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Treffpunkt für Angehörige/r mit Demenz

B
Liebe @Pippa,
Zitat von Pippa:
Ich habe keine Ahnung, was ich tun kann, habe aber das Gefühl, es ist ziemlich dringend.
Ihre HÄ weiß Bescheid, kann sie auch nicht überzeugen.

du hast keinen Hebel, wenn deine Mutter es nicht zulässt, solange sie sich oder andere nicht gefährdet. Du unternimmst schon alles für sie, was dir aktuell möglich ist, bist da, hörst zu, weißt über die HÄ Bescheid, beobachtest und gibst deiner Mama Halt. Sie selbst hat ihre Vorsorge getroffen, Dokumente gefertigt, nun muss sie ihren Weg in ihrem Rhythmus gehen.
Zitat von Pippa:
Der Haushalt ist tip top. Sie versorgt sich selbst, kauft ein, kocht, wäscht etc..

Zitat von Pippa:
Sie ist ja körperlich recht fit.

Zitat von Pippa:
Mit Vollmachten ist alles geregelt, auch mit den Finanzen.

Genieß deine Zeit mit deiner Mutter, solange sie noch so fit ist. Vielleicht magst du dir durch besondere Momente mit ihr schöne Erinnerungen schaffen, die abrufbereit sind, dir Kraft geben, wenn sich der Zustand verschlechtert.

Ich glaube, dass du momentan für dich ganz viel tun kannst. Dich vorbereiten, Informationen sammeln, Wissen, das es dir erlaubt, Ängste in Handlungen zu verwandeln, wenn es schlimmer wird. Es tut weh und es wird verdammt schmerzhaft. Das ist so. Auch wenn immer gesagt wird, man solle die Hoffnung nicht aufgeben, ist es aus meiner Erfahrung besser, in Akzeptanz zu kommen, auszuhalten. Das hilft auch beim Umgang mit dem betroffenen, geliebten Menschen. Keine unerfüllbaren Erwartungen zu haben. Erkundige dich auch nach möglichen Wirkungen von Medikamenten, wenn dir das hilft. Bei dieser Erkrankung ist als Angehörige Wissen gleich Macht und Selbsthilfe. Schau dich nach Anlaufstellen für dich um, gibt es einen Pflegestützpunkt, vereinbare Termine mit Betreuungsstellen, Caritas, Diakonie, vielleicht gibt es Selbsthilfegruppen. Je früher desto besser für dich. Deine Mama versorgst du gerade optimal, da geht gerade nicht mehr, schau dass du für dich hinterher kommst.

Als Buchtipp würde ich gerne für alle Interessierten "The Unexpected Journey" von Emma Heming Willis hier lassen, gibt es wohl inzwischen auch auf Deutsch. Sie ist die Frau des an Früh-FTDemenz erkrankten super Stars Bruce Willis. Mich hat die ehrliche und auch ungeschminkte Darstellung ihrer inneren Konflikte, ihres spürbaren Schmerzes und ihrer Ambivalenz sehr berührt.
Zitat von Hola15:
Gabs bei euch Angehörige, die sich ihre Demenz eingestanden haben und sich entsprechend verhalten haben? Also ihre Schwächen nicht maskiert/zurückgewiesen, sondern offen gezeigt und … wie soll ich sagen… dazu gestanden haben?

Ich lese genau das bei @Malea- mit ihrer Mutter und finde es großartig. Korrigier mich gern, falls ich falsch liege, @Malea-. Ansonsten ist das schätzungsweise eher die Seltenheit und liegt auch häufig an der Wahrnehmung im Krankheitsbild. Für sie ist das keine "Schwäche" sondern pure Verwirrung und Angst. Es ist furchtbar zu sehen, wie jemand genau weiß, was zu tun ist, dies aber nicht mehr in Handlungen übersetzen kann. Deshalb ist Widerspruch, die Korrektur so furchtbar für Erkrankte. Sie würden ja gern, vermögen es halt nicht mehr. Das auszuhalten und liebevoll beizustehen ist die Aufgabe der Angehörigen. Dafür brauchen sie Halt und Unterstützung.

x 5 #1756


Hola15
Zitat von Brightness2:
Liebe @Pippa, du hast keinen Hebel, wenn deine Mutter es nicht zulässt, solange sie sich oder andere nicht gefährdet. Du unternimmst schon alles ...

