lassy
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Dieses psychologische Phänomen ist so verbreitet, dass es seinen eigenen Namen bekommen hat: „Stockholm-Syndrom“, benannt nach einem Vorfall, der im schwedischen Stockholm stattfand. Am 23. August 1974 betraten zwei Männer mit Maschinengewehren eine Bank. Sie hielten mehrere Tage lang drei Frauen und einen Mann als Geiseln. Am Ende dieses Leidenswegs hatten sich die Opfer überraschenderweise auf die Seite ihrer Kidnapper gestellt und verteidigten diese sogar gegenüber den Medien und der Polizei. Eine Frau verlobte sich sogar mit einem der Bankräuber. Eine andere gab eine große Summe Geld für die juristische Verteidigung eines der Kriminellen aus. Personen, die unter dem Stockholm-Syndrom leiden, entwickeln eine ungesunde, positive Bindung zu den Personen, die sie missbrauchen. Sie akzeptieren die Lügen und Begründungen des Täters für sein schlechtes Verhalten. Manchmal unterstützen sie den Täter sogar dabei, anderen zu schaden. Dieser psychologische Zustand macht es den Opfern schwer, wenn nicht sogar unmöglich, Verhaltensweisen zu praktizieren, die eine Loslösung vom Täter erleichtern, wie zum Beispiel seine Auslieferung, die Aufdeckung seines Fehlverhaltens, oder ihn zu verlassen.
Diese ungesunde Bindung verstärkt sich, wenn der Täter zwischen Zuckerbrot und Peitsche wechselt, wie wir im Falle von Drew und Stacy Peterson gesehen haben. In den Missbrauch – Lügen, Betrug, implizite oder explizite Drohungen und Beleidigungen und sogar körperliche Übergriffe – knüpft er „kleine Nettigkeiten“, wie Geschenke, romantische Karten, Verabredungen in einem schönen Restaurant, Entschuldigungen und gelegentliche Komplimente ein. Natürlich kann eine süße Karte oder ein nettes Kompliment nach Ansicht einer rationalen Person nicht jahrelanges missbräuchliches Verhalten einfach wegwischen. Doch für eine Frau, deren unabhängiges Urteilsvermögen und deren Autonomie durch längeren intimen Kontakt mit einem Psychopathen schwer beschädigt wurde, kann es dies und ist häufig der Fall. Eine solche Frau sieht jedes Geschenk, jedes leere Versprechen und jede Freundlichkeit als positives Zeichen an. Sie ist der irrigen Auffassung, dass ihr missbrauchender Partner sich gern ändern möchte, und hofft, dass er gelernt hat, sie so zu lieben und zu schätzen, wie sie es verdient. Sie möchte ihm gern glauben, selbst wenn das Missbrauchsmuster sich ständig wiederholt, egal wie viele Male sie ihm verzeiht. Darum geht es beim Trauma-Bonding.
Ein Opfer des Stockholm-Syndroms hält entgegen aller Vernunft an der Vorstellung fest, dass der Täter letzten Endes zur Erleuchtung kommt, wenn sie sich nur genug anstrengt und ihn bedingungslos liebt. Er dagegen unterstützt ihre falsche Hoffnung solange, wie er sie hinhalten will. Das Opfer, das beobachtet, dass er sich manchmal nett benimmt, gibt sich selbst die Schuld, wenn er sie schlecht behandelt. Da ihr ganzes Leben auf ein Ziel und eine Dimension ausgerichtet ist, die alles andere einschließt – sie richtet ihre Kleidung, Arbeit, die Zubereitung von Speisen und ihre Sexualität danach, was dem Psychopathen gefällt – hängt ihr Selbstwertgefühl ausschließlich von seiner Bestätigung ab und sie ist übermäßig empfindlich gegenüber seiner Missbilligung.
Wie wir jedoch wissen, können Psychopathen und Narzissten nie zufrieden gestellt werden. In Beziehungen mit ihnen geht es stets um Kontrolle, niemals um gegenseitige Liebe. Daher gilt, je mehr Psychopathen von ihren Partnerinnen bekommen, desto mehr verlangen sie von ihnen. Eine Frau, deren Lebensziel darin besteht, einen psychopathischen Partner zufriedenzustellen, leidet daher unweigerlich irgendwann an einer geringeren Selbstachtung. Nach Jahren der Misshandlung kann es sein, dass sie sich zu mutlos und depressiv fühlt, um den Mann, der sie missbraucht, zu verlassen. Es ist möglich, dass der Psychopath ihre Selbstachtung soweit geschädigt hat, dass sie der Meinung ist, sie sei für keinen anderen Mann attraktiv. Carver nennt diese verzerrte Wahrnehmung eine „kognitive Dissonanz“, die Psychopathen ihren Opfern häufig einimpfen. Er erläutert:
„Die Kombination aus dem ‘Stockholm-Syndrom’ und ‘kognitiver Dissonanz’ führt zu einem Opfer, das der festen Meinung ist, dass die Beziehung nicht nur tragbar, sondern absolut überlebensnotwendig für es ist. Das Opfer ist der Ansicht, es würde geistig zusammenbrechen, wenn die Beziehung auseinandergeht. In Langzeitbeziehungen haben die Opfer alles gegeben und ‘alles auf eine Karte gesetzt’. Jetzt hängt die Höhe ihrer Selbstachtung, ihres Selbstwerts und ihre emotionale Gesundheit von der Beziehung ab.“ (drjoecarver.com)
Ich habe bereits an anderer Stelle erwähnt, dass die einzige Möglichkeit, dieser gefährlichen Abhängigkeit von einem Psychopathen zu entfliehen, darin besteht, sich dauerhaft seinem Einfluss zu entziehen. Jeder Kontakt mit ihm hält Sie in seinem Netz aus Manipulation und Betrug gefangen. In gewisser Hinsicht ist dies jedoch ein Zirkelschluss. Wenn Sie die Stärke besitzen, einen Psychopathen zu verlassen, und die Klarheit, Ihre Beziehung zu ihm zu überdenken, dann leiden Sie vermutlich nicht am Stockholm-Syndrom. Möglicherweise haben Sie sich vorübergehend im Nebel der psychopathischen Bindung verirrt, genau wie ich. Doch diejenigen, die am Stockholm-Syndrom leiden, haben das Gefühl, sich in einem dunklen Tunnel verirrt zu haben. Sie wissen nicht mehr, in welche Richtung sie sich wenden sollen.
Zitat aus Internet erkenne Psychopathie