ZeldaFan
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erst einmal ein riesiges Dankeschön an jeden Einzelnen von euch. Dass ihr euch die Zeit genommen habt, meine Situation zu analysieren und eure eigenen, teilweise sehr harten Erfahrungen mit der Wohnsituation zu teilen, bedeutet mir gerade unfassbar viel.
Eure Antworten haben mich teilweise sehr getroffen, aber im absolut positiven Sinne. Ihr habt in vielen Punkten den Nagel auf den Kopf getroffen, und ich möchte versuchen, auf die wichtigsten Fragen einzugehen, die ihr gestellt habt:
Zu meiner Vergangenheit und warum ich "nie erwachsen" wurde:
Einige von euch haben sehr treffend gefragt, ob mich vor meinem 18. Lebensjahr niemand zur Selbstständigkeit erzogen hat. Die ehrliche Antwort ist: Nein. Mein Elternhaus war extrem schwierig und kontrollierend. Da gab es kein echtes, förderndes Interesse an mir, meinen Meilensteinen oder meiner persönlichen Entwicklung. Als ich meinen Ex-Freund dann mit 18 kennenlernte, war er der allererste Mensch in meinem Leben, der mir das Gefühl von absolutem Schutz und Sicherheit gegeben hat. Ich bin aus einem kalten Umfeld direkt in seinen "sicheren Hafen" geflüchtet.
Sein Motiv und meine Entwicklung:
Jemand von euch hat ein Helfersyndrom angesprochen. Dazu muss ich ganz klar sagen: Er hat mich nie bewusst klein gehalten. Er wollte mich wirklich beschützen. Und das hat auch funktioniert, denn ich bin in der letzten Zeit tatsächlich schon deutlich eigenständiger geworden. Meine persönliche Entwicklung hat absolut Früchte getragen. Das hat ihm auch lange die Hoffnung gegeben, dass wir als Paar die Kurve kriegen. Aber am Ende hat es einfach nicht mehr gereicht, beziehungsweise kam es zu spät, um zu verhindern, dass er unter der jahrelangen Verantwortung komplett ausbrennt und emotional dichtmacht.
Liebe oder Abhängigkeit?
Ihr habt völlig recht. Ich habe in der letzten Nacht extrem viel reflektiert und mir ist klar geworden: Das, was ich gerade betrauere, ist extrem stark mit dem Entzug dieser Sicherheit verknüpft. Ich habe mich 14 Jahre lang oft unbewusst in dieser Komfortzone ausgeruht, weil ich wahnsinnige Angst hatte, meinen "Kompass" zu verlieren. Meine allergrößte Aufgabe jetzt ist es, zu lernen, mir genau diese Sicherheit selbst zu geben. Ich muss lernen, mich mit mir selbst wohlzufühlen und echtes Selbstbewusstsein von innen heraus aufzubauen, ohne dass jemand anderes für mich mitdenkt.
Zu meiner aktuellen Wohn- und Lebenssituation:
Ich bin nicht völlig tatenlos, aber ein sofortiger Auszug ist für mich gerade schlichtweg nicht machbar und auch nicht geplant. Ich gebe bald meine Bachelorarbeit ab und muss mir danach erst einmal einen Job suchen. Erst wenn das geschafft ist, wird ans Ausziehen gedacht. Hier möchte ich meinen Ex-Freund auch ganz klar in Schutz nehmen: Er unterstützt mich bei all dem immer noch und würde mich niemals einfach so rausschmeißen. Ein Auszug zu meiner Familie ist aufgrund der oben genannten Vorgeschichte absolut keine Option – das würde mich psychisch komplett zerstören. Der Übergang in eine eigene Wohnung braucht also einfach seine Zeit und diesen strukturierten Weg.
Wie ich jetzt überlebe:
Ich setze mir kleine Ziele. Die Tipps von euch, extrem viel rauszugehen, setze ich bereits um. Ich nutze oft Plattformen, um mir Hunde zum Spazierengehen auszuleihen. Das zwingt mich in die Gegenwart, ich bekomme den Kopf frei und bin nicht in dieser feindseligen Wohnung gefangen. Es hilft mir extrem, die 20.000 Schritte vollzumachen, mich körperlich zu spüren und Schritt für Schritt auf eigenen Beinen zu stehen.
Danke für eure Klarheit und eure Empathie!