Mal ein Update von mir, weil sich bei mir inzwischen doch einiges verändert hat.
Wir haben nicht nochmal miteinander gesprochen ( nur WhatsApp) und ich habe für mich inzwischen entschieden, nicht mehr auf sie bzw. auf eine Entscheidung von ihr zu warten.
Gefühle sind auf beiden Seiten weiterhin vorhanden. Genau das hat es für mich wahrscheinlich so schwer gemacht, irgendwann einen Schlussstrich unter dieses Warten zu ziehen. Ich hätte einen Neustart weiterhin versucht, allerdings nicht einfach zurück in die alte Beziehung, sondern nur wenn wir beide bereit gewesen wären, an den Punkten zu arbeiten, an denen es bei uns immer wieder gescheitert ist.
In unseren Gesprächen kamen von ihr einige Aussagen, über die ich ziemlich viel nachgedacht habe.
Sie hat unter anderem gesagt, dass sie grundsätzlich die Beziehung noch will bzw. Gefühle da sind, gleichzeitig aber Angst hat, dass wir in drei Monaten wieder genau am selben Punkt stehen. Auf die Frage, ob sie sich mir gegenüber mehr öffnen kann, kam sinngemäß, dass sie nicht weiß, ob sie das kann. Auf meine Frage, was sie eigentlich konkret von mir braucht, konnte sie mir ebenfalls keine wirkliche Antwort geben.
Dazu kam die Aussage, dass es für sie in einer Beziehung am wichtigsten sei, dass ihr Partner glücklich ist. Ob sie selbst glücklich ist, sei ihr dabei eigentlich egal. Das fand ich ziemlich bezeichnend, weil eine Beziehung meiner Meinung nach nicht funktionieren kann, wenn einer dauerhaft seine eigenen Bedürfnisse hintenanstellt und irgendwann das Gefühl bekommt, sich selbst zu verlieren.
Ein wesentlicher Punkt war dann auch ihr Wunsch, einfach sie selbst sein zu können.
Und genau darüber habe ich lange nachgedacht.
Ich möchte überhaupt nicht, dass sie sich für mich verbiegt oder zu einem anderen Menschen wird. Das war nie mein Ziel. Aber ich glaube inzwischen, dass wir unter „ich selbst sein können“ bzw. Freiheit innerhalb einer Beziehung teilweise grundsätzlich unterschiedliche Dinge verstehen.
Wenn ich mir eine Beziehung vorstelle, gehören für mich gewisse Dinge einfach dazu: Kommunikation, Nähe, gemeinsamer Alltag, bewusste Paarzeit, Familienzeit, gegenseitige Rücksichtnahme und auch Grenzen gegenüber anderen Männern bzw. Frauen, wenn dort offensichtlich mehr Interesse vorhanden ist.
Für mich bedeutet Beziehung nicht, dass man sein eigenes Leben aufgibt. Natürlich soll jeder Freunde, Hobbys und Zeit für sich haben. Ich will auch nicht jeden Abend aufeinanderhocken.
Aber wenn Veränderungen an Punkten, die den Partner verletzen oder die Beziehung dauerhaft belasten, bereits dazu führen, dass man das Gefühl bekommt, nicht mehr man selbst sein zu dürfen, dann weiß ich ehrlich gesagt nicht, wie man daraus langfristig eine Beziehung bauen soll, in der beide glücklich sind.
Und ich glaube, genau da liegt inzwischen mein größtes Problem.
Ich kann ihr erklären, was bestimmte Dinge mit mir machen. Ich kann sagen, was ich brauche und wo meine Grenzen liegen. Ich kann genauso meinen eigenen Anteil betrachten und Dinge verändern, die sie an mir stören. Beispielsweise war mein Zocken für sie ein Thema, und auch darüber kann und muss man reden.
Aber ich kann ihre Vorstellung davon, wie sie eine Beziehung leben möchte, nicht für sie verändern.
Und ich möchte inzwischen auch nicht mehr versuchen, sie davon zu überzeugen.
Wenn sie für sich das Gefühl hat, dass sie innerhalb dessen, was ich unter einer Partnerschaft verstehe, nicht sie selbst sein kann, dann kann es am Ende schlicht bedeuten, dass unsere Vorstellungen von Beziehung nicht zusammenpassen. So beschissen das auch ist, wenn gleichzeitig noch Gefühle vorhanden sind.
Genau deshalb habe ich jetzt das Warten beendet.
Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht mehr darauf warten werde, dass sie irgendwann bereit ist oder irgendwann eine Entscheidung trifft. Der Kontakt wird sich für mich erstmal auf unsere Tochter beschränken.
Sollte von ihr irgendwann aus eigenem Antrieb etwas kommen, werde ich dann sehen, was es ist und wie ich damit umgehe. Aber ich werde mein Leben nicht mehr darauf ausrichten und nicht mehr darauf warten.
Was mich selbst dabei überrascht: Ich empfinde keinen Hass und eigentlich auch keinen Groll gegen sie.
Nach dem damaligen Verrat war das anders. Damals konnte ich sehr viel von meinem Schmerz in Wut und Hass umwandeln. Das hat den Abschied auf eine gewisse Weise sogar einfacher gemacht.
Diesmal funktioniert das nicht.
Ich bin einfach wahnsinnig enttäuscht und traurig.
Nicht einmal unbedingt nur darüber, dass die Beziehung vorbei ist, sondern darüber, dass zwei Menschen sich offenbar noch lieben können und es trotzdem nicht schaffen, einen gemeinsamen Weg zu finden.
Ich hätte mir diese kleine Familie gewünscht. Nicht irgendeine perfekte Bilderbuchbeziehung, sondern einen normalen gemeinsamen Alltag: zusammen lachen, sich gegenseitig aufziehen, flirten, Nähe haben, Familienzeit und gleichzeitig auch jeder sein eigenes Leben.
Und von genau dieser Vorstellung verabschiede ich mich gerade ebenfalls.
Vielleicht fällt mir der Abschied deshalb momentan sogar schwerer als damals. Es gibt diesmal keinen Hass, an dem ich mich festhalten kann. Ich kann nicht sagen: „schei. auf sie, nach allem was passiert ist.“
Ich liebe sie noch und gehe trotzdem.
Nicht um irgendeine Reaktion bei ihr auszulösen. Nicht als Kontaktsperre mit dem Hintergedanken, dass sie mich dann vermisst und zurückkommt. Sondern weil ich für mich irgendwann akzeptieren muss, dass Gefühle alleine keine funktionierende Beziehung ergeben.
Falls sie irgendwann tatsächlich etwas verändern und einen Weg mit mir suchen möchte, müsste dieser Schritt jetzt von ihr kommen.
Ich rechne aber nicht mehr damit und möchte auch nicht mehr darauf warten.
Das ist momentan wahrscheinlich der schwierigste Teil daran: Ich habe nicht aufgehört, etwas für sie zu empfinden. Ich habe lediglich aufgehört, darauf zu hoffen, dass ich durch noch mehr Geduld, noch ein Gespräch oder noch eine Erklärung irgendwann die Lösung für uns beide finde.