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Trend oder Wahrheit? - Psychospielchen in der Beziehung

Loid

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Hey!

Ich möchte gerne ein Thema ansprechen. Es geht um psychische Krankheiten, die nach einer Trennung diagnostiziert werden - mit Anzeichen aus dem Internet und ohne einen Fachmann, der sich eigentlich die Person angucken müsste. Ich meine damit die Diagnosen wie zum Beispiel: Narzisst oder Gaslighting. (Sind mit Beispiele und es kann mehr geben.)

Nehmen wir mal an, eine Frau trennt sich von einem Mann und die Frau sucht nach Antworten im Internet. Darauf stößt sie auf viele Artikel, wo es Anzeichen gibt, dass der Mann zum Beispiel ein Narzisst sein soll und rechtfertigt es damit, dass er es sei. Dann sehe ich viele, die den Mann dann runtermachen (online mit Mitgeschädigten), was natürlich verständlich ist, aber wird es sozusagen als Rechtfertigung gesehen? Als Erleichterung? Man hat eine Diagnose gegeben und hat es damit abgeschlossen? Oder wir kann ich es verstehen?

Auch eine Sache: Ich sehe manchmal Leite, die dann den Ex beleidigen und meinen, dass er selbst schuld ist. Aber ist er das wirklich? War es nicht eher das Elternhaus? Das Umfeld, was ihn so gemacht hat? Diese Menschen sind dann leider psychisch nicht ganz gesund. (Rechtfertigt natürlich nicht sein Verhalten!) Aber sind die dann gleich Narzissten oder nicht eher einfach ein A*rsch gewesen? Auch dieses: "Ja, das machen Narzissten, er ist einer!" oder dieses "finden" nach Anzeichen, was es rechtfertigt.

Meine ganz große Frage und eigentlich der Grund, warum ich so einen Thread mache ist die Frage, ob es früher weniger solcher "kranken" Beziehungen gab oder man einfach nicht solche "Diagnosen" hatte? Mir kommt es nämlich so vor, als wäre sowas viel mehr geworden das man sagt, dass der Partner dies oder das hat, ohne ein Experte zu sein.

Deswegen der Titel: "Trend oder Wahrheit. . " Sind wir etwa immer mehr psychisch krank geworden? (Unsere Generation.), War sowas früher nicht präsent? oder Hat man etwa jetzt erst solche Diagnosen "gefunden"?

Danke für eure Antworten!

PS: Ich möchte auch keinen Geschädigten hier sagen, dass der Partner "normal" war oder er sich sowas eingebildet hat, was der Partner gemacht hat. Es geht lediglich um die Diagnose.

13.04.2021 09:59 • x 3 #1


Cocolores


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Ich denke, dass Dinge einfach Namen bekommen haben.
Und ich finde schon, dass der Umgang im Allgemeinen egoistischer geworden ist und Rücksicht für manche inzwischen ein Fremdwort ist. Es werden immer mehr Prinzen und Prinzessinnen in die Welt gesetzt - es gibt dazu jede Menge interessante Literatur - und das ist eben das Ergebnis.
Ob das nun alle Narzissten sind oder eben doch "nur" A...löcher kann und will ich nicht beurteilen
Allerdings ist narzisstischer Mißbrauch etwas, was den Betroffenen ein ganzen Leben begleiten wird.

Und was das Diagnostizieren angeht: natürlich ist es nicht angebracht "mal eben irgendwas zu diagnostizieren", damit man die Schuld auf den Partner abwälzen kann.

Aber wenn mein Partner z.B. jeden Tag betrunken in der Ecke liegt, dann braucht es keinen Arzt um zu sehen, dass hier arger Alk. vorliegt. Welcher Alk. geht aber denn bitte zum Arzt und läßt sich das dann bestätigen?! Also ohne Diagnose kein Alk., also alles tutti.

Mein Ex ist auch mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit Borderliner, aber eben nicht diagnostiziert - also demnach ja völlig gesund und ich Banane.

Das Schlechtmachen von Exen im Freundes- und Bekanntenkreis finde ich auch ziemlich daneben. Allerdings ist es schwer da eine Grenze zu ziehen. Wenn ich von meinen Erfahrungen und Erlebnissen erzähle ist das für diese Familie nun nicht wirklich positiv.... Muß ich deswegen jetzt für immer schweigen?

13.04.2021 10:21 • x 8 #2



Trend oder Wahrheit? - Psychospielchen in der Beziehung

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Dediziert


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Meine Meinung:

Früher war Oma tüdelig, heute ist sie dement oder hat gleich Alzheimer.
Früher war der/die Ex einfach ein Ar.sch.loch und heute eben Bindungsunfähig, ein/e Narzisst/in etc.
Meiner Ansicht nach hat das einfach damit zu tun das die Leute mehr hinterfragen und Antworten haben wollen.
Zudem ist es nicht mehr mit einem so großen Tabu belegt, wenn man sich einmal das Oberstübchen durchleuchten lässt.

