Phoenix07
Gast
Zitat von Melody S.:Als ich das erste Mal ein ganzes WE bei einem Mann verbrachte und er gleich am Tag nach meiner Ankunft 12 Stunden am Stück nur vor der Glotze saß, war ich sehr verwirrt. So etwas kannte ich aus meinem Umfeld gar nicht. Meine Eltern stammen ursprünglich aus Griechenland, ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen (kann aber fast kein Griechisch). Der Freundeskreis meiner Familie bestand schon immer hauptsächlich aus Griechen und anderen Gastarbeitern (Jugoslawen). Wenn wir mal irgendwelche Verwandten und Freunde besucht haben, saßen die einzelnen Leute immer gerne zusammen, redeten, hatten Spaß, etc. In deutschen/mitteleuropäischen Familien ist es mir schon öfters aufgefallen, dass die einzelnen Mitglieder nur bei Essen gemeinsam am Tisch saßen und danach jeder sein eigenes Ding machte – was bei Männern meistens TV und Internet waren.
Hallo liebe Melody, und willkommen,
nun, ich möchte Dir sagen, dass Narz ein Süd-Italiener ist. Als er hier wohnte, kannte ich seine Familie nicht. Er sprach immer von den tollen familiären Treffen, die Sonntags unterm Olivenbaum stattfanden. Von Mutter, Vater, Cousine, über entfernte Tante und Bruder war alles dabei. Er machte unsere Familientreffen immer auf eine Art schlecht, es ginge ja in seiner Heimat viel "besser" zu.
Man darf nicht vergessen, er kam von einer Insel, alle wohnten in der Nähe; 50 % davon waren berentet, 20 % ohne Job, und der Rest wohnte auf dem Festland und war bei den Treffen, nie dabei, wie ich später , dann selbst sonntags oft dabei, feststellte.
Hier haben aus meinem Familienkreis entweder alle einen Job oder sie wohnen weit voneinander entfernt. In meiner Familie ist es so, dass wir 2 x im Jahr ein großes Familienevent haben. Die sind immer sehr schön, ausgelassen, lang und da verzieht sich keiner zum TV, etc. Man hat sich viel zu berichten, tauscht aus. Das Einzige was nicht vorhanden ist, sind die Olivenbäume
Unterhaltungen dieser Art, konnte ich z.B. nicht in den italienischen Runden feststellen. Dort war es immer die gleichen Themen und Abhandlungen. Essen, Politik, Klamotten, tolles Aussehen, und wieder Essen. Die Pasta diesmal zu fad, am Fisch zu viel Salz, tolle Bluse, schöne Haare, noch´n Wein, noch´n Schnäppschen, noch mehr Essen. Essen fertig, Frauen standen auf, deckten und wuschen ab. Bedienten die Männer mit Kaffee. Am "geselligen" Tisch saßen nach einer Stunde nur noch Männer, tranken ihren Wein und Schnäpse, Frauen waren in der Küche. Männer gingen unter´n Olivenbaum eine rauchen, beglückwünschten sich jedesmal zu ihren tollen Handys. Frauen auf der Couch, nebenbei lief der Fernseher.
Waren wir bei seiner Mutter zu Besuch, kamen dann mal spontan Familienmitglieder, die nicht arbeiteten vorbei. Kleine Runde am Tisch, Espresso hier, Espresso da, ciao, va bene, si si, und weg waren sie wieder.
Narz und Bruder saßen sehr oft nach dem Essen im Wohnzimmer und spielten ellenlang Konsole. Sicher, die Familie war in einem Raum, aber direkt nach dem Essen doch getrennt.
Es gab auch Verwandtschaft von ihm, gleiche Stadt, die nicht in diesen Familiären Kreisen verweilten. Da ist wohl mal was in der Vergangeheit vorgefallen. Die wiederum hatten auch ab und zu mal so ein Treffen. Ich mochte sie sehr, war gerne da. Am Tisch das Paar, die 3 Kinder, die mit 22 - 30 noch da wohnten (keine Lust zu arbeiten, weil Papa alles bezahlt), Narz + ich, und die beste Freundin von ihr. Der Mann bescheißt seine Frau seit 8 Jahren mit ein und derselben, macht Pläne, wie er abhauen kann, aber sitzt lachend am Tisch bei der "Familie". Nach dem Essen, Schnäpperkin....
Ja, Melody, ich kann nur von mir reden, aber ich sitze lieber auf meine "deutsche" Art 3 x im Jahr mit meiner Familie + Bekannten zusammen, als wöchentlich, in der oben Beschriebenen. Ich habe sogar mal 15 Jahre im Schichtdienst gearbeitet - Sa. + So. / teilweise 2.30h oder 3.30h aufstehen. Da mußte ich oft absagen, weil ich NICHTS mehr hören und sehen wollte.