🎯

x 2 #1757


A


Treffpunkt für Angehörige/r mit Demenz

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bifi07
Zitat von Pippa:
Da hätte man doch im MRT auch was sehen und mich darauf aufmerksam machen müssen.

Vor 4 Jahren war es so, dass Demenz durch Tests und Alzheimer durch Hirnwasser diagnostiziert wurde, zumindest hatte es so unsere Neurologin gesagt.

x 3 #1758


bifi07
Zitat von Hola15:
Hört das jemals auf?

Wohl eher nicht, aber man lernt als Angehöriger damit umzugehen und kommt dann damit ganz anders klar. Heute würde ich einiges anders machen, wenn die Diagnose früher festgestanden hätte.
Mein Vater war in vielen Dingen kein einfacher Mensch, aber nachdem ich wusste, was die letzten Jahre die Situation verschlimmert hatte, hab ich mich schlau gemacht und konnte viel besser damit umgehen.

x 3 #1759


B
@bifi07 Es gibt aktuell eine ganze Palette von Untersuchungen, Nervenwasseruntersuchungen, um Marker zu erkennen, CT, um Atrophien oder auch akute Entzündungen im Gehirn zu sehen, EEG und auch neuro-psychologische Untersuchungen, darin unterlaufen die Patienten standardisierte Tests, die von in Deutschland aufgrund von Ausbildungshemmnissen sehr raren Neuro-Psychologen durchgeführt werden. Ob diese ganze Palette auch bei gesetzlich Versicherten durchgeführt wird, weiß ich nicht, ich habe es bei Privatpatienten erlebt. Zur ersten Annäherung gibt es auch Kurztests (MMST steht für Mini-Mental-Status-Test), die standardisiert Anhaltspunkte geben.
Zitat von bifi07:
Mein Vater war in vielen Dingen kein einfacher Mensch, aber nachdem ich wusste, was die letzten Jahre die Situation verschlimmert hatte, hab ich mich schlau gemacht und konnte viel besser damit umgehen.

🎯

x 2 #1760


N
Zitat von Hola15:
Und mein Hirn lässt auch so extrem nach….

Ob das das Mikroplastik in unseren Körpern (Hirnen) begünstigt? Wichtige Dinge, die zeitnah erledigt werden müssen, schreibe ich mir schon lange auf.
Zitat von Pippa:
Der Haushalt ist tip top.

Bei meiner Mutter hatte es vor Jahren schon in der Küche gebrannt. An der Dunstabzugshaube sind die Spuren noch zu sehen. Seitdem hatte ich sie gebeten, den Herd nicht mehr zu benutzen.
Zitat von Hola15:
Meine Mutter versucht bis heute zu maskieren und weist jede Demenz aufgeregt von sich.

Hier wird auch alles ins Lächerliche gezogen und von sich gewiesen.
Zitat von Hola15:
Wenigstens hat sie solche Aussagen nun innerhalb von 10 Sekunden vergessen.

Das ist bei all den Kränkungen und dem ganzen Wahnsinn das einzig Positive.
Zitat von Hola15:
Gabs bei euch Angehörige, die sich ihre Demenz eingestanden haben und sich entsprechend verhalten haben?

Nein.
Dies ist mein erster Fall.

x 4 #1761


Wollie
Zitat von Hola15:
Gabs bei euch Angehörige, die sich ihre Demenz eingestanden haben und sich entsprechend verhalten haben? Also ihre Schwächen nicht maskiert/zurückgewiesen, sondern offen gezeigt und … wie soll ich sagen… dazu gestanden haben?

