@Jumanji:
Ich war in fast derselben Situation wie Du.
Einzige Unterschiede: Ich habe 2,5 Jahre an der Ehe festgehalten, während er offenbar schon sein nächstes Privatleben finanziell und organisatorisch ausstattete und tagesweise auch auslebte.
Im Gegensatz zu Deiner Frau hat mein Mann sich zu Hause aber nicht zusammengerissen und schöne Urlaube mit der Familie verbracht, sondern musste ständig zum Jagen getragen werden und wirkte depressiv. In den 2,5 Jahren habe ich sämtliche seiner Vorschläge, wie aus der Ehe wieder was werden kann, unterstützt. Als kenne ich die Wut, wenn man herausfindest, dass das allenfalls halbherzig gemeint oder sogar nur Hinhaltetaktiken waren.
Daher mein Rat, den Aug um Auge Weg ganz schnell zu verlassen und Dir als erstes Deine Prioritäten klar zu machen.
Ich hab mehr verdient als mein Ex. Er hat Trennungsunterhalt bekommen. Ihm war das Eigentum wichtig, in dem er jetzt auch allein wohnt. Ich hab auf den Wertzuwächse verzichtet, um meine Rentenansprüche/-vorsorge zu behalten und eine Einmalzahlung an die Kids zu erhalten. Mein Weg war sicherlich nicht der Königsweg, hat mir aber alles erhalten, was mir wichtig war:
Die Kinder sind bei mir. Er wollte das Wechselmodell und konnte es nicht halten, weil er im Job keine Abstriche machen wollte. Ich hab auf mein Teilzeitgesuch in meinem Job die Kündigung erhalten und musste mir ein leicht verändertes Arbeitsumfeld suchen, in dem Vertrauensarbeitszeit und Homeoffice gelten. Die Aufstiegschancen in diesem Feld sind geringer. Aber dafür sind die Kinder bei mir und ich kann mir Zeit für all ihre Belange nehmen.
Zitat von Jumanji: Das Haus ist mir wichtig, vor allem auch weil die Kids es bekommen sollten.
Das Haus interessiert die Kinder nicht die Bohne. Es ist die Familienatmosphäre, die zählt.
Mit 60 zusammen mit einem Geschwister in Erbengemeinschaft ein Haus zu erben, das man sich nicht selbst ausgesucht hat, ist ein Wert, der keinen Stress in der Kindheit rechtfertigt.
Zitat von Jumanji: Ich gehe einfach nicht mehr arbeiten,
Das ist sowieso keine Option. Beide Kinder über 3 Jahre -> Du bist voll erwerbsverpflichtet.
Die einzige Frage ist, ob der Job wichtiger ist als die Kids.
Zitat von Jumanji: Emotional auffangen und nahtlos kümmern - so ist das nicht, eher Essen, Hausaufgaben kontrollieren - fertig
Glaub ich nicht. Jedes Elternteil, das die Kids abholt, gibt diesen (bestenfalls) Sicherheit und Halt, "arbeitet" mit ihnen den Tag auf, indem es zuhört. Manche machen das unbewusst. Manche ignorieren dieses Bedürfnis. Aber es ist ein "Job", der besser erledigt wird.
Zitat von Jumanji: Unsere Kids müssen zum Glück auch nicht dauerbespaßt werden - die sind topselbständig,
Deine Kinder sind jetzt Trennungskinder. Insbesondere wenn der, der tagsüber immer da war, jetzt nicht mehr da ist, wird das aufgewühlte Nervensystem der Kinder sich ausdrücken. Also sei darauf gefasst und schaff Dir Ressourcen, um Deinen Kindern bei der Verarbeitung des Verlustes helfen zu können.
Zitat von Jumanji: Aber dadurch dass die Kids aktuell 100% hier bei mir sind
Solange Deine Ex nicht offiziell ausgezogen ist oder 6 Monate woanders gewohnt hat, bist Du nicht das Residenzelternteil.
Du musst Deinem Anwalt die volle Wahrheit erzählen, damit er Dir akkuraten Rechtsrat geben kann.
Zitat von Jumanji: Im Grunde findet das, was meine Ex gemacht hat ok
Nö. Aber auf die haben wir alle keinen Einfluss.
Hier können wir nur Dich davor bewahren, Dich und Deine Kinder vor die Wand zu fahren.
Zitat von Jumanji: Es ist einfach die Gewissheit, dass Sätze wie "ich liebe dich" "ich vermisse dich" oder "ich freue mich auf dich" - einfach nur gesagt wurden um mich zu besänftigen.....das kratzt so sehr an mir dass ich mich frage ob ich diesen Worten jemals wieder vertrauen kann.
This! Das wird Jahre dauern und die Sätze werden nie wieder naiv geglaubt, sondern müssen von Taten untermauert sein.
Lern"erfolg" bislang: Eine Person, die "ich vermisse Dich" sagt und dennoch immer weg ist, meint nicht das, was Du meinst, wenn Du von vermissen sprichst.
Zitat von Jumanji: mein Anspruch ist, dass meine Ex fair und realistisch bleibt,
Und das tut sie aktuell, wenn sie das Wechselmodell und 50% von Zugewinn und Versorgungsansprüchen verlangt. Das ist sowohl für als auch realistisch. Dagegen anzukämpfen führt nur zu dem Rosenkrieg und der Kinderverletzung, von denen Du sagst, dass Du sie vermeiden willst.
Du musst relativ zügig einsehen, dass Deine Trauer und Wut darüber, dass Deine Ex Dich als Partner ablehnt, um euer Familienleben nicht kämpfen will, sondern sich was anderes sucht und vermutlich damit glücklich wird (was eine harte Pille zu schlucken ist), ohne Deine Interessen auch nur für eine Sekunde zu bedenken. Und damit Dein schönes Leben zerfetzt und einfach schon 3 Jahre lang illoyal war. Dass diese Trauer und Wut nicht über das Scheidungsrecht geheilt werden und niemand kommen und Deine Ex dafür bestrafen wird.
Ihre Strafe ist, dass sie nicht mehr mit Dir zusammenleben darf und 50% der Tage ihre Kinder nicht um sich haben wird. Wenn Sie das nicht als Strafe empfindet, ist das ihr Problem.
Dein Selbstwert muss sich daraus nähren, was Du Dir selbst wert bist, unabhängig von ihrem Verhalten.
Rechne durch, ob Du aus eigener Kraft das Haus halten kannst und ob dann noch Möglichkeiten bestehen, nicht erst um 16-17 Uhr für Deine Kinder dasein zu können.
Rechne nicht damit, dass Deine Ex Dir von ihrem Anteil etwas abgibt, damit Du weniger ändern musst.
Diese Konzentration auf Dich und das, was Du aus eigener Kraft für Dich und die Kinder erschaffen kannst, ist das, was Dich heilt und an dem Du wächst.
Die Konzentration auf die Ex und die Hoffnung, dass diese Dir jetzt Schmerzensgeld zuspricht, ist der ideale Weg in Jahre der Enttäuschung und des Festhaltens an dem, was ohnehin schon verloren ist.
Die Realität, dass nichts in Deinem Leben so sein wird, wie es vor ein paar Wochen war, schmerzt sehr. Aber Du musst Dich ihr stellen.