Zitat von Dornröschen:Kann man da überhaupt noch jemanden vertrauen? Ist es da nicht besser, ganz allein zu bleiben? So kann einen niemand mehr so sehr verletzen, wie ich und viele andere es erlebt haben.
Das ist eine sehr gute Frage und die stellen sich viele. Das Leben ist nun mal ein Auf und Ab und angenehme und unangenehme Gefühle wechseln sich ab. Das klingt jetzt nach blabla, aber so ist es einfach. Und diejenigen leben leichter, die das akzeptieren. Du bist momentan in einer furchtbaren Situation, aber auch diese wird vorübergehen.
Es kann durchaus Sinn machen, eine Zeitlang (ob für immer weiß ich nicht; glaube eher nicht) alleine zu bleiben. Denn diese Verletzungen, die einem oft bei einer Trennung des Partners zugefügt werden, sind mit starken physischen Schmerzen vergleichbar, da die selben Areale im Gehirn aktiviert werden. Der Satz "Was dich nicht umbringt, macht dich stärker" stimmt nur bedingt, denn wenn man zu oft zu sehr verletzt wird, dann kann das durchaus auch deutliche Spuren hinterlassen, die man nur schwer wieder los wird. Man muss auf jeden Fall dafür sorgen, dass man genug stressfreie Zeit, genug Liebe und genug Wertschätzung bekommt. Und da kann es sinnvoll sein, mal für einige Jahre in ein relativ ruhiges und leidenschaftsloses Leben zu führen (weder große Hochs noch Tiefs). Dadurch bekommt man so etwas wie Stabilität, was auch sehr wertvoll ist.
Zitat von Dornröschen:Und sie ist nun mal eine Hübsche und 9 Jahre jünger als ich,
Auch wenn es weh tut, aber das ist nicht unnormal. Ich schreibe es öfter, auch in anderen Beiträgen, und wiederhole es hier auch gerne. Die Romantiker wollen es nicht hören, aber der Mensch ist so veranlagt, dass er in erster Linie an sich selbst denkt. Diese Information wird hier im Forum zu wenig mitgeteilt. Wenn jemand mit seinem Partner zusammen ist, dann hauptsächlich deshalb, weil er davon profitiert. Er ist mit ihm zusammen, weil es sich für ihn gut und richtig anfühlt. Er liebt, weil er voller Liebe ist und lieben und geben will. Er kümmert sich, weil er genau das ist, was er im Moment tun will. Wenn dann die Liebe langsam weg geht, bleibt die Beziehung noch eine Zeitlang intakt, weil derjenige, bei dem die Gefühle schwinden, noch eine Weile aus Gewohnheit und des eigenen Gewissens wegen mitmacht. Dauert diese Phase aber zu lange, kommt er an den Punkt, an dem es aus seiner Sicht mehr Vorteile bringt, die Beziehung zu verlassen. Alles im Leben ist ein Abwägen von Vor- und Nachteilen und es gibt immer eine Stelle, ab der es einfacher ist und sich richtiger anfühlt zu handeln (in dem Fall eine neue Partnerschaft einzugehen) als dies nicht zu tun. Da interessieren keine jahrealten Treueschwüre und Versprechungen mehr.
Mich beschäftigt momentan sehr die Frage nach dem freien Willen, nach dem Motto "Kann man das Wollen wollen?". Denn was passiert zum Beispiel mit mir, wenn ich es mit einem Thema zu tun habe, dass das Potential hat, meinen Willen zu verändern? Es handelt sich hierbei meist um stark emotionale Themen, die Partnerschaft ist ein typisches Beispiel dafür. Sehr viele Menschen sind nicht mit dem Partner zusammen, den sie wirklich wollen, sondern mit dem bestmöglichen, den sie kriegen können. Wenn ein fast fünfzigjähriger Mann die Chance bekommt, eine attraktive Frau Mitte Dreißig zu bekommen (und diese ihn vor allem auch will!) dann sind da mit die stärksten Kräfte am Werk, die der Mensch kennt. Wir haben es hier mit evolutionären Kräften zu tun, die sich über hunderttausende Jahre entwickelt haben. Eine Frau, die in einem Alter ist, in dem sie noch gute Fruchtbarkeit bietet, ist sehr attraktiv für den Mann. Ob er Kinder will oder nicht, spielt keine Rolle, denn es sind unbewusste Vorgänge, die da ablaufen. Der Fortpflanzungstrieb ist nach dem Überlebenstrieb (Nahrung, Wasser, Wohnung) der stärkste Trieb des Menschen. Es geht zum einen darum, die Stellung des Homo Sapiens gegenüber den anderen Tieren zu verteidigen, als auch zum anderen darum seine eigenen Gene weiterzugeben und sich somit innerhalb der Homo Sapiens durchzusetzen. Wir sind hier im wahrsten Sinne des Wortes Tiere, die viel mehr instinktgesteuert denken und handeln, als wir es uns oft selbst zugestehen wollen.
