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Rettungsinsel und Alltag

Ameise_78
@Scherbenmeer

Wie lange ist die Geschichte denn ungefähr her..? Seit wann bearbeitest du diesen Verrat..?

Der Punkt ist der... tiefe Liebe ohne Vertrauen gibt es eigentlich nicht... und oft binden einen in so einer Lage auch noch andere Gefühle... langjährige Vertrautheit, Angst vorm alleine sein, usw.

Es dauert in solchen Situationen schon eine Weile bis man sich sortiert hat und sicher sagen kann ob es wirklich noch Liebe ist (nach dem Vertrauensverlust) und ob die Pfeiler, auf denen das Dach eurer Beziehung liegt, noch stabil sind.

Gib dir so oder so Zeit.

Eigentlich ist es ein Unding, wenn jemand, der betrogen wurde, egal in welcher Hinsicht, sich dann innerhalb kurzer Zeit festlegen soll ob er noch will/kann oder nicht.

Man braucht Zeit zum Verarbeiten und zum Sortieren. Man hat sich ja nicht selbst in diese Lage gebracht.

x 5 #16


E
Liebe @Scherbenmeer,

Auch von mir willkommen bei uns. Ich kann deine Gründe nicht alles zu erzählen sehr gut nachvollziehen - inzwischen hast du deine Geschichte skizziert - du suchst nach einer Oase der Ruhe und die kannst du nicht finden, wenn du alles weiter analysierst und abwägst.

Austausch kann einem helfen, neue Ideen und Perspektiven zu entwickeln. Nicht über das Geschehene, sondern Möglichkeiten mitten im Sturm doch Ruhe zu finden.

Ein paar Ansätze hätte ich:

- getroffene Entscheidungen nicht zu hinterfragen, solange keine bedeutende neue Daten hinzukommen

- Ergebnisoffen zu sein. Du kannst nicht wissen, was am Ende rauskommt, du kannst nur das jetzt evaluieren

- evaluieren anstatt urteilen. Meiner Erfahrung nach macht das einen großen Unterschied

- Geduld und Mitgefühl haben mit dir selbst. Das, was geschah, hat dich getroffen, man heilt nicht binnen Tagen. Auch nicht in Wochen oder Monate

- eine rationale Betrachtung ist von Vorteil, jedoch ohne die Gefühle zu unterdrücken. Auch nicht weg haben wollen. Aus der Beobachterperspektive wahrnehmen, was ist. Ohne Urteil, ohne Adjektiv

- kleine Rituale erschaffen, wo man Ruhe spürt. Es kann eine Tasse Tee sein, Meditation, ein Spaziergang oder was auch immer dir gut tut. Was das sein kann, kannst nur du herausfinden durch Beobachtung

- Gedanken über Vergangenheit und Zukunft unterbinden. Aktiv stoppen. Ihnen nicht nachgehen

- achtsamer sein, mit wem und mit was du deine Zeit verbringst. Es gibt Menschen und Tätigkeiten, die einen stärken und welche, die einen schwächen. Gerade in Zeiten, wo "man es schwer hat" muss man aufpassen, was man wählt.

Das ist das, was mir auf die schnelle eingefallen ist, es gibt bestimmt viel mehr, was man tun kann

x 7 #17


A


Rettungsinsel und Alltag

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Ameise_78
Zitat von Ella:
- Ergebnisoffen zu sein. Du kannst nicht wissen, was am Ende rauskommt, du kannst nur das jetzt evaluieren
- evaluieren anstatt urteilen. Meiner Erfahrung nach macht das einen großen Unterschied
- Geduld und Mitgefühl haben mit dir selbst. Das, was geschah, hat dich getroffen, man heilt nicht binnen Tagen. Auch nicht in Wochen oder Monate.

Das ist genau, was ich meinte, liebe @Scherbenmeer, es braucht einfach Zeit.

Sich in so einer Lage innerlich schnell festlegen und entscheiden zu "müssen", setzt einen massiv unter Druck und verhindert Heilung eher als dass es sie fördert.

Wenn einem zunächst nicht nach trennen, aber auch nicht nach weitermachen ist, dann ist das - nach einem Verrat - eben so...

