Zitat von Alex2020: Er war am Boden zerstört, hat es als Fremdgehen empfunden. Hat gelitten wie ein Hund. Konnte sich von ihr nicht trennen, weil er sie noch liebte... irgendwann nach 2-3 Jahren trennte er sich von ihr endlich. Und zu mir hat er mal gesagt: "Ich wünsche, sie hätte es mir nicht erzählt".
Ich bin kein Freund davon, dem Partner alles zu sagen, denn in jedem Menschen wüten individuell Dämonen, die einen in Situationen bringen, die einen überfordern, triggern und beschäftigen - manchmal über das gesunde Maß hinaus.
Wenn man jetzt dem Partner brühwarm alles erzählt, weil man glaubt, er müsse es unbedingt wissen, denn schließlich lebt eine Beziehung ja auch von Offenheit und Vertraulichkeit, dann ist es oft so, dass ich meine ureigenen Probleme beim Partner ablade und ihn mit in mein Boot nehme.
Ich "beichte" z.B. das Fremdverliebtsein oder wie in der Geschichte diesen einmaligen Ausrutscher zum einen , weil man glaubt es, dem Partner mitteilen zu müssen, zum anderen oft aber auch um sich selbst zu entlasten.
Ich bürde also meine Rucksack zumindest zum Teil dem Partner auf, der davon nichts weiß, der ihn aber jetzt mit tragen muss.
Das Wissen wird zu einer Bürde, die überfordert. Und auch hier kommt zum Teil auch wieder eine Art Missbrauch und Benützen des Partners im Spiel. Ich benütze den Partner zur eigenen Entlastung und erhoffe mir davon wiederum Vorteile wie z.B. ein Nachlassen von Schuldgefühlen.
Ich kann den Mann gut verstehen, der gesagt hat: ich wünschte, sie hätte es mir nicht erzählt.
Heißt: hättest Du mir die Wahrheit erspart, hättest Du mich damit nicht belastet. So aber hat die Wahrheit eine Beziehung letztendlich zerstört.
Der Partner, dem alles aufgetischt wird, ist im Grund genommen machtlos. Er muss sich das anhören, was mit Sicherheit nicht angenehm und erfreulich ist, sondern zu Gefühlswallungen und womöglich Vorwürfen führt. Aber er muss auch irgendwie mit diesem Wissen umgehen und das kann zu viel sein.
Wäre mein Mann mal fremdgegangen - ganz ehrlich, ich wollte es nicht wissen. ich muss nicht alles wissen, vor allem wenn es sich um eine einmalige Sache handelt. Die soll er mit sich selbst ausmachen und mich bitte damit verschonen, denn damit wiederum entsteht bei mir kein Kopfkino, was da wohl abgelaufen ist.
Mit Wahrheiten muss man umgehen können, was nicht immer gelingen kann.
Zitat von Bones:Es tut mir leid,aber irgendwie hat deine Beschreibung etwas gruseliges.
Ist auch für mich kein "einfaches" Fremdverlieben mehr.
Was Sternchen da schildert, ist überhöht und hat etwas krankhaftes an sich. Der begehrte Mann wird zu etwas hochstilisiert und ihm werden Eigenschaften zugewiesen, die Sternchen nicht kennt, aber sie glaubt, sie zu kennen.
Meiner Ansicht nach liegt hier ein extremer Wunsch nach Verschmelzung vor, der in der Realität nicht erfüllt werden kann
Der gnädige Herr reagiert nach seinen Launen und Befindlichkeiten und verhält sich mal so und mal so.
Aber Sternchen fühlt sich bei ihm angekommen und als ein Teil von ihm. Sie möchte quasi in ihn hinein schlüpfen, um dieses Einssein zu genießen.
Naja, in der Realität wird aus solchen Partnern meistens nicht, weil die Ansprüche an den Anderen viel zu hoch sind. Man selbst ist zu wenig und braucht daher die gefühlte Vereinigung mit einem idealisierten und "wertvollen" Menschen, um bei sich anzukommen.
