Zitat von Seneca22: Also bei mir war es so, dass mein Vater mit mir unterwegs war am Wochenende und als wir nach Hause kamen, meine Mutter die Koffer gepackt hatte und verkündete, sich zu trennen. Mein Vater war genauso vom Donner gerührt, wie ich.
Ich wusste nicht, wie mir geschah. Mein Vater ahnte, dass es nur einen anderen Mann geben konnte, sagte aber nix. Mir fehlte die Lebenserfahrung das einzuordnen.
Wäre es da nicht gescheiter gewesen, zu sagen „Ich habe einen anderen Mann gefunden. Pfiat eich.“ Stattdessen grosse Verwirrung, Du fragst Dich als Kind „War ich zu schlimm, dass meine Mama geht ?“
Gescheit wäre es gewesen, wenn Deine Eltern Dich mit ihrer offensichtlichen Sprachlosigkeit nicht allein gelassen hätten. Dazu hätte es aber einer Kommunikation zwischen den beiden bedurft, die ganz offensichtlich nicht gegeben war.
Ein Teil davon ist ganz sicher Generationsfrage, ein anderer Teil dürfte in der individuellen (Un-)Fähigkeit beider Deiner Elternteile liegen.
Interessant ist, daß Du Schuld nach wie vor sehr bei Deiner Mutter verortest, was tatsächlich ein Zeichen dafür ist, daß auch Dein Vater das alles wenig kindgerecht gehandhabt hat.
Ziel heutiger Kommunikationsstrategien ist das Kind, welches natürlich zunächst den Verlust der Kernfamilie bedauert und von diesem auch sehr geängstigt ist, zu entlasten. Dazu dient auch sich gerade bei der Frage, was zur Trennung geführt hat, zunächst bedeckt und dann kindgerecht zu verhalten. Deine vorgeschlagene Strategie führt eigentlich zu dem Ergebnis, was Du gern vermieden sehen würdest. Das Kind setzt sich nämlich in Konkurrenz zum neuen Partner(in), welche dann als wichtiger wahrgenommen wird, als man selbst, denn sonst wäre Mami/Papi ja nicht gegangen.
Deswegen auch der Ratsschlag es gemeinsam den Kindern zu sagen und so weit wie möglich, gemeinsam die Trennung zu verkünden.
Was Dir passiert ist, war sicher ein tiefer Eingriff in deine Identität und aus eigener Erfahrung kann ich gut nachvollziehen, welche Wunden Sprachlosigkeit hinterlassen kann. Das alles aber macht Deine Sichtweise, der der geht, muß es sagen, nicht richtig, sondern offenbart nur, was passiert, wenn Kinder hinter erwachsenen (Ego-)Kämpfen zurückstecken müssen.