Man braucht definitiv Zeit, um sich wieder zu sammeln und zu sortieren und dafür sind die Tipps von Ella sehr hilfreich.👍

x 3 #18


DieSeherin
Zitat von Scherbenmeer:
Daher fühlt es sich richtig an zu bleiben


halte dich an dem gedanken fest und mach dir immer wieder bewusst, was ihr aneinander und miteinander habt. ja, es ist irre schwierig, diesen vertrauensbruch zu verarbeiten, aber ich habe bei dir/euch ein gutes gefühl 😘

#19


S
@Ameise_78

Seit ca 5 Monaten verarbeiten wir gemeinsam.
Das ich mich hier angemeldet habe ist eine kleine Zuflucht für mich, um mit anderen in Kontakt zu kommen, die ähnliches erlebt haben. Vielleicht sogar um zu lesen, dass diese Gefühlsachterbahn normal ist. Das es weniger wird oder wie man so schön bei Kindern sagt „ alles ist eine Phase, es wird wieder anders“
Heute hat es mir auf jeden Fall etwas geholfen, zu schreiben.
Also danke an alle hier fürs zuhören, lesen und schreiben.

x 8 #20


aequum
Zitat von Scherbenmeer:
Aber liebe sucht man sich nicht aus und solange davon noch genug übrig ist, gewinnt bei mir erstmal das gebrochene Herz.

Das ist eine Entscheidung die man nur selbst für sich treffen kann und solange es tatsächlich Liebe ist, auf beiden Seiten, ist es auch vollkommen OK.

Falsch wäre es allerdings, es aus Angst vor Veränderung, aus Angst das sichere Leben zu verlieren oder aus der Gewohnheit heraus, zusammen zu bleiben.

Extrem wichtig ist es allerdings, sich selbst nicht dabei zu verlieren.

Und ja, ein verlängertes Wochenende z.B. in einem Wellnesshotel oder ein Kurzurlaub für ein zwei Wochen ganz alleine ist immer gut um sich selbst wieder zu finden und um sich über alles klar zu werden, was man will, bzw wie man überhaupt weitermachen will.

x 2 #21


Ameise_78
Zitat von Scherbenmeer:
Vielleicht sogar um zu lesen, dass diese Gefühlsachterbahn normal ist.

Die ist ganz normal.👍
Selbst wenn man etwas verzeiht und aufarbeitet, verläuft die Verarbeitung meist in Wellen... das ist natürlich anstrengend und man zweifelt immer wieder... am Ende geht es aber doch voran. Lachendes Gesicht
Und irgendwann kommt auch der Punkt der Klarheit.👍

x 2 #22


J
Zitat von Scherbenmeer:
Aber liebe sucht man sich nicht aus und solange davon noch genug übrig ist, gewinnt bei mir erstmal das gebrochene Herz.

Vor 60 Jahre war Abhängigkeit mit der klassischen Rollenverteilung von Mann = Geldverdiener und Frau = Haushälterin eine Art Liebe. Das hat sich im Laufe der Zeit geändert.

Für mich das wichtigste wäre, hat er sich für sein tun aufrichtig und ehrlich entschuldigt?
Das wäre dann für mich eine Basis an dem du dich aufhängen könntest.

Gedanklich solltet ihr zeitlich zurück gehen, wo ihr als Paar und nicht als Eltern funktioniert habt. Was hat euch da gefehlt? Sicher die Zeit zu zweit, dann versucht dies regelmäßig zu machen. Kinder betreuen lassen, egal von Familie oder Babysitter. Genießt diese gemeinsam Zeit um wieder Gefühle für euch zu entwickeln. Ihr habt nicht ohne Liebe die Familie gegründet, sucht und findet genau diese Gefühl und somit diese Liebe wieder. Daraus kann ein guter Neustart werden.

#23


S
@J_Eulenspiegel
Das mit der Abhängigkeit bzw. eher Gewohnheit bin ich natürlich gedanklich auch durchgegangen aber es ist Liebe , bei mir auf jeden Fall und so wie er seit TagX ist, fühl ich es auch bei ihm.

Ab dem Moment als es raus war, spürte ich, dass es ihm unangenehm war und auch irgendwie Erleichterung das es raus ist seinerseits.
Angst, das ich einfach aufstehe und gehe und er alles verliert.
Er hat ab dem Tag jede noch so unangenehme Frage beantwortet und Reue gezeigt.

