Zitat von Ro_Lina: Die Lösung für Angststörungen ist, zu lernen dass man Angst alleine aushalten und bewältigen kann.
Die Angst ist das schlimmste aller Übel, denn die Angst kann Menschen kaputt machen und beeinträchtigt das Selbstgefühl, die Sicht aufs Leben und das Vertrauen zu anderen Menschen.
Dein Bob scheint ja ein sehr Lieber zu sein und es freut mich sehr, dass Du Dich so gut mit ihm gefühlt hast. Das ist schon mal eine tolle Bestätigung. Jede Beziehung ist ein Risiko, das viele mit einem gewissen Vorbehalt eingehen, denn jede Beziehung kann auch viel Schmerz und in psychischer Hinsicht Rückschläge bedeuten. Daher ist ein wenig beobachtende Vorsicht auch durchaus angebracht. Aber jeder, der sich darauf einlässt, kann auch sehr stark verletzt werden und das muss man einkalkulieren. Allerdings erlebt praktisch jeder im Lauf seines Lebens ein oder mehrere Mal Liebeskummer und zerbricht nicht daran.
Dass bei dir ein Kindheitstrauma vorliegt, habe ich schon vermutet. Das ist eigentlich immer so und manche Kinder sind robust und vom Wesen her widerstandsfähig und können solche Blessuren wie die Trennung der Eltern leichter wegstecken. Andere wiederum, sensiblere Naturen können regelrecht Traumen davon behalten.
Das sagte mir auch mein Therapeut. Nicht jedes Kind erträgt alles gleich gut. Was eines locker wegsteckt, ist für ein anderes eine ungeheure seelische Belastung.
Dann bist Du auch den Weg der Verdrängung gegangen, um Deine empfindsame Seele vor zu belastenden Erinnerungen zu schützen.
Falls auch nur bruchstückhaft irgendwann Erinnerungsfetzen an die Oberfläche kommen sollte, nimm es an, denn es kann trotz allem Schmerz, der wieder aufwallt, letztendlich hilfreich sein.
Was Du über Deine familiäre Situation mitteilst, kommt mir sehr bekannt vor, insbesondere über Deine Mutter. Meine war auch so und ich war schon im Alter von drei oder vier Jahren regelrecht "dressiert" worden. Tu dies, aber jenes nicht. Ihre Befindlichkeiten schwankten. Einen Tag war sie fröhlich und heiter und sang (das war immer ein sehr gutes Zeichen, zumal sie auch eine sehr gute Singstimme hatte), den anderen offenbar gereizt, genervt und vor allem mit sich und der Welt unzufrieden. Und diesen wechselnden Stimmungen war ich schutzlos ausgeliefert. Mein Vater, der ruhende Pol, war natürlich in der Arbeit und kümmerte sich auch nicht so viel um Kindererziehung. Er war da, er war wichtig für mich, aber blieb irgendwie doch oft fern. Naja, und dazu kam dann noch die unsichere Mutterbindung, die wie bei Dir nicht verlässlich und beständig war.
Manchmal war ein Loch in der Hose nicht der Rede wert, das andere Mal ein Anlass für Schimpftiraden und Ermahnungen und Vorwürfe. Wieso hast Du nicht aufgepasst? Was hast Du da wieder angestellt?
Zurück blieb ein unsicheres, ängstliches Kind, das sich zu wenig geliebt und bestätigt fühlte. Ein hervorragendes Mittel zur Besserung der teils belastenden Situation war dann die Schule. Ich wusste sofort, das wird meine Spielwiese. Vermutlich kapierte mein Unterbewusstsein, dass das letzendlich auch ein Schutzraum werden würde.Und so wurde ich zu einer guten Schülerin, zumal schulische Erfolge ja auch Bestätigung, Anerkennung und Lob brachten. Und so erfuhr ich sehr schnell: Liebe gibt es gegen Leistung. Für Liebe muss man sich ins Zeug legen, sich anstrengen und man darf vor allem nicht locker lassen.
Und genau diese Glaubenssätze trug ich ins Erwachsenenleben, weil ein Erwachsender immer das nachlebt, was er kennt.
