lulu77
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Ich muss weit ausholen:
Bis zur 6. Klasse begleitete mich eine innige Freundschaft zu einem Jungen, die abrupt mit seinem Wegzug beendet wurde. Wir weinten beide viele, viele Tränen. Er war der Inbegriff meiner kompletten Kindheit. Trotzdem verloren wir den Kontakt und es gab über viele Jahre keinen Tag, an dem er nicht in meinen Gedanken vor kam.
Etwa 15 Jahre später fand er mich auf Facebook. Wir freuten uns beide riesig, schrieben hin und wieder. Das ging so über einige Jahre. Ende des letzten Jahres wurden das Schreiben extrem intensiv. Aus täglich wurde mehrmals täglich, aus dem Schreiben wurde telefonieren. Wir waren mittlerweile beide verheiratet und hatten beide zwei Kinder. Irgendwann beschlossen wir, uns treffen zu wollen - einfach nur so. Uns trennten 200 km und wir trafen uns auf der Hälfte.
Dieses Treffen... ich hätte nie gedacht, dass es sowas gibt, hätte wohl jeden anderen für solche Schilderungen ausgelacht. Wir sahen uns, weinten vor Freude, zitterten vor Aufregung und küssten uns so intensiv wie es uns zuvor nie passiert ist. Es war wie Schicksal.
Von diesem Tag an stand die Welt Kopf. Er blieb täglich länger in seiner Praxis, um mit mir telefonieren zu können. Ich weiß nicht was wir uns nicht alles einfallen ließen. Ja, beide mit dem Wissen, dass wir was falsches machen und dafür schäme ich mich auch sehr. Ich habe sowas immer so verurteilt und nun betrog ich, ausgerechnet ich, den Mann, der zu Hause wirklich alles für mich tat.
Wir genossen trotz allem das Gefühl auf Wolke 7 zu schweben. Wir konnten uns aufgrund der Entfernung kaum sehen, aber waren uns trotzdem ständig so verdammt nah. Telefonierten ständig, chatten...
Im Sommer stand für uns beide gleichzeitig ein Fanilienurlaub an. Der Kontakt beschränkte sich in diesen Tagen auf WhatsApp. Dann passierte das, womit ich NIEMALS gerechnet habe. Er schmiss das Handtuch. Er habe dort so viel Zeit zum Nachdenken und ich würde mit ihm nie über eine Perspektive reden, er wüsste nicht, ob es jemals eine gäbe, denn er könnte seine Kinder nicht im Stich lassen wie sein Vater es getan hätte, er erträgt es nicht, zu wissen, dass mein Mann neben mir liegt, dass er mich nie sehen kann, er hätte nur noch schlechte Laune aus Sehnsucht heraus, er könne einfach nicht mehr.
Mir zog es den Boden unter den Füßen weg. Nie hätte ich bei ihm damit gerechnet, eher dachte ich, dass ich irgendwann kalte Füße kriege.
Das ist 8 Wochen her. Ich habe ihn gebeten, sich nicht mehr zu melden. Es gab deshalb kein abschließendes Telefonat, nur ein paar WhatsApp mit Schuldzuweisungen. Seitdem bekomme ich hier und da in wöchentlichen Abständen ein vermisse dich, wie geht es dir? etc. Mehr nicht. Auch kein Gefühl von Reue. Er steht wohl hinter seiner Entscheidung.
Es tut so verdammt weh! Ich meine zu wissen da nie drüber hinwegzukommen, da er eben nicht irgendwer ist und fast mein Leben lang schon in Kopf und Herz verankert ist.
Ich weiß auch gar nicht was ich mir davon erhoffe, dies alles mir hier vom Herzen zu schreiben. Ich glaube es tut einfach gut zu wissen, dass man damit nicht alleine ist.
Es grüßt Euch Luisa