Monate nach meiner Trennung vom AM kam mir irgendwann eine Art Erleuchtung. Ich hatte lang nicht mehr an ihn gedacht, mich wieder in meinem Leben etabliert und fühlte mich wohl. Aus heiterem Himmel beim Frühstück fiel er mir ein und ich wunderte mich, warum. Er war ja nicht mehr wichtig, ich hatte keine Gefühle mehr für ihn. Warum also war er auf einmal "da"? Wollte ich wissen, wie es ihm ging und was er machte? Nein - ich stellte kein Interesse fest.
Dann kam ein gewisses Bedauern über die gescheiterte Beziehung, die auch mir eine "Verschmelzung" bringen sollte, aber genau das Gegenteil brachte. Ich sah uns zwei auf einer Bühne agieren und unsere Bedürfnisse aneinander ausleben.
Er verteidigte seine "Freiheit", wollte letztendlich keine feste Beziehung (anfangs hatte es sich genau andersrum angehört), wollte alles im Unverbindlichen belassen und ich jagte ihm hinterher und klammerte mich gefühlt an ihn. Solche Beziehungen machen alle zwei unglücklich, weil keiner mit sich und dem Anderen zurecht kommt.
Und auf einmal machte es Klick und ich begriff auf einmal, wie ich vorgegangen war.
Ich hatte ihn für meine Zwecke benützen wollen, denn er sollte all das richten, was bei mir im Argen lag und was ich selbst nicht beheben konnte.
Ich hatte unbewusst einige Aufträge an ihn:
1. Bitte mache Du mein Leben bunt, damit es schöner und reicher wird. Das ist noch nicht so schlimm, aber ich empfand mein Leben damals eben als öd und trist und aussichtslos und das sollte er jetzt farbenfroh, erfreulich und abwechslungsreich machen.
2. Bitte mache mich zu einer glücklichen Frau. Ich war unglücklich und er sollte mich durch sein Interesse und seine Liebe beglücken. Da ich mit mir selbst nur wenig anfangen konnte, übertrug ich diese Aufgabe an den Mann.
3. Bitte liebe Du mich, damit ich endlich glauben kann und erfahre, dass ich es wert bin, geliebt zu werden. Mangelndes Selbstgefühl führte dazu, dass der Partner mit das geben konnte, was mir fehlte.
4. Bitte zeige Du mir, dass ich wertvoll für Dich bin, damit ich endlich glauben kann, dass ich einen Wert habe.Ich wollte mein unterentwickeltes Selbstwertgefühl richten und aufwerten.
5. Ich gebe Dir gefühlt mein einsames und trauriges Herz und mit Dir wird es endlich heil und ich werde mich endlich eins mit mir und mit Dir fühlen. Das ist auch das, was Sternchen praktiziert.. Bei ihm fühle ich mich angekommen und zu Hause. Geht nur so lange der Partner diesen Überforderungen und Ansprüchen entsprechen kann und will. Meiner wollte es irgendwann nicht mehr und damit hatte er recht. Ich hatte zu viel gewollt und gestand ihm sein Anderssein nicht zu und seine Individualität.
Diese Erkenntnisse machten mich traurig, denn ich hatte nicht gewusst, wie ich ihn benützen wollte, um das zu richten, was ich selbst nicht richten konnte. Das arme Opfer erkannte, dass es auch Täter wahr und schuldig geworden war.
Ich hoffe, dass ich nie mehr einen anderen Menschen für das Auffüllen meiner Defizite missbrauchen werde. Es ist zu beschämend.
Scham setzt Selbsterkenntnis voraus, aber die tut weh und wird vermieden.Lieber idealisiert man einen Menschen zu etwas, was er nicht ist, nicht leisten und nicht bieten kann und fühlt sich gut damit, denn nur mit diesem Menschen kommt es zur gewünschten Verschmelzung, die durch einen Meteoriteneinschlag verursacht wurde.
Begonie