Zitat von delfina:und dennoch bin ich innerlich fast an die Decke gehüpft ob seiner Vorwürfe….wollte nicht, dass er geht auch wenn ich kein Wort gesagt habe dazu….usw…die gesamt übliche irr Gefühlspalette halt….wisst ihr und DAS ist für mich die Frage….was ist das bloss ,was die haben das wir hier alle drauf reinsegeln? Was ist das in UNS…sie machen …klar…aber wir lassen doch auch machen…wenn ich hier lese…wir sind doch alle starke, witzige, kluge Frauen…wie geht es, dass aus uns wird, dass wir alle hier sind…einander brauchen um wieder auf die Füsse zu kommen oder drauf zu bleiben weil Menschen, deren Schwächen wir sehen…uns so demontieren können? Wenn ich euch lese, denke ich, keiner dieser Narzen hat eine von euch verdient und meiner mich vermutlich auch nicht…wir sind nur deren Spielball für ihr emotionales Defizit…aber wir spielen eben auch mit...WAS ist zum Teufel bloss mit uns los?

Hallo delfina,
ich kann es für mich nur so erklären:
Ich habe mich bis vor N-Zeit nie mit den Worten Selbstbewußtsein, Selbstwert und Selbstachtung auseinandergesetzt.
Ich hörte zwar oft "Mensch, bist du selbstbewußt", klang super, dachte, dann ist das auch so.
Die Wahrheit ist, dass ich mir meiner weder bewußt war, noch Achtung vor mir hatte, noch meinen Wert jemals kannte. Es teilweise bis heute noch so ist.
Ich zog meinen Wert, mein Bewußtsein und meine Achtung immer aus den Meinungen anderer. Im Grunde genommen (über)ließ ich anderen die Macht darüber zu urteilen, was ich wert bin. Ihre Meinung MACHTE MICH also AUS.
Als Kind und Teenager wurden meine Schwächen und Stärken in regelmäßigen Abständen "abgewertet":
"Hör auf zu weinen, es ist nicht so schlimm"
"
nur eine 3 in Mathe, hätte auch ne 2 sein können"
"jetzt ist aber genug gelacht"
"geh in dein Zimmer und überlege mal, was du falsch gemacht hast!" (Was bitte kann denn ein Kind
falsch machen? Ich kam nicht drauf. Das einzige, was ich falsch gemacht habe, war, wie ein Kind zu reagieren. In meines Vaters Augen NICHT RICHTIG)
"Du hast 2 Wochen Stubenarrest, weil du 15min zu spät gekommen bist" (FÜNFZEHN MINUTEN!)
"du willst den Führerschein machen? DU? Wer hat dir denn den Floh ins Ohr gesetzt?!" (Oh Gott, ich muss die Prüfung bestehen, sonst habe ich den Beweis, dass sie mit ihrem "DU?" Recht haben)
"In Kunst, Religion und Sport ne 1, ist gut,
aber das wird dir im weiteren Leben auch nichts bringen" (Das ABER macht die Aussage davor null und nichtig)
"warum redet Mami nicht mehr mit mir, Papi?" (Sie hielt das 14 Tage durch (VIERZEHN TAGE!), weil ich mich ihrer Meinung nach nicht genug um eine Brieffreundin, die zu Besuch aus den USA kam gekümmert habe, und ich diesbezüglich
nicht ihrer Meinung war. Weil es einfach nicht stimmte! ) Ich weiß bis heute nicht, WAS ich FALSCH gemacht habe.
Mein XN-Mann ignorierte mich in unserem Zusammenleben EINE WOCHE lang. Wegen eines kleinen Streits.
XN´s Ignoranz bei bestimmten Dingen...
Und IMMER dachte ich, es liegt an mir. Ich habe etwas falsch gemacht. Denn alles, was ich im Groben als Kind lernte "Verhalte Dich richtig und alles ist gut"
Ich habe das Bewußtsein anderer gelebt
Ich habe meinen Wert anderen überlassen
Ich habe Achtung durch meine Taten erhalten
Aber nichts davon war wirklich ICH. Ich wurde durch meine Eltern zu ETWAS geformt.
Bei Freunden hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn mal anders reagierte.
Bei XN hatte ich sofort Schuldgefühle, wenn mein eigenes ICH ein bißchen hervortrat. Denn er zeigte mir durch seine Reaktionen oder sein Verhalten, dass ich etwas "falsch" gemacht habe. XN war für mich der "Elternteil", bei dem ich jetzt alles richtig machen wollte. Emotionale Bindung (N=Vater).
Er hatte die MACHT über meinen Wert, mein Bewußtsein, meine Achtung zu bestimmen. Und deshalb glaubte ich seinem Urteil über mich.
Meine Unterbewußtsein Übersetzung war also:
Wenn er lieb war: Dann war ich gut und hab alles richtig gemacht (Streicheleinheiten = Belohnung)
Wenn er abwertete, ignorierte, abblockte: Dann habe ich etwas falsch gemacht (Ablehnung = Bestrafung/geh in dein Zimmer und überlege dir, was du falsch gemacht hast)
Nur so kann ich mir das erklären.
Weißt Du, delfina, ich habe eben beim Schreiben oft unterbrechen müssen, weil ich vor lauter Weinen nicht weiterschreiben konnnte. Ich habe gekrümmt auf meinem Bett gelegen und geheult, wie lange nicht mehr. Und ich hoffe, Du verstehst das nicht falsch, wenn ich sage, dass es an Deiner Fragestellung "was ist es, dass...." lag. Denn ich habe durch mein Geschriebenes (Eltern-Zitate) JEDES einzelne Gefühl was ich damals hatte, eben rauslassen können. OHNE, dass mir jemand sagt "es ist doch nicht so schlimm" und mir damit mein eigenes Fühlen verweigert. Alles, was noch so tief vergraben war ENDLICH RICHTIG herauslassen zu können.
Eine wunderbare Befreiung - Mir fällt nicht mehr ein außer ein Wort:
DANKE! und vielleicht konnte ich auch ein bißchen helfen, besser zu verstehen.
Liebe Grüße