120

Trennung auf Zeit - wie verhalte ich mich?

Laciny

13
1
18
Hallo liebes Forum,

ich habe hier schon einige Beiträge gelesen und möchte nun selbst meine Geschichte mit euch teilen, in der Hoffnung, hier einige gute Tipps von euch mitnehmen zu können.

Ich lebe seit 18 Jahren mit meinem Mann zusammen. Wir haben viel gemeinsam erlebt, viel Glück und Freude geteilt, Krisen gemeistert, zusammen meine Tochter aus erster Ehe großgezogen, geheiratet und ein Haus gebaut. Wir waren gerade mit allem fertig und hätten nun genießen können. Wir haben uns immer viel ausgetauscht, vieles miteinander besprochen, haben uns tagsüber viel geschrieben, wenn wir nicht beieinander waren, den Tag nach der Arbeit miteinander ausgetauscht, Feierabend und Wochenende gemeinsam genossen, viele schöne Ausflüge und Urlaube unternommen - und aus meiner Sicht auch die Corona-Zeit gut gemeistert. Er war immer mein Fels in der Brandung, hat mich nie zurückgewiesen, wir waren immer füreinander da. Ich dachte, wir leben in einer stabilen und ausgeglichenen Partnerschaft.

Seit zwei Wochen arbeite er nun eng mit einer Kollegin zusammen, die er für seinen Tätigkeitsbereich innerhalb der Firma abgeworben hat. Von Anfang an erzählte er begeistert von ihr und verglich ihre Eigenschaften auch manchmal mit meinen (die er häufig als ähnlich empfand). Ich ahnte in den letzten Tagen schon leicht, dass bei ihm aus der Begeisterung eine leichte Schwärmerei wurde. Dabei hatte ich das Gefühl, dass er sich von mir immer mehr zurückzog.
Als ich die Zurückweisung nicht mehr aushielt, sprach ich ihn darauf an. Und da dann der Schock: er hat keine Gefühle mehr für mich, die über eine Freundschaft hinausgehen. im anschließenden, sehr emotionalen Gespräch und nach einigem Nachhaken stellte sich dann heraus, dass er sich in die neue Kollegin verliebt hat, sich auch schon einmal mit ihr privat getroffen hat und es zu einem Kuss kam. Er meinte, das hätte nichts damit zu tun, dass er nun nicht mehr als Freundschaft für mich empfindet. Über dieses Gefühl denkt er schon seit einigen wenigen Wochen nach. Und natürlich verliebt man sich auch nicht, wenn zu Hause alles in Ordnung ist. Außerdem fehlen ihm Partys und Freiraum. Er fühlt sich zu sehr eingeengt in unseren Strukturen des Alltags und vermisst unsere Leichtigkeit und seine damaligen Ideale als Freigeist. Mit Corona hat das aus seiner Sicht nicht viel zu tun.

Gleich bat er dann um eine Trennung auf Zeit, es müsse sich erstmal nichts ändern - WG statt Ehe - nur die Körperlichkeit könne er mir im Moment nicht geben. Wir redeten die ganze Nacht, dann fuhr er zur Arbeit. Abends gab es aufgrund der Erschöpfung kein weiteres Gespräch, er reagierte auf mich komplett unterkühlt. Am nächsten Tag ging er direkt nach der Arbeit zu einer Grillparty eines Kollegen und übernachtete auch bei ihm. Der darauffolgende Tag sollte dann ein wenig Zeit zum Reden bringen. Das Gespräch war gut, wenn auch nur eine knappe Stunde und ich verstand auch viele seiner Gründe. Er möchte nun in der Trennung auf Zeit herausfinden, ob die Gefühle für mich unveränderbar freundschaftlich sind. Jeder Versuch, weitere Fragen zu klären führt bei ihm seither dazu, dass er genervt reagiert, irgendwie dicht macht.
Da ich sehr verzweifelt war und mir nicht vorstellen konnte, dass ich den Schmerz verkraften kann, wenn ich ihn jeden Tag sehe und ich vermutete, dass er sich kaum gut mit der derzeitigen Situation auseinandersetzen kann, wenn er täglich sieht, was ihn in unserer Beziehung so stört, bat ich ihn, vorerst auszuziehen (das hatte er auch als dritte Option, neben Zimmertrennung oder "alles bleibt, wie es ist, außer Körperlichkeit" von sich aus angeboten). Er zog am gleichen Tag in eine leerstehende Wohnung eines Freudes (das ist nun eine Woche her) und ich kam einigermaßen zur Ruhe. Ich tue viel für mich selbst, treffe mich mit Freuden und seiner Familie, die für mich wie meine ureigene Familie ist. Keiner erkennt ihn so richtig wieder.

