DerSchlumpf
Mitglied
- Beiträge:
- 1
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 14
- Mitglied seit:
Ich bin 45, meine Frau 44 und wir sind seit 29 Jahren (!) ein Paar, seit 19 Jahren verheiratet mit drei Kindern (13, 11,
Ich bin Beamter, und habe tatsächlich das übliche Sicherheitsbedürfnis, das man Beamten nachsagt. Vielleicht auch etwas konservativ, aber meine Familie ist natürlich heilig. Bei Verletzungen ziehe ich mich zurück, und lasse wenig an mich ran, auch wenn ich nach außen hin normal funktioniere, aber auch zurückschießen kann, wenn ich angefeindet werde.
Meine Frau ist nach der ersten Schwangerschaft auf Teilzeit gegangen und war die übliche Hausfrau, aber tat dies immer gerne und ist für die Kinder da.
Seit etwa 5 Jahren beschäftigt sich meine Frau verstärkt mit Spiritualität und Rückführungen, hat hier auch Ausbildungen gemacht und ist nun neben ihrem Beruf spirituelle Lebensberaterin. Ich persönlich halte nichts von derlei Geschichten und bin reiner Naturwissenschaftler, toleriere aber meine Frau, weil es mir nicht schadet und sonst nichts betroffen ist. Ich würde sagen, dass ich tatsächlich loyal zu ihr stehe, und sie auch moralisch unterstütze.
Seit etwa einem Jahr aber begann meine Frau, unsere Grundpfeiler der Ehe in Frage zu stellen. Vor einem gipfelte dies darin, dass sie kundtat, dass sie jetzt „weiblichen“ Sex möchte, und nie wieder zum Sex gedrängt werden möchte, und ihre eigene Seite ausleben möchte. Ich persönlich hatte eigentlich nie den Eindruck, dass ich sie drängen würde, aber war erstmal baff, dass sie jetzt sauer auf mich war, und dass jetzt erstmal nur Sex angesagt ist, wenn sie danach fragt. Eigentlich war es vorher auch so, aber nun war erstmal ganz Flaute, und ich traue mich seit einem Jahr nicht, die Initiative zu ergreifen. Eigentlich mündet ihr das nun auch in zu wenig Sex, wie sie vor zwei Wochen sagte.
Seit einigen Wochen haben wir sehr intensive Gespräche, in mehreren Richtungen: einerseits sollte ich einen Therapeuten aufsuchen, dass ich Kindheitserinnerungen aufarbeiten sollte. Ich stimmte zu, aber einen Platz zu bekommen, ohne 100 km fahren zu müssen, ist nahezu unmöglich in unserer Gegend. Andererseits wollte sie mehr Emotionen von mir für unsere Familie, was für mich tatsächlich eher ein Problem darstellt. Auch stellte sich nun heraus, dass sie ihre Herkunftsfamilie oft sogar über mich stellte, hier gab es mehrere Vorfälle dieser Art. Ich fand das nicht in Ordnung und hätte mir gewünscht, dass sie mir gegenüber loyaler wäre, zumindest aber nicht Partei für ihre Familie ergreifen würde. Ihre Familie ist tatsächlich sehr liebenswert, aber Harmonie geht hier über alles, Konflikte werden hier nicht angesprochen. In meiner Herkunftsfamilie hingegen war es eher kühl, so dass ich nie eine enge Bindung zu meinen Eltern oder meinem Bruder aufbauen konnte (mein Bruder und meine Eltern haben sogar keinen Kontakt mehr nach einem Konflikt). Damit sah ich tatsächlich ihre Loyalität mir gegenüber als etwas angeknackst an.
Vor etwa zwei Wochen sprach sie nun das Thema „Offene Beziehung“ an, was ich nun erstmal ablehnte. Das gestrige Gespräch hingegen zielte genau dahin ab. Hier der Kern der Unterhaltung: Sie hat seit längerem das Bedürfnis, vielleicht auch andere Männer kennen zu lernen, auch tiefer und auch mit sexuellem Bedürfnis. Sex ohne vorherige Beziehung sei aber keine Option für sie, aber Verlieben in andere Männer war schon immer sehr aufregend für sie, und sie sieht hier auch gute Chancen und Anregungen für unsere Ehe. Sie hatte (laut eigener Aussage) bisher noch nie eine andere Beziehung neben der Ehe, aber sich manchmal durchaus in andere Männer verguckt, was sie mir auch gesagt hat, ich aber ok fand (mehr war ja auch nicht, ich glaube ihr hier). Aber sie fand nun, dass es an der Zeit ist, auch mal über andere Beziehungen neben der Ehe nachzudenken, und gegebenenfalls diese auch sexuell zu erleben. Da sie mich aber nicht vor den Kopf stoßen möchte, wollte sie dies eben mit mir besprechen, als eine Art Vertrauensbasis. Vielleicht überspitzt formuliert, und so habe ich es auch kommuniziert: sie möchte meinen Segen für außereheliche (auch sexuelle) Beziehungen. Ihr Argument war: ihre Liebe reicht ja für mehrere Personen.
