@Medium:
Zitat von Medium:Hallo Belladonna
Ich glaube du sprichst hier von der Tugend der Toleranz. In einem Kloster sah ich mal folgenden Spruch an der Wand hängen: Als Jesus uns aufforderte, uns statt um den Splitter in unseres Bruders Auge um den Balken in unserem eigenen zu kümmern, meinte er eigentlich, wir sollten über uns selbst lachen - über unsere Tendenz, uns über die Schwächen anderer aufzuregen, während wir doch selbst auch Schwächen haben - manchmal viel größere.
Weniger, aber in letzter Instanz auch.
Jedes Mal, wenn wir einen anderen Menschen und/oder sein Verhalten bewerten, kritisieren oder verurteilen, richten wir unsere Aufmerksamkeit auf solch einen „Splitter im Auge des anderen“ und sehen nicht, was es mit uns selber zu tun hat.
Das meine ich damit.
Zitat von Medium:Was meine Unvollkommenheit eingeht,bin ich sehr entspannt und es fällt mit meistens leicht "mir"
selbst zu verzeihen, was jawohl eine Grundvoraussetzung ist um auch anderen zu verzeihen. –
Auf deine Frage: Sind wir gnadenlos! Die verbuche ich mal für mich als Gedankenlosigkeit deinerseits - eine vernünftigere Reaktion - habe ich auf so eine Frage nicht.
Seltsam, wo doch Gnadenlosigkeit schon fast das Gegenteil von verzeihen können ist.
Nee, das war keine Gedankenlosigkeit.
Zitat von Belladonna:
Können wir Widersprüche und Ambivalenzen ertragen?
Zitat von Medium:Ambivalenzen beinhalten immer Widersprüche. So genau verstehe ich deine Frage nicht. Spricht du hier von ambivalenten Gefühlen? Auf der einen Seite hasse ich meinen Ex für das was er ist, andererseits ............ das lass ich jetzt mal offen. Ja! Mit der nötigen Akzeptanz ertragbar.
Unter Ambivalenz wird in der Psychologie, Psychotherapie, Psychiatrie und Psychoanalyse das Nebeneinander von gegensätzlichen Gefühlen, Gedanken und Aussagen verstanden. In der gehobenen Umgangssprache gebräuchlicher ist das Adjektiv ambivalent (zwiespältig, doppelwertig, mehrdeutig, vielfältig).
Der Widerspruch würde eher daraus resultieren. Muß aber nicht.
Zitat von Belladonna:
Der Kasus Knaktus ist nicht nur fehlender Selbstwert, sondern auch die fehlende Autonomie.
Hier wird immer soviel über Abhängigkeit geschrieben, aber Abhängigkeit gehört auch zum Leben.
Und trotzdem kann man frei sein. Und autonom.
Zitat von Medium:
Wie jetzt? Fehlender Selbstwert und fehlende Autonomie = Unabhängigkeit u. Selbstständigkeit. Wen meinste denn damit? Dafür mal ein Triggerpunkt von mir.
Triggerpunkt? Erklär doch erstmal selbst, was Du mir sagen willst, die Gleichung entspricht nicht
dem von mir Geschriebenen.
Zitat von Medium: Spricht du jetzt die User an, wo die Bezugspersonen ihre Bedürfnisse als Säuglinge nicht verstanden und unmittelbar darauf eingehen konnten.
Den Satz verstehe ich nicht so ganz. Welcher „User“ ? User von was?
„Die Bezugspersonen ihre Bedürfnisse als Säugling...? „ Ähm...
Zitat von Medium:
Säuglinge können noch nicht zwischen ihren eigenen Gefühlen und denen anderer Menschen unterscheiden. Erst im Alter von ca 2 Jahren entwickeln Kinder ein ICH-Bewusstsein. Sie unterscheiden ihre eigenen Gefühle von denen ihrer Mitmenschen. Nun beginnen sie, die Emotionen anderer zu deuten. Die Entwicklung der Empathiefähigkeit folgt gleichsam der Entwicklung der eigenen Identität. Allerdings entwickelt sie die Empathie nicht bei jedem Kind gleich. Zwar treiben Gene das Wachstum von Spiegelneuronen voran, doch die Vernetzung der Nervenzellen wird auch von elterlicher Fürsorge beeinflusst. Mangelnde Aufmerksamkeit, Vernachlässigung.... führen mitunter dazu, dass Kinder aus Schutz vor seelischen Schmerz emotional Abstumpfen. Sie können ihre eigenen Gefühle nur schwer deuten und sind kaum in der Lage, die Gefühle anderer zu verstehen.
Damit sich die Fähigkeit zur Empathie ganz natürlich entwickeln kann, sind Kinder daher auf eine innige Bindung zu ihren Bezugspersonen angewiesen. Was mit Abhängigkeit nicht zu vergleichen ist.