In dieser einen Woche hatte er nur sehr eingeschränkten, oberflächlichen und sehr unterkühlten Kontakt zu mir aufgebaut. Vermutlich will er mir keine falsche Hoffnung machen. Gestern dann das erste Treffen, da er noch ein paar Sachen abholen wollte. Ich nahm mir vor, keine schweren Themen aufzugreifen, erzählte von meiner Woche, er von seiner. Zwischendurch immer mal wieder betreten Schweigen. Im Grunde arbeitet er noch mehr und trifft sich mit Kollegen zum Feierabend oder am Wochenende. Zudem geht er viel spazieren. Für das kommende Wochenende hat er sich eine Ferienwohnung gemietet um dem Alltag zu entfliehen und etwas Klarheit für sich zu schaffen. Er sah so erschöpft aus, machte einen ruhelosen Eindruck und war dennoch so fröhlich, aber weiterhin unterkühlt.
Ich frage mich heimlich, ob er die Zeit wirklich mit Kollegen oder alleine beim Spaziergang verbringt und ob er auch wirklich alleine in den Kurzurlaub fährt oder nicht einfach sein Fremdverlieben auslebt. Dann hätte ich doch gar keine Chance. Ich fühle mich so hilflos, weiß nicht was ich tun kann, ob ich überhaupt etwas tun kann. Ich weiß nicht, ob ich ihn in Ruhe lassen soll, aber habe Sorge, dass wir uns dann noch weiter entfremden. Wenn ich Kontakt aufnehme oder erwidere, befürchte ich, dass er sich durch meine Fragen oder einfach durch das Teilen meiner Gefühle eher weiter eingeengt fühlt und er sich dann noch weiter entfernt. Ich bin so ratlos.
Habt ihr denn Ideen für mich und meine Situation?

29.05.2021 08:07 • x 4 #1


Sorgild


3265
3
6332
Hallo Lacincy,
willkommen hier bei uns, auch wenn der Anlass alles andere als schön ist. Es tut mir leid, was du gerade durchmachen musst. Ganz sicher ist es eine schwere Zeit für dich.
Nun zu deiner Geschichte. 18 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Da ist es auch total normal, dass diese Leichtigkeit einer frischen Romanze verbunden mit dem Leben als Freigeist irgendwo auf der Strecke bleibt. Genau das bietet diese Kollegin aber nun mal und um ehrlich zu sein: Dagegen kannst du echt nicht anstinken.
Du hast mit deinem Mann aber etwas anderes. Nämlich die Verbundenheit dieser langen gemeinsamen Zeit. Diese Sicherheit und das Vertraute, was sich über die vielen Jahren aufgebaut hat. Wenn du mich fragst, ist das mehr, als nur dieser kurzfristige Hormonrausch, den dein Mann wohl gerade unterlegen ist.
Aber... auch das geht vorbei. Früher oder später. Die Frage ist nur, ist er bereit, das was er mit dir hat aufzugeben, für etwas Ungewisses?
Das du ihn erstmal vor die Tür gesetzt hast, war eine gute Entscheidung. WG statt Ehe bedeutet für ihn ja eigentlich nur, dass sich kaum was ändern wird für ihn. Er behält seinen sicheren Hafen, seine Annehmlichkeiten zu Hause und durch seine ständige Anwesenheit hält er dich weiterhin warm auf der Platte. Denn du kannst im Gegensatz zu ihm nicht weggehen, hast keine Möglichkeit, Ruhe und Abstand zu finden. Könnte ja sein, dass auch du für dich fest stellst, dass deine Gefühle auch nicht mehr das sind, was für die Fortführung der Beziehung nötig wären. Sowas erkennt man nämlich nur, wenn man nicht mehr Mittendrin im Geschehen ist, sondern die Dinge mit Abstand betrachten kann.