Meine Mutter wurde 2018 mit Alzh. Demenz diagnostiziert und verstarb letztes Jahr im Februar 😥 , wir haben sie 7 Jahre intensiv begleitet, so gut wir es konnten. Fünf Jahre zuhause in ihrem Haus, sind deshalb für sie in mein Elternhaus gezogen, die letzten zwei Jahre war sie in einem sehr guten Pflegeheim, da es zuhause nicht mehr verantwortbar war. Der massive Abbau innerhalb dieser Jahre war brutal und sehr herausfordernd, jeder, der Angehörige mit Demenz hat, weiß wovon ich spreche.
Und auch meine Mutter hat es in den Anfangsjahren (so ca. 2 Jahre) wirklich versucht, zu verbergen, zu überspielen usw., sie hat sich ihre Diagnose nie eingestanden bzw. entsprechend verhalten. Konnte sie ab einem bestimmten Punkt dann eh nicht mehr. Die wirklich einfachste Zeit war am Anfang und tatsächlich am Ende, wo sie durch die Demenz Jahrzehnte in der Zeit zurück katapultiert wurde und so in den 70´er und 80´er lebte. Da strahlte sie und erzählte......das war auf der einen Seite für sie schön, für uns sehr gruselig. Da hat sie mich auch schon nicht mehr erkannt........
Ich wünsche allen hier, welche gerade in diesem Thema drin sind und Angehörige mit Demenz haben, ganz viel Energie und vor allem auch Hilfe. Und holt euch alles an Hilfe, was ihr bekommen könnt. Es wird leider nicht besser. Regelt rechtzeitig Finanzen, Vollmachten usw., dies hat meine Mutter Gott sei Dank rechtzeitig gemacht, so dass ich da völlig frei war und alles regeln konnte.

x 13 #1762


Pippa
@Brightness2
Ganz lieben Dank für Deinen Beitrag.

Zitat von Brightness2:
Genieß deine Zeit mit deiner Mutter, solange sie noch so fit ist.

Ich versuche es.
Da ich gesundheitlich selbst angeschlagen bin, ist das manchmal schwer. Mir fehlen die Nerven für manche Dinge.
Aber ich sage ihr auch, dass sie nicht wegen jeder Kleinigkeit anrufen braucht und Dinge für den nächsten Tag aufschreiben kann.
Ich fühle mich jetzt schon schlecht damit😕.

Zitat von Brightness2:
Als Buchtipp würde ich gerne für alle Interessierten "The Unexpected Journey" von Emma Heming Willis hier lassen,

Danke.

x 3 #1763


Malea-
Zitat von Brightness2:
Ich lese genau das bei mit ihrer Mutter und finde es großartig. Korrigier mich gern, falls ich falsch liege, .

Du liegst richtig.🤗

Vorhin im Krankenhaus haben wir wieder darüber gesprochen.
Sie merkt selbst das sich ihr Zustand verschlechtert hat ,redet auch ganz offen über Ängste die sich in den letzten Wochen eingeschlichen haben.
Sie hat Angst ,allein zuhause zu sein
Sie ist Insulinpflichtig ...auch ein Thema was uns beschäftigt.

Jetzt heißt es Lösungen finden.
Sie lebt in einem Einraum Appartement auf 44 qm (ich nutze das Schlafsofa )
bei mir sind es 37 qm ....auch keine Option sie zu mir zu holen.

Alles nicht so einfach.

@Pippa
Du darfst auch an dich denken.🤗
Noch funktioniert alles.
Ich wünsche dir ,dass es mit deiner Mutter noch Weile gut geht.🍀

Zitat von Wollie:
Ich wünsche allen hier, welche gerade in diesem Thema drin sind und Angehörige mit Demenz haben, ganz viel Energie und vor allem auch Hilfe. Und holt euch alles an Hilfe, was ihr bekommen könnt. Es wird leider nicht besser.

Danke Wollie .🤗

@all
Mir haben eure eigenen Themen und Tipps schon sehr geholfen.

x 9 #1764


P
@all
Denkt daran, es ist die Umstellung von der alten Gewohnheit, die gerade so unglaublich schwer ist.
Und die alte Gewohnheit sagt, daß Eltern Übermenschen sind.
Sie waren immer die Großen; diejenigen, die einem das Leben erklärten; diejenigen, die alles wußten und alles konnten - also gefühlt (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Und jetzt bauen sie ab, werden schwach, unsicher, verletzlich.

Und auch sie haben verinnerlicht, daß sie die Starken und die Großen sind.

Also beide Seiten haben Probleme, daß die Schere sich umkehrt.

Man muß immer wieder neu sich darauf einstellen, was nun auch schon nicht mehr geht,.., ist wie ein Hamsterrad, man kommt gefühlt nicht zur Ruhe.

Rückblickend würde ich sagen, hätte ich mich super gefreut, wäre etwas aus der ersten Zeit etwas später noch möglich gewesen. Und später, als Mutti bettlägerig war, wünschte ich mir, sie wäre noch in der Lage gewesen, loszulaufen.

Also alles ist relativ.