Ich bin nicht gut genug, ich müsste besser sein, auf jeden Fall anders, dann hätte mich Mutti wieder lieb. Ich bin einfach nicht so wie ich sein sollte und schließlich hat die Mutter ja immer Recht. Da ist es natürlich später kein Wunder, wenn Beziehungen scheitern, denn wie soll man eine Beziehung halten, wenn man von Ängsten und Verunsicherung getrieben ist? Wie sollte man da keine Verlustängste haben, denn wenn schon mein Papa ging, dann verlässt mich ja jeder Andere auch. Und ich bin dann wahrscheinlich Schuld dran, weil ich einfach nicht so bin wie ich sein sollte.
Und dann eben das Prinzip: Liebe gegen Leistung. Ich wurde zu der Frau, die der Mann vermeintlich haben wollte. Und dann reichte es doch nicht und ich wurde verlassen - wieder Mal. Wie ein Gesetz.
Aus der Spirale der Selbstabwertung rauszukommen, ist tatsächlich schwer, denn es müssen uralte und tief verankerte Einstellungen geändert werden und damit tut sich der Mensch generell schwer, Manche brauchen Therapien, die vielleicht sogar erfolglos sind, manche fangen an, sich selbst zu helfen.
Du bist noch sehr jung und das ist auch sehr vorteilhaft. Du musst Dein Selbstmisstrauen, Deine mangelnde Eigenliebe, Dein schlechtes Selbstvertrauen nicht über Jahrzehnte mit Dir tragen, denn das ist auch freiwillig und letztendlich ja nur das Ergebnis von Umständen, die Du nicht beeinflussen konntest. Also wurde Dir vieles aufgezwungen, natürlich nicht absichtlich, aber Du bist als Kind den Erwachsenen ausgeliefert. Du kannst nicht ohne sie überleben und daher musst Du Dich in dieser oft harten Welt einordnen und darin überleben.
Gegen eine schlechte Einstellung gegenüber sich selbst kann man durchaus selbt etwas tun. D.h. im Endeffekt kannst nur Du allein daran etwas ändern, denn ein anderer kann dir hundert Mal sagen, dass Du toll bist, aber Du glaubst es ja doch nicht. Das ist eingeübt. Ein paar Rückschläge reichen und man verinnerlicht, dass man sich selbst nicht lieb haben kann und darf.
Doch, man kann. Aber dazu muss jeder seinen eigenen Weg finden, denn es gibt kein Rezept, keine Anweisung, die bei jedem gleich anschlägt.
Mir wurde irgendwann - und ich war schon wesentlich älter als Du - bewusst, dass ich mich kategorisch selbst schlecht mache. Alle anderen sind ja so viel besser als ich, sie sind voller Selbstvertrauen und gehen Dinge mutig an, lassen sich nicht unterkriegen und klüger sind sie sowieso. Ach, wäre ich doch auch so! Es wäre vieles so viel einfacher.
Ich müsste halt auch so sein, dann ... aber ich bin es eben nicht. Ich bin nur die Begonie, die mit sich zu kämpfen hat.
Und irgendwann begriff ich, dass es meine Hauptbeschäftigung war, mich in Frage zu stellen. Das und jenes lief ganz gut, immerhin, aber dieses halt nicht. Ja klar, ich bin leider nicht so toll, intelligent, nett, liebenswert genug. Vor allem nicht liebenswert, denn wer sollte mich schon mögen und warum auch?
Heute bin ich anders. Heute sage ich, ich habe mich so viele Jahre mit mir abgegeben, dass es einfach mal reicht. Es gab genug schlechte Gedanken!
Und ich denke dann einfach anders. Wenn wieder ein negativer Gedanke aufkeimt, dann schiebe ich ihn weg und sage mir, ich muss nicht schlecht über mich denken und urteilen. Es ist eine freiwillige Entscheidung und ich kann ebenso gut anders über mich denken. Ich darf mich auch mal loben, mir gut zureden und ich darf mit mir zufrieden sein. Und ich bin liebenswert. Und nur weil meine Mutter immer wieder mit sich haderte, was ich dann spürte, muss ich es nicht genauso machen. Ich kann es besser machen und mich von selbstschädigenden Gedanken verabschieden.lch muss das nicht behalten, ich kann es weg legen, denn es bringt mich ja keinen Schritt weiter. Eher im Gegenteil.