Zitat von Laciny:
ch frage mich heimlich, ob er die Zeit wirklich mit Kollegen oder alleine beim Spaziergang verbringt und ob er auch wirklich alleine in den Kurzurlaub fährt oder nicht einfach sein Fremdverlieben auslebt. Dann hätte ich doch gar keine Chance. Ich fühle mich so hilflos, weiß nicht was ich tun kann, ob ich überhaupt etwas tun kann. Ich weiß nicht, ob ich ihn in Ruhe lassen soll, aber habe Sorge, dass wir uns dann noch weiter entfremden.


Ganz ehrlich? Ich denke, dein Mann hat eine Affäre mit dieser Kollegin. Und richtig.. da hast du echt keine Chance. Deine Chance besteht darin, ihm vor Augen zu halten, was er gerade gegen die Wand fährt.
Dein Mann sollte die Konsequenzen seiner Entscheidung ganz schnell vor Augen geführt bekommen. Und er muss auch mit dieser Angst konfrontiert werden, dass er dich durch sein Handeln auch einfach verlieren kann.

Ich denke nicht, dass ihr euch entfremden könnt. Dazu habt ihr laut deiner Aussage einfach eine sehr gute Ehe geführt über eine sehr lange Zeit. Da gibt es so eine Art Faustregel. Für jedes gemeinsame Jahr brauchst du einen Monat um es hinter dir lassen zu können. Rechne dir aus, wie viel Zeit du jetzt hast.

Ich würde an deiner Stelle diesen Mann mit den möglichen Konsequenzen seiner Entscheidung konfrontieren. Das ist dein Ar. im Ärmel. Zieh dich selbst zurück. Und lebe doch selbst mal diese Leichtigkeit als Freigeist in einem Leben, das du jetzt, wo deine Tochter erwachsen ist, auch leben kannst. Das kann sehr befreiend sein, wenn man sich nur noch um sich selbst kümmern muss, statt um das ganze Alltagsgedöns einer Familie.
Du hast selbst schon festgestellt, dass er auf deine Kontaktversuche genervt reagiert. In Prinzip stößt du ihn damit nur noch weiter von dir weg. Wenn du willst, dass er von sich aus wieder zu dir zurück kommt, solltest du ihn besser nicht "nerven".

Da gibt es doch dieses Sprichwort: Was du liebst, lass frei. Kommt es wieder, ist es Dein. Kommt es nicht zurück, hat es dir nie gehört.

Und ganz ehrlich. Hast du überhaupt eine Wahl?
Du hast dir das sicher so nicht ausgesucht. Er wollte die Veränderung. Du kannst jetzt nur dafür Sorge tragen, dass du bei diesem ganzen Prozess nicht auf der Strecke bleibst.

Ich hoffe, meine Gedanken können dir irgendwie weiterhelfen.
Ich wünsch die alles Gute und das sich dein Problem bald in Luft auflöst. Fühl dich gedrückt!

29.05.2021 08:46 • x 9 #2



Trennung auf Zeit - wie verhalte ich mich?

x 3


Spreefee

Spreefee


1507
4
1830
Eine Trennung auf Zeit zur Réflexion bringt nur etwas, wenn man sich jeglichen Kontakt zueinander enthält. Nur das Wichtigste kurz schriftlich per Mail. Kein Telefonat, kein WA Facebook etc. Sozusagen fast nicht existent sein. 6 Monate sind ein Anfang.

Man erfährt selbst, was man leben möchte und was nicht. Gibt sich füreinander unkontrolliert Raum.

Meine Erfahrung und Meinung ging positiv für uns aus.

