Pfadfinder84
Gast
zuerst sollte ich mich für meinen letzten Text entschuldigen, der las sich irgendwie schlecht – war wohl zu müde
Inzwischen gibt es Neuigkeiten, die alles bisher Spekulierte in den Schatten stellen. Außerdem muss ich meinen Standpunkt vollkommen neu überdenken, wobei wieder neue Fragen aufkommen, für welche ich mir eine Hilfestellung euerseits erhoffe.
Ihr habt übrigens alle Recht, ohne externe und professionelle Hilfe kommen wir da nicht raus. Diesen Entschluss fasste ich bereits im Laufe des Samstags, ohne zu wissen was bei meiner Frau wirklich los war/ist. Und für diesen Tipp bin ich sehr dankbar weil ich offen gestanden niemals selbst darauf gekommen wäre einen Paartherapeuten zu konsultieren. Zu groß war die Arroganz, zu erwägen, dass wir Hilfe brauchen.
Aber dazu später mehr. Ich wollte euch erst einen Überblick über das gesamte Wochenende verschaffen, sodass ihr alles nachvollziehen könnt.
C. schlief die Nacht von Freitag auf Samstag in unserem Bett. Zu diesem Zeitpunkt war ich emotional an einem Punkt, wo ich nicht zuletzt dank eurer Ratschläge, zumindest empathisch Nachempfinden konnte, weshalb sie Ausbrach. Etwas durch den Wind, auf Grund der Situation am Vorabend, war ich dennoch.
Als sie runterkam war sie richtig erleichtert, ihr ging es sichtlich gut, das strahlte sie auch aus. Sie versorgte die Kinder und wollte mir beim Frühstück vorbereiten helfen. Ich holte dann Brötchen und deckte uns den Tisch während sie den kleinen beim Essen half. Der Anblick freute mich unheimlich. Ich fragte sie, ob sie uns nicht ins Museum begleiten wolle. Daraufhin kullerten ihr Tränen ins Gesicht und sie bedankte sich hundertmal für die „Einladung“. Der Ausflug war schön und die Kinder waren auch zufrieden.
Weil wir nur mit einem Auto gefahren sind lud sie mich anschließend zu Hause ab. Wir packten dann noch Sachen für die Kinder zusammen und verluden alles im Auto. Nachdem ich die kleinen verabschiedete stand sie vor mir und schaute mich demütig und traurig an. Ihr fiel es merklich schwer mich zu fragen, ob wir uns in sehr naher Zukunft (sie schlug den Sonntag vor) nochmal ganz alleine unterhalten könnten, es würde noch etwas geben worüber sie sprechen muss. Sie hätte viel eher mit mir darüber reden müssen, weil daraus eine vollkommen andere Ausgangssituation entstanden wäre und vermutlich geschehenes verhindert hätte.
Den übrigen Samstag verbrachte ich mit mir alleine – was längst überfällig war und unheimlich gut getan hat. Die Nacht auf Sonntag war mega Traumreich, dennoch fühlte ich mich gut erholt. Frühs war ich erst eine große Runde joggen bevor ich mich aufmachen wollte, um meinen Schwiegervater zum Tennis zu treffen. Vor der Haustür begrüßte mich meine Frau, die mit den kleinen gerade vom Spielplatz kam. Wir sind dann hinter zur Terrasse gegangen wo meine Schwiegereltern mich freudig erwarteten. Die Frauen gingen rein um die kleinen frisch zu machen, da sagte mein Schwiegervater „Du Pfadfinder, ich denke wir lassen das mit dem Tennis heute, C. möchte mit dir etwas essentielles besprechen, das hat erstmal Priorität“. In dem Moment ging es mir gar nicht gut ich hatte richtig Angst davor was nun kommt, ich will gar nicht aussprechen, was ich alles dachte. Als C. wieder rauskam fragte sie ihren Vater, ob er mir schon bescheid gegeben hätte – ja hatte er. Danach fragte sie mich ob wir nicht ein wenig spazieren wollen – ja, wollte schließlich nun auch endlich wissen was hier los ist.
