Zitat von DerTypderwo40ist:Ich finde mich nicht mehr in einer Rolle wieder. Ich nehme mich nicht als Mobbingopfer wahr. Ich kenne das einfach nicht mehr. Ich schaue auf das was ist, brauche aber die Identifikationen nicht mehr, sie finden einfach nicht statt. Ich bin dann kein Mobbingopfer.
Die Rolle bekommst Du aber erstmal trotzdem. Die Frage ist immer nur, wie wir mit den Rollen, die wir bekommen, umgehen. Man fühlt sich eben ohnmächtig und unfrei, wenn man die Rollen, die andere uns geben, einfach nur akzeptiert. Das Mobbingopfer ist da ein schönes Beispiel. Irgendwer "kürt" Dich dazu und entscheidet also über Deinen Kopf hinweg, dass Du jetzt das Mobbingopfer bist.
Nun kannst Du diese Rolle annehmen und darüber klagen, damit machst Du Dich dann erst wirklich zum Opfer, Du kannst sie aber auch ablehnen und Dich selbst, ganz bewusst, in eine andere Rolle bringen und Dich dadurch befreien. Um Dich aber aus der Rolle des Mobbingopfers zu befreien, brauchst Du eine andere Rolle in dieser zwischenmenschlichen Konstellation.
Das ändert halt nichts an der Tatsache, dass Du irgendeine Rolle hast bzw. bekommst, so oder so. Du kannst nur entweder andere darüber entscheiden lassen, welche Rolle Du bekommst, oder selbst darüber entscheiden.
Und genauso ist es doch auch in Beziehungen. Wenn ich betrogen werde, wenn ich verlassen werde, ist die vermeintlich einfachste Wahl erstmal die des Opfers. Ich leide, ich jammere, ich bin so arm dran. Nun kann ich in dieser Rolle verharren, oder ich kann mich bewusst daraus befreien und eine andere Rolle für mich annehmen. Viele Betrogene tun das, indem sie z.B. anfangen, die "Schuld" am Betrug bei sich zu suchen. Oder Verlassene suchen die Schuld am Scheitern der Beziehung bei sich. Damit wollen sie sich zum Mittäter machen - nicht, weil sich das so gut anfühlt, sondern als Versuch, um aus der Opferrolle rauszukommen. Danach machen sie sich zur Retterin, indem sie für die Beziehung kämpfen. In welcher Rolle man sich dann am Ende am wohlsten fühlt, sodass man für sich Frieden mit der ganzen Sache findet, ist dann doch sehr individuell.
Es gibt ja auch Menschen, die lieber in der Opferrolle bleiben und darauf warten, dass ein Retter daherkommt