29.05.2021 13:17 • x 1 #3


Laciny


13
1
18
Guten Morgen,
vielen lieben Dank für die vielen hilfreichen Worte. Es tut gut, Meinungen von außen zu hören, von Menschen, die nicht in einer Beziehung zu meinem Mann stehen (oder gar meine verblendete rosarote Brille tragen) und objektiv draufschauen können. Und es macht so vieles Sinn.
Ich habe ihm gestern tatsächlich noch einen Brief geschrieben (ohne Erwartung einer Antwort), indem ich ihm versucht habe klarzumachen, was er aufs Spiel setzt. Nun habe ich mir vorgenommen, eine Kontaktsperre einzuhalten und mich auf mich selbst zu konzentrieren (sofern das funktioniert). Mehr kann ich vermutlich nicht tun. Seither fühle ich mich zumindest irgendwie etwas befreiter.
Am meisten macht mit zu schaffen, wie kaltherzig er mich behandelt. Das tut verdammt weh. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass es mal so weit kommen wird, unfassbar...
Liebe Grüße euch allen
Laciny

30.05.2021 07:49 • x 5 #4


Heffalump

Heffalump


18502
26001
Zitat von Laciny:
Am meisten macht mit zu schaffen, wie kaltherzig er mich behandelt.

Wenn es dir möglich ist, lache darüber. Sei immer fröhlich, wenn du ihn begegnest. Er muss merken, was er verliert.

Klar schleicht sich nach Jahren etwas ein, was man Verbundenheit nennt. Sich auf den Partner verlassen zu können. An sich nicht schlecht, aber viele sticht urplötzlich der Hafer, man resümiert, ob das alles ist - was das Leben für einen bereit hält und sucht nach Veränderungen.
Und meist, ist exakt just in diesem Moment auch etwas am Start, was seine Lenden mit Erzittern füllt. Er sich, wie jeder, der sich frisch verliebt, zum Teenie degenerieren lässt.

Steh darüber. Nutze diese Zeit, schaffe dir Freiräume, die Du in all den Jahren hast brach liegen lassen. Du bist auch ohne Ihn, im Stande, zu sein.

Zitat von Laciny:
Das tut verdammt weh.

Das tut es, aber es bietet auch eine Chance, heraus zu finden, was hinter dem Vorhang ist, den er jetzt öffnete

30.05.2021 08:04 • x 2 #5


tina1955


4735
9451
Guten Morgen, was hast Du Dir von diesem Brief erhofft ?
Er sieht nicht, dass es auch eine schöne Zeit mit euch war. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit geworden, die ihr gelebt habt.
Du wolltest ihm aufzeigen, was er alles verliert ? Er will es doch verlieren, es ist ihm nichts mehr wert.
Er zieht eine Art WG vor, ohne Körperlichkeiten, natürlich darf er dann kommen und gehen, wann und wie er will....
Ich frage Dich jetzt, was verlierst Du?
Einen Mann, der Deine Gefühle mit Füßen tritt und sich in Gedanken schon lange nicht mehr im der Ehe wohl gefühlt hat? Woher kommt sonst seine Kälte Dir gegenüber?
Normalerweise laufen Affären erst mal heimlich eine ganze Weile...
Hier in Deinem Fall hat er klipp und klar gesagt, er will nicht mehr.
Er ist bereits ausgezogen und lebt sein Leben.

Was verlierst Du , ausser Deinem Mann ?

30.05.2021 08:09 • x 3 #6


Spreefee

Spreefee


1507
4
1830
Zitat von Laciny:
was er aufs Spiel setzt.


Damit drängt du ihn eher weg.

Sag einem Kind,, es soll etwas nicht tun. Was macht es. Ist auch eher Druck für ihn. Druck ist keine Basis für einen Neuanfang.

1 Jahr oder mehr kaum Kontakt. Nur das notwendigste, am besten per Mail. Alle anderen Wege schließen.

Erst gestern hörte ich wieder von einem Pflegekind, dass er jetzt es geschafft hat, alle Türen zu schließen. Er wurde immer wieder zum Trennungsschmerz durch nur kurze Sätze zurück auf den Anfang geworfen.

Konsequent sein, muss man erlernen. Sind keine Konsequenzen da, hat man keinen Anlass etwas zu verändern.

Ein Kind glaubt nicht, dass der Herd heiß ist, wenn es ihm verboten wird. Es wird es ausprobieren. So lernt der Mensch, aus Erfahrungen.

Die Konsequenz, dass der Herd heiß ist, durch Erfahrung, führt dazu, dass das Kind den Herd meidet.