Der Unterschied zwischen Mensch und Tier liegt zum Großteil nur darin, dass es beim Menschen eine Lücke zwischen Reiz und Reaktion gibt, die das Tier nicht hat. Diese Lücke ist der freie Wille. Ein Katze beispielsweise kann nicht entscheiden, ob sie zum Angriff übergeht wenn sie eine Maus sieht oder nicht. Ein männlicher fünfzigjähriger Mann kann zwar theoretisch davon absehen zum Angriff überzugehen, wenn er eine fünfunddreißigjährige menschliche Maus sieht, aber nur bis zu dem Punkt, an dem die Summe der Nachteile, die ihm das bringt, die Summe der Vorteile übersteigt. Es gehen sehr viele verschiedene Dinge in diese Gleichung ein: gemeinsame Vergangenheit, eigenes Gewissen, "Was sagen die Leute", Attraktivität der beiden potentiellen Partner, eigenes altern und Verlust der eigenen Attraktivität, Midlife Crisis, "es sich noch einmal beweisen wollen", Sicherheit die die bisherige Partnerin bieten kann aber die neue nicht, Zukunftsaussichten, neue Herausforderung suchen, Selbstverwirklichung, Aussicht auf neue Leidenschaft, Angst etwas zu verpassen, Angst einen Fehler zu machen
wenn man sich trennt ... Es sind Unmengen an Pro und Contra, die für oder gegen die alte Beziehung und für oder gegen die neue Beziehung sprechen. Diese werden mit Wertigkeiten gewichtet, in einen Topf geworfen und einmal kräftig umgerührt. Das alles geschieht unterbewusst und heraus kommt einfach ein Bauchgefühl, das den Willen der betreffenden Person zumindest mitbestimmt.
Wenn sich nun der Wille dahingehend geändert hat, dass der Mann der Frau gar nicht mehr widerstehen WILL, dann sieht er keinen Sinn mehr darin, es nicht zu tun. Es ist dann einfacher für ihn und fühlt sich richtiger an, den Schritt zu gehen, als ihn nicht zu gehen.
Man muss immer aufpassen mit solchen Theorien die den freien Willen infrage stellen, weil man damit wenn man es übertreibt auch die schlimmsten Verbrechen rechtfertigen könnte. Aber ein Anhaltspunkt ist immer, ob es strafbar ist, wenn jemand etwas tut. Alles, was vom Gesetz her legitimiert ist, ist in meinen Augen in Ordnung und jeder darf selbst entscheiden was er tun möchte. Mit der Moralkeule sollte man immer vorsichtig sein, da man selbst schneller in solch eine Situation kommen kann, als einem lieb ist. Das sind dann die Fälle, in denen man sagt "Ich hätte nie gedacht, dass ich sowas mal tun würde.".
Zitat von Dornröschen:Aber anderseits macht sich nun auch die Wut breit.
Das ist gut. Wut ist in dem Fall eine gute Hilfe, dass du über diese schlimme Zeit hinweg kommst. Die Sicht deines Mannes braucht dich nicht zu interessieren. Du hast ein Recht, sauer auf ihn zu sein, denn wie er dich behandelt hat, ist aus deiner Sicht nicht in Ordnung. Mittelfristig kommst du am besten darüber hinweg, indem du lernst, ihm zu verzeihen, denn ab einem bestimmten Punkt leidet derjenige der die Wut und den Zorn in sich trägt selbst am meisten darunter. Aber das wird sehr lange dauern bis du ihm verzeihen kannst und wenn es gar nicht dazu kommt, ist es auch ok. Alles was du fühlst ist in Ordnung.
Zitat von Fidschicat:wenn er sich jetzt vom Typ her was ganz anderes als Dich gesucht hat, dann sag ich mal: wi elang soll das gut gehen?
Zitat von Fidschicat:M.E. zum Scheitern verurteilt, weil der Aufprall aus diesem Höhenflug kommt sicher
Beide Zitate sind meines Erachtens Unsinn. Das hört sich jetzt natürlich gut an und ist auch das, was die TE gerne hört. Aber beides ist völlig aus der Luft gegriffen.