Hallo zusammen.
Heute Abend habe ich wieder ein bisschen Zeit.
Also in dem Artikel ging es vornehmlich darum, dass viele Entscheidungen, selbst wenn wir meinen, sie bewusst zu treffen, eben vorher schon durch das Unterbewusstsein, unsere Erfahrungen usw. determiniert sind.
Und dass demzufolge auch nicht jeder Mensch gleich "frei" ist.
Beispiel: ein Streit. Der eine Mensch hat, qua seiner Erfahrungen und Neigungen zwei Möglichkeiten: schreien oder schweigen. Zwischen den beiden Optionen KÖNNTE er nun theoretisch "frei" wählen.
Ein anderer Mensch hat aber in derselben Situation möglicherweise viel mehr Optionen zur Auswahl, kann also viel "freier" entscheiden.
Durch die Körpersprache signalisieren Menschen ihre Entscheidungen schon Sekunden BEVOR sie selbst sagen können: ja, jetzt habe ich mich für A oder B entschieden. Wertet man diese Versuche am Pc aus, lässt sich mit einer fast 100% Genauigkeit vorhersagen, wie eine Person entscheiden wird, noch ehe sie es selbst weiß.
Das finde ich nun nicht knallhart uninteressant. Entbindet das jemanden von Verantwortung? Sicher nicht.
Ich meine nur, dass sich Menschen manchmal schneller als sie selbst denken und entscheiden können in Situationen oder emotionalen Gemengelagen verstrickt sehen, aus denen es eben keinen einfachen Ausweg mehr gibt.
Dann wiedrum gibt es auch sicher Memschen, die so h selbst deutlich rationaler und besser im Griff haben als andere.
Ich lese hier immer wieder von dieser "Ehefassade" . Nein. Das sehe ich nicht so und das fühle ich auch nicht so.
Mein und ich leben keine Fassade. Wir sind ein Team. Wir unterstützen uns, wir lieben uns und ich begehre ihn nach wie vor als Mann.
Mein Mann kennt mich. Er kennt keine Persönlichkeit. Er hat genug meiner Berufs-/Haarfarben-/Inneneinrichtungswechsel mitgemacht. Er weiß auch, ja, darüber reden wir, dass er da nicht für alles zu haben ist/sein will. Das finde ich nicht schlimm und fand es auch nie schlimm . ich will ja nicht, dass sich mein Mann für mich verbiegt.
Das war auch nie ein Problem, bis meine Affäre eben auftauchte und in jede Lücke eine Kralle schlug.
Kann ja sein, dass ich damit alleine bin, aber ich glaube doch, dass es vorkommt, dass man bei einer Partnerschaft Abstriche macht. Man kriegt eben nicht alles. Und wenn an dem Mann sonst alles stimmt, wen juckt es dann, dass er nicht kochen kann oder dass er keinen Wein trinkt?! Wen juckt es dann, dass er beim Streiten eben immer stiller wird und nicht explodiert, wenn man damit selbst auch gut umgehen kann?!
Das jckt alles genau gar nicht.
Bis dann eben der Typ auftaucht, der das alles ist.
Das macht meine Ehe kein Stück besser oder schlechter als Millionen andere Partnerschaften.
Und ja: es IST Nähe möglich, ganz ohne Schauspielerei.
Was sollte ich denn vorspielen? Dass i h ihn liebe? Ist nicht gespielt.
Dass ich gerne mit ihm verheiratet bin? Ist nicht gespielt.
Dass ich treu bin? Spiele ich nicht.
Auch hier weiß ich nicht, wie das in anderen Partnerschaften läuft, aber ich muss dazu nichts sagen, weil es nie Thema ist. Mein Mann und ich reden nicht über Treue oder Untreue und spionieren einander nicht hinterher.
Zum Anderen: die Bereitschaft zu verzichten geht mir ab, ja.
Ich weiß aber auch nicht, warum das in unserer Gesellschaft als Tugend gehyped wird. Wahrscheinlich, damit Millionen Hamster schön weiterlaufen und in ihre Bausparverträge einzahlen.
Verzichten wird als was ganz Tolles gesehen. Wer verzichten kann, ist ein disziplinierter Mensch.
Wenn ich mich im Freundeskreis umschaue, wird mir übel! Ich finde es (für mich) unerträglich, wie da Lebenszeit vergeudet wird.
Da wird auf den Urlaub verzichtet, um die Stromrechnung zu zahlen.
Da wird auf einen guten Job im Ausland verzichetet, um die Familie nicht zu brüskieren. auf eine Schönheits-OP, weil das Treppenhaus renoviert werden muss. auf den Fallschirmsprung, weil der Gatte sich Sorgen macht. auf den Vollrausch auf dem Konzert, weil man dafür zu alt ist. auf das Haus am Meer, weil das dekadent wäre. usw usw
Finde ich NICHTS dran. Ist für mich alles Killefitz, vorgeschoben. Wenn all diese Menschen mit ihrer "Entscheidung" ( die in 90% glaub ich immer Angst ist) wenigstens glücklich wären. aber nein, ich höre ein fortwährendes Lamento aus "ich würde so gerne" und "hätte ich doch (nicht)".
Nach einiger Zeit des Sinnierens glaube ich auch, dass hier die Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft einfach weit weit auseinandergehen.
In meinem Verständnis ist Liebe kein Exklusivvertrag. Es ist ein Gefühl, das zunehmen und abnehmen kann. Es schwankt und entwickelt sich, muss teilweise mit viel Anstrengung und Selbstüberzeugung erhalten werden. Es ist nicht "einfach da". Und es gehört zu einem Menschen, der mir wichtig ist. Was will ich von dem/für den?
Dass er mich unterstützt, wenn es mir schlecht geht. Und umgekehrt.
Dass wir lachen können zusammen.
Dass wir uns schön finden, gegenseitig.
Dass wir ähnliche Ziele haben für unser Leben. Dass wir gesund bleiben und zufrieden. Dass wir abends gerne nebeneinander einschlafen. Dass wir uns s.y finden und uns gerne berühren. Dass wir den anderen nicht im Stich lassen, wenn's ernst wird. Dass wir reden können, es aber auch bleiben lassen können. .
Und all das kann ich bei meinem Mann immer noch unterschreiben.
Das will und wollte ich nicht alles einreißen, weil ich mich in jemand anderen verliebt habe.
Kann sein, dass mein Mann es zum Anlass genommen hätte, alles einzureißen.
Wir haben andere Krisen überlebt. Möglicherweise auch diese
Ich werde das Thema mit der Therapeutin noch angehen.
@ kuddel: ich musste nie höllisch aufpassen. Worauf? Mein Handy? Meine Unterwäsche?
Jedenfalls hatte ich nie bewusst das Gefühl: oh, da musst du jetzt aber vorsichtig sein.
@ whynot: ich kann dir ein kleines Haus am Strand in der Nähe von Kapstadt empfehlen. Es hat eine kleine Terasse von der aus man Wale und Seelowen beobachten kann und Berge im Rücken. Da kann man sitzen und vergessen, welcher Wochentag oder wie viel Uhr es ist.
Schicke dir gerne die Adresse