Wichtig war mir, will er uns retten oder hat er Zweifel, ob er mich liebt. Hätte er Zweifel geäußert, hätte ich Abstand gewählt.
Und bestimmt wär Sie dann wieder da gewesen. Aber diese Chance wollte ich ihr nicht geben. Sie sollte nicht sein Halt in schweren Zeiten sein , sondern ich. Und er sollte mein Halt sein. Ich wäre naiv, zu glauben, dass ab TagX kompletter Kontaktabbruch bei den beiden wäre. Das war keine einmalige Sache und Sie ne Kollegin.
Er meinte er habe keine Zweifel, dass er mich liebt und zeigte Reue, gesagt dass er uns retten will, daher blieb ich.
Ob ich den Schmerz langfristig aushalte, hab ich offen gelassen aber ich sagte, ich kämpfe.
Er wird mir aber helfen müssen, bis ich mir selbst helfen kann wieder die Tage zu genießen und das es ein langer Weg wird. Das ich nie vergessen werde aber damit umgehen lernen will.

Und wir haben uns auch wiedergefunden, jeder von uns entwickelt sich und wir entwickeln uns gemeinsam weiter. Wir machen anstatt nur zu planen. Nehmen uns die Zeit. Aber gemeinsam. Denn „alleine“ waren wir lang genug.
Und ich kann mich langsam wieder um mich kümmern.
Es ist die Angst, dass diese Wendung wahr ist. Dieses Mal sagt mein Bauchgefühl es ist wahr und ich muss den Kopf überzeugen, der mich schützen will und mir sagt, nochmal schaffe ich das nicht.
Und ja, das zeigt natürlich, dass kein 100% Vertrauen mehr da ist, aber es ist welches da und wir arbeiten daran

Ups, langer Text…

x 3 #24


S
Kann verstehen wenn einige denken, läuft doch, was jammert sie rum…
Die letzten Monate haben an mir gezerrt. Vielleicht suche ich auch unterbewusst eine Zuflucht, wenn es doch einen Rückschlag gibt.
Bis sich die beiden nicht mehr sehen auf der Arbeit (gleiches Gebäude) dauert es noch paar Monate und dieser Gedanke ist an manchen Tagen einfach unerträglich. Selbst in dem Wissen, dass er ihr aus dem Weg geht..

#25


hotte
Zitat von Scherbenmeer:
Kann verstehen wenn einige denken, läuft doch, was jammert sie rum…

Meinst du nicht eher das dies deine Projektion auf uns ist? Das deine innere Angst davor etwas "falsch zu sehen" dazu führt das du nicht nachsichtig sondern eher brutal hart zu dir selbst bist?

Denk mal bitte drüber nach wann du dir das letzte mal erlaubt deine Gefühle/Neigungen/Wünsche zu haben ohne das du diese direkt abgewertet hast im sinne von "das ist übertrieben", "ich stelle mich an" und ähnliches...

#26


aequum
Zitat von Scherbenmeer:
Bis sich die beiden nicht mehr sehen auf der Arbeit (gleiches Gebäude) dauert es noch paar Monate und dieser Gedanke ist an manchen Tagen einfach unerträglich. Selbst in dem Wissen, dass er ihr aus dem Weg geht..

Wenn du ihm wirklich glauben kannst das er ihr aus dem Weg geht, dann ist doch alles gut.

Eine ganz andere Sache wäre es natürlich wenn du ihm unbedingt glauben willst, bzw. dich dazu zwingst ihm zu glauben.

#27


S
@hotte
Ich hab mich noch nie an erste Stelle gestellt, ich stelle alles in Frage..und bevor ich etwas mache, überlege ich welche Konsequenzen daraus entstehen.
(Und ja, trotzdem hab ich Zweifel, ob es dann die richtige Entscheidung war und daran muss ich wohl etwas ändern)

@aequum
An manchen Tagen so aber an einigen zwing ich mich natürlich auch noch daran zu glauben. Es wird besser aber ich denke das braucht halt Zeit, vor allem solange sie noch da rum läuft.

x 2 #28


J
Zitat von Scherbenmeer:
Kann verstehen wenn einige denken, läuft doch, was jammert sie rum…
Die letzten Monate haben an mir gezerrt. Vielleicht suche ich auch unterbewusst eine Zuflucht, wenn es doch einen Rückschlag gibt.