Heißt jetzt nicht, dass ich möchte, dass sich ein Kind die Hand verbrennt, sondern nur als bildliche Vorstellung, wie der Mensch lern.

Also, Kopf hoch und den Focus von ihm zu dir. Du kannst ihn nicht ändern, nur deinen Umgang mit der Situation.

30.05.2021 09:33 • x 2 #7


KPeter


202
914
Liebe Laciny
Ich interpretiere einzelne Passagen deiner Schilderungen mal aus meiner Erfahrung heraus:

Zitat:
>> Ich dachte, wir leben in einer stabilen und ausgeglichenen Partnerschaft.<<


Ich denke, das war auch so. es war eine stabile ausgeglichene Partnerschaft, in der alles seinen platz hatte. Wenig aufregend, aber alles bewältigend, was normalerweise an Herausforderungen auf ein Paar zukommen kann.

Zitat:
>>Und da dann der Schock: er hat keine Gefühle mehr für mich, die über eine Freundschaft hinausgehen. im anschließenden, sehr emotionalen Gespräch und nach einigem Nachhaken stellte sich dann heraus, dass er sich in die neue Kollegin verliebt hat, sich auch schon einmal mit ihr privat getroffen hat und es zu einem Kuss kam. <<


Ich würde nicht davon ausgehen, dass es nur zu einem Kuss kam. Alles andere will er aus verständlichen Gründen für sich behalten, aber das ist auch unwichtig. Die Beschreibung seiner Gefühle für dich ist dem Moment geschuldet und höchst subjektiv. Seine leidenschaftlichen Gefühle der Geliebten gegenüber lässt alles verblassen, was er vorher für dich empfunden hat. Die freundschaftlichen kann er noch zulassen. Mehr nicht. Denn wenn vorher die Gefühle für dich (auf einer Zehnerskala) bei 5-7 lagen, dann hat er jetzt durch die Geliebte eine volle 10 erfahren und für dich ist nur 1-2 spürbar. Du musst dem keinen großen Wert beimessen, er kann zur Zeit nicht anders bewerten.

Zitat:
>>Er meinte, das hätte nichts damit zu tun, dass er nun nicht mehr als Freundschaft für mich empfindet. Über dieses Gefühl denkt er schon seit einigen wenigen Wochen nach. Und natürlich verliebt man sich auch nicht, wenn zu Hause alles in Ordnung ist.<<


Das wird gerne so in den Raum gestellt, ist aber nicht in Stein gemeißelt. ER hat den Kick gesucht, weil ihm unbewusst danach war, einen Kick zu empfinden. Und aus diesem Suchen heraus hat er einer anderen Frau vielleicht einfach nur ein Kompliment gemacht. Diese hat das überraschenderweise erwidert und plötzlich stand er in Flammen, ohne damit im Geringsten gerechnet zu haben. Da herrscht von jetzt auf gleich Ausnahmezustand und niemand ist da, um das Feuer zu löschen.

Zitat:
>>Gleich bat er dann um eine Trennung auf Zeit, es müsse sich erstmal nichts ändern - WG statt Ehe - nur die Körperlichkeit könne er mir im Moment nicht geben.<<


Hier handelt es sich um Symptome der Angst, zu schnell alles aufzugeben, was bisher Sicherheit in sein leben gebracht hat. Die neue Verliebtheit ist noch sehr jung und fragil. Da gibts es noch keine Perspektiven für eine sichere Zukunft. Und außerdem will er dich ungern ganz verlieren.

Zitat:
>> Wir redeten die ganze Nacht, dann fuhr er zur Arbeit. Abends gab es aufgrund der Erschöpfung kein weiteres Gespräch, er reagierte auf mich komplett unterkühlt.<<


Erschöpft, ratlos, ausgepowert, unsicher und sich selber nicht wieder erkennend. So könnte er sich da gefühlt haben.
Zitat:
>>Da ich sehr verzweifelt war und mir nicht vorstellen konnte, dass ich den Schmerz verkraften kann, wenn ich ihn jeden Tag sehe und ich vermutete, dass er sich kaum gut mit der derzeitigen Situation auseinandersetzen kann, wenn er täglich sieht, was ihn in unserer Beziehung so stört, bat ich ihn, vorerst auszuziehen (das hatte er auch als dritte Option, neben Zimmertrennung oder "alles bleibt, wie es ist, außer Körperlichkeit" von sich aus angeboten). <<


Das war sehr klug von dir. Die Tage und Wochen nach einer Trennungsankündigung in einer gemeinsamen Wohnung zuzubringen, kann aus vielerlei Gründen die Hölle sein.


