Zitat von GiuliettaV:Im Dualseelenthema geht es ja um die Gegensätzlichkeiten ( zwei verschiedene Pole )
Das ist mir schon bewußt. Aber wenn es das nun gäbe, daß sich zwei Pole ausgleichen, dann würde man notwendigerweise ja gleichsam im Nirwana landen. Spannungen jeglicher Art, also auch positive, entstehen ja eben erst durch ein Anderssein des einen gegenüber dem anderen.
Und, das habe ich mich immer gefragt, weshalb sollte denn eine Seele überhaupt in zwei Hälften gespalten sein? Abgesehen davon, daß es in der griechischen Mythologie vorkommt?
Weder sehe ich darin einen Sinn, noch habe ich bei mir selber den Eindruck, daß mir die zweite Hälfte abginge.
Wenn man solche Dualseelengeschichten über eine längere Zeit verfolgt, so ist es offensichtlich doch so, daß zumindest ein Teil von den Betroffenen davon wieder abkommt, sobald der Liebeskummer schwindet und es keinen Grund mehr zum fiktiven Festklammern gibt. Und dann kann man beinahe ein befreites Aufatmen hören.
Und vor allem: Mir ist kein Fall bekannt, wo eine Dualseelenbegegnung dann irgendwann in einem glücklichen Sinn ausgegangen wäre. Das Endlicht der Liebe schwebt zwar offenbar immer wieder vor Augen, aber wird dann doch nie erreicht. Das erscheint mir so, als unverdrossen den Göttern zu opfern, selbst wenn noch so oft der Blitz ins Haus einschlägt und der Garten verwüstet wird.
Du hast das alles ja sehr gut und einleuchtend beschrieben, und daher tut es mir beinahe leid, daß ich zum In-die-eigene-Mitte-Finden auch einen Einwand vorbringen muß.
Ich glaube nämlich, wenn nun alle in ihrer Mitte wären, wäre das Leben ziemlich langweilig. Wenn ich mir z. B. einen Künstler vorstelle, der in seiner Mitte wäre - dem würde vermutlich jede Produktivität und Kreativität wegschlafen. Mag sein, er wäre zufriedener - aber Künstler wäre er dann, nehme ich an, keiner mehr.
Ich sehe das alles eher so - auch was etwa "Kopfmensch" und "Gefühlsmensch" betrifft -: wesentlich besser, als mehr oder weniger nutzlos an sich herumzubasteln mit ungewissem Ausgang, ist doch, aus dem, was vorhanden ist, etwas Sinnvolles zu machen.
Ebenso sehe ich das übrigens bei einer Beziehung. Jemanden verändern zu wollen ist nicht nur ziemlich übergriffig (wenn zu vieles nicht paßt, dann halt gleich die Finger davon lassen), sondern vorhersehbar ein Fehlschlag. Viel aussichtsreicher und auch interessanter ist doch, sich auf das "Unpassende" selber einmal probehalber einzulassen.
Wandern geht man hoffentlich ja auch nicht immer nur auf demselben 100m-Weg.
Mir jedenfalls sagt es sehr zu, wenn sich neue Tore öffnen und ich nicht immer nur im eigenen Wunschkeller festklebe und von dort aus die Welt betrachte. Neue Erfahrungen, scheint mir, sind doch die Stufen ins Irgendwohin. Und falls es nicht gefällt oder nicht zum Aushalten ist, kann man ja wieder andere Wege einschlagen - falls man nicht dualseelisch (oder aus anderen, banaleren Gründen) festgenagelt ist.