Von daher nein, es gibt heute genauso viele Fälle wie früher.
Nur die Hemmschwelle eine Diagnose zu suchen, ob nun fundiert oder nicht,ist geringer.

13.04.2021 10:24 • x 5 #3


Kummerkasten007

Kummerkasten007


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Zitat von Dediziert:
Meiner Ansicht nach hat das einfach damit zu tun das die Leute mehr hinterfragen und Antworten haben wollen.


Ich denke genau andersherum.

Diese Etiketten werden auch sehr gerne aufgezogen, um das eigene Verhalten nicht hinterfragen zu müssen. Denn es steht ja im Internet und wie wir alle wissen, wird da nieeee was falsches finden zu sein.

Dazu kommt die vermeintliche "Selbstoptimierung" via Instagram und anderen unerträglichen Plattformen, verbunden mit den immer mehr kommunikationsunfähigen Generationen, welche schnellstens einen Erfolg, eine Erklärung haben wollen, in der sie schuldlos dastehen.

Am liebsten wäre vielen vermutlich, sie könnten auch im richtigen Leben nach links oder rechts wischen, wenn irgendwas nicht so aussieht oder funktioniert, wie ihnen vorgegaukelt wird.

13.04.2021 10:45 • x 9 #4


Loid


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Zitat von Cocolores:
Ich denke, dass Dinge einfach Namen bekommen haben. Und ich finde schon, dass der Umgang im Allgemeinen egoistischer geworden ist und Rücksicht für ...


Hallo! Klar, so meinte ich das nicht. Ich meinte eher dieses "Man hat Husten? Mal gucken was im Internet steht..... Anzeichen...... Kratzen im Hals, oh ich habe Krebs!"

Nur weil der Partner Anzeichen(!) hatte, heißt es nicht gleich, dass er dies oder das hat.

13.04.2021 10:56 • x 1 #5


Acht

Acht


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Für mich gibt es beides, A.....l..ch..er und Menschen mit psychischen Erkrankungen/Auffälligkeiten. Bei Letzteren sehe ich auch eine gewisse Notwendigkeit zur Aufklärung, denn solche Dispositionen führen zu Gewalt gegenüber Partnern, zur Vernachlässigung und Gewalt gegenüber Kindern und in immer noch viel zu vielen Fällen zu Tötungsdelikten. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner getötet, nicht selten spielen da auch Persönlichkeitsstörungen mit rein.

Mehr Differenzierung zwischen beiden wäre allerdings schön. Die Faktenlage an sich einfach mit dem Wort Hype wegzuwischen, halte ich persönlich jedoch für fatal.

13.04.2021 11:05 • x 3 #6


FrauLindemann

FrauLindemann


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Mich stört das auch extrem.

Meiner Meinung nach macht man es sich damit extrem einfach , muss seine eigenen Anteile am Scheitern nicht mehr beleuchten , der andere war ja sowieso Schuld. Man selbst ist total in Ordnung.

Davon abgesehen , halte ich von Küchentischpsychologie überhaupt nichts, finde ich eher lächerlich, die ganzen Dr. Freuds des Internets.

13.04.2021 11:05 • x 5 #7


Dediziert


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@Kummerkasten007
Zitat von Kummerkasten007:
Ich denke genau andersherum.

Grundsätzlich gebe ich dir recht.
Ich hatte mich komplett nur an dieser Stelle aufgehangen.
Zitat von Loid:
Deswegen der Titel: "Trend oder Wahrheit. . " Sind wir etwa immer mehr psychisch krank geworden? (Unsere Generation.), War sowas früher nicht präsent? oder Hat man etwa jetzt erst solche Diagnosen "gefunden"?

Wenn ich jetzt noch Diagnose per Internet hinzuziehe lande ich gar nicht so weit weg von dir.

Was mich eher stört ist dieses auf Biegen und Brechen nach Antworten zu suchen, wieso dies und das passiert ist, anstatt auf sich selber zu schauen und da einmal nachzuhaken.
Aber auch da lande ich dann wieder bei deinem Text.

13.04.2021 11:09 • x 4 #8


megan

megan


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Das Gute an der Sache ist aber doch, dass man beim Suchen nach Gründen auch auf interessante Informationen stösst.

Im allerbesten Fall, erkennt man dadurch seine eigenen Anteile.

Ich denke, wer bei seinem Partner eine Auffälligkeit feststellt, kann ziemlich sicher sein, dass er selbst die dazu passende hat.

13.04.2021 11:11 • x 4 #9


Hola15

Hola15


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Ob jemand eine tatsächliche Persönlichkeitsstörung hat oder nicht kann selbstverständlich ausschließlich ein Fachmann diagnostizieren.
Außerdem ist es ja immer ein Kontinuum. Keiner ist ausschließlich "gestört" und niemand ausschließlich gesund. Wir bewegen uns da alle irgendwo dazwischen. Der eine mehr auf der Seite, der andere mehr auf der anderen.
Und gerade bei "narzisstischen Verhaltensweisen" muss man halt auch sagen, dass Anteile bis zu einem gewissen Grad auch gut und sinnvoll sind. Deshalb ist es nicht gleich Narzissmus mit der dahinterstehenden Psychodynamik.

