Zitat von Scherbenmeer: Ich hab mich noch nie an erste Stelle gestellt, ich stelle alles in Frage..und bevor ich etwas mache, überlege ich welche Konsequenzen daraus entstehen.
(Und ja, trotzdem hab ich Zweifel, ob es dann die richtige Entscheidung war und daran muss ich wohl etwas ändern)
Nun, das ist zumindest reflektiert und ehrlich

Ich gehe hier mal gerade ein wenig weg von deinem eigentlichen Thema und erlaube mir ein paar Gedanken zu genau diesem Punkt zu teilen.
Auch wenn es sich auf den ersten Moment komisch anhört - aber das ist ein echtes Problem. Menschen die IMMER nur andere an erste Stelle stellen sind oftmals "anstrengend". Was möchtest du denn gerne machen? Weiß nicht, worauf hast du denn lust? und ähnliche konversationen dürften dir bekannt vorkommen.
Als ich das Buch "Nie mehr Mr. Nice Guy" gelesen hatte ist mir bewusst geworden das ich auch ein manipulativer typ gewesen bin der nicht klar ausgesprochen hat was er möchte, aber trotzdem versucht hat andere in diese Bahn zu lenken. Da kam dann eher "Da hättest du doch bestimmt auch lust zu" anstatt das ich gesagt habe "Ich hab da voll bock drauf, machste mit?".
Das zieht sich durch alle bereiche und hat bei mir dafür gesorgt das ich regelrechte Probleme in der Sexualität entwickelt habe weil ich immer drüber nachgedacht habe was meine Partnerin wohl möchte, was ok ist etc. als was ich gerade in dem moment mag. (nur ein Beispiel dafür).
Oft war ich gefrustet weil meine unausgesprochenen Bedürfnisse und wünsche nicht erfüllt wurden aber ich war es selbst schuld. Nach der Trennung saß ich zu Hause und habe von allen seiten gehört das ich die zeit mit dingen füllen soll auf die ich Lust habe. Ich wusste ums verrecken nicht was ich wollte, womit ich spass haben könnte etc. Versteh mich nicht falsch, ich wusste das ich Lego mag (und auch noch zig unaufgebaute sets zu hause habe), ich mag computerspiele, ich mag schreinern etc... aber ich war nicht in der Lage mein Leben zu füllen weil ich immer nur dinge gemacht habe von denen ich dachte das ich anderen damit eine Freude machen kann. Ich habe also quasi den Bezug zu mir selbst verloren und das ist ein echtes "Problem".
Ich möchte dich also gerne einladen einfach mal zu versuchen dich selbst an erster Stelle zu setzen... zum Beispiel anstelle von Haushaltsarbeit, auf die Terrasse oder den Balkon setzen mit einem Kaffe und einfach mal durchatmen. (Ich bin zu hochzeiten meiner Depression mittags zu fuss in die Stadt gelaufen, ca. 20 minuten, hab mich in ein Cafe gesetzt und den leuten in der Fussgängerzone zugeschaut, manchmal ein Buch gelesen und bin dann wieder nach Hause).
Wir erwachsenen neigen dummerweise dazu zu funktioniert und manchmal vergessen wir dabei zu leben....
Disclaimer: bei vielen dieser Punkte bin ich selbst noch nicht am ziel. Ratschläge geben ist immer so viel einfacher und schneller als dinge selbst auch umzusetzen!