Laciny
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ich habe hier schon einige Beiträge gelesen und möchte nun selbst meine Geschichte mit euch teilen, in der Hoffnung, hier einige gute Tipps von euch mitnehmen zu können.
Ich lebe seit 18 Jahren mit meinem Mann zusammen. Wir haben viel gemeinsam erlebt, viel Glück und Freude geteilt, Krisen gemeistert, zusammen meine Tochter aus erster Ehe großgezogen, geheiratet und ein Haus gebaut. Wir waren gerade mit allem fertig und hätten nun genießen können. Wir haben uns immer viel ausgetauscht, vieles miteinander besprochen, haben uns tagsüber viel geschrieben, wenn wir nicht beieinander waren, den Tag nach der Arbeit miteinander ausgetauscht, Feierabend und Wochenende gemeinsam genossen, viele schöne Ausflüge und Urlaube unternommen - und aus meiner Sicht auch die Corona-Zeit gut gemeistert. Er war immer mein Fels in der Brandung, hat mich nie zurückgewiesen, wir waren immer füreinander da. Ich dachte, wir leben in einer stabilen und ausgeglichenen Partnerschaft.
Seit zwei Wochen arbeite er nun eng mit einer Kollegin zusammen, die er für seinen Tätigkeitsbereich innerhalb der Firma abgeworben hat. Von Anfang an erzählte er begeistert von ihr und verglich ihre Eigenschaften auch manchmal mit meinen (die er häufig als ähnlich empfand). Ich ahnte in den letzten Tagen schon leicht, dass bei ihm aus der Begeisterung eine leichte Schwärmerei wurde. Dabei hatte ich das Gefühl, dass er sich von mir immer mehr zurückzog.
Als ich die Zurückweisung nicht mehr aushielt, sprach ich ihn darauf an. Und da dann der Schock: er hat keine Gefühle mehr für mich, die über eine Freundschaft hinausgehen. im anschließenden, sehr emotionalen Gespräch und nach einigem Nachhaken stellte sich dann heraus, dass er sich in die neue Kollegin verliebt hat, sich auch schon einmal mit ihr privat getroffen hat und es zu einem Kuss kam. Er meinte, das hätte nichts damit zu tun, dass er nun nicht mehr als Freundschaft für mich empfindet. Über dieses Gefühl denkt er schon seit einigen wenigen Wochen nach. Und natürlich verliebt man sich auch nicht, wenn zu Hause alles in Ordnung ist. Außerdem fehlen ihm Partys und Freiraum. Er fühlt sich zu sehr eingeengt in unseren Strukturen des Alltags und vermisst unsere Leichtigkeit und seine damaligen Ideale als Freigeist. Mit Corona hat das aus seiner Sicht nicht viel zu tun.
Gleich bat er dann um eine Trennung auf Zeit, es müsse sich erstmal nichts ändern - WG statt Ehe - nur die Körperlichkeit könne er mir im Moment nicht geben. Wir redeten die ganze Nacht, dann fuhr er zur Arbeit. Abends gab es aufgrund der Erschöpfung kein weiteres Gespräch, er reagierte auf mich komplett unterkühlt. Am nächsten Tag ging er direkt nach der Arbeit zu einer Grillparty eines Kollegen und übernachtete auch bei ihm. Der darauffolgende Tag sollte dann ein wenig Zeit zum Reden bringen. Das Gespräch war gut, wenn auch nur eine knappe Stunde und ich verstand auch viele seiner Gründe. Er möchte nun in der Trennung auf Zeit herausfinden, ob die Gefühle für mich unveränderbar freundschaftlich sind. Jeder Versuch, weitere Fragen zu klären führt bei ihm seither dazu, dass er genervt reagiert, irgendwie dicht macht.
Da ich sehr verzweifelt war und mir nicht vorstellen konnte, dass ich den Schmerz verkraften kann, wenn ich ihn jeden Tag sehe und ich vermutete, dass er sich kaum gut mit der derzeitigen Situation auseinandersetzen kann, wenn er täglich sieht, was ihn in unserer Beziehung so stört, bat ich ihn, vorerst auszuziehen (das hatte er auch als dritte Option, neben Zimmertrennung oder "alles bleibt, wie es ist, außer Körperlichkeit" von sich aus angeboten). Er zog am gleichen Tag in eine leerstehende Wohnung eines Freudes (das ist nun eine Woche her) und ich kam einigermaßen zur Ruhe. Ich tue viel für mich selbst, treffe mich mit Freuden und seiner Familie, die für mich wie meine ureigene Familie ist. Keiner erkennt ihn so richtig wieder.
In dieser einen Woche hatte er nur sehr eingeschränkten, oberflächlichen und sehr unterkühlten Kontakt zu mir aufgebaut. Vermutlich will er mir keine falsche Hoffnung machen. Gestern dann das erste Treffen, da er noch ein paar Sachen abholen wollte. Ich nahm mir vor, keine schweren Themen aufzugreifen, erzählte von meiner Woche, er von seiner. Zwischendurch immer mal wieder betreten Schweigen. Im Grunde arbeitet er noch mehr und trifft sich mit Kollegen zum Feierabend oder am Wochenende. Zudem geht er viel spazieren. Für das kommende Wochenende hat er sich eine Ferienwohnung gemietet um dem Alltag zu entfliehen und etwas Klarheit für sich zu schaffen. Er sah so erschöpft aus, machte einen ruhelosen Eindruck und war dennoch so fröhlich, aber weiterhin unterkühlt.
Ich frage mich heimlich, ob er die Zeit wirklich mit Kollegen oder alleine beim Spaziergang verbringt und ob er auch wirklich alleine in den Kurzurlaub fährt oder nicht einfach sein Fremdverlieben auslebt. Dann hätte ich doch gar keine Chance. Ich fühle mich so hilflos, weiß nicht was ich tun kann, ob ich überhaupt etwas tun kann. Ich weiß nicht, ob ich ihn in Ruhe lassen soll, aber habe Sorge, dass wir uns dann noch weiter entfremden. Wenn ich Kontakt aufnehme oder erwidere, befürchte ich, dass er sich durch meine Fragen oder einfach durch das Teilen meiner Gefühle eher weiter eingeengt fühlt und er sich dann noch weiter entfernt. Ich bin so ratlos.
Habt ihr denn Ideen für mich und meine Situation?