Das ist der Brief, an dem ich seit einigen Tagen "arbeite". Ich habe (leider?) heute bei der Eskalation schon einiges vorweg genommen. Ich weiß nicht, ob ich den Brief abgeben soll. Es interessiert mich, wie "neutrale" Personen über meine Zeilen denken.
"Ich weiß nicht, was noch alles passieren kann, damit ich mich“traue“ dir diesen Brief zu geben. Insgeheim hoffe ich, dass ich dir diesen Brief niemals geben muss.
Du hast mir noch wenigen Wochen geschrieben und auch gesagt, dass du nicht in fünf oder zehn Jahren merken willst, dass wir uns hassen, nur noch streiten und uns der Mut und die Kraft für eine Trennung fehlt. Was meinst du, was dein aktuelles Verhalten mit mir macht? Wie hättest du dich nach der Trennung von xy (Ex-Freundin, die ich sehr mag) gefühlt, wenn sie sich so verhalten hätte? xy hat sich immer fair verhalten, hat mit offenen Karten gespielt und auch wenn es dir dabei schlecht ging, wusstest du immer, dass sie dich als Mensch sehr schätzt und du ihr weiterhin wichtig bist.
Ich war auch noch so blöd und habe dich in letzter Zeit immer überall verteidigt, weil ich nicht glauben konnte, dass du genauso bist wie alle anderen. Du bist doch derjenige, der die höchsten moralischen Ansprüche an sich selbst und andere stellt. Du verurteilst deinen Vater für seine Lebenssituation, redest schlecht über Freunde die z.B. trotz Krisen wieder zusammengekommen sind, Kinder bekommen oder heiraten obwohl sie dies deiner Meinung nach aus den falschen Gründen machen. Dabei merkst du anscheinend selbst nicht, wie du dich gerade verhältst. Ich finde es unverständlich, dass dir deine bisher geäußerten und gelebten Grundsätze plötzlich so egal sind. Natürlich sind deine Antworten stets sehr diplomatisch ausgedrückt. Aber ich kenne dich gut und genug und kann sehr wohl zwischen den Zeilen lesen.
Vor ein paar Wochen hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass eine andere im Spiel sein könnte. Nachdem du dann wieder aus Aachen zurückgekommen bist und unsere Urlaubswochen erstaunlich positiv verlaufen ist, wir viel Spaß zusammen hatten, gegenseitig unsere Nähe gesucht haben und der Portugal Trip gebucht war, kam ich mir schon fast schlecht vor, so über dich zu denken. Ich weiß noch genau, wie positiv ich in die Arbeitswoche gestartet bin. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich in den letzten Monaten das letzte Mal so glücklich war. Schon ein paar Tage später gingen die Gedanken von vorne los. Es ging uns so schlecht, wir haben beide Nächte auf dem Badezimmerboden und mit Heulattacken verbracht. So viele Emotionen, so viel kräftezehrende Tage. Und dann habe ich irgendwann 1+1 zusammengezählt und wusste es liegt nicht nur an deinen Gefühlen für mich. Es gibt noch einen anderen Grund. Und hierfür verachte ich dich zutiefst, nein hierfür hasse ich dich! Du hast mich ausgetauscht und erzähl mir jetzt bitte nicht wieder, dass du dir schon lange Gedanken machst. Wir hatten seit November viele gute Momente, ein tolles Weihnachten und Silvester, wir waren viel unterwegs und haben uns nicht die ganze Zeit so gefühlt wie in den letzten Wochen. Du redest dir die ganze Situation schön. Du hast vor einem Monat noch mit mir in einem Bett geschlafen und die Drei ? gehört und nun liegst du mit einer anderen im Bett. War dir unsere Beziehung so wenig wert? Bin ich dir als Mensch so wenig wert, dass man mich einfach ersetzen kann? Dann auch noch ein beruflicher Kontakt. Ich werde mit ihr in Zukunft weiter zu tun haben, wie stellst du dir das vor? Die Treffen werden bestimmt sehr entspannt.
Du fragst mich ständig, wie es mir geht. Es geht mir so schlecht, wie noch nie in meinem Leben. Die Depression frisst sich Schritt für Schritt in meinen Körper zurück, der Akku ist völlig leer. Ich habe inzwischen mehrmals täglich Panikattacken, traue mich kaum noch vor die Tür oder Auto zu fahren. Auf der Arbeit muss ich mich zwischendurch auf die Toilette oder in einen leeren Raum flüchten. Ich werde mit Tabletten vollgepumpt, damit ich es irgendwie bis zur Kur schaffe. Dabei weißt du ja wahrscheinlich noch, dass ich mich immer mit Händen und Füßen gegen eine solche Kur gewehrt habe, weil es eine Horrorvorstellung für mich ist 8 bis 12 Wochen weg von zu Hause zu sein mit lauter “Psychos“. Ich hatte Gespräche auf der Arbeit, weil man sich Sorgen um mich macht. Man möchte mich erst mal schonen, es kommen irgendwann wieder Projekte, die ich leiten kann, wenn ich wieder belastbarer bin. Dabei wissen sie nur einen Bruchteil von dem, was wirklich mit mir los ist. Alles, wofür ich und wofür wir in den letzten Jahre gekämpft haben zerbricht gerade. Ich war einfach noch nicht so weit, es war zu früh für mich. Warum konntest du nicht noch ein bisschen warten, wenn ich dir doch so wichtig bin? Warum habe ich keine Chance bekommen, mich nochmal so zu fühlen wie früher? Vielleicht hätten wir es hinbekommen und diese Zweifel zermürben mich. Du hast mich fallen gelassen und ich war noch nicht bereit dazu. Natürlich wäre es in ein zwei, drei Monaten auch noch schlimm für mich gewesen, keine Frage. Dann hätte ich aber gewusst, dass wir (du UND ich) alles versucht haben. Du weißt, dass du alles versucht hast aber ich habe diese Chance nicht bekommen.
