Danke für deinen Mut deinen Beitrag zu schreiben und abzuschicken - damit machst du anderen Menschen ganz viel Mut, die hier still mitlesen.
In unsicheren Datingzeiten oder bei Trennungen war ich in den letzten Jahren wie eine Süchtige, die zwar kostenlose aber jede Kartenlege- und Orakelprognose im Internet ständig abruft. Ich hab mich immer dafür geschämt und jetzt lese ich, dass ich gar nicht alleine bin! Und du liest dich wie ein ganz toller Mensch, tapfer und klug! Wenn ich das so sagen darf, ich bin stolz auf dich, denn du bist mit deinem Schreiben hier viel stärker als ich!
Mittlerweile sehe ich es als Symptom für die Beziehung, weil ich komplett nicht mehr bei mir sondern nur noch auf das Verhalten des Partners fokussiert bin. Allerdings habe ich eine tolle Therapeutin und bin an vielen Themen dran
Deine Bedürfnisse: Zuhören und Sicherheit sind absolut legitim und du hast beides mehr als verdient. Die Frage danach, wie eine Beziehung ausgeht und ob du darin Sicherheit findest - rührt vielleicht von der Angst, dass du bei einem Zerrütten der Beziehung gefühlt die komplette Sicherheit in deinem Leben verlierst?
Vermutlich hast du genau diese Erfahrung mal gemacht, das hat sich möglicherweise so in dir eingeprägt, dass du eine Wiederholung um jeden Preis vermeiden willst. Insofern ist dein Bedürfnis an dieser Stelle eigentlich gesund und wichtig, denn es schützt dich! Vielleicht kannst du dich da bei dir selbst sogar bedanken.
Der Weg über die Lines gibt dir in dieser Hinsicht kurz und vermeintlich Hilfe, Schutz, aber sorgt wie jede Sucht für andere und richtig beknackte Probleme. Und damit bist du wirklich nicht allein!
Ich empfehle mittlerweile in meinem Umkreis das erste Kapitel von Pete Walker über CPTSD um zu schauen, ob man sich darin wiederfindet, wenn man bisher hartnäckige Probleme mit Depressionen, Angst oder Sucht hat. Mir ging es dieses Jahr so, und dann habe ich mich - ausgehend von dem ersten Kapitel - auf die Suche nach einer Therapeutin gemacht die spezialisiert auf Traumaarbeit ist. Konnte man bei der online Arztsuche meines Bundeslandes in der Suchmaske als Spezialisierung auswählen, auch für gesetzlich versicherte. Als Begleitung zu dieser Arbeit lese ich das (ganze) Buch von Gretchen Schmelzer, ein ganz toller Guide - aber nur ein Guide um zu verstehen wo man ist, kein Ersatz für ein therapeutisches Setting.
Und als Info, das complex in CPTSD beschreibt oft eine Wiederholung von einem oder mehreren Traumas. Dafür reicht es, als Erwachsener ein paar Jahre in einer schlimmen Beziehung in der man sich selbst verliert gewesen zu sein. Oder als Kind in der Schule gemobbt worden zu sein und keine Hilfe gehabt zu haben. Das Gehirn wird bei diesen Erfahrungen von erlebter Hilflosigkeit auf Überleben getrimmt und sucht auch später noch, sollte nur der leistete Trigger auftauchen, mit aller Kraft und ohne Rücksicht auf die Gegenwart nach Sicherheit. Damit niemals wieder etwas soo schlimmes passiert, selbst wenn man heute ganz andere Stärken und Resourcen hat.
Und ich suche mir immer ganz viel zu lesen, wenn du gerne studierst (megatoll mit Jura woooow!) findest du mit Sicherheit auch Foren und Bücher, die Rat geben, wie die Hilfe genau aussieht, die du brauchst. Ich drücke alle meine Daumen, berichte unbedingt wenn du magst. Gerne schicke ich dir einen Auszug aus den beiden Büchern per pm, sag einfach nur kurz Bescheid.
Und wegen Telefonseelsorge, ich habe auch schon so meine Erfahrungen damit, aber es ist gut zu wissen, dass immer jemand da ist. So wie hier im Forum auch.
Ira