nimmermehr
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Dem Verlassenen bleibt als Trost zwischendurch die Hoffnung, dass es vielleicht doch irgendwann noch mal eine Annäherung geben könnte. Auch wenn die Hoffnung winzig ist und nicht ergriffen wird aus Angst vor noch mehr Enttäuschung, weil es dann doch nicht eintritt, die Hoffnung kann auch ein Rettingsanker in Momenten schlimmster Abstürze sein, der einzige Anker manchmal, der vielleicht sogar ernste Todessehnsüchte verhindert.
Andersherum bleibt dem, der um einen Verstorbenen trauert, dieses verletzende Gefühl des Abgelehntwerdens erspart. Ich trauere dann um den Verlust des Menschen, aber ohne die quälenden Gefühle von Ablehnung, Nicht-Genügen etc.! In einem Roman, den ich mal las und der in 1800-irgendwas spielte, sagte eine Schwester mit Liebeskummer mal zu ihrer verwitweten Schwester, die sie trösten wollte sinngemäß: "Du hast es gut, du bist Witwe, wenn Du trauerst, haben die Menschen Mitgefühl und Respekt vor Deiner Stärke. Meine Trauer muss ich verstecken und mehr als herablassendes Mitleid darf ich von niemandem erwarten."
Ich muss zugeben, dass ich diese Aussage beim Lesen sehr hart fand und herzlos der Witwe gegenüber, die einen Mann trauerte, der sie geliebt hatte, während die Andere einem nachheulte, der es gar nicht verdient hatte. Aber ich denke, aus Sicht der Betroffenen ist da manchmal auch schon was dran. Auch wenn man niemanden den Tod wünscht, wünscht man sich aber die Unterstützung des Umfelds und die Selbstachtung, die die Witwe behalten hat.

