Kimberly
Gast
erstmal vielen lieben Dank für deinen Beitrag und die Mühe. die du dir gemacht hast
Und natürlich hast du Recht, ich will in Zukunft keine gleichgültige Vermeiderin oder zynische Überlegene in Beziehungsangelegenheiten werden, nur um erneuten Schmerz auszuweichen und dabei das verlieren, was mich ausmacht.
Ich denke, die übertriebenen Reaktionen (auch bei mir ist viel Aggression dabei) haben was damit zu tun, dass ich mich in der Beziehung zuletzt sehr bedürftig und ohnmächtig erlebte. Ich konnte mich einfach nicht mehr zu Wehr setzen. Die Aggressionen und zugespitzten Reaktionen im Hier und Jetzt haben also sehr viel damit zu tun, wieder meine Grenzen zu erleben und auch auszutesten, wo sie überhaupt noch liegen.
Dabei schieße ich im Moment auch über das Ziel hinaus. Wenn beispielsweise mein Sohn Fehlverhalten damit begründet, weil ich ja schließlich das und das gesagt, gemacht habe, gehe ich in die Luft wie eine Rakete. Dies hat ganz viel damit zu tun, dass mich die gesamten Schuldzuweisungen und Schuldübertragungen von Ex derart empfindlich gemacht haben. Oder aber ein Mann fragt mich, warum ich ins Fitnessstudio gehe und ich mich bemüßigt fühle (erste Reaktion) mich für diese Sportart zu rechtfertigen, auch dann reagiere ich (zweite Reaktion) über. Natürlich wäre es besser gewesen, schon in der Beziehung meine Grenzen zu ziehen, aber da könnte genau das eingetreten sein, was Belladonna so eindrucksvoll beschreibt, dieser Zwang zu gefallen, um Liebe nicht zu verlieren und Ablehnung zu riskieren. Vielmehr nein, ganz klar, es könnte nicht ..., sondern es ist!
Andererseits zeigen mir genau diese Punkte, an denen ich reagiere, wo ich mich in der Beziehung eigentlich domestiziert sah.
Der Ekel, so meine Sicht heute, hat wiederum eher was damit zu tun, dass ich mich noch waidwund fühle und wie ein Tier alles weg beiße, was mir zu nahe kommt. Misstrauen kommt hinzu, in dem Sinne, dass ich mich frage, ist dieser Kommentar, diese Erzählung dir in einer bestimmten Absicht erzählt worden, um dieses oder jenes zu bewirken, sprich: ist es Manipulation oder nicht. Ich muss auch erst wieder ein gefühl für mein Bauchgefühl bekommen;-))
Aber vielleicht ist alles auch nur eine ganz normale Reaktion auf eine solche Erfahrung. Und es beruhigt, zu sehen, dass du Phoenix auch nach zwei schlechten Erfahrungen dich nicht selbst verloren, sondern wiedergefunden hast.
Das freut mich wirklich und gibt Hoffnung!
Nach wie vor fühle ich mich nämlich noch "frisch" (im fünften Monat der räumlichen Trennung und 2 Monat der emotionalen Trennung) und noch gar nicht weg und gleichgültig.
So beschäftigt mich heute wieder mal der Gedanke, ist die Beziehung lediglich ins Ungleichgewicht geraten und war es gar keine narzisstische Beziehung? Vor paar Tagen sah das noch anders aus, wie man an meinen Beiträgen sehen kann. Also bin ich auch wieder beim Thema Eigenanteil gelandet. Danke Belladonna übrigens für deinen sehr nachdenkenswerten Text! Andererseits macht mir das auch wieder Angst, denn was er in der Beziehung zu wenig hatte, hatte ich nämlich im Überfluss, die Bereitschaft, Schuld auf sich zu nehmen. Irgendwie fehlt mir im Moment noch das Mittelmaß!
Und ja, Phoenix, zwar hätte ich mir diese Erfahrung gern erspart, dennoch spüre ich, dass ich daran schon jetzt wachse, auch wenn ich das Gefühl habe, jeden Gedanken schon gefühlte 2000x gedacht zu haben.
Euch allen noch einen schönen Abend!
Liebe Grüße
Kimberly
