Guten Morgen,
da hat mein "nicht gehen" ja eine Diskussion ausgelöst... Als ich es damals gelesen (oder gehört, weiss ich gar nicht mehr), habe ich es für mich so interpretiert:
Ich bin mit meinem Mann aus Liebe zusammengekommen. Um zusammen zu sein, braucht man keinen Trauschein. Persönlich glaube ich an die Ehe, und ich habe geheiratet, weil ich meinen Mann für einen sehr wertvollen, integren Menschen halte, mich auf ihn verlassen kann, wir immer zusammen lachen können, Werte, Ziele und Erwartungen teilen - und vieles mehr, kurz: Weil ich ihn für einen Menschen halte, von dem ich dachte, ihn auch Jahrzehnte später noch schätzen zu können. Eben auch in schlechten Zeiten. Und schlechte Zeiten kommen in einer langen Ehe, wenn dann aber diese Parameter noch stimmen, ist das vielleicht das Geheimnis - die schlechten Zeiten einfach überstehen. Nicht gehen.
Damit meinte ich keine Ehen, in denen man sich wirklich auseinandergelebt hat, einer unglücklich ist, und ich meinte auch nicht, nicht gehen und sich aber eine Affäre suchen. Ich stimme diesem schon zu:
Zitat von hatdazugelernt:Das Geheimnis eines glücklichen Lebens kann allerdings auch sehr oft sein, dass man weiß, wann man gehen muss. Und es dann auch tut.
Letzten Endes habe ich "nicht gehen" ja auch nicht praktiziert. Ich war verliebt in einen anderen und konnte schlicht nicht bleiben. Wobei ich weiß, was damals zwischen uns (meinem Mann und mir) nicht stimmte.
Zu der immer wieder kehrenden Frage, ob ich jetzt bei meinem Mann wäre, wäre AM zu mir gekommen, ob mein Mann Option B ist:
Wäre mein AM zu mir gekommen, wäre er anders, als er tatsächlich ist. Dann wäre er entscheidungsfreudig und in der Lage, mit Konflikten umzugehen. In dem Fall hätten wir als Personen vielleicht eine Chance gehabt. Dennoch hätten wir beide warm gewechselt. Ob und wann uns die Gefühle für die EP eingeholt hätten, weiß ich nicht.
So, wie er tatsächlich ist, wäre er nur gekommen, wenn sie ihn rausgeschmissen hätte. Und dann weiß ich nicht, was zuerst passiert wäre: Hätte ich ihn verlassen oder wäre er zurück gegangen? Denn von der Bewunderung wäre sehr schnell nichts mehr übrig gewesen. Ein konfliktscheuer Mann, der in Drucksituationen wie gelähmt ist, in einer Situation mit einer unkonstruktiven EF und Kindern im Ausland, also eine durchaus konfliktreiche Situation. Plus die Tatsache, dass wir beide warm gewechselt hätten.
Und in beiden Fällen gilt: Ob wir im Alltag zusammen gepasst hätten? Es gibt ein paar Angewohnheiten und Charakterzüge, die mich in meiner Verliebtheit nicht gestört haben, über die wir gelacht haben, aber dauerhaft? Und dann noch die Kinder, die er vermisst hätte, und ich hätte mich schuldig gefühlt...
Wie auch immer, er ist nicht hier, und es ist gut so. Er fehlt mir schon lange nicht mehr. Es war zwar erst im März Ende, aber ich hab ihn ja seit Ende Oktober nicht gesehen. Was mich so umgehauen hat, war die Kombination des ganzen: Erst hat er mir natürlich noch gefehlt. Die Art, wie es zu Ende ging. Dass ich das mitgemacht habe, ihr kennt die ganzen Fragen, die man sich über sich selbst stellt. Dass ich meinen Mann verlassen habe.
Was zwischen ihm (meinem Mann) und mir nicht stimmte, da hat er im November einen Riesenschritt auf mich zu gemacht. Der musste auch von ihm kommen, das war etwas, der nur er tun konnte. Und anders als manche AM, die zum alten Leben zurückgehen, haben wir ein neues Leben. Wir haben weder Haus (aus dem sind wir beide ausgezogen), noch Kinder, noch pflegebedürftige Eltern, noch einen Goldfisch. Es ist mein Mann, bei dem ich jetzt wieder bin, kein Gesamtpaket. Wir sind in einer neuen Stadt und fangen hier neu an.
Und falls es sich anhört, als würde alles super toll laufen - nein. Es ist nur so, dass mein Anspruch derzeit nicht ist, dass wir eine völlig entspannte, aufregende, unbelastete super laufende Beziehung haben. Für den Moment ist mein Anspruch, dass wir zueinander finden, wir müssen uns neu kennenlernen nach Monaten der Trennung, und aufarbeiten, was passiert ist. Und das läuft gut.
Dass ich so gerne ein Abschlußgespräch hätte, hat mit meinem Mann gar nichts zu tun. Wobei ich seit gestern das erste mal so Gedankengänge habe, dass man das auch einfach lassen könnte. Eure Ratschläge und Kommentare dazu fallen ganz langsam auf fruchtbaren Boden.
Wünsche euch einen schönen Tag!