Deswegen der Tipp aus einer anderen Post, auch jetzt noch schöne Erinnerungen zu schaffen kann ich nur unterstützen. Richtig, es ist nicht die Erinnerung von früher, wo es noch gut war. Aber es ist eine Erinnerung aus jetzt, wo immer noch vieles geht.

Alles ist relativ!

Und manch starke Erinnerung habe ich aus der Zeit, wo der Abbau lief (und Massen meiner Tränen) und wir uns trotz Abbau oder deswegen in der einen oder anderen Situation nahe waren.

x 9 #1765


Malea-
Zitat von Perzet:
@all Denkt daran, es ist die Umstellung von der alten Gewohnheit, die gerade so unglaublich schwer ist. Und die alte Gewohnheit sagt, daß Eltern ...

trost spenden

x 1 #1766


Amaible
Also, ich kann auch nur sagen, holt euch rechtzeitig Unterstützung und Hilfe. Es ist eine schlimme Erkrankung, sowohl für die Angehörigen als auch für die Betroffenen.
Ich wollte meinen Vater auch unbedingt das Pflegeheim ersparen, zum Ende hin gab es keine Alternative mehr. Von daher kann ich jeden verstehen, der diesen Weg wählt.
Ich war auch im Pflegeheim so oft wie möglich an seiner Seite und habe ihn bis zu seinem Tod begleitet.

Ich hatte auch sämtliche Vollmachten, Bank lief extra, allerdings wurde er dann Erbe (seine Schwester war kinderlos verstorben), da hat die normale Vorsorgevollmacht nicht mehr ausgereicht, da sie nicht notariell beurkundet war.
Also habe ich die Betreuung beim Amtsgericht beantragt, die ich auch nach etlichen Papierkrieg bekommen habe.

An dem Thema bin ich nun mit meiner Mutter im Gespräch, da sie auch ähnliche Tendenzen aufweist. Sie wird auch zunehmend vergesslicher mit paranoiden Auffälligkeiten.

Passt auf euch auf. Mir haben die letzten Jahre extrem zugesetzt.
Man darf auch Verantwortung abgeben, wenn man an seine Grenzen kommt.

x 12 #1767


Wollie
Zitat von Amaible:
Passt auf euch auf. Mir haben die letzten Jahre extrem zugesetzt.
Man darf auch Verantwortung abgeben, wenn man an seine Grenzen kommt

🎯🎯Kann ich aus eigener Erfahrung nur unterschreiben und 100 % bestätigen.

x 3 #1768


bifi07
Zitat von Brightness2:
. Vielleicht magst du dir durch besondere Momente mit ihr schöne Erinnerungen schaffen, die abrufbereit sind, dir Kraft geben, wenn sich der Zustand verschlechtert

Das ist ein guter Gedanke!
Ich glaube aber auch, das die Vergangenheit schöne Momente bringen kann, wie z.B. zusammen ein Fotoalbum anzuschauen, die Lieblingsmusik zu hören oder zu singen.
Mein Vater konnte sich bis zuletzt an Liedtexte erinnern, die er sehr gemocht hat, obwohl er da schon sehr durcheinander war knuddeln

x 4 #1769


HeavyDreamy
Vorhin war meine Nachbarin bei mir. Sie hatte geklopft.

Sie liest jetzt Dinge, wo nichts steht bzw wo was steht, aber nicht das, was sie liest. Sie war durcheinander, ihren Sohn nennt sie Mann oder sie sieht ihren Enkel als Sohn.

Hatte eben ihren Sohn jetzt bei mir, nachdem ich mit ihr rüber bin um zu beruhigen und ihm nahegelegt, dass es Zeit wird zu Handeln, bevor was schlimmeres passiert oder dass es eskaliert.

Hoffe, er macht das jetzt auch. Mehr kann ich leider nicht mehr tun.

Für alle Beteiligten einfach schlimm.
Sie weint, sie merkt, dass was nicht mehr mit ihr stimmt aber ja dann sieht sie quasi ihre Gedanken wieder vor sich, obwohl das alles eben nicht stimmt, was sie sieht oder liest.

Ich hab ihrem Sohn auch gesagt, dass es auch nichts bringt, loszuschreien, ich aber es auch verstehen kann, wegen Nerven, aber er ja doch auch selber merkt, dass das für ihn selber doch auch nur noch eine krasse Belastung ist und er auch aus Selbstschutz handeln sollte.

x 6 #1770


A


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