Zitat von Sonnenblume53: Aber - und dieses dicke Aber bleibt: Angenommen, Ihr würdet wieder zusammenkommen, würde sie Dir nicht durch die ständige Nähe, trotz der emotionalen Sicherheit, irgendwie "die Luft zum Atmen" nehmen? Bei mir wäre es so. Ich brauche Ruhe und Zeit für mich. Ich las Dich so, als sei es bei Dir genauso.
Sie scheint durch ihr "alles zusammen machen wollen" ebenfalls ein Problem zu haben? Verlustangst z.B.? Wie geht sie damit um?
Da mag zwar jetzt nicht relevant erscheinen, könnte sich aber auf Dauer als Fallstrick entpuppen. Ganz besonders dann, wenn Du eigenen Hobbies nach gehen möchtest, wie Du es vorhast!
Ich sehe das auch so. Die bekannten Probleme würden wieder kommen, auch wenn jeder sich bemüht und sich sagt, "wir wissen jetzt ja, wie es geht", so sind die altbekannten Mechanismen schlicht weg nur einige Zeit überdeckt.
Und Gefühle alllein sind auch kein guter Ratgeber, weil sie sich ändern. Anfänglich das große Glück, das dann mehr und mehr zunichte gemacht wird, weil zwei Menschen mit einem unterschiedlichen Nähe-Distanz-Bedürfnis schlecht kompatibel sind.
Du wirst, wenn Du wieder mit ihr eine Beziehung eingehst, bald wieder unter ihrem starken Nähebedarf leiden und dann kommen die altbekannten Vermeidungsstrategien wieder zum Vorschein, die jeder so drauf hat, der mehr Distanz braucht. Und auch sie wird sich da kaum umstellen können, sondern wieder erwarten, dass Du alles mit ihr zusammen machst.
Der gute Wille allein hilft da nichts, weil zwei Menschen zusammen kommen, die dasselbe Problem haben, aber es unterschiedlich ausleben.
Du hast aufgrund Deiner Kindheitserfahrungen verinnerlicht, dass Beziehungen eh nicht funktionieren, sondern eher weh tun und bist daher dazu übergegangen, zu enge Beziehungen zu vermeiden. Du schaffst das nicht, weil Dir dann alles sehr schnell zu viel wird, Du Dich vereinnahmt fühlst, möglicherweise kontrolliert und spürst, dass Dich das ständige Zusammensein erdrückt. Du traust engen Bindungen nicht, weil Du schlechte Erfahrungen damit gemacht hast.
Und sie hat womöglich dasselbe Problem und strebt gerade deswegen danach, alles mit dem Partner machen zu wollen. Dann trifft sie bei Dir auf eine Wand aus Unwillen und Unvermögen und sie versteht das nicht. Weil sie ihre inneren Ängste mit ständiger Nähe kompensieren möchte.
Damit treffen Feuer und Wasser aufeinander und es geht wieder von vorne los.
Ich glaube, Du bräuchtest eher eine Partnerin, die mit Deinem Bedürfnis nach Alleinsein, nach Rückzug umgehen kann und das nicht als beziehungsgefährdendes Manko sieht, weil sie selbst mit sich auch was anfangen kann.
Wahrscheinlich wist Du Dich aber darauf einlassen weil Du natürlich auch einen inneren Wunsch nach Nähe und Übereinstimmung hast und vermutlich die alte Leier wieder abspulen und sie genauso.
Ich habe auch Bindungsängste, das weiß ich und die vergehen nicht. Sie sind ausgesprochen hartnäckig, aber ich lebe damit und habe einen Partner, der ähnlich gestrickt ist. Dann geht es, aber wenn der eine alles zusammen machen will und der andere das nicht kann, wird es problematisch. Ich kann eine Beziehung jetzt besser aushalten, weil ich weiß, worunter ich leide und das dann entsprechend identifizieren kann. Das heißt aber nicht, dass ich das ausradieren kann.
Bindungsängste sind schwer therapierbar, hat mir mal ein Psychotherapeut erklärt. Was sich in der Kindheit eingebrannt hat, kriegt man nicht mit ein paar Therapiestunden weg.