Wir haben immer gesagt, dass wir ehrlich zueinander sind. Diese Versprechen hast du gebrochen. Du redest dir selbst die Dinge schön, vielleicht verdrängst du auch einfach nur, es ist Selbstschutz oder du willst mich aus Mitleid schützen. Dieses Mitleid brauche ich aber nicht.
Ich wollte dich niemals zerstören, es hat mir jedes Mal das Herz gebrochen wenn ich dich wegschubsen musste, keine Nähe ertragen konnte, du mich kaum verstehen konntest, weil ich zu schwach zum Reden war oder irrationale Ausraster hatte. Mit deiner Hilfe habe ich mich dazu entschieden zu kämpfen. Schritt für Schritt wurde es ganz langsam besser und ich fühlte mich endlich nicht mehr wie gefangen im eigenen Körper. Ich hatte Lust, Dinge mit dir gemeinsam zu erleben, dich zu Feiern zu begleiten. All das war vorher unvorstellbar. Ich weiß, wie schlimm das häufig für dich war und auch wenn ich es nicht steuern konnte, tut es mir unendlich leid.
Ich werde niemals vergessen, was du alles für mich getan hast. Du warst immer derjenige, bei dem einfach alles gepasst hat: Dein unfassbar toller Humor, die Kuscheleinheiten mit Oskar morgens im Bett, deine unendliche Geduld mit Willi, dass du Versuchskaninchen für neue Blogrezepte warst, dein Hang zu Trash TV, Mädels Serien & Animationsfilmen (Butter?Creme!), deine liebevolle, warmherzige und gleichzeitig beschützende Art, deine kreative Ader, deine manchmal viel zu laute Stimme, deine starken Arme und noch so vieles mehr. Ich werde das alles nicht vergessen oder verdrängen können. Aber dein Verhalten in den letzten Tagen kann ich ebenfalls nicht vergessen oder verdrängen. Es tut unfassbar weh, so enttäuscht zu werden. Von allen Menschen hätte ich es erwartet, aber nicht von dir. Ich habe mich noch nie in meinem Leben schrecklicher gefühlt. Nicht nach dem Tod von meiner Oma, der Trennung meiner Eltern, nicht nach all den fiesen Dingen, die mir mein Vater (betrunken) an den Kopf geworfen hat, nicht nach der Trennung von Tim. Niemals. Deine Antwort auf all das ist, dass es dir leid tut. Das muss es nicht. Du hast dich bewusst dazu entschieden.
Ich will nicht mehr hören dass es dir leid tut. Dass es sich entwickelt hat und du nicht weißt was daraus wird. Du lügst mich an und auch wenn du denkst, du tust dies aus den richtigen Gründen kann ich dir garantieren, dass dein Verhalten falsch ist. Hast du mal ein Wochenende alleine verbracht, ohne sie? Hast du morgens im Bett gelegen und dich gefragt wie das alles passieren konnte und dich schlecht gefühlt? Nein, ich denke nicht. Da lag ja wieder jemand neben dir, den du umarmen und kitzeln konntest,so wie du es bis vor ein paar Wochen mit mir gemacht hast. Du stürzt dich in das nächste Abenteuer ohne Rücksicht auf Verluste. Was ist mit all unseren Plänen, kannst du das wirklich abhaken und nun neben ihr sitzen und Pläne mit ihr schmieden? Wie fühlt es sich an, wenn du ihr nun die Sachen per SMS schreibst, die noch vor ein paar Wochen mir geschrieben hast? Ich frage dich nochmal, wie hättest du dich gefühlt, wenn sich xy so verhalten hätte?
Du hast mir vor einigen Tagen gesagt, dass anscheinend einer von uns “auf der Strecke bleibt“, da es keine gute Lösung für beide von uns gibt. Dass du nun an dich denken musst. Das hast du geschafft.
Ich kann nicht mehr. Die Trennung alleine hat mich an den Abgrund getrieben. Jetzt reißen mich Wut, Trauer, Depressionen, Panikattacken und Angst endgültig den Abgrund hinunter."