Zitat von Solskinn2015: Wenn jemand Dir sagt, er steht vor ner Wirbelsäulen OP. Ausgang ist 50/50, dass er im Rollstuhl endet.
Und Deine Antwort ist: Mach halt mehr Rückengynastik und stell Dich nicht so an, dann ist das emphathiefrei. Was Du beschreibst sind dagegen verletzend Worte, wenn der andere das so situativ fühlt, aber auch nicht gerade mitfühlend.
Danke für die genauere Erläuterung der unterschiedlichen Tatbestände.
Im ersten Fall, wenn ich die Situation mal umkehre, also ich der zu Operierende wäre, würde ich mir denken oder es auch sagen: Wohl nicht alle Tasse im Schrank oder zerwurmte Birne oder so etwas.
Aber heutzutage betrachtet man die Dinge halt viel differenzierter und gewissermaßen lateinischer (oder in dem Fall griechischer), und was früher einfach ein unmöglicher Ar... war, muss heute eben ein Narzisst sein. Oder ein Psycho- oder Soziopath oder Borderliner oder emotional Instabiler (das gefällt mir ja noch am besten, denn abgesehen von Robotern habe ich noch nie jemanden erlebt, der emotional nicht instabil wäre, und wäre er es, so würde ich spätestens nach einer Woche in der Langeweile versinken). Und der eine ist aggressiv, der andere passiv-aggressiv, der Nächste dann vielleicht nonchalant depressiv, der vierte vielleicht haptisch regressiv und der Folgende manisch plakativ. Da muss man ja nahezu süchtig werden.
Was tatsächlich zu beobachten ist, ist eine immer weiter auswuchernde Pathophilie. Und es wunderte mich gar nicht, seien so manche Krankheiten, auch körperliche, reine, vielleicht geschäftstüchtige Erfindungen. Irgendwie auch verständlich. Denn auf ein A...loch hereingefallen zu sein, hört sich halt viel schlichter und nicht zuletzt auch selbstdegradierender an als das Opfer eines Narzissten geworden zu sein.
Man muss diese Dinge, glaube ich, ja auch immer vor dem zeitgeistmodischen Hintergrund sehen. Vor Jahrhunderten waren es eben Dämonen oder Verhexungen, die jemanden ausufern ließen, dann, als die Psychologie aufzukeimen begann, ging es mit der Hysterie los (eine praktisch rein weibliche Störung, die oftmals mittels kalter Unterleibsspülungen oder mit Hilfe eines D...dos behandelt worden ist; auch das mag seinen Nutzen gehabt haben, zumindest für den behandelnden Arzt). Dann kam die Neurasthenie auf, hernach die Neurosen und Zwangskrankheiten (sind die nun schon ausgestorben?), dann die Depressionen und Angststörungen und nun sind es eben die verschiedensten Psychopathologien.
Als Eigenheit wird ja gar nichts mehr verstanden, sondern alles ist Symptom. (Sogar rückwirkend wird ja oft diagnostiziert, dass sich die Seelenbalken nur so biegen - bei Künstlern etwa, deren Kunstwerke dann schon völlig aus dem Blickfeld geraten.) Jeder Mensch eine ganze Symptomenmanege, in der eine Störung nach der anderen ihre Vorstellung gibt. Und das besonders Gute daran: Das lässt sich anwenden, ganz wie man es gerade braucht. Und so wird aus dem Sternenprinzen dann vielleicht ganz schnell der Narzisst oder sonst ein heillos Gestörtert, Schädlicher, Toxischer.
Naja, offenbar bereitet diese morbide Pathophilie ein ziemliches Vergnügen. Sonst hat man ja auch so gut wie keines mehr.
Nachdem ich, auf die letzten zehn Jahre gerechnet, drei Beziehung und damit drei gründliche Analysen mit ausführlichen Diagnosestellungen hinter mir habe, stelle ich mich gerne dem nächsten Versuchskaninchen zur beispielslosen Verfügung.