Den Vorteil den ich darin sehe mit Verdacht zu "arbeiten" ist, dass es eben gewisse Verhaltensweisen und Muster gibt die betroffene Partner dann besser sehen und verstehen können. Oft hilft dass dann bei der Abgrenzung und/oder Loslösung. Nicht mehr und nicht weniger. Aber jemanden ein Label aufzudrücken, dass nicht diagnostiziert ist finde ich unseriös.

13.04.2021 11:12 • x 2 #10


Kummerkasten007

Kummerkasten007


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Zitat von megan:
Im allerbesten Fall, erkennt man dadurch seine eigenen Anteile.


Das Forum mag nicht unbedingt ein exemplarisches Beispiel für die Allgemeinheit sein, aber mir ist aufgefallen, dass es seit längerem immer wieder Themen gibt in die Richtung "Ex ist/war Narzist, Borderliner etc", wo die Diagnosen tatsächlich gegoogelt wurden.

Aber anstatt sich zu besinnen, wird krampfhaft daran festgehalten und es gibt einige User, die oft auch noch blind zustimmen.

13.04.2021 11:13 • x 6 #11


Acht

Acht


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Zitat von Kummerkasten007:
Das Forum mag nicht unbedingt ein exemplarisches Beispiel für die Allgemeinheit sein, aber mir ist aufgefallen, dass es seit längerem immer wieder Themen gibt in die Richtung "Ex ist/war Narzist, Borderliner etc", wo die Diagnosen tatsächlich gegoogelt wurden.

Man kann auch mit Google richtig liegen. Ob sich das Ganze tatsächlich in diese Richtung bewegt oder ob es nur eigene Projektionen sind, erfährt man meist erst im Verlauf der Erzählungen. Mich nervt da eher die Hypekarte, die mittlerweile direkt zu Beginn gezogen wird und dem/der Schreibenden direkt mal präventiv ein eigenes Urteils- und Einschätzungsvermögen entzieht.

13.04.2021 11:20 • x 3 #12


Bones


Zitat von Kummerkasten007:
Das Forum mag nicht unbedingt ein exemplarisches Beispiel für die Allgemeinheit sein, aber mir ist aufgefallen, dass es seit längerem immer wieder ...


Wenn man lange genug googelt, findet man etwas, was passt
Bei einigen geht es meiner Meinung nach auch darum,dem oder der Ex einen Stempel aufzudrücken,um auch nicht auf eigene Anteile zu schauen, weil man sich hinter dem " Opfer eines ..." zu sein verstecken kann.
Wenn die Leute soviel Zeit dafür aufwenden,um für den Ex eine Diagnose passend zu machen, warum dann nicht gleich für sich selbst? Auch da könnte man bei entsprechender Googlesuche fündig. Auch hier wird dann oft seitenlang über den oder die Ex palabert, mit dicken Scheuklappen auf,weil ja irgendwer den Stempel rausgeholt hat
Ich bleibe dabei,dass Diagnosen Fachleute stellen,bei Laien hat es für mich soviel Aussagekraft wie Kaffeesatzlesen.

13.04.2021 11:26 • x 6 #13


Pinkstar

Pinkstar


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Hallo @Loid

Spontan fällt mir die Bezeichnung Freundschaft + ein

Was man früher ganz unverfroren mitteilte bzw gleich gezeigt hat, wird heute schön verpackt

Bei psychischen Erkrankungen sind wir aber heute viel weiter. Früher, was das etwas ganz schlimmes, jemand wurde als "irre" bezeichnet. Im Mittelalter wurden Menschen verbrannt, nur weil sie anders denken oder gefühlt haben.

Ich finde es gut, dass es heute mehr in die Öffentlichkeit geht, Menschen, die Probleme mit sich haben, es offen anreden können.

Aber generell gibt es in der heutigen Zeit viel mehr Bezeichnungen dafür, welche aber ja auch bewiesen sind und auch erforscht wurden im laufe der Zeit.

L G Pinkstar

13.04.2021 11:34 • x 3 #14


Kummerkasten007

Kummerkasten007


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Zitat von Pinkstar:
Bei psychischen Erkrankungen sind wir aber heute viel weiter. Früher, was das etwas ganz schlimmes, jemand wurde als "irre" bezeichnet. Im Mittelalter wurden Menschen verbrannt, nur weil sie anders denken oder gefühlt haben.


Ich denke, bei einer professionellen Diagnose hat sich das Denken der Allgemeinheit schon geändert, ich nehme dazu mal das Beispiel Depressionen (dazu gibt es ein super You Tube Video mit Kurt Krömer und Torsten Sträter).

Aber zu sagen, der/die Ex hat Borderline und darauf beharren, weils im Internet ja so steht und nicht akzeptieren wollen, dass man einfach einem A*** auf den Leim gegangen ist....das stößt mir sauer auf.

13.04.2021 11:40 • x 7 #15



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