Zitat:
> Keiner erkennt ihn so richtig wieder. <<


Er selber auch nicht, glaube mir. Das kannte er nicht bei sich, was da mit ihm passiert ist und er sucht noch danach, warum es dazu kommen konnte.

Zitat:
>>Ich frage mich heimlich, ob er die Zeit wirklich mit Kollegen oder alleine beim Spaziergang verbringt und ob er auch wirklich alleine in den Kurzurlaub fährt oder nicht einfach sein Fremdverlieben auslebt.<<


Da würde ich keine großen Illusionen haben. Es ist auch unwichtig, denn du hast darauf keinerlei Einfluss. Dem gegenüber, was die frischen Hormone in ihm anrichten, ist er machtlos ausgeliefert und sucht nach möglichst sachlichen Argumenten, um das nach außen hin erklären zu können. Für sich selber kann er das nicht sachlich darstellen, nur nach außen versucht er es.

Zitat:
>>Dann hätte ich doch gar keine Chance.<<


Es gibt sicherlich eine Chance, wenngleich solche Prozesse sehr dynamisch ablaufen und vor allem sehr viel von der Geliebten abhängt. Wenn sie solo lebt und mit ihm in kürzester Zeit Perspektiven für ein glückliches Zusammenleben entwickelt, ist die Chance geringer. Wenn er allerdings sehr schnell mit ihr zusammen zieht, kann sich auch sehr schnell herausstellen, was alles NICHT zwischen ihnen passt. Manchmal kommen Kater und reue dann schon nach wenigen Wochen.

Ich möchte dir aber gern deine Sorge nehmen, dass du etwas falsch machen kannst. So, wie du deine Gefühle und deine Herangehensweise schilderst, machst du alles sehr gut. Versuche jetzt dabei, so authentisch wie möglich zu werden, finde dich selber wieder in dem Chaos und vor allem: Liebe diese Frau, die dich morgens im Spiegel anschaut. Sie wird mit jeder Minute attraktiver, in der sie sich selber mag, in der sie sich selber findet und so authentisch wie möglich nach außen wirkt. Dazu gehört Trauer, Verzweiflung und Angst. Dazu gehört aber auch das Bewusstsein, dass dir dein Leben noch sehr viele wunderbare Jahre bescheren wird, wenn du das willst. Ob mit ihm oder ohne ihn.

Das, was er tut, denkt und fühlt, kannst du mit deinem Handeln nur sehr wenig bis gar nicht beeinflussen. Was bestenfalls vor euch liegt ist ja kein "Weiter-so", sondern dann ein neuer Start in eine zweite Beziehung mit ihm.

Zitat:
>>Nun habe ich mir vorgenommen, eine Kontaktsperre einzuhalten und mich auf mich selbst zu konzentrieren (sofern das funktioniert). Mehr kann ich vermutlich nicht tun. Seither fühle ich mich zumindest irgendwie etwas befreiter. <<

Klasse! Genau das meinte ich.
Zitat:
>>Am meisten macht mit zu schaffen, wie kaltherzig er mich behandelt. Das tut verdammt weh. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass es mal so weit kommen wird, unfassbar...<<


Ich vermute, dass er keineswegs kaltherzig dir gegenüber ist. Nur kann er hinter der Fassade der Kaltherzigkeit bestens das versecken, was ihn wirklich bewegt, wie ratlos er ist und wie sehr ihn seine Schuldgefühle quälen. Würde er das dir gegenüber offenbaren, so müsste er vieles von dem zeigen, was er nicht zeigen will. Also stellt er sich kaltherzig dar. Das kann sich noch ändern.

Schenke ihm jetzt erst mal nicht so viel Aufmerksamkeit, sondern konzentriere dich auch DICH und auf das, was du mit deinem Leben anfangen kannst, wenn es nötig ist.