Die Familie meines damaligen Ex-Ex-Ex-..... (ich war 20) ist mütterlicherseits eh. jugoslawisch. Da war der Mann (dt) der ausschlaggebene, der Fam. Treffen organisierte. Sie hatte selten Lust, weil ihr das immer zu viel Stress (alle Weibsen in einer Küche) und zu laut war. So kann es auch sein.
Zitat:In meiner Familie bzw. meinem griechischen Umfeld ist es ganz natürlich, dass man innerhalb der Familie, in einer Partnerschaft und unter Freunden füreinander da ist und sich gegenseitig hilft.
Ich habe mich immer gefragt, was dieses "füreinander" eigentlich generell bedeutet. Aber es gibt für mich kein generell. Mittelmeer und Norden sind einfach anders. Es gibt hier und da den Familiensinn. Nur unterschiedlich. Es lohnt sich aber auch, genauer hinzuschauen.
Narz Mutter hat sich mal ausgeschlossen. Binnen einer Stunde stand die komplette Verwandschaft, Nachbarn und wir, ringsrum. Na 15 minütigem "bussi, bella, ciao, wie konnte das passieren, Jesus Maria..." fragte ich, ob wir denn mal langsam den Ersatzschlüssel besorgen sollten (lag bei Narz Bruder). Ich hatte das Gefühl, dass gar nicht richtig geholfen werden sollte, sondern, dass es nur darum ging eine Wiedersehens-Showbühne zu schaffen. Denn die Mutter mit ihrem Problem, geriet in Vergessenheit. Und sie wollte doch endlich wieder ins Haus.
Das ist nur ein Beispiel von Vielen, bei denen ich das "füreinander" etwas anders sehe.
Was ich mit dem ganzen Text eigentlich ausdrücken möchte, dass ich sehr oft in meinem Leben hörte, wie Nationalitäten andere Nationalitäten sehen oder pauschal "urteilen" ohne genau hingeschaut zu haben.
Wenn ich schon höre, wir Deutschen gucken immer so ernst! Ich war in Ländern dieser Welt, da wird genauso viel gelacht und ernst geguckt wie hier. Ja, auch in immerwährenden Sonnen- und Strandgebieten.
Zitat:Das habe ich noch nie gehört. Meinst Du in Deutschland oder im Forum?Im Freundeskreis meiner Eltern gab es nie diese Alphas und Betas, wie man das hier nennt... da sind alle Menschen gleich, keiner bestimmt über den anderen.
Dann habe ich das anders kennengelernt. Da bestimmen die Männer über ihre Frauen und den Lebensablauf. Dort bekommen das die Frauen nicht mit, weil es für sie normal geworden ist. Ich habe mal eine Griechin kennengelernt im Urlaub auf einer nicht-touristischen Insel. Die liebe Moyra. Wir haben fast 3 Wochen miteinander verbracht. Mal bei ihr, mal bei uns (Privatunterkunft in einem Dorf). Ich habe nie einen ihrer Familie gesehen. Warum? Ihr Mann schlug sie, sie flüchtete aus dem Haus, und die Familie verstieß sie, weil, das paßt nicht ins reine Familienbild.
Zitat:Mein Bruder und meine Cousins würden sich niemals mehrere Male hintereinander von ihren Freundinnen/Frauen und auch nicht von den Kumpels auf einen Drink einladen lassen, ohne sich zu revanchieren. Das wäre ihnen total peinlich, ihr schlechtes Gewissen würde das gar nicht zulassen.
Ist in meinem Umfeld, dem meiner Familie, Bekannten und Freunde genauso. Aber ich lade oder bezahle nicht "auch mal" aus schlechtem Gewissen, sondern, weil ich es möchte.
Zitat:Ich glaube, ich bin die perfekte Zielscheibe für Narzissten und ähnliche Gestalten. In meiner Welt sind alle Menschen gleich, niemand ist besser oder schlechter als ein anderer. Dieses Prinzip von Macht und Unterwerfung verabscheue ich wie die Pest. Vermutlich ist mein deutsches/mitteleuropäisches Umfeld auch deshalb so klein.
Tja, liebe Melody, wir alle!
In der Welt, die ich privat in Nord- und Süditalien kennenlernte, waren nur im "Familienschein" alle gleich. Waren nicht alle zusammen, wurde in jeder einzelnen Ecke über das Leben der anderen hergezogen.
Puh, sollte gar nicht so viel werden. Aber das alles fiel mir zu Deinem Beitrag ein.
Liebe Grüße,
Phoenix


Wie genial ist das denn?