Ich habe nicht von Selbstreflektion gesprochen. Säuglinge fühlen. Und haben Bedürfnisse.
Und Menschen sind die einzigen „Säugetiere“, die unfertig auf die Welt kommen, d.h. sie können
sich nicht selbständig ernähren, sich nicht alleine fortbewegen und sich auch nicht schützen.
Insofern sind sie abhängig. Aber auch Zuwendung gehört zu den Grundbedürfnissen.
Auch darauf ist es angewiesen. Und es geht nicht um Empathie, die bei dem Kind noch nicht ausgebildet wäre, wenn das Kind weint, weil es Hunger hat, aber niemand reagiert.
Es fühlt.
Zitat von Medium: Denn nur wenn Menschen das facettenreiche Spektrum ihrer eigenen Gefühle kennengelernt haben, wenn sie unangenehme Emotionen nicht gleich verdrängen, sondern in der Lage sind, sie eine Zeit lang auszuhalten und zu erkunden, vermögen sie die gesamte emotionale Bandbreite anderer Menschen zu begreifen.
Nein, fühlen tun sie sowieso. Die Frage ist: Werden sie angemessen gespiegelt , will heißen, werden ihre Gefühle wahrgenommen und „bestätigt“ oder werden sie ignoriert und bestraft …
Natürlich bildet sich eine Identität auch in Wechselwirkung mit der Bezugsperson aus, aber so werden auch die Weichen in Hinblick auf Selbstakzeptanz oder Verleugnung gestellt.
Zitat von Belladonna:
Und genauso leben auch die Narzissten: immer auf der Flucht vor sich selbst, nicht in der Lage, sich zu erkennen und
vor allen Dingen nicht in der Lage, den Schmerz über das Eigene, im Grunde ja teilweise, verfehlte Leben zu ertragen und
durchzuarbeiten.
Zitat von Medium:Wieso auch? Sind hier alle auf der Flucht in deinen Augen.
Bitte? Oben schreibst Du fogendes:
Zitat von Medium:sondern in der Lage sind, sie eine Zeit lang auszuhalten und zu erkunden, vermögen sie die gesamte emotionale Bandbreite anderer Menschen zu begreifen
und jetzt fragst Du, wieso?
Zitat von Medium:Empathie ist kein kognitives Konstrukt - sie entsteht unwillkürlich und spontan und Mitgefühl bildet die Grundlage für Moral und altruistisches Handeln.
Hab ich auch nirgends behauptet.
Glaubenssätze entstehen auch durch die Rationalisierung von Gefühlen, wenn man versucht,
sie gedanklich einzuordnen. Manchmal hat man eben die falschen Glaubenssätze...
Vorurteile sind dafür ein klassisches Beispiel...
Und Empathie ist auch nichts „Unwillkürliches“ , was unwillkürlich auftritt.
Empathie hat viel mit „Sich selbst Wiedererkennen im Anderen“ zu tun.
Zitat von Medium:Nur Narzissten und andere Gestörte haben damit ein Problem und in diesem Fall kommt es auf die schwere der PS bei den betreffenden Personen an.
Sorry, aber das ist ja nun offensichtlicher Quatsch.
Zitat von Medium:Deine Pauschalisierungen erachte ich als kontraproduktiv und distanziere mich wohlweislich davon.
Ok, tu das. Ist ja Dir überlassen.
ich hoffe, Du bist dann auch so konsequent, Dich von den Deinen zu distanzieren...
Medium, ich habe versucht, ein Erklärungsmodell dafür anzubieten, warum wir mit Narzissten oder
ähnlich schwer gestörten Menschen zusammenbleiben, wenn es schon offensichtlich wird, daß
wir leiden, daß wir verletzt werden.
Und warum, wenn man sich denn trennt, es noch solange nachwirkt.
Es gibt sicher vielschichtige Gründe, unbenommen, und es ist wichtig, sich erstmal abzugrenzen.
Aber es wirkt ja weiter. Ich wollte also somit Entlastung schaffen, indem ich es nochmal anders erkläre. Abseits von „Liebeskummer“ und „Abhängigkeit“.
Damit sich niemand „verrückt“ fühlt oder „krank“, sondern vielleicht auch erkennen kann,
daß dies ein altes Trauma ist/sein kann, das noch wirkt und nicht die eigene „Blödheit“ obwohl man doch weiß, was er usw usf....
Das also diese Gefühle durchaus - und in Hinblick auf meine Erklärung - auch eine Berechtigung haben.
Deine Reaktion macht auf mich wirklich den Eindruck, daß Du Dich angegriffen fühlst.
Und das finde ich ein bißchen merkwürdig.
Gruß, Belladonna