Ich war vor den Kopf gestoßen. Ich dachte, unsere Partnerschaft basiert auf Treue, und dann kommt dies, und zwar unerwartet. Meine Werte und meine Moralvorstellungen würden bei mir niemals einen eigenen Seitensprung (oder gar eine ganze Beziehung) zulassen, ich hätte hier ab dem ersten Moment tatsächlich moralische Bedenken und Hemmungen, entsprechend war ich ihr tatsächlich treu. Aber nun kommen diese Äußerungen von ihr, was mich total aus der Fassung bringt, auch weil sie früher die gleichen Werte und Moralvorstellungen hatte wie ich, denke ich. Aber diese „will sie nicht mehr akzeptieren“ und kann und will mir nun auch keine Sicherheit geben, dass es nicht so weit kommt. Ich war perplex, hab mich in mein Schneckenhaus zurückgezogen und spekuliert.
Für mich ist das hingegen ein völliges No-Go. Für mich würde dies das Ende der Vertrauensbasis bedeuten, und damit das Ende unserer Beziehung. Sie hingegen ließ nicht locker: das sei ihr nun eine Herzensangelegenheit und würde nicht mehr lockerlassen, bis ich quasi das OK für ihre außereheliche Beziehung gegeben hätte. Dies gab mir den Rest, und sagte ihr auch dass ich ihr das nicht geben kann, und war umso mehr geplättet, dass sie das so durchziehen möchte. Ihr Argument war, dass dies doch immerhin Vertrauen beweist, dass sie mir das vorher sagt. Für mich war das hingegen ein tiefer Knick in der Vertrauensbasis, und wurde unter Druck gesetzt, dass ich ihren Willen akzeptieren sollte. Ich konnte dies nicht tun, und konnte dies auch kommunizieren, da dies gegen meinen absoluten moralischen Kompass geht, und war auch entsetzt, dass sie dies immer wieder von mir verlangen wird. Ich sagte ihr (und das meine ich auch ernst), dass ein solcher Vertrauensbruch das Ende unserer Beziehung darstellen würde, was sie wiederum als Bedrohung empfand.
Es kann sein, dass sie in ihrer Midlife-Crisis angekommen ist (zudem: Vorboten der Menopause). Aber ich hätte nie erwartet, dass sie ihre Werte so ausrichtet, dass sie den meinen zumindest in dieser Hinsicht völlig entgegenstehen. Und dass sie auch nicht lockerlassen möchte. Vielleicht hat sie das Gefühl, was verpasst zu haben, aber trotzdem dachte ich, dass ihr ihr in der Beziehung reichen würde. Daher war ich nun geplättet und fühle mich innerlich leer, gehe auf Distanz zu ihr. Vielleicht auch wegen meiner psychischen Voreinstellung musste ich die letzten 24 h lange grübeln, nicht immer positiv designiert. Ich bin daher niedergeschlagen, und weiß nicht, in welche Richtung unsere Beziehung geht. Dazu noch die Kinder.
Seit gestern bin ich total angespannt, kann ihre Anwesenheit kaum ertragen und flüchte mich in lange Hundespaziergänge. Dabei grüble ich natürlich weiter über unsere Beziehung, und was davon übrig ist, und wer welche Vorstellungen von Beziehung hat. Natürlich bin ich total verletzt.
Wer bis hierher gelesen hat: vielen Dank.
Was meint ihr: ist die Beziehung und Ehe noch rettbar? Einerseits hänge ich an ihr, und auch an der Beziehung, aber muss sie nicht um jeden Preis halten. Gerne auch andere Sichtweisen, oder vielleicht bisher ungesehene Aspekte. Ebenso: stimmt mit meinem Gefühl was nicht? Oder was ist los?
Danke, DerSchlumpf