30.05.2021 09:52 • x 11 #8


_Tara_

_Tara_


7189
8
10156
Zitat von Laciny:
Am nächsten Tag ging er direkt nach der Arbeit zu einer Grillparty eines Kollegen und übernachtete auch bei ihm.


Zitat von Laciny:
Er zog am gleichen Tag in eine leerstehende Wohnung eines Freudes


Zitat von Laciny:
Im Grunde arbeitet er noch mehr und trifft sich mit Kollegen zum Feierabend oder am Wochenende.


Zitat von Laciny:
Für das kommende Wochenende hat er sich eine Ferienwohnung gemietet um dem Alltag zu entfliehen


Ersetze "Kollegen" durch "die Kollegin".

Zitat von Laciny:
Ich frage mich heimlich, ob er die Zeit wirklich mit Kollegen oder alleine beim Spaziergang verbringt und ob er auch wirklich alleine in den Kurzurlaub fährt oder nicht einfach sein Fremdverlieben auslebt.


Ich fürchte, es ist recht offensichtlich, dass Dein Mann nun mit der Kollegin seine Verknalltheit auslebt. Er ist ja nun "frei", dies zu tun. Muss nicht mehr nach Hause, Du bekommst also gar nichts mit. Und dass er alleine in einen Kurzurlaub fährt, "um dem Alltag zu entfliehen" (und das, wo seine Kollegen - also sein Alltag - doch sonst angeblich rund um die Uhr sein Lebensinhalt sind...), glaubst Du doch selbst nicht, wenn Du ehrlich bist.

Es wird vermutlich so laufen, wie es meistens läuft. Er macht jetzt ein paar Monate Hormonrausch mit der Neuen. Falls sich daraus dann etwas Festes ergeben sollte, ist er weg und kommt auch nicht wieder.
Falls die Kollegin oder er nach ein paar Wochen/Monaten die Lust verliert und sich rausstellt, dass das auf Dauer doch nicht so toll war, wie gedacht, dann steht er wieder bei Dir auf der Matte. Dann bist Du sein "Netz und doppelter Boden" (und 2. Wahl), bis er die nächste tolle Kollegin trifft.

Auch, wenn es schwer fällt - der kommt höchstens zur Besinnung, wenn Du Dich ihm jetzt komplett entziehst. Keinen Kontakt mehr, außer Organisatorisches. Du solltest ihm sagen, dass Du nicht warten wirst, bis er sich ausgebu*st hat, sondern dass ab sofort Deine Tür für ihn zu ist. Er will keine Beziehung mehr, er empfindet nur noch Freundschaft für Dich - dann soll er gehen und nicht wiederkommen. Nur dann kriegt er vielleicht Schiss, dass er Dich verliert und wird nochmal "wach".
Wenn Du diesen "Beziehungspausen"-Quatsch mitmachst, denkt er: "Prima! Die bleibt ja eh auf der Warmhalteplatte sitzen. Und wenn ich zurück will, nimmt die mich ja sowieso mit Kusshand wieder!"

Geh davon aus, dass er gerade mit der Kollegin rummacht. Wenn Du Gewissheit brauchst, dann überprüfe 'mal heimlich seine Aussagen. Da gibt es ja Möglichkeiten.

Es tut mir leid, das so zu sagen, aber ich vermute, mit der "Beziehungspause" will er Dich nur warmhalten, bis er rausgefunden hat, ob das mit der Kollegin 'was wird.

30.05.2021 10:04 • x 13 #9


tina1955


4735
9451
Ich bin der Meinung, der Mann hat schon länger innerlich mit der Trennung in Gedanken balanciert.
Umsonst kommen nicht die Alternativen WG, Trennung auf Zeit und eigene kleine Wohnung.
Er zieht sofort aus dem gemeinsamen Haus aus , nur weg von zu Hause ?
Der Mann muss schon sehr lange unzufrieden sein.

Was wird aus dem gemeinsamen Haus?
Kann es einer von euch allein halten ?
Kann notfalls einer den anderen ausbezahlen?

Wie werden jetzt eventuelle Kredite bedient ?