Die ersten Meter liefen wir stillschweigend nebebeinander her. Ich fühlte mich total unwohl, zitternd und wackelnt. Meine Frau nahm meine Hand und führte mich quasi zu einer Bank. Mir fiel auf, dass sie ihren Ehering trug, hatte sie seit Neujahr nicht mehr – ich übrigens auch nicht. Sie schaute mich an und fing an zu weinen, dann brach es aus ihr raus, sie sagte mir, dass sie letztes Jahr ein Baby verloren hat.
Danach schämte sie sich so sehr, dass sie nicht mehr klar sehen konnte und nur noch weg musste. Keinem sagte sie etwas, nicht ihrer beste Freundin, nicht ihren Eltern und mir auch nicht – weil sie sich schämte. Sie ging feiern und lernte diesen Typ kennen mit dem zunächst gar nichts lief, sie wollte einfach alles um sich vergessen. Als dann zu Weihnachten alle – mehr spaßhalber – fragten, wann das nächste kommt war der Ofen bei ihr aus (wir haben gerade zwei Schwangere in der engen Familie). Danach wollte sie nicht mehr heim, wollte mich aber auch nicht verlassen, sie wusste weder vor noch zurück. Bei ihm konnte sie sein wer sie will, weil er sie nicht kannte und irgendwo musste sie bleiben.
Ihrer Aussage nach fühlte sie sich als Mutter unfähig, wenn sie nicht mal in der Lage dazu war, das Kind zu behalten. Als der Typ sie aber allmählich ausnehmen wollte (sämtliche Kosten musste/sollte sie tragen, er wollte dass sie das Auto verkauft, er wollte in unser Haus ziehen) nachdem er merkte woher sie kommt, musste sie auch da die Flucht ergreifen und ging zu ihrer besten Freundin. Ihr vertraute sie sich schließlich an und sie half ihr erst mal wieder zu sich zu finden. Mir wollte sie es schon am Montag und Freitag erzählen aber schaffte es nicht weil sie sich nun noch mehr geschämt hat wegen dem was sie gemacht hat.
Ich zog sie dann erstmal zu mir und nahm sie in meinen Arm. Da saßen wir beide, heulend. Zu Weihnachten wollte sie mir sagen, dass sie schwanger ist. Hätte ja keiner erwartet, dass es wieder so schnell geht (bei den Zwillingen hatte sie kaum die Pille abgesetzt da war sie schwanger). Wir weinten und weinten und uns war völlig egal was die vorbeilaufenden Leute von uns dachten. Es ist schwer zu beschreiben wie sich das anfühlte, ein Mix aus Trauer, Erleichterung und Geborgenheit, es war sozusagen „schrecklich schön“.
Dadurch haben sich die Karten vollkommen neu gemischt.
Mir zerreißt es das Herz, wodurch sie sich da allein versucht hat zu kämpfen.
Sie hat schon eine Kur beantragt, hat auch überlegt ob vielleicht eine Mutter-Kind-Kur in Frage käme aber in dieser psychologischen Notfallambulanz wurde ihr geraten sich erstmal um sich zu kümmern.
Heute ruf ich bei einer Paartherapeutin an, hoffentlich haben die nicht so lange Wartezeiten.
Wir sind dann nach Hause gefahren und haben die halbe Nacht geredet.
Ich nehme mir jetzt erstmal ein paar Tage frei, da wir definitiv Zeit für uns brauchen.
Wir haben jetzt einen langen Weg vor uns aber, unter diesen Umständen, möchte ich es wagen einen Neuanfang zu starten. Vielleicht wird es endlich mal Zeit, mit dem Herz zu entscheiden anstatt mit dem Kopf.
Allerdings frage ich mich jetzt, ob wir direkt einfach weiter machen sollten oder doch erstmal auf Abstand gehen sollten, mit einer getrennten Wohnsituation. Mein Herz sagt mir, dass ich sie gerne um mich hätte um für sie da zu sein – mein Verstand sagt, dass wir vielleicht erst die Paarberatung abwarten sollten.
Herzliche Grüße
Pfadfinder