Liebe Kimberley,
ja, so
Zitat:Witzigerweise sagte ich in puncto 10 Gebote vor 1 Woche ähnliches, nämlich, dass da eigentlich schon alles drin stehe, man müsse sich nur daran halten.
meinte ich das
Zitat von Kimberly:Das Thema "Mitläufer" oder vielmehr gesellschaftliche Akzeptanz der Täter wird übrigens sehr gut in "Masken der Niedertracht" beschrieben. Natürlich ist das auch eine Frage der Bequemlichkeit. Das Paar, das ich noch aus dem näheren Umfeld meines Ex kenne, verhält sich auch so, dass die Frau Position bezieht, der Mann ihr aber davon abrät, sich einzumischen. Position zu beziehen, bedeutete nämlich auch das Feld der Bequemlichkeit zu verlassen und für die eigene Meinung einzustehen, was u. U. mit Konflikten verbunden ist.
Ja, und die Angst vor Konflikten ist eben auch mit zB einer Angst vor Bestrafung, Schmerz und auch Alleinsein begründet.
Natürlich in vielerlei Abstufungen...
Andererseits denke ich auch, es kommt natürlich immer auf den Kontext an: Mische ich mich ein, wenn es darum geht, jemandem beizustehen?
Zitat:Jedoch kommt noch hinzu, dass mit Aufkommen der Psychoanalyse und der sich daraus entwickelten Psychotherapie die interpersonellen Faktoren im mehr in den Vordergrund drängen. Nach dem Motto "Wo kein Rauch ist, ist kein Feuer" oder "Wenn zwei sich streiten, sind beide schuld" ist es nicht mehr angebracht, dass Opfer als reines Opfer anzusehen, da es eine Form der Mitschuld tragen wird. Deswegen enthält sich das Umfeld oft seiner Stimme, da davon ausgegangen wird, dass jeder seinen Anteil zum Konflikt beigetragen haben wird und somit das Beziehen einer Position eine einseitige Sache sein könnte.
Ja, das ist auch bequem, aber leider eigentlich auch herzlos.
Diese Haltung drückt aber noch etwas anderes aus: Zum Einen die fehlende Fähigkeit zur Akzeptanz von Ambivalenz,
also der Existenz von guten und schlechten Verhaltensweisen in einer Person, den Drang, Schwarz-Weiß zu malen und alles, was diesem Bild nicht entspricht, auszublenden und im Zuge dessen eben das Bedürfnis, jemanden quasi von Fehlern frei
zu sprechen, nämlich den Täter. Auch das ist Teil von der Partizipation der "Mitläufer" an der Macht.
Jo, ganz schön vertrackt, oder?
Zitat:@Rosenrot, vielleicht ist der Unterschied zwischen anderen Kriegsschauplätzen und dem Nachkriegsdeutschland der, dass die Kinder der ehemaligen Täter trotz möglichem Vaterverlust, Hunger, Vertreibung etc. sich nicht als Opfer fühlen durften, eben weil sie Kinder der Täter waren und dass sie daher eine entsprechende Macke davon getragen haben.
Also ich habe das Beispiel 2. Weltkrieg nicht gewählt, um über deutsche Geschichte zu analysieren.
Es ist nur ein klassisches Beispiel insofern als daß es einher ging mit bürokratisch organisiertem Töten und Quälen.
Und dazu hat es eine Akzeptanz in der Bevölkerung gebraucht, sonst wäre das so gar nicht möglich gewesen.
Im "Schutze" der Kriegsgeschehnisse fiel es wenig auf, wie verbreitet Sadismus und Bösartigkeit war, wie sehr der Großteil
der Bevölkerung die Pathologie ihrer "Führer" ausgeblendet hat bzw nötig hatte, um den eigenen Selbsthass nicht zu sehen.
Mir geht es also nicht um Kriegstraumatisierungen per sé, sondern um die Banalität des Bösen (vergl. Hannah Arendt).
Und um daraus zu lernen, wie sehr diese Grunddisposition auch heute wieder mehr und mehr um sich greift.
Und was das für Auswirkungen haben kann, wenn Menschen weggucken oder passiv mitmachen.
Und um eine Überleitung zu finden zu der Frage:
Wie kann ich mich schützen vor "dem nächsten" Narzissten..
Und ich wollte damit eben verdeutlichen, wo die blinden Flecken auch sein können und womit sie zusammenhängen (können!): In uns.
Damit will ich niemandem eine "Störung" unterstellen in Form von "Nähe-Problem" oder "Co-Abhängigkeit", wir alle wissen ja,
wie diffizil die Sache ist, was alles so zusammenkommt und passieren muß, um in so einer Beziehung zu verbleiben.
Ich denke, was hilft, ist Verhaltensweisen und mögliche Motivationen einordnen und deuten zu können.
Aber deswegen tauschen wir uns ja auch hier aus, um "es" zu sortieren.
Zitat:Die Frage, warum die einen bei gleicher Grundvoraussetzung de Weg nach links einschlagen und die anderen nach rechts, ich glaube, die werden wir hier nicht abschließend beantworten können, denn dann hätten wir den Weg zum Wissenschaftsforum eingeschlagen.

Ja, stimmt.
Dennoch fehlt mir in dieser Gesellschaft die Vermittlung von Grundwissen und Kompetenzen in Bezug
auf zwischenmenschlichem Zusammenleben - mal so ganz allgemein,
Mein Sohn hatte in der 10. Klasse einen Ethiklehrer (sie hatten Ethik als Fach-großartig), der mit den Schülern das Thema "Liebe" bearbeitet hat. Sowas zB fehlt allerorten.
Deswegen ist es nicht verkehrt, wenn wir hier über uns "sprechen", über das, was uns bewegt und beeinflußt.
Was wie wozu führt usw.
Ich glaube schon, daß es auch psychologische Gesetzmäßigkeiten gibt, zumindest kann man einiges herleiten mit dem Wissen um Aktion und Reaktion, Grundbedürfnisse usw usf...
Zitat:und vielen Dank für die interessante Diskussion, lenkt mich auch ein bisschen vom Thema EX ab.
Jo, vielleicht macht es das ganze auch anders erfahrbar.
Ich fühle mich null verantwortlich für das Leben und Schicksal und Handeln meines Ex.
Aber ich will halt wissen, warum etwas so ist, wie es ist.
Und das beruhigt mich einfach
lg, Belladonna