dem Ganzen ein wohlverdientes Ende zu setzen, sozusagen das Schöne feiern das wir gemeinsam genießen durften.
Dabei kam ihrerseits jedoch eine ziemlich heftige Aussage vonwegen "Was würdest du tun, wenn ich dir in 2 Monaten schreibe dass ich es bereue? Dass ich dich noch will?" was ich mit Kopfschütteln beantwortet habe und sie wissen ließ, dass das nicht einfach so geht. Dass ich kein Spielzeug bin, das man ablegen und wieder aufheben kann. Das hat sie jedoch sofort verstanden und letztlich sind ihre Sachen bei mir geblieben und wir haben uns kuschelnd versöhnt.
Wir haben uns seitdem einige Male gesehen und auch gemeinsame Unternehmungen gemacht bzw. hat sie bei mir übernachtet.
Dabei war es kein Bauchpinseln oder sonst etwas dergleichen, es war eigentlich eine sehr harmonische, unverblümte Zeit. Wir sind auch mal Still gemeinsam im Raum gesessen, haben gelernt, jeder hat sein Ding gemacht - so wie es eigentlich sein soll. Auch sind wir nicht immer aneinander geklebt, mal habe ich mich in einen anderen Raum zurückgezogen oder umgekehrt - genau so wie ich das eigentlich für gut empfinde.
Nach all Dem bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass ich mich - wie so oft hier beschrieben - viel zu sehr von ihr abhängig gemacht habe.
Ich habe mittlerweile aufgehört, nachzusehen ob sie meine Nachrichten gelesen hat - ich bin kein Skla. mehr von den berüchtigten "Blauen Haken" und so blöd es auch klingen mag: seit ich das schlichtweg nicht mehr überprüfe fühle ich mich unbeschwerter.
Es mag so banal klingen, aber es hat mich unzählige Male verletzt als ich diese blauen Haken sah und gleichzeitig feststellen musste, dass sie die ganze zeit online ist und mir einfach nicht antwortet.
Eine unglaublich lächerliche Banalität, aber so war es eben. Und es gibt so viele andere Kleinigkeiten, die mich gereizt haben. Ihre Art, mich zu ignorieren. Ihre Art, mir das Gefühl zu geben dass ich nebensächlich bin. Ihre Kaltschnäuzigkeit, ihre unendlich dicke Schutzwand, ... So vieles.
Und jetzt? Na ja, ich kehre vor der eigenen Haustür. So regelmäßig Sport getrieben oder gelernt wie in den letzten Wochen habe ich seit Langem nicht, und noch dazu pflege ich meine Freundschaften viel aktiver und stimme ihr nicht bei jedem Vorschlag uns zu treffen zu, weil ich manchmal einfach selbst Pläne habe und nicht wie ein kleiner Hund darauf warte dass sie mich auf den Schoß nimmt.
Meine zweite Erkenntnis ist, dass ich neben meiner eigenen (wahren) Angst vor Nähe auch einsehe, dass Ihre Angst ebenso eine immense Last ist.
Auch wenn ich versuche "darüber zu stehen" muss ich mir strikt vor Augen halten, dass ihr Wesen wahrlich toxisch sein kann, oder vielmehr die Kombination aus ihrem und meinem Wesen.
Die Wahrheit ist einfach, dass sowohl sie als auch ich in mancherlei Hinsicht emotional in der Kindheit stecken geblieben sind.
Wohl im Zusammenhang mit narzisstischen Wunden, man spricht hier soweit ich weiß von gestoppter Entwicklung. Genau hier will ich (bei mir) den Rotstift ansetzen und ein Paar Korrekturen durchführen. Ob sie das auch will ist ihre Sache, soll sie tun was sie für richtig hält.
Mittlerweile merke ich einfach, dass ich auch in vielen Fällen wütend auf sie bin und mir nicht mehr alles gefallen lasse. Mag bitter klingen, aber ich finde es gut. Anstatt mich in Selbstmitleid zu suhlen weil sie mir kalt begegnet gehe ich lieber Joggen oder lerne etwas für mich wichtiges um mein Wissen zu verfestigen.
Es gibt so viel wichtigeres als Bestätigung von Außen. Kurz gesagt mache ich jetzt was für mich als Person wichtig ist und kümmere mich um meinen eigenen Fortschritt, ohne sie dabei komplett aus den Augen zu verlieren. Falls sie sich plötzlich (noch mehr) zurückzieht und das Weite sucht weil ich ihr nicht wie gewohnt nachlaufe oder sie wie eine Prinzessin verwöhne ist das in Ordnung so - auf so einem Ungleichgewicht kann man sowieso nichts vernünftiges aufbauen.