Ich sag Mal: Kommt drauf an.
Es kann Fälle geben in denen so etwas funktionieren kann. Wenn man "füreinander gemacht ist". Im Idealfall sind beide Personen sichere Bindungstypen.
In den aller meisten Fällen wird es allerdings schwierig, vor allem wenn die alte Beziehung sehr lange ging.
Die allermeisten Menschen unterschätzen die Kraft der Bindung. Das Gefühl der Leere nach einer Beziehung oder aber in einer noch auslaufenden Beziehung (!) wird versucht zu stopfen mit etwas Neuem. Neu ist immer aufregender! Was ist das für ein Mensch, er hat andere Macken und Vorteile als der alte Partner usw. Im Idealfall fällt man gleich ins "verliebt sein". Er ist ja "viel besser" als der alte Partner, weil er im Gegensatz zu dem X und Y!
Das Problem das dann kommen kann ist aber, dass sie die Welt so nicht funktioniert. Irgendwann (ca. nach 1 Jahr) verblasst diese Verliebtheit aber und der Alltag kommt. Die Zeit in der man an der Bindung und Beziehungen "arbeiten muss".
Der Neue schnarcht ja auch...und ganz unterbewusst fängt man an zu vergleichen. Auf der einen Seite hat man den ehemaligen Partner mit dem man oft Jahre zusammen war, ergo auch unfassbar viele Erinnerungen hat. Die Zeit lässt einen oft an die guten denken. Auf der anderen Seite der entzauberte neue Partner...und dann geht das Gedankenkarussell los.
Lustigerweise exakt so mit meiner Ex damals erlebt und heute weiß ich, dass das der Moment war wo die Beziehung bergab ging.
Am Anfang komplettes Hochgefühl usw. Aber kaum kam der Alltag, der erste große Streit, die Schattenseiten, der Stress...fing sie auf einmal an von ihrem Ex zu sprechen. Das war so nach 16 Monaten! Ich weiß noch wie ich damals (absolut unwissend!) meinte "wir sind doch schon solange zusammen, wo ist das Problem?" und sie antwortet "Ich war aber auch Jahre mit ihm zusammen.". Damals habe ich das nicht verstanden, heute schon.
Das muss nicht so sein. Es kann auch anders laufen. Aber ich denke, dass das sehr häufig der Fall ist bei sowas.
Meine eigene Meinung ist, dass es ziemlich unklug ist nach einer (langen) Beziehung direkt in die nächste zu gehen. Trennungen bringen, wenn auch ungewollt, immer die Chance, wenn nicht sogar die Aufgabe (!), an sich zu arbeiten. Sich zu hinterfragen, reflektieren.
Wo will ich hin im Leben? Wie? Mit wem? Was ist mit wichtig? Was lief falsch in der alten Beziehung? Was will ich in Zukunft besser machen?
Da kann ich nur für mich sprechen: Das ist echt mega hart, aber es ist ein Weg der sich lohnt zu gehen. Er bringt einem voran und man wächst.
All jene Fragen fallen aber weg, wenn man direkt in eine neue Beziehung geht. Klar wird immer gesagt "ich werde mich hinterfragen", aber seien wir ehrlich: das ist absolut nicht vergleichbar.
Wenn ich von der einen direkt in die nächste Beziehung steige, dann habe ich ja direkt eine neue Validierung, dass ich ja zumindestens "ganz okay" bin, weil ansonsten wäre der Neue ja nicht da...dabei kennen wir nicht Mal seine Motivation usw. Die Arbeit an sich bleibt da doch auf der Strecke und schlimmstenfalls führt man lauter Beziehungen, hat aber aus Furcht (oder Feigheit) nie sehr viel über sich gelernt...bis der Punkt kommt an dem entweder mal kein Neuer parat ist, oder man in einer toxischen Beziehung gefangen ist, da man eben nicht alleine sein kann...
Zitat von Pusteblume87: Mir fehlt mehr das körperliche also kuscheln berührungen....
Das Fehlen ist normal. Das geht wohl jedem Menschen so. Aber mal ganz hart gesagt: das ist das Leben. Man muss lernen auch im Mangel leben zu können. Auch abgelehnt zu werden.
Was wäre denn, wenn du in einer Beziehung wärst und dennoch nicht sowas bekommen würdest? Weil dein Partner lange weg muss. Oder noch besser: er einfach keine Lust hat auf Intimität? Oder schlimmer: er deinen Mangel kennt und ihn toxisch gegen dich einsetzt - Liebesentzug?
Du machst dich ja komplett abhängig.
Wie gesagt: jeder kennt das Gefühl. Aber ich finde, dass das eine der wichtigsten Sachen ist, die man im Leben lernen sollte ist, dass man alleine auskommt.
Weil...und nun wird es düster...jede, JEDE Beziehung endet einmal. Und sei es im Tod des Partners (im hohen Alter von mir aus).