Reisende, die so schnell in den Zug einsteigen, kann man nicht aufhalten.

Du fragst Dich, ob Du eine Chance hast, wenn er das Wochende nicht allein in der Ferienwohnung verbringt ?

Er hat Dich bereits körperlich abgelehnt.

So hart wie es jetzt klingt, ich würde ganz schnell für mich sortieren, was mir bleibt, wenn es zu einer Scheidung kommt.

Auf jeden Fall würde ich meine Würde behalten wollen und umgehend einen Anwalt zwecks Beratung aufsuchen.

30.05.2021 10:06 • x 5 #10


Sorgild


3265
3
6332
Das ist ein guter Tipp.
Selbst wenn jetzt im Moment noch gar nicht die Rede von Scheidung ist.
Die Erfahrungen hier im Forum haben gezeigt, dass die Leute das ganze Gedöns einer Scheidung auch finanziell am besten wegstecken können, wenn sie genug Zeit hatten, sich darauf vorzubereiten.
Das bedeutet erstmal alle relevanten Unterlagen zu sichern und wie Tina schon schrieb, bei Gelegenheit ein Gespräch mit einem Fachanwalt führen und mit dem den worst Case durchsprechen.
Prinzipiell würde ich ab jetzt nur noch vom worst Case Szenario ausgehen. Dann kannst du wenigstens nur noch positiv überrascht werden.
Und es lebt sich weitaus ruhiger, wenn du auch für diesen Fall deine Tücher ins Trockene bringst. Besonders die Angst vor einer ungewissen Zukunft kann man auf diese Weise seinen Schrecken nehmen.

30.05.2021 10:33 • x 7 #11


tina1955


4735
9451
Das stimmt, Angst vor der Zukunft ist ein ganz schlimmer Begleiter.

Jeder möchte doch wissen, was auf einen im Extremfall drauf zu kommt , um seine Möglichkeiten zu planen

30.05.2021 10:49 • x 3 #12


tina1955


4735
9451
Liebe @Laciny mach Dir jetzt keine Gedanken um ihn. Du kannst es eh nicht beeinflussen.
Kopfkino, was er gerade tut oder macht, schaden nur Deinen Nerven.

Du bist Dir jetzt selbst wichtig.

Nur Du allein musst für Dich das Beste aus der Situation machen.

Das hört sich jetzt alles knallhart an, aber werde wach... denke nur an Dich.

... ohne ihn jetzt mit einzubeziehen.

30.05.2021 11:00 • x 3 #13


DonaAmiga

DonaAmiga


3595
4
5517
Wenn ich so'n Zinnober von
Zitat von Laciny:
fühlt sich zu sehr eingeengt in unseren Strukturen des Alltags

Zitat von Laciny:
Freigeist

Zitat von Laciny:
Freiraum

Zitat von Laciny:
Trennung auf Zeit

Zitat von Laciny:
herausfinden, ob die Gefühle für mich unveränderbar freundschaftlich sind

"Beziehungspause" usw. schon höre, so versachlicht und unpersönlich, dann sag' ich nur: Wer so was daherlabert, der ist kein Mensch, sondern eine Rechenmaschine.
Weg mit dem.

30.05.2021 11:01 • x 4 #14


Plentysweet

Plentysweet


11109
17237
Zitat von Laciny:
zusammen meine Tochter aus erster Ehe großgezogen,

Zitat von Laciny:
Er war immer mein Fels in der Brandung, hat mich nie zurückgewiesen

Fragen: Waren bei Euch auch mal eigene Kinder im Gespräch? Hat ihm das evtl. gefehlt und will er das vielleicht mit der neuen Liebe nachholen? Liest sich auch etwas nach MLC bei Deinem Mann.
Er war Dein Fels in der Brandung, was warst Du für ihn?

Ja. Ich stimme den anderen zu. Es liest sich so, wie wenn er sich beziehungsmäßig sehr stark umentschlossen hat. Kann natürlich gewaltig schiefgehen so ein Schritt.
Bist Du berufstätig und hast eigenes Geld? Dann reich Du doch die Scheidung ein. Gründe genug dafür gibt es ja.

30.05.2021 11:05 • x 3 #15



x 4




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag