Hallo!
@ Liebe Maus
Ja, solche Verhaltensmuster werden natürlich schon in der frühen Kindheit geprägt. Aber ich glaube, wenn einem das bewußt ist, dann hilf das schon einmal ein Stück weit, weil man zumindest weiß, daß man durchaus nicht verpflichtet ist (etwa aus Gründen eines allgemeinen Anstandes oder wegen sozialer Verträglichkeit), sich in einer Weise zu verhalten, die für einen selber schädlich ist. Das heißt, man muß nicht zu allen lieb sein, um ein "guter" Mensch zu sein und akzeptiert zu werden, und man muß ihnen auch nicht dienen oder sich von ihnen aussaugen lassen.
Manchmal geht es nicht anders, als gegen seine eigenen Muster anzukämpfen, aber wenn einem klar ist, daß es dabei eben um frühkindliche Prägungen geht, dann gelingt das auch oder es gelingt zumindest leichter. Und man kann ja auch etwas umlernen, d. h. man kann lernen, sich etwa besser durchzusetzen, es nicht dauernd anderen rechtmachen zu wollen, mehr zu sich selber zu stehen usw., wenn man eben versteht, daß es hier nicht um etwas geht, das man der Menschheit, den Mitmenschen tatsächlich schuldig wäre, sondern gleichsam um einen inneren Zwang. Und das ist ein großer Unterschied. Man muß und soll ja nicht rüpelhaft werden, aber man sollte lernen, auch die eigenen Interessen und berechtigten Bedürfnisse umzusetzen (ohne womöglich ein schlechtes Gewissen zu bekommen).
Ja, gewisse Dinge, die Du wegen Deines Ex schreibst, kenne ich nur zu gut - diese "Seelenverwandtschaft", das Verzaubertsein, die tiefe Verbundenheit, das umfassende Verständnis, alles erzählen können, man sei im Hafen angekommen, nichts mehr könne passieren, die große Liebe für immer und ewig usw.
Das ist ja gerade das Verhängnisvolle, weil man das auch alles glaubt und spürt, selbst wenn man es beinahe nicht glauben kann, weil es zu märchenhaft ist - und das ist es zuletzt leider auch ... ein Märchen.
Was die Kritik betrifft, so kann ich das aus eigener Erfahrung gar nicht sagen, weil ich meine Ex (tatsächlich - vermutlich, weil auch die Zeit zu kurz war, wir hatten ja nicht einmal einen einzigen Streit, nichts Disharmonisches) gar nie kritisiert habe. Aber daß sie auf Kritik sehr verletzt und wütend reagiert, habe ich schon mitbekommen, wenn sie etwa (auch nur ganz wenig) bei ihrem Job kritistiert worden ist - das war immer ein halber Weltuntergang und immer schon nahe am Kündigungsgrund. Nur habe ich sie dann halt wieder beruhigt und aufgebaut.
Aber wenn Dir das öfter so geht, also auch im Freundeskreis, dann scheinst Du eine gewisse Affinität zu solchen Menschen zu haben, die keine Kritik vertragen und nur bewundert und bejaht werden wollen. Man könnte wohl sagen: der Glacehandschuh findet die zerbrechlichsten Gläser ...
Ich würde ja sagen: wenn Du so einen richtig guten Freund oder eine richtig gute Freundin hast - dann übe das einmal. Also meinetwegen irgendeine (konstruktive, gerechtfertigte) Kritik zu üben und dann dafür so richtig angeschossen zu werden. Man kann damit nämlich durchaus auch souverän umgehen, ohne ausfällig zu werden, aber auch ohne klein beizugeben. Das kann man lernen wie meinetwegen schwimmen - nur geht das nicht im Kopf, sondern man braucht dazu quasi einen "Trainingspartner".
Und durchsetzen kann man sich auch ganz ohne Holzhammer, das ist mehr eine Frage des Selbstbewußtseins als der Methode. Und wenn Du das Gefühl hast, die Menschen hören Dir nicht richtig zu: drückst Du Dich zu unklar aus oder zu unsicher, oder hat das, was Du sagst, nie entsprechende Konsequenzen? Jedenfalls kann ich Dir hier nur raten, einmal genauer hinzusehen, woran das liegt.
Und jedenfalls solltest Du auch nicht versuchen, es allen rechtzumachen. Sobald Du das Gefühl hast, Du möchtest etwas eigentlich gar nicht tun, aber Du Dich anschickst, es dennoch zu tun, weil andere das von Dir erwarten - dann unterlasse es (und verwende auch keine Ausreden, sondern stehe dazu, daß Du das nicht möchtest). Man muß das wirklich üben, anders geht es nicht. Auch wenn man hierfür zunächst einmal gegen eigene Muster bestehen muß. Aber es lohnt sich!
@ Bibi (ebenfalls liebe

)
Ich habe letztens ja einmal geschrieben, man muß auch seinen Kindern ab einem gewissen Alter ihr Leben leben lassen und sie ihre eigenen Erfahrungen machen lassen und es daher auch akzeptieren, wenn sie sich von jemandem trennen, den man selber vielleicht für "passend" erachtet. Und das meine ich auch nach wie vor, es geht ja auch gar nicht anders.
Aber - wenn Dir Deine Tochter sagt, Ihr werdet Euch dann morgen nach der Arbeit sehen und Du davor ja beinahe schon Angst zu haben scheinst, dann macht das ja den Eindruck, als hätte sich zwischen Euch die Rolle umgekehrt. Also ob sie die "dominantere" Rolle innehätte, und Du Dich vor einer Standpauke fürchten müßtest.
Und das geht natürlich ganz und gar nicht. Das solltest Du Deiner Tochter schon auch ganz deutlich klar machen.
Ebenso bist Du nicht verpflichtet, ihre Wohnung zu tapezieren. Es ist natürlich schön, wenn Du ihr dabei hilfst, weil Du das eben kannst. Aber wann Du das machst bestimmst alleine Du. Und darüber darfst Du auch Dir gegenüber keine Zweifel haben. Es ist eine Gefälligkeit Deinerseits Deiner Tochter gegenüber, und keineswegs eine Verpflichtung. Du bist ihre Mutter, aber nicht ihre Angestellte oder ihre Dienstmagd.
Sie wird erwachsen und will das ja auch werden, und das ist auch gut und richtig so - aber dann muß sie auch lernen, daß sie sich um die Dinge selber kümmern muß. Das heißt natürlich nicht, daß Du ihr nicht zur Hand gehen und sie nicht unterstützen solltest, aber es darf keine Forderung Deiner Tochter Dir gegenüber sein.
Und ich glaube, da solltest Du vielleicht das eine oder andere ins rechte Licht rücken. Nicht wütend oder abfällig, sondern sachlich, aber bestimmt.
Jedenfalls kann und darf es nicht so sein, daß Du womöglich noch Angst vor Deiner eigenen Tochter bekommst ...
Aber vielleicht sind das alles jetzt auch nur so kurzfristige "Ablösungsprobleme".
@ Liebe Groupie
Ok, danke, jetzt verstehe ich, was mit Deinen Baulampen geschehen ist, und meine gleichsam schon automatische Meinung, alles habe bei Dir immer mit Dates zu tun, war wohl völlig daneben ...
Aber das, was Du über Deine "todkranke" Mutter schreibst, auch wenn Du es bissig-ironisch formulierst, ist ein starkes Stück!
Offenbar schaffen es nicht nur Kinder, den Eltern ein schlechtes Gewissen zu machen und ihnen so allerhand abzufordern, sondern das geht auch umgekehrt.
Was würdest Du denn raten in diesem Fall, wenn Du Groupie raten würdest?
@ Anje
Liebe geben meinte ich eigentlich nicht, sondern diese "Liebsein", dieses "Wohlverhalten". Aber Du hast natürlich recht: man muß hier auch auf das richtige Maß von Geben und Nehmen achten, denn sonst kann man irgendwann einmal sehen, wo man bleibt. Und meist ist das zuletzt mehr oder weniger die Wüste ...
Und im allgemeinen: ich glaube, dieses Liebe geben, um sich Liebe zu "verdienen", das funktioniert ohnehin nie - man füllt seine Liebe in ein Glas ohne Boden und wird immer nur Nichts daraus trinken, so viel man selber auch hineinschüttet.
Liebe Grüße - und viel (Bade-)Spaß den Nixen, die das Plantschen selbst im Winter nicht lassen können!