Und so was kann man richtig üben, aber man muss dran bleiben, denn die Gedankengänge sind einzementiert und mächtig. Ich habe mir dann immer vorgestellt, dass es bösartige Kobolde gibt, die nichts lieber tun als mich abzuwerten und dann hämisch darüber zu lachen. Ja, klar, typisch, wieder mal gescheitert! Hast dir wohl gedacht, dieses Mal läuft es besser, aber wir haben dir doch gleich gesagt, dass Du scheitern wirst. Wieder Mal haben wir Recht, hahaha!
Und dann begann ich, die Kobolde in einen Schrank zu sperren. Ich sagte zu ihnen: ich habe genug von Euren Tiraden, ihr tut mir nicht gut. Also ab in Euren Schrank, da könnt ihr dann maulen, aber ich höre Euch einfach nicht mehr zu. Das ist zu Ende!
Jeder muss und kann sich auch selbst helfen, aber man muss halt die Mittel und Wege dazu finden. Daher bleib dran und denke immer daran: Du bist für Dich verantwortlich, Du allein. Und Du wirst immer das ernten, was Du von Dir zeigst.
Wenn Du Dich selbst nicht magst, werden auch andere Dich nicht mögen.
Wenn Du Dich selbst nicht achtest, kannst Du keine Achtung von anderen erwarten.
Wenn Du Dir selbst nichts wert bist, bist Du auch anderen nichts wert.
Du bist Deines Glückes Schmied und ich glaube auch, dass Du das kannst. Ein Therapeut kann Dich unterstützen, aber wenn Du lieber in Deinen alten Glaubenssätzen kleben bleibst, weil Du sie gewohnt bist, dann kann er sie Dir nicht austreiben. Du musst dazu bereit sein und Du musst den Willen zu einem besseren Leben haben. Dann kann Dir vieles gelingen.
Ob Bob Dich jetzt lieb hat, ist gar nicht so wichtig. Dass Du Dich selbst lieb hast, ist wichtig und dann kann Dich auch Bob lieb haben. Er ist aber nicht dafür da, Dein Leben zu richten, denn das kannst nur Du allein.
Du bist intelligent, Du hast auch Freude am Leben, Du freust dich über Zuneigung und Akzeptanz wie jeder. Du kommst sehr sympathisch rüber. Dann genieße das auch, es steht Dir zu. Dir ganz besonders, weil Du es eben nicht so leicht mit Dir hast wie manch Andere. Aber darin liegt für Dich ein riesiges Potential, denn Du kannst Dinge schaffen die andere nicht bewältigen müssen. Und das kann auch ein Kapital für Dein Leben sein.
Sieh es mal positiv. Manche müssen halt mehr mit sich arbeiten als andere, aber wenn sie dann Erfolge sehen, haben sie auch ein Kapital für sich gewonnen. Nämlich Selbstvertrauen und das beruhigende Gefühl, dass sie sich auf sich selbst verlassen können.
Alles, was Du für Dich tust, ist wertvoll und hat einen bleibenden Wert. Deine Ängste sind auch nur das Ergebnis von Erlebnissen in der Kindheit und Du musst sie nicht über Dich regieren lassen. Leider sind Ängste sehr zäh und mächtig, aber wenn man sich ihnen stellt, verlieren sie ihren Schrecken.
Und es gibt keinen Grund, dass Du über Dich schlecht denken musst und glauben musst, dass das Glück nur für andere ist, aber nicht für Dich. Dir steht es auch zu, aber Du musst auch was dafür tun.
Setz dich hin, mach die Augen zu, atme tief ein und aus und sage Dir, mir steht ein schönes WE mit Bob bevor und es gibt überhaupt keinen Grund, warum ich an mir zweifeln muss. Ich kann mich jetzt einfach darauf freuen und es wird alles gut.
Ach, und übrigens, Du musst Dich auch nicht dafür verteidigen, dass Du so bist und dieses tust und jenes nicht und warum. Du hast es nicht so einfach mit Dir und Ratschläge sind immer gut und schön, aber nicht für jeden gleich geeignet. Du wirst Deinen Weg finden, ganz bestimmt und auch die Mittel dazu.