Ich finde in keinster Weise, dass du rum jammerst, du scheinst mir durch den Vorfall komplett aus dem Konzept gebracht worden sein. Nach dem Prinzip: "Jedem würde so etwas passiere, aber mir nicht".
Ich vermute du bist dir mit deiner Entscheidung nicht sicher und du hast sehr große Angst. Keiner hier sollte dir die "Antwort" abnehmen, das musst alleine du entscheiden.
Wenn du so durch den Wind bist, machst du eine Art Meditation für dich. Egal ob Yoga, Ausdauersport oder... und komme wieder zu klaren Gedanken.
Dann kommst du auch auf den Punkt den aequum aufgeführt hat, dass du dir etwas aufzwingst aus welchen Gründen auch immer.
Zitat von aequum:
Eine ganz andere Sache wäre es natürlich wenn du ihm unbedingt glauben willst, bzw. dich dazu zwingst ihm zu glauben.

x 3 #29


hotte
Zitat von Scherbenmeer:
Ich hab mich noch nie an erste Stelle gestellt, ich stelle alles in Frage..und bevor ich etwas mache, überlege ich welche Konsequenzen daraus entstehen.
(Und ja, trotzdem hab ich Zweifel, ob es dann die richtige Entscheidung war und daran muss ich wohl etwas ändern)

Nun, das ist zumindest reflektiert und ehrlich Lachendes Gesicht

Ich gehe hier mal gerade ein wenig weg von deinem eigentlichen Thema und erlaube mir ein paar Gedanken zu genau diesem Punkt zu teilen.

Auch wenn es sich auf den ersten Moment komisch anhört - aber das ist ein echtes Problem. Menschen die IMMER nur andere an erste Stelle stellen sind oftmals "anstrengend". Was möchtest du denn gerne machen? Weiß nicht, worauf hast du denn lust? und ähnliche konversationen dürften dir bekannt vorkommen.

Als ich das Buch "Nie mehr Mr. Nice Guy" gelesen hatte ist mir bewusst geworden das ich auch ein manipulativer typ gewesen bin der nicht klar ausgesprochen hat was er möchte, aber trotzdem versucht hat andere in diese Bahn zu lenken. Da kam dann eher "Da hättest du doch bestimmt auch lust zu" anstatt das ich gesagt habe "Ich hab da voll bock drauf, machste mit?".

Das zieht sich durch alle bereiche und hat bei mir dafür gesorgt das ich regelrechte Probleme in der Sexualität entwickelt habe weil ich immer drüber nachgedacht habe was meine Partnerin wohl möchte, was ok ist etc. als was ich gerade in dem moment mag. (nur ein Beispiel dafür).

Oft war ich gefrustet weil meine unausgesprochenen Bedürfnisse und wünsche nicht erfüllt wurden aber ich war es selbst schuld. Nach der Trennung saß ich zu Hause und habe von allen seiten gehört das ich die zeit mit dingen füllen soll auf die ich Lust habe. Ich wusste ums verrecken nicht was ich wollte, womit ich spass haben könnte etc. Versteh mich nicht falsch, ich wusste das ich Lego mag (und auch noch zig unaufgebaute sets zu hause habe), ich mag computerspiele, ich mag schreinern etc... aber ich war nicht in der Lage mein Leben zu füllen weil ich immer nur dinge gemacht habe von denen ich dachte das ich anderen damit eine Freude machen kann. Ich habe also quasi den Bezug zu mir selbst verloren und das ist ein echtes "Problem".

Ich möchte dich also gerne einladen einfach mal zu versuchen dich selbst an erster Stelle zu setzen... zum Beispiel anstelle von Haushaltsarbeit, auf die Terrasse oder den Balkon setzen mit einem Kaffe und einfach mal durchatmen. (Ich bin zu hochzeiten meiner Depression mittags zu fuss in die Stadt gelaufen, ca. 20 minuten, hab mich in ein Cafe gesetzt und den leuten in der Fussgängerzone zugeschaut, manchmal ein Buch gelesen und bin dann wieder nach Hause).

Wir erwachsenen neigen dummerweise dazu zu funktioniert und manchmal vergessen wir dabei zu leben....


Disclaimer: bei vielen dieser Punkte bin ich selbst noch nicht am ziel. Ratschläge geben ist immer so viel einfacher und schneller als dinge selbst auch umzusetzen!

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